3.
Ushk Nameh:
Buch der Liebe
Musterbilder
* Noch ein Paar * Lesebuch
* Gewarnt
Versunken
* Bedenklich * Schlechter
Trost
Genügsam
* Gruß * Ergebung *
Unvermeidlich
Geheimes
* Geheimstes
Sage
mir,
Was
mein Herz begehrt?
»Mein
Herz ist bei dir,
Halt
es wert!«
Hör
und bewahre
Wortbild
entzündet, Liebe schürt zu:
Unbekannte
sind sich nah:
Liebe,
nicht Liebesgewinn:
Nur für
einander da:
Liebend
im Alter sah
Süße
Liebeslaune:
Hast
du sie wohl vermerkt?
Ja,
Lieben ist ein groß Verdienst!
Wer
findet schöneren Gewinst? –
Du
wirst nicht mächtig, wirst nicht reich,
Jedoch
den größten Helden gleich.
Man
wird so gut wie vom Propheten
Von
Wamik und von Asra reden. –
Nicht
reden wird man, wird sie nennen:
Die
Namen müssen alle kennen.
Was
sie getan, was sie geübt,
Das
weiß kein Mensch! Daß sie geliebt,
Das
wissen wir. Genug gesagt,
Wenn
man nach Wamik und Asra fragt!
Wunderlichstes
Buch der Bücher
Ist
das Buch der Liebe.
Aufmerksam
hab ichs gelesen:
Wenig
Blätter Freuden,
Ganze
Hefte Leiden;
Einen
Abschnitt macht die Trennung.
Wiedersehn!
ein klein Kapitel,
Fragmentarisch.
Bände Kummers,
Mit
Erklärungen verlängert,
Endlos,
ohne Maß.
O
Nisami! – doch am Ende
Hast
den rechten Weg gefunden:
Unauflösliches,
wer löst es?
Liebende,
sich wiederfindend.
Ja,
die Augen warens, ja, der Mund,
Die
mir blickten, die mich küßten.
Hüfte
schmal, der Leib so rund,
Wie
zu Paradieses Lüsten!
War
sie da? Wo ist sie hin?
Ja,
sie wars, sie hats gegeben,
Hat
gegeben sich im Fliehn
Und
gefesselt all mein Leben.
Auch
in Locken hab ich mich
Gar
zu gern verfangen.
Und
so, Hafis, wärs wie dir
Deinem
Freund ergangen.
Aber
Zöpfe flechten sie,
Nun
aus langen Haaren;
Unterm
Helme fechten sie,
Wie
wir wohl erfahren.
Wer
sich aber wohl besann,
Läßt
sich so nicht zwingen:
Schwere
Ketten fürchtet man,
Rennt
in leichte Schlingen.
Voll
Locken kraus ein Haupt so rund!
Und
darf ich dann in solchen reichen Haaren
Mit
vollen Händen hin und wider fahren,
Da
fühl ich mich von Herzensgrund gesund.
Und
küß ich Stirne, Bogen, Auge, Mund,
Dann
bin ich frisch und immer wieder wund.
Der
fünfgezackte Kamm, wo sollt er stocken?
Er
kehrt schon wieder zu den Locken.
Das
Ohr versagt sich nicht dem Spiel,
Hier
ist nicht Fleisch, hier ist nicht Haut,
So
zart zum Scherz, so liebeviel!
Doch
wie man auf dem Köpfchen kraut,
Man
wird in solchen reichen Haaren
Für
ewig auf und nieder fahren.
So
hast du, Hafis, auch getan,
Wir
fangen es von vornen an.
Soll
ich von Smaragden reden,
Die
dein Finger niedlich zeigt?
Manchmal
ist ein Wort von nöten,
Oft
ists besser, daß man schweigt.
Also
sag ich, daß die Farbe
Grün
und augerquicklich sei!
Sage
nicht, daß Schmerz und Narbe
Zu
befürchten nah dabei!
Immerhin!
du magst es lesen!
Warum
übst du solche Macht!
»So
gefährlich ist dein Wesen
Als
erquicklich der Smaragd.«
Liebchen,
ach! im starren Bande
Zwängen
sich die freien Lieder,
Die
im reinen Himmelslande
Munter
flogen hin und wider.
Allem
ist die Zeit verderblich,
Sie
erhalten sich allein!
Jede
Zeile soll unsterblich,
Ewig
wie die Liebe sein.
Mitternachts
weint und schluchzt ich,
Weil
ich dein entbehrte.
Da
kamen Nachtgespenster
Und
ich schämte mich.
»Nachtgespenster«,
sagt ich,
»Schluchzend
und weinend
Findet
ihr mich, dem ihr sonst
Schlafende
vorüberzogt.
Große
Güter vermiß ich.
Denkt
nicht schlimmer von mir,
Den
ihr sonst weise nanntet,
Großes
Übel betrifft ihn!« –
Und
die Nachtgespenster
Mit
langen Gesichtern
Zogen
vorbei,
Ob
ich weise oder törig,
Völlig
unbekümmert.
»Wie
irrig wähntest du,
Aus
Liebe gehöre das Mädchen dir zu.
Das
könnte mich nun garnicht freuen,
Sie
versteht sich auf Schmeicheleien.«
Dichter
Ich
bin zufrieden, daß ichs habe!
Mir
diene zur Entschuldigung:
Liebe
ist freiwillige Gabe,
Schmeichelei
Huldigung.
O
wie selig ward mir!
Im
Lande wandl ich,
Wo
Hudhud über den Weg läuft.
Des
alten Meeres Muscheln
Im
Stein sucht ich, die versteinten;
Hudhud
lief einher,
Die
Krone entfaltend,
Stolzierte,
neckischer Art,
Über
das Tote scherzend
Der
Lebendge.
»Hudhud«,
sagt ich, »fürwahr!
Ein
schöner Vogel bist du.
Eile
doch, Wiedehopf!
Eile,
der Geliebten
Zu
verkünden, daß ich ihr
Ewig
angehöre.
Hast
du doch auch
Zwischen
Salomo
Und
Sabas Königin
Ehemals
den Kuppler gemacht!«
»Du
vergehst und bist so freundlich,
Verzehrst
dich und singst so schön?«
Dichter
Die
Liebe behandelt mich feindlich!
Da
will ich gern gestehn:
Ich
singe mit schwerem Herzen.
Sieh
doch einmal die Kerzen!
Sie
leuchten, indem sie vergehn.
Eine
Stelle sucht der Liebe Schmerz,
Wo
es recht wüst und einsam wäre;
Da
fand er denn mein ödes Herz
Und
nistete sich in das leere.
Wer
kann gebieten den Vögeln,
Still
zu sein auf der Flur?
Und
wer verbieten zu zappeln
Den
Schafen unter der Schur?
Stell
ich mich wohl ungebärdig,
Wenn
mir die Wolle kraust?
Nein!
die Ungebärden entzwingt mir
Der
Scherer, der mich zerzaust.
Wer
will mir wehren, zu singen
Nach
Lust zum Himmel hinan,
Den
Wolken zu vertrauen,
Wie
lieb sie mirs angetan?
Über
meines Liebchens Äugeln
Stehn
verwundert alle Leute,
Ich,
der Wissende, dagegen
Weiß
recht gut, was das bedeute.
Denn
es heißt: ich liebe diesen,
Und
nicht etwa den und jenen,
Lasset
nur, ihr guten Leute,
Euer
Wundern, euer Sehnen!
Ja,
mit ungeheuren Mächten
Blicket
sie wohl in die Runde,
Doch
sie sucht nur zu verkünden
Ihm
die nächste süße Stunde.
»Wir
sind emsig, nachzuspüren,
Wir,
die Anekdotenjäger,
Wer
dein Liebchen sei und ob du
Nicht
auch habest viele Schwäger.
Denn
daß du verliebt bist, sehn wir,
Mögen
dir es gerne gönnen;
Doch,
daß Liebchen so dich liebe,
Werden
wir nicht glauben können.«
Ungehindert,
liebe Herren,
Sucht
sie auf! Nur hört das eine:
Ihr
erschrecket, wenn sie dasteht;
Ist
sie fort, ihr kost dem Scheine.
Wißt
ihr, wie Schehâb-eddin
Sich
auf Arafat entmantelt,
Niemand
haltet ihr für törig,
Der
in seinem Sinne handelt.
Wenn
vor deines Kaisers Throne
Oder
vor der Vielgeliebten
Je
dein Name wird gesprochen,
Sei
es dir zu höchstem Lohne.
Darum
wars der höchste Jammer,
Als
einst Medschnun sterbend wollte,
Daß
vor Leila seinen Namen
Man
forthin nicht nennen sollte.
4.
Tefkir Nameh:
Buch der Betrachtungen
Fünf
Dinge * Fünf andere
An
Schah Sedschan und seinesgleichen * Höchste
Gunst
Ferdusi
spricht * Dschelal-eddin Rumi
spricht * Suleika spricht
Höre
den Rat, den die Leier tönt!
Doch
er nutzet nur, wenn du fähig bist.
Das
glücklichste Wort, es wird verhöhnt,
Wenn
der Hörer ein Schiefohr ist.
»Was
tönt denn die Leier?« Sie tönet laut:
Die
schönste, das ist nicht die beste Braut;
Doch
wenn wir dich unter uns zählen sollen,
So
mußt du das Schönste, das Beste wollen.
Fünf
Dinge bringen fünfe nicht hervor,
Du,
dieser Lehre öffne du dein Ohr:
Der
stolzen Brust wird Freundschaft nicht entsprossen;
Unhöflich
sind der Niedrigkeit Genossen;
Ein
Bösewicht gelangt zu keiner Größe;
Der
Neidische erbarmt sich nicht der Blöße;
Der
Lügner hofft vergeblich Treu und Glauben –
Das
halte fest und niemand laß dirs rauben!
Was
verkürzt mir die Zeit?
Was macht
sie unerträglich lang?
Was bringt
in Schulden?
Was macht
Gewinnen?
Was bringt
zu Ehren?
Lieblich
ist des Mädchens Blick, der winket;
Trinkers
Blick ist lieblich, eh er trinket,
Gruß
des Herren, der befehlen konnte,
Sonnenschein
im Herbst, der sich besonnte.
Lieblicher
als alles dieses habe
Stets
vor Augen, wie sich kleiner Gabe
Dürftge
Hand so hübsch entgegendränget,
Zierlich
dankbar, was du reichst, empfänget.
Welch
ein Blick! ein Gruß! ein sprechend Streben!
Schau
es recht und du wirst immer geben.
Und
was im Pend-Nameh steht,
Ist
dir aus der Brust geschrieben:
Jeden,
dem du selber gibst,
Wirst
du wie dich selber lieben.
Reiche
froh den Pfennig hin,
Häufe
nicht ein Goldvermächtnis,
Eile
freudig vorzuziehn
Gegenwart
vor dem Gedächtnis.
Reitest
du bei einem Schmied vorbei,
Weißt
du nicht, wann er dein Pferd beschlägt;
Siehst
du eine Hütte im Felde frei,
Weißt
nicht, ob sie dir ein Liebchen hegt;
Einem
Jüngling begegnest du, schön und kühn,
Er
überwindet dich künftig oder du ihn.
Am
sichersten kannst du vom Rebstock sagen,
Er
werde für dich was Gutes tragen.
So
bist du denn der Welt empfohlen,
Das
übrige will ich nicht wiederholen.
Den
Gruß des Unbekannten ehre ja!
Er
sei dir wert als alten Freundes Gruß.
Nach
wenig Worten sagt ihr Lebewohl!
Zum
Osten du, er westwärts, Pfad an Pfad –
Kreuzt
euer Weg nach vielen Jahren drauf
Sich
unerwartet, ruft ihr freudig aus:
»Er
ist es! ja, da wars!« als hätte nicht
So
manche Tagefahrt zu Land und See,
So
manche Sonnenkehr sich drein gelegt.
Nun
tauschet War um Ware, teilt Gewinn!
Ein
alt Vertrauen wirke neuen Bund –
Der
erste Gruß ist viele tausend wert,
Drum
grüße freundlich jeden, der begrüßt!
Haben
sie von deinen Fehlen
Immer
viel erzählt
Und
für wahr sie zu erzählen,
Vielfach
sich gequält.
Hätten
sie von deinem Guten
Freundlich
dir erzählt,
Mit
verständig treuen Winken,
Wie
man Beßres wählt:
O
gewiß! das Allerbeste
Blieb
mir nicht verhehlt,
Das
fürwahr nur wenig Gäste
In
der Klause zählt.
Nun
als Schüler mich, zu kommen
Endlich
auserwählt,
Lehret
mich der Buße Frommen,
Wenn
der Mensch gefehlt.
Märkte
reizen dich zum Kauf;
Doch
das Wissen blähet auf.
Wer
im Stillen um sich schaut,
Lernet,
wie die Lieb erbaut.
Bist
du Tag und Nacht beflissen,
Viel
zu hören, viel zu wissen,
Horch
an einer andern Türe,
Wie
zu wissen sich gebühre.
Soll
das Rechte zu dir ein,
Fühl
in Gott was Rechts zu sein:
Wer
von reiner Lieb entbrannt,
Wird
vom lieben Gott erkannt.
Wie
ich so ehrlich war,
Hab
ich gefehlt,
Und
habe Jahre lang
Mich
durchgequält.
Ich
galt und galt auch nicht.
Was
sollt es heißen?
Nun
wollt ich Schelm sein,
Tät
mich befleißen;
Das
wollt mir garnicht ein,
Mußt
mich zerreißen.
Da
dacht ich: Ehrlich sein
Ist
doch das Beste;
War
es nur kümmerlich,
So
steht es feste.
Frage
nicht, durch welche Pforte
Du
in Gottes Stadt gekommen,
Sondern
bleib am stillen Orte,
Wo
du einmal Platz genommen.
Schaue
dann umher nach Weisen
Und
nach Mächtgen, die befehlen;
Jene
werden unterweisen,
Diese
Tat und Kräfte stählen.
Wenn
du nützlich und gelassen
So
dem Staate treu geblieben,
Wisse!
niemand wird dich hassen,
Und
dich werden viele lieben.
Und
der Fürst erkennt die Treue,
Sie
erhält die Tat lebendig;
Dann
bewährt sich auch das Neue
Nächst
dem Alten erst beständig.
Woher
ich kam? Es ist noch eine Frage;
Mein
Weg hierher, der ist mir kaum bewußt,
Heut
nun und hier am himmelfrohen Tage
Begegnen
sich, wie Freunde, Schmerz und Lust.
O
süßes Glück, wenn beide sich vereinen!
Einsam,
wer möchte lachen, möchte weinen?
Es
geht eins nach dem andern hin,
Und
auch wohl vor dem andern;
Drum
laßt uns rasch und brav und kühn
Die
Lebenswege wandern.
Es
hält dich auf, mit Seitenblick
Der
Blumen viel zu lesen;
Doch
hält nichts grimmiger zurück,
Als
wenn du falsch gewesen.
Behandelt
die Frauen mit Nachsicht!
Aus
krummer Rippe ward sie erschaffen;
Gott
konnte sie nicht ganz grade machen.
Willst
du sie biegen, sie bricht;
Läßt
du sie ruhig, sie wird noch krümmer:
Du
guter Adam, was ist denn schlimmer? –
Behandelt
die Frauen mit Nachsicht:
Es
ist nicht gut, daß euch eine Rippe bricht.
Das
Leben ist ein schlechter Spaß:
Dem
fehlts an Dies, dem fehlts an Das,
Der
will nicht wenig, der zu viel,
Und
Kann und Glück kommt auch ins Spiel.
Und
hat sichs Unglück drein gelegt,
Jeder,
wie er nicht wollte, trägt.
Bis
endlich Erben mit Behagen
Herrn
Kannicht-Willnicht weiter tragen.
Das
Leben ist ein Gänsespiel:
Je
mehr man vorwärts gehet,
Je
früher kommt man an das Ziel,
Wo
niemand gerne stehet.
Man
sagt, die Gänse wären dumm,
O,
glaubt mir nicht den Leuten:
Denn
eine sieht einmal sich rum,
Mich
rückwärts zu bedeuten.
Ganz
anders ists in dieser Welt,
Wo
alles vorwärts drücket:
Wenn
einer stolpert oder fällt,
Keine
Seele rückwärts blicket.
»Die
Jahre nahmen dir, du sagst, so vieles:
Die
eigentliche Lust des Sinnespieles;
Erinnerung
des allerliebsten Tandes
Von
gestern, weit- und breiten Landes
Durchschweifen
frommt nicht mehr; selbst nicht von oben
Der
Ehren anerkannte Zier, das Loben,
Erfreulich
sonst. Aus eignem Tun Behagen
Quillt
nicht mehr auf, dir fehlt ein dreistes Wagen!
Nun
wüßt ich nicht, was dir Besondres bliebe!«
Mir
bleibt genug! Es bleibt Idee und Liebe!
Vor
den Wissenden sich stellen,
Sicher
ists in allen Fällen!
Wenn
du lange dich gequälet,
Weiß
er gleich, wo dir es fehlet.
Auch
auf Beifall darfst du hoffen;
Denn
er weiß, wo dus getroffen.
Freigebiger
wird betrogen,
Geizhafter
ausgesogen
Verständiger
irrgeleitet,
Vernünftiger
leer geweitet,
Der
Harte wird umgangen,
Der
Gimpel wird gefangen.
Beherrsche
diese Lüge,
Betrogener,
betrüge!
Wer
befehlen kann, wird loben,
Und
er wird auch wieder schelten,
Und
das muß dir, treuer Diener,
Eines
wie das andre gelten.
Denn
er lobt wohl das Geringe,
Schilt
auch, wo er sollte loben:
Aber
bleibst du guter Dinge,
Wird
er dich zuletzt erproben.
Und
so haltets auch, ihr Hohen,
Gegen
Gott wie der Geringe:
Tut
und leidet, wie sichs findet,
Bleibt
nur immer guter Dinge!
An
Schah Sedschan und seinesgleichen
Durch
allen Schall und Klang
Der
Transoxanen
Erkühnt
sich unser Sang
Auf
deine Bahnen!
Uns
ist für garnichts bang,
In
dir lebendig,
Dein
Leben daure lang,
Dein
Reich beständig!
Ungezähmt,
so wie ich war,
Hab
ich einen Herrn gefunden
Und,
gezähmt nach manchem Jahr,
Eine
Herrin auch gefunden.
Da
sie Prüfung nicht gespart,
Haben
sie mich treu gefunden
Und
mit Sorgfalt mich bewahrt
Als
den Schatz, den sie gefunden.
Niemand
diente zweien Herrn,
Der
dabei sein Glück gefunden:
Herr
und Herrin sehn es gern,
Daß
sie beide mich gefunden,
Und
mir leuchtet Glück und Stern,
Da
ich beide sie gefunden.
O
Welt! wie schamlos und boshaft du bist!
Du
nährst und erzieltest und tötest zugleich.
Nur
wer von Allah begünstigt ist,
Der
nährt sich, erzieht sich, lebendig und reich.
Was
heißt denn Reichtum? – Eine wärmende Sonne,
Genießt
sie der Bettler, wie wir sie genießen!
Es
möge doch keinen der Reichen verdrießen
Des
Bettlers im Eigensinn selige Wonne!
Verweilst
du in der Welt, sie flieht als Traum,
Du
reisest, ein Geschick bestimmt den Raum;
Nicht
Hitze, Kälte nicht vermagst du festzuhalten,
Und
was dir blüht, sogleich wird es veralten.
Der
Spiegel sagt mir: ich bin schön
Ihr
sagt: zu altern, sei auch mein Geschick.
Vor
Gott muß alles ewig stehn;
In
mir liebt ihn für diesen Augenblick!
5.
Rendsch Nameh:
Buch des Unmuts
Wanderers
Gemütsruhe * Wer
nicht von dreitausend Jahren
Der
Prophet spricht * Timur spricht
»Wo
hast du das genommen?
Wie
konnt es zu dir kommen?
Wie
aus dem Lebensplunder
Erwarbst
du diesen Zunder,
Der
Funken letzte Gluten
Von
frischem zu ermuten?«
Euch
mög es nicht bedünkeln,
Es
sei gemeines Fünkeln:
Auf
ungemeßner Ferne,
Im
Ozean der Sterne,
Mich
hatt ich nicht verloren;
Ich
war wie neu geboren.
Von
weißer Schafe Wogen
Die
Hügel überzogen,
Umsorgt
von ernsten Hirten,
Die
gern und schmal bewirten,
So
ruhig-liebe Leute,
Daß
jeder mich erfreute.
In
schauerlichen Nächten,
Bedrohet
von Gefechten,
Das
Stöhnen der Kamele
Durchdrang
das Ohr, die Seele,
Und
derer, die sie führen,
Einbildung
und Stolzieren.
Und
immer ging es weiter
Und
immer ward es breiter,
Und
unser ganzes Ziehen,
Es
schien ein ewig Fliehen.
Blau,
hinter Wüst und Heere,
Der
Streif erlogner Meere.
Keinen
Reimer wird man finden,
Der
sich nicht den besten hielte,
Keinen
Fiedler, der nicht lieber
Eigne
Melodien spielte.
Und
ich konnte sie nicht tadeln;
Wenn
wir andern Ehre geben,
Müssen
wir uns selbst entadeln.
Lebt
man denn, wenn andre leben?
Und
so fand ichs denn auch juste
In
gewissen Antichambern,
Wo
man nicht zu sondern wußte
Mäusedreck
von Koriandern.
Das
Gewesne wollte hassen
Solche
rüstge neue Besen,
Diese
dann, nicht gelten lassen,
Was
sonst Besen war gewesen.
Und
wo sich die Völker trennen,
Gegenseitig
im Verachten,
Keins
von beiden wird bekennen,
Daß
sie nach demselben trachten.
Und
das grobe Selbstempfinden
Haben
Leute hart gescholten,
Die
am wenigsten verwinden,
Wenn
die andern was gegolten.
Befindet
sich einer heiter und gut,
Gleich
will ihn der Nachbar peingen;
Solang
der Tüchtige lebt und tut,
Möchten
sie ihn gerne steingen.
Ist
er hinterher aber tot,
Gleich
sammeln sie große Spenden,
Zu
Ehren seiner Lebensnot
Ein
Denkmal zu vollenden.
Doch
ihren Vorteil sollte dann
Die
Menge wohl ermessen:
Gescheiter
wärs, den guten Mann
Auf
immerdar vergessen.
Übermacht,
ihr könnt es spüren,
Ist
nicht aus der Welt zu bannen;
Mir
gefällt zu konvergieren
Mit
Gescheiten, mit Tyrannen.
Da
die dummen Eingeengten
Immerfort
am stärksten pochten,
Und
die Halben, die Beschränkten
Gar
zu gern uns unterjochten,
Hab
ich mich für frei erkläret
Von
den Narren, von den Weisen;
Diese
bleiben ungestöret,
Jene
möchten sich zerreißen;
Denken,
in Gewalt und Liebe
Müßten
wir zuletzt uns gatten,
Machen
mir die Sonne trübe
Und
erhitzen mir den Schatten.
Hafis
auch und Ulrich Hutten
Mußten
ganz bestimmt sich rüsten
Gegen
braun und blaue Kutten:
Meine
gehn wie andre Christen.
»Aber
nenn uns doch die Feinde!«
Niemand
soll sie unterscheiden;
Denn
ich hab in der Gemeinde
Schon
genug daran zu leiden.
Wenn
du auf dem Guten ruhst,
Nimmer
werd ichs tadeln;
Wenn
du gar das Gute tust,
Sieh,
das soll dich adeln!
Hast
du aber deinen Zaun
Um
dein Gut gezogen,
Leb
ich frei und lebe traun
Keineswegs
betrogen.
Denn
die Menschen, sie sind gut,
Würden
besser bleiben,
Sollte
nicht, wies einer tut,
Auch
der andre treiben.
Auf
dem Weg, da ists ein Wort,
Niemand
wirds verdammen:
»Wollen
wir an einen Ort,
Nun
wir gehn zusammen!«
Vieles
wird sich da und hie
Uns
entgegenstellen:
In
der Liebe mag man nie
Helfer
und Gesellen;
Geld
und Ehre hätte man
Gern
allein zur Spende;
Und
der Wein, der treue Mann,
Der
entzweit am Ende.
Hat
doch über solches Zeug
Hafis
auch gesprochen,
Über
manchen dummen Streich
Sich
den Kopf zerbrochen;
Und
ich seh nicht, was es frommt,
Aus
der Welt zu laufen,
Magst
du, wenn das Schlimmste kommt,
Auch
einmal dich raufen!
Als
wenn das auf Namen ruhte,
Was
sich schweigend nur entfaltet!
Lieb
ich doch das schöne Gute,
Wie
es sich aus Gott gestaltet!
Jemand
lieb ich, das ist nötig.
Niemand
haß ich; soll ich hassen,
Auch
dazu bin ich erbötig,
Hasse
gleich in ganzen Massen.
Willst
sie aber näher kennen?
Sieh
aufs Rechte, sieh aufs Schlechte:
Was
sie ganz fürtrefflich nennen,
Ist
wahrscheinlich nicht das Rechte.
Denn
das Rechte zu ergreifen,
Muß
man aus dem Grunde leben,
Und
salbadrisch auszuschweifen,
Dünket
mich ein seicht Bestreben.
Wohl,
Herr Knitterer, er kann sich
Mit
Zersplitterer vereinen,
Und
Verwitterer alsdann sich
Allenfalls
der Beste scheinen!
Daß
nur immer in Erneuung
Jeder
täglich Neues höre,
Und
zugleich auch die Zerstreuung
Jeden
in sich selbst zerstöre!
Dies
der Landsmann wünscht und liebet
Mag
er Deutsch, mag Teutsch sich schreiben,
Liedchen
aber heimlich piepet:
Also
war es und wird bleiben.
Medschnun
heißt – ich will nicht sagen,
Daß
es grad ein Toller heiße,
Doch
ihr müßt mich nicht verklagen,
Daß
ich mich als Medschnun preise.
Wenn
die Brust, die redlich volle,
Sich
entladet, euch zu retten,
Ruft
ihr nicht: »Das ist der Tolle!
Holet
Stricke, schaffet Ketten!«
Und
wenn ihr zuletzt in Fesseln
Seht
die Klügeren verschmachten,
Sengt
es euch wie Feuernesseln,
Das
vergebens zu betrachten.
Hab
ich euch denn je geraten,
Wie
ihr Kriege führen solltet?
Schalt
ich euch, nach euren Taten,
Wenn
ihr Friede schließen wolltet?
Und
so hab ich auch den Fischer
Ruhig
sehen Netze werfen,
Brauchte
dem gewandten Tischer
Winkelmaß
nicht einzuschärfen.
Aber
ihr wollt besser wissen,
Was
ich weiß, der ich bedachte,
Was
Natur, für mich beflissen,
Schon
zu meinem Eigen machte.
Fühlt
ihr euch dergleichen Stärke?
Nun,
so fördert eure Sachen!
Seht
ihr aber meine Werke,
Lernet
erst: so wollt ers machen!
Übers
Niederträchtige
Niemand
sich beklage!
Denn
es ist das Mächtige,
Was
man dir auch sage.
In
dem Schlechten waltet es
Sich
zu Hochgewinne,
Und
mit Rechtem schaltet es
Ganz
nach seinem Sinne.
Wandrer!
– Gegen solche Not
Wolltest
du dich sträuben?
Wirbelwind
und trocknen Kot,
Laß
sie drehn und stäuben!
Wer
wird von der Welt verlangen,
Was
sie selbst vermißt und träumet,
Rückwärts
oder seitwärts blickend,
Stets
den Tag des Tags versäumt?
Ihr
Bemühn, ihr guter Wille
Hinkt
nur nach dem raschen Leben,
Und
was du vor Jahren brauchtest,
Möchte
sie dir heute geben.
Sich
selbst zu loben, ist ein Fehler,
Doch
jeder tuts, der etwas Gutes tut;
Und
ist er dann in Worten kein Verhehler,
Das
Gute bleibt doch immer gut.
Laßt
doch, ihr Narren, doch die Freude
Dem
Weisen, der sich weise hält,
Daß
er, ein Narr wie ihr, vergeude
Den
abgeschmackten Dank der Welt.
Glaubst
du denn: von Mund zu Ohr
Sei
ein redlicher Gewinnst?
Überliefrung,
o du Tor,
Ist
auch wohl ein Hirngespinst.
Nun
geht erst das Urteil an:
Dich
vermag aus Glaubensketten
Der
Verstand allein zu retten,
Dem
du schon Verzicht getan.
Und
wer franzet oder britet,
Italienert
oder teutschet,
Einer
will nur wie der andre,
Was
die Eigenliebe heischet.
Denn
es ist kein Anerkennen,
Weder
vieler, noch des einen,
Wenn
es nicht am Tage fördert,
Wo
man selbst was möchte scheinen.
Morgen
habe denn das Rechte
Seine
Freunde wohlgesinnet,
Wenn
nur heute noch das Schlechte
Vollen
Platz und Gunst gewinnet.
Wer
nicht von dreitausend Jahren
Sich
weiß Rechenschaft zu geben,
Bleib
im Dunkeln unerfahren,
Mag
von Tag zu Tage leben.
Sonst,
wenn man den heiligen Koran zitierte,
Nannte
man die Sure, den Vers dazu,
Und
jeder Moslim, wie sichs gebührte,
Fühlte
sein Gewissen in Respekt und Ruh.
Die
neuen Derwische wissens nicht besser,
Sie
schwatzen das Alte, das Neue dazu;
Die
Verwirrung wird täglich größer,
O
heiliger Koran! O ewige Ruh!
Ärgerts
jemand, daß es Gott gefallen,
Mahomet
zu gönnen Schutz und Glück,
An
den stärksten Balken seiner Hallen,
Da
befestig er den derben Strick,
Knüpfe
sich daran! Das hält und trägt.
Er
wird fühlen, daß sein Zorn sich legt.
Was?
Ihr mißbilliget den kräftgen Sturm
Des
Übermuts, verlogne Pfaffen?
Hätt
Allah mich bestimmt zum Wurm,
So
hätt er mich als Wurm geschaffen.
6.
Hikmet Nameh:
Buch der Sprüche
Mein
Erbteil * Getretner Quark * Vertrauter
* Wesir * Die
Poeten
Talismane
werd ich in dem Buch zerstreuen;
Das
bewirkt ein Gleichgewicht.
Wer
mit gläubger Nadel sticht,
Überall
soll gutes Wort ihn freuen.
Vom
heutgen Tag, von heutger Nacht
Verlange
nichts,
Als
was die gestrigen gebracht.
Wer
geboren in bössten Tagen,
Dem
werden selbst die bösen behagen.
Wie
etwas sei leicht,
Weiß,
der es erfunden und der es erreicht.
Das
Meer flutet immer,
Das
Land behält es nimmer.
Was
wird mir jede Stunde so bang? –
Das
Leben ist kurz, der Tag ist lang.
Und
immer sehnt sich fort das Herz,
Ich
weiß nicht recht, ob himmelwärts;
Fort
aber will es hin und hin,
Und
möchte vor sich selber fliehn.
Und
fliegt es an der Liebsten Brust,
Da
ruhts im Himmel unbewußt.
Des
Lebens Strudel reißt es fort,
Und
immer hängts an einem Ort,
Was
es gewollt, was es verlor,
Es
bleibt zuletzt sein eigner Tor.
Prüft
das Geschick dich, weiß es wohl warum:
Es
wünschte dich enthaltsam! Folge stumm!
Noch
ist es Tag; da rühre sich der Mann!
Die
Nacht tritt ein, wo niemand wirken kann.
Was
machst du an der Welt? Sie ist schon gemacht.
Der
Herr der Schöpfung hat alles bedacht,
Dein
Los ist gefallen, verfolge die Weise,
Der
Weg ist begonnen, vollende die Reise.
Denn
Sorgen und Kummer verändern es nicht,
Sie
schleudern dich ewig aus gleichem Gewicht.
Wenn
der Schwergedrückte klagt,
Hilfe,
Hoffnung sei versagt,
Bleibet
heilsam fort und fort
Immer
noch ein freundlich Wort.
»Wie
ungeschickt habt ihr euch benommen,
Da
euch das Glück ins Haus gekommen!«
Das
Mädchen hats nicht übel genommen
Und
ist noch ein paarmal wieder gekommen.
Mein
Erbteil wie herrlich, weit und breit!
Die
Zeit ist mein Besitz, mein Acker ist die Zeit.
Gutes
tu rein aus des Guten Liebe!
Das
überliefre deinem Blut.
Und
wenns den Kindern nicht verbliebe,
Den
Enkeln kommt es doch zu gut.
Enweri
sagts, ein Herrlichster der Männer,
Des
tiefsten Herzens, höchsten Hauptes Kenner:
»Dir
frommt an jedem Ort, zu jeder Zeit
Geradheit,
Urteil und Verträglichkeit.«
Was
klagst du über Feinde?
Sollten
solche je werden Freunde,
Denen
das Wesen, wie du bist,
Im
stillen ein ewiger Vorwurf ist?
Dümmer
ist nichts zu ertragen,
Als
wenn Dumme sagen den Weisen,
Daß
sie sich in großen Tagen
Sollten
bescheidentlich erweisen.
Wenn
Gott so schlechter Nachbar wäre,
Als
ich bin und als du bist,
Wir
hätten beide wenig Ehre;
Der
läßt einen jeden, wie er ist.
Gestehts!
die Dichter des Orients
Sind
größer als wir des Occidents.
Worin
wir sie aber völlig erreichen,
Das
ist im Haß auf unsresgleichen.
Überall
will jeder obenauf sein,
Wies
eben in der Welt so geht,
Jeder
sollte freilich grob sein,
Aber
nur in dem, was er versteht.
Verschon
uns, Gott, mit deinem Grimme!
Zaunkönige
gewinnen Stimme.
Will
der Neid sich doch zerreißen,
Laß
ihn seinen Hunger speisen.
Sich
im Respekt zu erhalten,
Muß
man recht borstig sein.
Alles
jagt man mit Falken,
Nur
nicht das wilde Schwein.
Was
hilfts dem Pfaffenorden,
Der
mir den Weg verrannt?
Was
nicht gerade erfaßt worden,
Wird
auch schief nicht erkannt.
Einen
Helden mit Lust preisen und nennen
Wird
jeder, der selbst als Kühner stritt.
Des
Menschen Wert kann niemand erkennen,
Der
nicht selbst Hitze und Kälte litt.
Gutes
tu rein aus des Guten Liebe!
Was
du tust, verbleibt dir nicht;
Und
wenn es auch dir verblieben
Bleibt
es deinen Kindern nicht.
Soll
man dich nicht aufs schmählichste berauben,
Verbirg
dein Gold, dein Weggehn, deinen Glauben!
Wie
kommts, daß man an jedem Orte
So
viel Gutes, so viel Dummes hört?
Die
Jüngsten wiederholen der Ältesten Worte
Und
glauben, daß es ihnen angehört.
Laß
dich nur in keiner Zeit
Zum
Widerspruch verleiten!
Weise
fallen in Unwissenheit,
Wenn
sie mit Unwissenden streiten.
»Warum
ist Wahrheit fern und weit?
Birgt
sich hinab in tiefste Gründe?«
Niemand
versteht zur rechten Zeit! –
Wenn
man zur rechten Zeit verstünde,
So
wäre Wahrheit nah und breit
Und
wäre lieblich und gelinde.
Was
willst du untersuchen,
Wohin
die Milde fließt!
Ins
Wasser wirf deine Kuchen;
Wer
weiß, wer sie genießt!
Als
ich einmal eine Spinne erschlagen,
Dacht
ich, ob ich das wohl gesollt?
Hat
Gott ihr doch wie mir gewollt
Einen
Anteil an diesen Tagen!
»Dunkel
ist die Nacht, bei Gott ist Licht.«
Warum
hat er uns nicht auch so zugericht?
Welch
eine bunte Gemeinde!
An
Gottes Tisch sitzen Freund und Feinde.
Ihr
nennt mich einen kargen Mann;
Gebt
mir, was ich verprassen kann!
Soll
ich dir die Gegend zeigen,
Mußt
du erst das Dach besteigen.
Wer
schweigt, hat wenig zu sorgen;
Der
Mensch bleibt unter der Zunge verborgen.
Ein
Herre mit zwei Gesind,
Er
wird nicht wohl gepflegt.
Ein
Haus, worin zwei Weiber sind,
Es
wird nicht rein gefegt.
Ihr
lieben Leute, bleibt dabei
Und
sagt nur: »Autos epha!«
Was
sagt ihr lange Mann und Weib?
Adam,
so heißts, und Eva!
Wofür
ich Allah höchlich danke?
Daß
er Leiden und Wissen getrennt.
Verzweifeln
müßte jeder Kranke,
Das
Übel kennend, wie der Arzt es kennt.
Närrisch,
daß jeder in seinem Falle
Seine
besondere Meinung preist!
Wenn
Islam »Gott ergeben« heißt,
In
Islam leben und sterben wir alle.
Wer
auf die Welt kommt, baut ein neues Haus,
Er
geht und läßt es einem zweiten;
Der
wird sichs anders zubereiten.
Und
niemand baut es aus.
Wer
in mein Haus tritt, der kann schelten,
Was
ich ließ viele Jahre gelten;
Vor
der Tür aber müßt er passen,
Wenn
ich ihn nicht wollte gelten lassen.
Herr,
laß dir gefallen
Dieses
kleine Haus!
Größre
kann man bauen,
Mehr
kommt nicht heraus.
Du
bist auf immer geborgen,
Das
nimmt dir niemand wieder:
Zwei
Freunde ohne Sorgen,
Weinbecher,
Büchlein Lieder.
»Was
brachte Lokman nicht hervor,
Den
man den Garstgen hieß!«
Die
Süßigkeit liegt nicht im Rohr,
Der
Zucker, der ist süß.
Herrlich
ist der Orient
Übers
Mittelmeer gedrungen;
Nur
wer Hafis liebt und kennt,
Weiß,
was Calderon gesungen.
»Was
schmückst du die eine Hand denn nun
Weit
mehr als ihr gebührte?«
Was
sollte denn die Linke tun,
Wenn
sie die Rechte nicht zierte?
Wenn
man auch nach Mekka triebe
Christus
Esel, würd er nicht
Dadurch
besser abgericht,
Sondern
stets ein Esel bliebe.
Getretner
Quark
Wird
breit, nicht stark. –
Schlägst
du ihn aber mit Gewalt
In
feste Form, er nimmt Gestalt.
Dergleichen
Steine wirst du kennen.
Europäer
Pisé sie nennen.
Betrübt
euch nicht, ihr guten Seelen!
Denn
wer nicht fehlt, weiß wohl, wenn andre fehlen;
Allein
wer fehlt, der ist erst recht daran,
Er
weiß nun deutlich, wie sie wohl getan.
»Du
hast gar vielen nicht gedankt,
Die
dir so manches Gute gegeben!«
Darüber
bin ich nicht erkrankt,
Ihre
Gaben mir im Herzen leben.
Guten
Ruf mußt du dir machen,
Unterscheiden
wohl die Sachen;
Wer
was weiter will, verdirbt.
Die
Flut der Leidenschaft, sie stürmt vergebens
Ans
unbezwungne feste Land:
Sie
wirft poetische Perlen an den Strand,
Und
das ist schon Gewinn des Lebens.
Du
hast so manche Bitte gewährt,
Und
wenn sie dir auch schädlich war;
Der
gute Mann da hat wenig begehrt,
Dabei
hat es doch keine Gefahr.
Der
gute Mann hat wenig begehrt,
Und
hätt ichs ihm sogleich gewährt,
Er
auf der Stelle verloren war.
Schlimm
ist es, wie doch wohl geschieht,
Wenn
Wahrheit sich nach dem Irrtum zieht.
Das
ist auch manchmal ihr Behagen:
Wer
wird so schöne Frau befragen?
Herr
Irrtum, wollt er an Wahrheit sich schließen,
Das
sollte Frau Wahrheit baß verdrießen.
Wisse,
daß mir sehr mißfällt,
Wenn
so viele singen und reden!
Wer
treibt die Dichtkunst aus der Welt?
Die
Poeten!
7.
Timur Nameh:
Buch des Timur
Der
Winter und Timur * An Suleika
So
umgab sie nun der Winter
Mit
gewaltgem Grimme. Streuend
Seinen
Eishauch zwischen alle,
Hetzt
er die verschiednen Winde
Widerwärtig
auf sie ein.
Über
sie gab er Gewaltkraft
Seinen
frostgespitzten Stürmen,
Stieg
in Timurs Rat hernieder,
Schrie
ihn drohend an und sprach so:
»Leise,
langsam, Unglückselger!
Wandle,
du Tyrann des Unrechts!
Sollen
länger noch die Herzen
Sengen,
brennen deinen Flammen?
Bist
du der verdammten Geister
Einer:
wohl! ich bin der andre.
Du
bist Greis; ich auch! Erstarren
Machen
wir so Land als Menschen.
Mars,
du bists! Ich bin Saturnus;
Übeltätige
Gestirne,
Im
Verein die schrecklichsten.
Tötest
du die Seele, kältest
Du
den Luftkreis: meine Lüfte
Sind
noch kälter, als du sein kannst.
Quälen
deine wilden Heere
Gläubige
mit tausend Martern:
Wohl!
in meinen Tagen soll sich,
Geb
es Gott! was Schlimmres finden,
Und,
bei Gott! dir schenk ich nichts.
Hör
es Gott, was ich dir biete!
Ja,
bei Gott! von Todeskälte
Nicht,
o Greis, verteidigen soll dich
Breite
Kohlenglut vom Herde,
Keine
Flamme des Dezembers!«
Dir
mit Wohlgeruch zu kosen,
Deine
Freuden zu erhöhn,
Knospend
müssen tausend Rosen
Erst
in Gluten untergehn.
Um
ein Fläschchen zu besitzen,
Das
den Ruch auf ewig hält,
Schlank
wie deine Fingerspitzen,
Da
bedarf es einer Welt.
Einer
Welt von Lebenstrieben,
Die
in ihrer Fülle Drang
Ahneten
schon Bulbuls lieben,
Seelerregenden
Gesang.
Sollte
jene Qual uns quälen,
Da
sie unsre Lust vermehrt?
Hat
nicht Myriaden Seelen
Timurs
Herrschaft aufgezehrt?