Doch
ich fühle schon Erbarmen
Im
Karfunkel deines Blicks
Und
erfreu in deinen Armen
Mich
erneuerten Geschicks.
Was
so willig du gegeben,
Bringt
dir herrlichen Gewinn;
Meine
Ruh, mein reiches Leben
Geb
ich freudig: nimm es hin!
Scherze
nicht! Nichts von Verarmen!
Macht
uns nicht die Liebe reich?
Halt
ich dich in meinen Armen,
Jedem
Glück ist meines gleich.
Mich,
der von den Indostanen
Streifte
bis Damaskus hin,
Um
mit neuen Karawanen
Bis
ans Rote Meer zu ziehn,
Mich
vermählst du deinem Flusse,
Der
Terrasse, diesem Hain,
Hier
soll bis zum letzten Kusse
Dir
mein Geist gewidmet sein.
Solche
Fragen zu erwidern,
Fand
ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst
du nicht an meinen Liedern,
Daß
ich eins und doppelt bin?
Ein
Tulbend ists, der unsern Kaiser schmücket,
Sie
nennens Krone. Name geht wohl hin!
Juwel
und Perle! sei das Aug entzücket!
Der
schönste Schmuck ist stets der Musselin.
Und
diesen hier, ganz rein und silberstreifig,
Umwinde,
Liebchen, um die Stirn umher!
Was
ist denn Hoheit? Mir ist sie geläufig!
Du
schaust mich an, ich bin so groß als er.
Dir
sollten Timurs Reiche dienen,
Gehorchen
sein gebietend Heer,
Badakschan
zollte dir Rubinen,
Türkise
das Hyrkansche Meer.
Getrocknet
honigsüße Früchte
Von
Bokhara, dem Sonnenland,
Und
tausend liebliche Gedichte
Auf
Seidenblatt von Samarkand.
Da
solltest du mit Freude lesen,
Was
ich von Ormus dir verschrieb
Und
wie das ganze Handelswesen
Sich
nur bewegte dir zulieb;
Wie
in dem Lande der Brahmanen
Viel
tausend Finger sich bemüht,
Daß
alle Pracht der Indostanen
Für
dich auf Woll und Seide blüht;
Ja,
zur Verherrlichung der Lieben,
Gießbäche,
Soumelpours durchwühlt,
Aus
Erde, Grus, Gerill, Geschieben
Dir
Diamanten ausgespült;
Wie
Taucherschar verwegner Männer
Der
Perle Schatz dem Golf entriß,
Darauf
ein Divan scharfer Kenner
Sie
dir zu reihen sich befliß.
Wenn
nun Bassora noch das Letzte,
Gewürz
und Weihrauch, beigetan,
Bringt
alles, was die Welt ergetzte,
Die
Karawane dir heran.
Doch
alle diese Kaisergüter
Verwirrten
doch zuletzt den Blick;
Und
wahrhaft liebende Gemüter
Eins
nur im andern fühlt sein Glück.
Herrscher,
zu dergleichen Gaben
Nimmermehr
bestimmst du dich!
Solch
ein Mädchen muß man haben
Und
ein Bettler sein wie ich.
Freude
des Daseins ist groß,
Größer
die Freud am Dasein.
Wenn
du, Suleika,
Mich
überschwenglich beglückst,
Deine
Leidenschaft mir zuwirfst,
Als
wärs ein Ball,
Daß
ich ihn fange,
Dir
zurückwerfe
Mein
gewidmetes Ich:
Das
ist ein Augenblick!
Und
dann reißt mich von dir
Bald
der Franke, bald der Armenier.
Aber
Tage währts,
Jahre
dauerts, daß ich neu erschaffe
Tausendfältig
deiner Verschwendungen Fülle,
Auftrösle
die bunte Schnur meines Glücks,
Geklöppelt
tausendfadig
Von
dir, o Suleika!
Hier
nun dagegen
Dichtrische
Perlen,
Die
mir deiner Leidenschaft
Gewaltige
Brandung
Warf
an des Lebens
Verödeten
Strand aus,
Mit
spitzen Fingern
Zierlich
gelesen,
Durchreiht
mit juwelenem Goldschmuck.
Nimm
sie an deinen Hals,
An
deinem Busen,
Die
Regentropfen Allahs,
Gereift
in bescheidener Muschel!
Nun
mit Hatem wärs zu Ende,
Doch
schon hab ich umgelost:
Ich
verkörpre mich behende
In
den Holden, den sie kost.
Wollte,
wo nicht gar ein Rabbi,
Das
will mir so recht nicht ein,
Doch
Ferdusi, Montanabbi,
Allenfalls
der Kaiser sein.
Aber
eben, weil wir hübsch sind,
Möchten
wir auch gern gemalt sein,
Und,
wenn du es billig machest,
Sollst
du auch recht hübsch bezahlt sein.
Hatem
Bräunchen,
komm! es wird schon gehen
Zöpfe,
Kämme, groß und kleine,
Zieren
Köpfchens nette Reine,
Wie
die Kuppel ziert Moscheen.
Du,
Blondinchen, bist so zierlich,
Aller
Weis und Weg so nette;
Man
gedenkt nicht ungebührlich
Alsogleich
der Minarette.
Du
da hinten hast der Augen
Zweierlei,
du kannst die beiden
Einzeln
nach Belieben brauchen.
Doch
ich sollte dich vermeiden.
Leichtgedrückt
der Augenlider
Eines,
die den Stern bewhelmen,
Deutet
auf den Schelm der Schelmen,
Doch
das andre schaut so bieder.
Dies,
wenn jens verwundend angelt,
Heilend,
nährend wird sichs weisen;
Niemand
kann ich glücklich preisen,
Der
des Doppelblicks ermangelt.
Und
so könnt ich alle loben,
Und
so könnt ich alle lieben:
Denn
so wie ich euch erhoben,
War
die Herrin mit beschrieben.
Mädchen
Dichter
will so gerne Knecht sein,
Weil
die Herrschaft draus entspringet;
Doch
vor allem sollt ihm recht sein,
Wenn
das Liebchen selber singet.
Ist
sie denn des Liedes mächtig,
Wies
auf unsern Lippen waltet?
Denn
es macht sie gar verdächtig,
Daß
sie im Verborgnen schaltet.
Hatem
Nun,
wer weiß, was sie erfüllet!
Kennt
ihr solcher Tiefe Grund?
Selbstgefühltes
Lied entquillet,
Selbstgedichtetes
dem Mund.
Von
euch Dichterinnen allen
Ist
ihr eben keine gleich:
Denn
sie singt mir zu Gefallen,
Und
ihr singt und liebt nur euch.
Mädchen
Merke
wohl, du hast uns eine
Jener
Huris vorgeheuchelt!
Mag
schon sein! wenn es nur keine
Sich
auf dieser Erde schmeichelt.
Du
beschämst wie Morgenröte
Jener
Gipfel ernste Wand
Und
noch einmal fühlet Hatem
Frühlingshauch
und Sommerbrand.
Schenke
her! Noch eine Flasche!
Diesen
Becher bring ich ihr!
Findet
sie ein Häufchen Asche,
Sagt
sie: Der verbrannte mir.
Nur
zu! geliebter Schenke,
Den
Becher fülle still!
Ich
sage nur: Gedenke!
Schon
weiß man, was ich will.
Doch
immer reift von innen
Und
schwillt der braune Kern;
Er
möchte Luft gewinnen
Und
säh die Sonne gern.
Die
Schale platzt, und nieder
Macht
er sich freudig los;
So
fallen meine Lieder
Gehäuft
in deinen Schoß.
Suleika
An
des lustgen Brunnens Rand,
Der
in Wasserfäden spielt,
Wußt
ich nicht, was fest mich hielt;
Doch
da war von deiner Hand
Meine
Chiffer leis gezogen;
Nieder
blickt ich, dir gewogen.
Hier,
am Ende des Kanals
Der
gereihten Hauptallee,
Blick
ich wieder in die Höh,
Und
da seh ich abermals
Meine
Lettern fein gezogen:
Bleibe!
bleibe mir gewogen!
Hatem
Möge
Wasser, springend, wallend,
Die
Zypressen dir gestehn:
Von
Suleika zu Suleika
Ist
mein Kommen und mein Gehn.
Suleika
Kaum
daß ich dich wieder habe,
Dich
mit Kuß und Liedern labe,
Bist
du still in dich gekehret;
Was
beengt und drückt und störet?
Hatem
Ach,
Suleika, soll ichs sagen?
Statt
zu loben, möcht ich klagen!
Sangest
sonst nur meine Lieder,
Immer
neu und immer wieder.
Sollte
wohl auch diese loben;
Doch
sie sind nur eingeschoben,
Nicht
von Hafis, nicht Nisami.
Nicht
Saadi, nicht von Dschami.
Kenn
ich doch der Väter Menge,
Silb
um Silbe, Klang um Klänge,
Im
Gedächtnis unverloren;
Diese
da sind neu geboren.
Gestern
wurden sie gedichtet.
Sag,
hast du dich neu verpflichtet?
Hauchest
du so froh verwegen
Fremden
Atem mir entgegen,
Der
dich eben so belebet,
Eben
so in Liebe schwebet,
Lockend,
ladend zum Vereine
So
harmonisch als der meine?
Hast
mir dies Buch geweckt, du hasts gegeben;
Denn
was ich froh aus vollem Herzen sprach,
Das
klang zurück aus deinem holden Leben,
Wie
Blick dem Blick, so Reim dem Reime nach.
Nun
tön es fort zu dir, auch aus der Ferne,
Das
Wort erreicht, und schwände Ton und Schall:
Ists
nicht der Mantel noch gesäter Sterne?
Ists
nicht der Liebe hochverklärtes All?
Eh
es Allah nicht gefällt,
Uns
aufs neue zu vereinen,
Gibt
mir Sonne, Mond und Welt
Nur
Gelegenheit zum Weinen.
Kosend
spielt er mit dem Staube,
Jagt
ihn auf in leichten Wölkchen,
Treibt
zur sichern Rebenlaube
Der
Insekten frohes Völkchen.
Lindert
sanft der Sonne Glühen,
Kühlt
auch mir die heißen Wangen,
Küßt
die Reben noch im Fliehen,
Die
auf Feld und Hügel prangen.
Und
mich will sein leises Flüstern
Von
dem Freunde lieblich grüßen,
Eh
noch diese Hügel düstern,
Sitz
ich still zu seinen Füßen.
Und
so kannst du weiter ziehen;
Diene
Freunden und Betrübten.
Dort,
wo hohe Mauern glühen,
Find
ich bald den Vielgeliebten.
Ach,
die wahre Herzenskunde,
Liebeshauch,
erfrischtes Leben
Wird
mir nur aus seinem Munde,
Kann
mir nur sein Atem geben.
Versenkt
er sich in Schmerz und Schauer,
Und
häufiger quillt ihr Tränenguß:
Er
sendet Lust in ihre Trauer
Und
jeder Perle Kuß auf Kuß.
Nun
fühlt sie tief des Blicks Gewalten
Und
unverwandt schaut sie hinauf:
Die
Perlen wollen sich gestalten;
Denn
jede nahm sein Bildnis auf.
Und
so, umkränzt von Farb und Bogen,
Erheitert
leuchtet ihr Gesicht,
Entgegen
kommt er ihr gezogen:
Doch
er, doch – ach! erreicht sie nicht.
So,
nach des Schicksals hartem Lose,
Weichst
du mir, Lieblichste davon;
Und
wär ich Helios, der Große,
Was
nützte mir der Wagenthron?
Laß
mich nicht so der Nacht, dem Schmerze,
Du
Allerliebstes, du mein Mondgesicht!
O
du mein Phosphor, meine Kerze,
Du
meine Sonne, du mein Licht!
Doch
dein mildes sanftes Wehen
Kühlt
die wunden Augenlider;
Ach,
für Leid müßt ich vergehen,
Hofft
ich nicht zu sehn ihn wieder.
Eile
denn zu meinem Lieben,
Spreche
sanft zu seinem Herzen,
Doch
vermeid, ihn zu betrüben,
Und
verbirg ihm meine Schmerzen!
Sag
ihm, aber sags bescheiden:
Seine
Liebe sei mein Leben!
Freudiges
Gefühl von beiden
Wird
mir seine Nähe geben.
Auf
tat sich das Licht; so trennte
Scheu
sich Finsternis von ihm,
Und
sogleich die Elemente
Scheidend
auseinander fliehn.
Rasch
in wilden, wüsten Träumen
Jedes
nach der Weite rang,
Starr,
in ungemeßnen Räumen,
Ohne
Sehnsucht, ohne Klang.
Stumm
war alles, still und öde,
Einsam
Gott zum ersten Mal!
Da
erschuf er Morgenröte,
Die
erbarmte sich der Qual;
Sie
entwickelte dem Trüben
Ein
erklingend Farbenspiel,
Und
nun konnte wieder lieben,
Was
erst auseinanderfiel.
Und
mit eiligem Bestreben
Sucht
sich, was sich angehört;
Und
zu ungemeßnem Leben
Ist
Gefühl und Blick gekehrt.
Seis
Ergreifen, sei es Raffen,
Wenn
es nur sich faßt und hält!
Allah
braucht nicht mehr zu schaffen,
Wir
erschaffen seine Welt.
So
mit morgenroten Flügeln
Riß
es mich an deinen Mund,
Und
die Nacht mit tausend Siegeln
Kräftigt
sternenhell den Bund.
Beide
sind wir auf der Erde
Musterhaft
in Freud und Qual,
Und
ein zweites Wort: Es werde!
Trennt
uns nicht zum zweiten Mal.
Dein
Geliebter, fern, erprobet
Gleicherweis
im Sauersüßen
Fühlt
ein unglückselges Glück,
Euch
im Vollmond zu begrüßen,
Habt
ihr heilig angelobet,
Dieses
ist der Augenblick!
»Ich
will küssen! Küssen! sagt ich.«
Von
abertausend Blüten
Ist
es ein bunter Strauß,
Von
englischen Gemüten
Ein
vollbewohntes Haus;
Von
buntesten Gefiedern
Der
Himmel übersät,
Ein
klingend Meer von Liedern,
Geruchvoll
überweht.
Ist
unbedingten Strebens
Geheime
Doppelschrift,
Die
in das Mark des Lebens
Wie
Pfeil um Pfeile trifft.
Was
ich euch offenbaret,
War
längst ein frommer Brauch,
Und
wenn ihr es gewahret,
So
schweigt und nutzt es auch.
Die
schreib ich immer schöner
Und
mehr nach meinem Sinn,
Trotz
Krittler und Verhöhner,
Zu
täglichem Gewinn.
Ihr
Bild in reichen Schranken
Verherrlichet
sich nur,
In
goldnen Rosenranken
Und
Rähmchen von Lasur.
Ja,
mein Herz, es ist der Spiegel,
Freund,
worin du dich erblickt;
Diese
Brust, wo deine Siegel
Kuß
auf Kuß hereingedrückt.
Süßes
Dichten, lautre Wahrheit
Fesselt
mich in Sympathie!
Rein
verkörpert Liebesklarheit
Im
Gewand der Poesie.
Wenn
steigend sich der Wasserstrahl entfaltet,
Allspielende,
wie froh erkenn ich dich!
Wenn
Wolke sich gestaltend umgestaltet,
Allmannigfaltge,
dort erkenn ich dich.
An
des geblümten Schleiers Wiesenteppich,
Allbuntbesternte,
schön erkenn ich dich;
Und
greift umher ein tausendarmger Eppich,
O
Allumklammernde, da kenn ich dich.
Wenn
am Gebirg der Morgen sich entzündet,
Gleich,
Allerheiternde, begrüß ich dich,
Dann
über mir der Himmel rein sich ründet,
Allherzerweiternde,
dann atm ich dich.
Was
ich mit äußerm Sinn, mit innerm kenne,
Du
Allbelehrende, kenn ich durch dich;
Und
wenn ich Allahs Namenhundert nenne,
Mit
jedem klingt ein Name nach für dich.