I.
1.
Moganni Nameh: Buch
des Sängers
Hegire
* Segenspfänder * Freisinn
* Talismane
Im
Atemholen sind zweierlei Gnaden * Vier Gnaden
Geständnis
* Elemente * Erschaffen
und Beleben
Phänomen
* Liebliches * Zwiespalt
Im
Gegenwärtigen Vergangnes * Lied und
Gebilde
Dreistigkeit
* Derb und tüchtig * All-Leben
Selige
Sehnsucht
Zwanzig
Jahre ließ ich gehn
Und
genoß, was mir beschieden;
Eine
Reihe völlig schön
Wie
die Zeit der Barmekiden.
Nord
und West und Süd zersplittern,
Throne
bersten, Reiche zittern:
Flüchte
du, im reinen Osten
Patriarchenluft
zu kosten,
Unter
Lieben, Trinken, Singen
Soll
dich Chisers Quell
verjüngen.
Dort
im Reinen und im Rechten
Will
ich menschlichen Geschlechten
In
des Ursprungs Tiefe dringen,
Wo
sie noch von Gott empfingen
Himmelslehr
in Erdesprachen
Und
sich nicht den Kopf zerbrachen.
Wo
sie Väter hoch verehrten,
Jeden
fremden Dienst verwehrten;
Will
mich freun der Jugendschranke:
Glaube
weit, eng der Gedanke,
Wie
das Wort so wichtig dort war,
Weil
es ein gesprochen Wort war.
Will
mich unter Hirten mischen,
An
Oasen mich erfrischen,
Wenn
mit Karawanen wandle,
Shawl,
Kaffee und Moschus handle;
Jeden
Pfad will ich betreten
Von
der Wüste zu den Städten.
Bösen
Felsweg auf und nieder
Trösten,
Hafis, deine Lieder,
Wenn
der Führer mit Entzücken
Von
des Maultiers hohem Rücken
Singt,
die Sterne zu erwecken
Und
die Räuber zu erschrecken.
Will
in Bädern und in Schenken,
Heilger
Hafis, dein gedenken,
Wenn
den Schleier Liebchen lüftet,
Schüttelnd
Ambralocken düftet.
Ja,
des Dichters Liebesflüstern
Mache
selbst die Huris lüstern.
Wolltet
ihr ihm dies beneiden
Oder
etwa gar verleiden,
Wisset
nur, daß Dichterworte
Um
des Paradieses Pforte
Immer
leise klopfend schweben,
Sich
erbittend ewges Leben.
Talisman
in Karneol,
Gläubgen
bringt er Glück und Wohl;
Steht
er gar auf Onyx Grunde,
Küß
ihn, mit geweihtem Munde!
Alles
Übel treibt er fort,
Schützet
dich und schützt den Ort:
Wenn
das eingegrabne Wort
Allahs
Namen rein verkündet,
Dich
zu Lieb und Tat entzündet.
Und
besonders werden Frauen
Sich
am Talisman erbauen.
Amulette
sind dergleichen
Auf
Papier geschriebne Zeichen;
Doch
man ist nicht im Gedränge
Wie
auf edlen Steines Enge
Und
vergönnt ist frommen Seelen,
Längre
Verse hier zu wählen.
Männer
hängen die Papiere
Gläubig
um als Skapuliere.
Die
Inschrift aber hat nichts hinter sich,
Sie
ist sie selbst und muß dir alles sagen,
Was
hintendrein mit redlichem Behagen
Du
gerne sagst: Ich sag es! Ich!
Doch
Abraxas bring ich selten!
Hier
soll meist das Fratzenhafte,
Das
ein düstrer Wahnsinn schaffte,
Für
das Allerhöchste gelten.
Sag
ich euch absurde Dinge,
Denkt,
daß ich Abraxas bringe.
Ein
Siegelring ist schwer zu zeichnen;
Den
höchsten Sinn im engsten Raum;
Doch
weißt du hier ein Echtes anzueignen,
Gegraben
steht das Wort, du denkst es kaum.
Laßt
mich nur auf meinem Sattel gelten!
Bleibt
in euren Hütten, euren Zelten!
Und
ich reite froh in alle Ferne,
Über
meiner Mütze nur die Sterne.
Er
hat euch die Gestirne gesetzt
Als
Leiter zu Land und See,
Damit
ihr euch daran ergetzt,
Stets
blickend in die Höh.
Gottes
ist der Orient!
Gottes
ist der Occident!
Nord-
und südliches Gelände
Ruht
im Frieden seiner Hände!
Er,
der einzige Gerechte,
Will
für jedermann das Rechte.
Sei
von seinen hundert Namen
Dieser
hochgelobet! Amen.
Mich
verwirren will das Irren,
Doch
du weißt mich zu entwirren.
Wenn
ich handle, wenn ich dichte,
Gib
du meinem Weg die Richte!
Ob
ich Irdsches denk und sinne,
Das
gereicht zu höherem Gewinne.
Mit
dem Staube nicht der Geist zerstoben,
Dringet,
in sich selbst gedrängt, nach oben.
Im
Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die
Luft einziehn, sich ihrer entladen.
Jenes
bedrängt, dieses erfrischt;
So
wunderbar ist das Leben gemischt.
Du
danke Gott, wenn er dich preßt,
Und
dank ihm, wenn er dich wieder entläßt!
Daß
Araber an ihrem Teil
Die
Weite froh durchziehen,
Hat
Allah zu gemeinem Heil
Der
Gnaden vier verliehen.
Den
Turban erst, der besser schmückt
Als
alle Kaiserkronen;
Ein
Zelt, daß man vom Orte rückt,
Um
überall zu wohnen;
Ein
Schwert, das tüchtiger beschützt
Als
Fels und hohe Mauern;
Ein
Liedchen, das gefällt und nützt,
Worauf
die Mädchen lauern.
Und
Blumen sing ich ungestört
Von
ihrem Shawl herunter;
Sie
weiß recht wohl, was ihr gehört,
Und
bleibt mir hold und munter,
Und
Blum und Früchte weiß ich euch
Gar
zierlich aufzutischen;
Wollt
ihr Moralien zugleich,
So
geb ich von den frischen.
Was
ist schwer zu verbergen? Das Feuer!
Denn
bei Tage verräts der Rauch,
Bei
Nacht die Flamme, das Ungeheuer.
Ferner
ist schwer zu verbergen auch
Die
Liebe: noch so stille gehegt,
Sie
doch gar leicht aus den Augen schlägt.
Am
schwersten zu bergen ist ein Gedicht:
Man
stellt es untern Scheffel nicht.
Hat
es der Dichter frisch gesungen,
So
ist er ganz davon durchdrungen;
Hat
er es zierlich nett geschrieben,
Will
er, die ganze Welt solls lieben.
Er
liest es jedem froh und laut,
Ob
es uns quält, ob es erbaut.
Aus
wie vielen Elementen
Soll
ein echtes Lied sich nähren,
Daß
es Laien gern empfinden,
Meister
es mit Freuden hören?
Liebe
sei vor allen Dingen
Unser
Thema, wenn wir singen;
Kann
sie gar das Lied durchdringen,
Wirds
um desto besser klingen.
Dann
muß Klang der Gläser tönen
Und
Rubin des Weins erglänzen:
Denn
für Liebende, für Trinker
Winkt
man mit den schönsten Kränzen.
Waffenklang
wird auch gefodert,
Daß
auch die Drommete schmettre;
Daß,
wenn Glück zu Flammen lodert,
Sich
im Sieg der Held vergöttre.
Dann
zuletzt ist unerläßlich,
Daß
der Dichter manches hasse;
Was
unleidlich ist und häßlich,
Nicht
wie Schönes leben lasse.
Weiß
der Sänger, dieser Viere
Urgewaltgen
Stoff zu mischen,
Hafis
gleich wird er die Völker
Ewig
freuen und erfrischen.
Hans
Adam war ein Erdenkloß,
Den
Gott zum Menschen machte,
Doch
bracht er aus der Mutter Schoß
Noch
vieles Ungeschlachte.
Die
Elohim zur Nas hinein
Den
besten Geist ihm bliesen,
Nun
schien er schon was mehr zu sein
Denn
er fing an zu niesen.
Doch
mit Gebein und Glied und Kopf
Blieb
er ein halber Klumpen,
Bis
endlich Noah für den Tropf
Das
Wahre fand – den Humpen.
Der
Klumpe fühlt sogleich den Schwung,
Sobald
er sich benetzet,
So
wie der Teig durch Säuerung
Sich
in Bewegung setzet.
So,
Hafis, mag dein holder Sang,
Dein
heiliges Exempel
Uns
führen bei der Gläser Klang
Zu
unsres Schöpfers Tempel.
Wenn
zu der Regenwand
Phöbus
sich gattet,
Gleich
steht ein Bogenrand
Farbig
beschattet.
Im
Nebel gleichen Kreis
Seh
ich gezogen,
Zwar
ist der Bogen weiß,
Doch
Himmelsbogen.
So
sollst du, muntrer Greis,
Dich
nicht betrüben:
Sind
gleich die Haare weiß,
Doch
wirst du lieben.
Was
doch Buntes dort verbindet
Mir
den Himmel mit der Höhe?
Morgennebelung
verblindet
Mir
des Blickes scharfe Sehe.
Sind
es Zelte des Wesires,
Die
er lieben Frauen baute?
Sind
es Teppiche des Festes,
Weil
er sich der Liebsten traute?
Rot
und weiß, gemischt, gesprenkelt
Wüßt
ich Schönres nicht zu schauen.
Doch
wie, Hafis, kommt dein Schiras
Auf
des Nordens trübe Gauen?
Ja,
es sind die bunten Mohne,
Die
sich nachbarlich erstrecken
Und
dem Kriegesgott zu Hohne
Felder
streifweis freundlich decken.
Möge
stets so der Gescheute
Nutzend
Blumenzierde pflegen
Und
ein Sonnenschein wie heute
Klären
sie auf meinen Wegen!
Wenn
links am Baches Rand
Cupido
flötet,
Im
Felde rechter Hand
Mavors
drommetet,
Da
wird dorthin das Ohr
Lieblich
gezogen,
Doch
um des Liedes Flor
Durch
Lärm betrogen.
Nun
flötets immer voll
Im
Kriegestunder,
Ich
werde rasend, toll –
Ist
das ein Wunder?
Fort
wächst der Flötenton,
Schall
der Posaunen,
Ich
irre, rase schon –
Ist
das zu staunen?
Im
Gegenwärtigen Vergangnes
Ros
und Lilie morgentaulich
Blüht
im Garten meiner Nähe;
Hintenan,
bebuscht und traulich,
Steigt
der Felsen in die Höhe;
Und
mit hohem Wald umzogen
Und
mit Ritterschloß gekrönet,
Lenkt
sich hin des Gipfels Bogen,
Bis
er sich dem Tal versöhnet.
Und
da duftets wie vor Alters,
Da
wir noch von Liebe litten
Und
die Saiten meines Psalters
Mit
dem Morgenstrahl sich stritten;
Wo
das Jagdlied aus den Büschen
Fülle
runden Tons enthauchte,
Anzufeuern,
zu erfrischen,
Wies
der Busen wollt und brauchte.
Nun
die Wälder ewig sprossen,
So
ermutigt euch mit diesen:
Was
ihr sonst für euch genossen,
Läßt
in andern sich genießen.
Niemand
wird uns dann beschreien,
Daß
wirs uns alleine gönnen;
Nun
in allen Lebensreihen
Müsset
ihr genießen können.
Und
mit diesem Lied und Wendung
Sind
wir wieder bei Hafisen,
Denn
es ziemt, des Tags Vollendung
Mit
Genießern zu genießen.
Mag
der Grieche seinen Ton
Zu
Gestalten drücken,
An
der eignen Hände Sohn
Steigern
sein Entzücken.
Aber
uns ist wonnereich,
In
den Euphrat greifen
Und
im flüssgen Element
Hin
und wieder schweifen.
Löscht
ich so der Seele Brand,
Lied,
es wird erschallen:
Schöpft
des Dichters reine Hand,
Wasser
wird sich ballen.
Worauf
kommt es überall an,
Daß
der Mensch gesundet?
Jeder
höret gern den Schall an,
Der
zum Ton sich rundet.
Alles
weg, was deinen Lauf stört!
Nur
kein düster Streben!
Eh
er singt und eh er aufhört,
Muß
der Dichter leben.
Und
so mag des Lebens Erzklang
Durch
die Seele dröhnen!
Fühlt
der Dichter sich das Herz bang,
Wird
sich selbst versöhnen.
Dichten
ist ein Übermut,
Niemand
schelte mich!
Habt
getrost ein warmes Blut
Froh
und frei wie ich.
Sollte
jeder Stunde Pein
Bitter
schmecken mir,
Würd
ich auch bescheiden sein
Und
noch mehr als ihr.
Denn
Bescheidenheit ist fein,
Wenn
das Mädchen blüht,
Sie
will zart geworben sein,
Die
den Rohen flieht.
Auch
ist gut Bescheidenheit,
Spricht
ein weiser Mann,
Der
von Zeit und Ewigkeit
Mich
belehren kann.
Dichten
ist ein Übermut!
Treib
es gern allein.
Freund
und Frauen, frisch von Blut,
Kommt
nur auch herein!
Mönchlein
ohne Kapp und Kutt,
Schwatz
nicht auf mich ein!
Zwar
du machest mich kaputt,
Nicht
bescheiden, nein!
Deiner
Phrasen leeres Was
Treibet
mich davon,
Abgeschliffen
hab ich das
An
den Sohlen schon.
Wenn
des Dichters Mühle geht,
Halte
sie nicht ein:
Denn
wer einmal uns versteht,
Wird
uns auch verzeihn.
Staub
ist eins der Elemente,
Das
du gar geschickt bezwingest,
Hafis,
wenn zu Liebchens Ehren
Du
ein zierlich Liedchen singest.
Denn
der Staub auf ihrer Schwelle
Ist
dem Teppich vorzuziehen,
Dessen
goldgewirkte Blumen
Mahmuds
Günstlinge beknieen.
Treibt
der Wind von ihrer Pforte
Wolken
Staubs behend vorüber,
Mehr
als Moschus sind die Düfte
Und
als Rosenöl dir lieber.
Staub,
den hab ich längst entbehret
In
dem stets umhüllten Norden,
Aber
in dem heißen Süden
Ist
er mir genugsam worden.
Doch
schon längst, daß liebe Pforten
Mir
auf ihren Angeln schwiegen!
Heile
mich, Gewitterregen,
Laß
mich, daß es grunelt, riechen!
Wenn
jetzt alle Donner rollen
Und
der ganze Himmel leuchtet,
Wird
der wilde Staub des Windes
Nach
dem Boden hingefeuchtet.
Und
sogleich entspring ein Leben,
Schwillt
ein heilig heimlich Wirken,
Und
es grunelt und es grünet
In
den irdischen Bezirken.
Sagt
es niemand, nur den Weisen,
Weil
die Menge gleich verhöhnet:
Das
Lebendige will ich preisen,
Das
nach Flammentod sich sehnet.
In
der Liebesnächte Kühlung,
Die
dich zeugte, wo du zeugtest,
Überfällt
dich fremde Fühlung,
Wenn
die stille Kerze leuchtet.
Nicht
mehr bleibest du umfangen
In
der Finsternis Beschattung,
Und
dich reißet neu Verlangen
Auf
zu höherer Begattung.
Keine
Ferne macht dich schwierig,
Kommst
geflogen und gebannt,
Und
zuletzt, des Lichts begierig,
Bist
du Schmetterling verbrannt.
Und
so lang du das nicht hast,
Dieses:
Stirb und werde!
Bist
du nur ein trüber Gast
Auf
der dunklen Erde.
Tut
ein Schilf sich doch hervor,
Welten
zu versüßen!
Möge
meinem Schreiberohr
Liebliches
entfließen!
2.
Hafis
Nameh: Buch Hafis
Beiname
* Anklage
* Fetwa * Der Deutsche
dankt * Fetwa
Unbegrenzt
* Nachbildung * Offenbar
Geheimnis * Wink * An Hafis
Sei
das Wort die Braut genannt,
Bräutigam
der Geist;
Diese
Hochzeit hat gekannt,
Wer
Hafisen preist.
Dichter
Mohammed
Schemseddin, sage,
Warum
hat dein Volk, das hehre,
Hafis
dich genannt?
Hafis
Ich erwidre
deine Frage.
Weil
in glücklichem Gedächtnis
Des
Korans geweiht Vermächtnis
Unverändert
ich verwahre,
Und
damit so fromm gebare,
Des
gemeinen Tages Schlechtnis
Weder
mich noch die berühret,
Die
Propheten-Wort und Samen
Schätzen,
wie es sich gebühret –
Darum
gab man mir den Namen.
Dichter
Hafis,
drum, so will mir scheinen,
Möcht
ich dir nicht gerne weichen:
Denn,
wenn wir wie andre meinen,
Werden
wir den andern gleichen.
Und
so gleich ich dir vollkommen,
Der
ich unsrer heilgen Bücher
Herrlich
Bild an mich genommen,
Wie
auf jenes Tuch der Tücher
Sich
des Herren Bildnis drückte,
Mich
in stiller Brust erquickte
Trotz
Verneinung, Hindrung, Raubens
Mit
dem heitern Bild des Glaubens.
Wißt
ihr denn, auf wen die Teufel lauern
In
der Wüste, zwischen Fels und Mauern?
Und
wie sie den Augenblick erpassen,
Nach
der Hölle sie entführend fassen?
Lügner
sind es und der Bösewicht,
Der
Poete, warum scheut er nicht,
Sich
mit solchen Leuten einzulassen!
Weiß
denn der, mit wem er geht und wandelt,
Er,
der immer nur im Wahnsinn handelt?
Grenzenlos,
von eigensinnigem Lieben,
Wird
er in die Öde fortgetrieben,
Seiner
Klagen Reim, in Sand geschrieben,
Sind
vom Winde gleich verjagt;
Er
versteht nicht, was er sagt,
Was
er sagt, wird er nicht halten.
Doch
sein Lied, man läßt es immer walten,
Da
es doch dem Koran widerspricht.
Lehret
nun, ihr des Gesetzes Kenner,
Weisheit-fromme,
hochgelahrte Männer,
Treuer
Mosleminen feste Pflicht.
Hafis
insbesondre schaffet Ärgernisse,
Mirza
sprengt den Geist ins Ungewisse:
Saget,
was man tun und lassen müsse!
Hafis
Dichterzüge, sie bezeichnen
Ausgemachte
Wahrheit unauslöschlich;
Aber
hie und da auch Kleinigkeiten
Außerhalb
der Grenze des Gesetzes.
Willst
du sicher gehn, so mußt du wissen
Schlangengift
und Theriah zu sondern –
Doch
der reinen Wollust edler Handlung
Sich
mit frohem Mut zu überlassen
Und
vor solcher, der nur ewge Pein folgt,
Mit
besonnenem Sinn sich zu verwahren,
Ist
gewiß das Beste, um nicht zu fehlen.
Dieses
schrieb der arme Ebusuud,
Gott
verzeih ihm seine Sünden alle!
Heilger
Ebusuud, hasts getroffen!
Solche
Heilge wünschet sich der Dichter:
Denn
gerade jene Kleinigkeiten
Außerhalb
der Grenze des Gesetzes
Sind
das Erbteil, wo er übermütig,
Selbst
im Kummer lustig, sich beweget.
Schlangengift
und Theriak muß
Ihm
das eine wie das andre scheinen.
Töten
wird nicht jenes, dies nicht heilen:
Denn
das wahre Leben ist des Handelns
Ewge
Unschuld, die sich so erweiset,
Daß
sie niemand schadet als sich selber.
Und
so kann der alte Dichter hoffen,
Daß
die Huris ihn im Paradiese
Als
verklärten Jüngling wohl empfangen.
Heiliger
Ebusuud, hasts getroffen!
Der
Mufti las des Misri Gedichte,
Eins
nach dem andern, alle zusammen,
Und
wohlbedächtig warf sie in die Flammen.
Das
schöngeschriebne Buch, es ging zunichte.
»Verbrannt
sei jeder«, sprach der hohe Richter,
»Wer
spricht und glaubt wie Misri – er allein
Sei
ausgenommen von des Feuers Pein:
Denn
Allah gab die Gabe jedem Dichter.
Mißbraucht
er sie im Wandel seiner Sünden,
So
seh er zu, mit Gott sich abzufinden.«
Daß
du nicht enden kannst, das macht dich groß,
Und
daß du nie beginnst, das ist dein Los.
Dein
Lied ist drehend wie das Sterngewölbe,
Anfang
und Ende immerfort dasselbe,
Und,
was die Mitte bringt, ist offenbar
Das,
was zu Ende bleibt und Anfangs war.
Du
bist der Freuden echte Dichterquelle
Und
ungezählt entfließt dir Well auf Welle.
Zum
Küssen stets bereiter Mund,
Ein
Brustgesang, der lieblich fließet,
Zum
Trinken stets gereizter Schlund,
Ein
gutes Herz, das sich ergießet.
Und
mag die ganze Welt versinken,
Hafis
mit dir, mit dir allein
Will
ich wetteifern! Lust und Pein
Sei
uns, den Zwillingen, gemein!
Wie
du zu lieben und zu trinken,
Das
soll mein Stolz, mein Leben sein.
Nun
töne Lied mit eignem Feuer!
Denn
du bist älter, du bist neuer.
In
deine Reimart hoff ich mich zu finden,
Das
Wiederholen soll mir auch gefallen,
Erst
werd ich Sinn, sodann auch Worte finden;
Zum
zweitenmal soll mir kein Klang erschallen,
Er
müßte denn besondern Sinn begründen,
Wie
dus vermagst, Begünstigter vor allen!
Denn
wie ein Funke fähig, zu entzünden
Die
Kaiserstadt, wenn Flammen grimmig wallen,
Sich
winderzeugend glühn von eignen Winden,
Er,
schon erloschen, schwand zu Sternenhallen:
So
schlangs von dir sich fort mit ewgen Gluten,
Ein
deutsches Herz von frischem zu ermuten.
Zugemeßne
Rhythmen reizen freilich,
Das
Talent erfreut sich wohl darin,
Doch
wie schnelle widern sie abscheulich,
Hohle
Masken ohne Blut und Sinn.
Selbst
der Geist erscheint sich nicht erfreulich,
Wenn
er nicht, auf neue Form bedacht,
Jener
toten Form ein Ende macht.
Sie
haben dich, heiliger Hafis,
Die
mystische Zunge genannt
Und
haben, die Wortgelehrten,
Den
Wert des Worts nicht erkannt.
Mystisch
heißest du ihnen,
Weil
sie Närrisches bei dir denken
Und
ihren unlautern Wein
In
deinem Namen verschenken.
Du
aber bist mystisch rein,
Weil
sie dich nicht verstehn,
Der
du, ohne fromm zu sein, selig bist!
Das
wollen sie dir nicht zugestehn.
Und
doch haben sie recht, die ich schelte:
Denn,
daß ein Wort nicht einfach gelte,
Das
müßte sich wohl von selbst verstehn.
Das
Wort ist ein Fächer! Zwischen den Stäben
Blicken
ein paar schöne Augen hervor,
Der
Fächer ist nur ein lieblicher Flor,
Er
verdeckt mir zwar das Gesicht,
Aber
das Mädchen verbirgt er nicht,
Weil
das Schönste, was sie besitzt,
Das
Auge, mir ins Auge blitzt.
Was
alle wollen, weißt du schon
Und
hast es wohl verstanden:
Denn
Sehnsucht hält, von Staub zu Thron
Uns
all in strengen Banden.
Es
tut so weh, so wohl hernach,
Wer
sträubte sich dagegen?
Und
wenn den Hals der eine brach,
Der
andre bleibt verwegen.
Verzeihe,
Meister, wie du weißt,
Daß
ich mich oft vermesse,
Wenn
sie das Auge nach sich reißt,
Die
wandelnde Cypresse.
Wie
Wurzelfasern schleicht ihr Fuß
Und
buhlet mit dem Boden,
Wie
leicht Gewölk verschmilzt ihr Gruß,
Wie
Ost-Gekos ihr Oden.
Das
alles drängt uns ahndevoll,
Wo
Lock an Locke kräuselt,
In
brauner Fülle ringelnd schwoll,
Sodann
im Winde säuselt.
Nun
öffnet sich die Stirne klar,
Dein
Herz damit zu glätten,
Vernimmst
ein Lied so froh und wahr,
Den
Geist darin zu betten.
Und
wenn die Lippen sich dabei
Aufs
niedlichste bewegen,
Sie
machen dich auf einmal frei,
In
Fesseln dich zu legen.
Der
Atem will nicht mehr zurück,
Die
Seel zur Seele fliehend,
Gerüche
winden sich durchs Glück
Unsichtbar
wolkig ziehend.
Doch
wenn es allgewaltig brennt,
Dann
greifst du nach der Schale:
Der
Schenke läuft, der Schenke kömmt
Zum
erst- und zweiten Male.
Sein
Auge blitzt, sein Herz erbebt,
Er
hofft auf deine Lehren,
Dich,
wenn der Wein den Geist erhebt,
Im
höchsten Sinn zu hören.
Ihm
öffnet sich der Welten Raum,
Im
Innern Heil und Orden,
Es
schwillt die Brust, es bräunt der Flaum,
Er
ist ein Jüngling worden.
Und
wenn dir kein Geheimnis blieb,
Was
Herz und Welt enthalte,
Dem
Denker winkst du treu und lieb,
Daß
sich der Sinn entfalte.
Auch
daß vom Throne Fürstenhort
Sich
nicht für uns verliere.
Gibst
du dem Schah ein gutes Wort
Und
gibst es dem Wesire.
Das
alles kennst und singst du heut
Und
singst es morgen eben:
So
trägt uns freundlich dein Geleit
Durchs
rauhe, milde Leben.