Ich habe zum guten Schluß noch eine Frage: Ich möchte gerne ein Rätsel gelöst haben. Antwort oder Antwortlosigkeit entscheiden, ob ich in der katholischen Kirche bleibe, oder sie verlasse. (Anknüpfend an die Brotverteilungsstellen, in weiterem Sinne an die erstgenannte Bibelstelle bei Markus "Gebt Ihr ihnen zu essen" nun die andere, der Rahmen gegenüber sozusagen:)
Was bedeutet in Ihrer, unserer, der katholischen, der christlichen, traditionellen oder meinetwegen auch nicht mehr traditionellen Exegese die Passage Markus 8,17-21? Was bedeutet das Verteilen der Brote in den beiden Zeichen, und was meint der Meister in Bezug auf das Verständnis dieser Zeichen an der angegebenen Stelle?
Was meint das "oupo
syniete?"? Was sollten die Jünger hier wie verstehen?
Ich
denke, ich werde diese Frage auch an andere stellen. Vielleicht weiß
jemand das Rätsel zu lösen.
Theologie ist die höchste aller Wissenschaften,
da sie sich mit der höchsten aller Erkenntnis- und Erfahrungsformen
befaßt. So
sind Rätsel in ihr seit Urzeiten das Prüfungsmittel für
Erkenntnisansprüche und Erfahrungreife.
in Salomons Namen, bis bald, Ihr Hans Zimmermann,
Görlitz
Gerald Kluge:
Und das ist der Grund, warum ich auf Ihre
Frage keine Antwort schreibe. Haetten Sie mich einfach nach meinem
Verstaendnis der Stelle gefragt, waere es etwas anderes gewesen.
Aber mich in dieser Weise unter Druck zu setzen und quasi zu erpressen
(schreiben Sie etwas Ordentliches, sonst trete ich aus)
– da mache ich einfach nicht mit. In der Art lass ich
mit mir nicht umspringen.
Hans Zimmermann:
Schade. Durchgefallen.
Es tut mir in der Seele weh! Konnten Sie sich
nicht ein bißchen mehr anstrengen? Sie haben's ja nicht mal versucht,
nicht einmal ein bißchen verrückte oder künstlerisch geordnete
Phantasie bei der Lösung dieses Rätsels aufgebracht! Nicht einmal
Ihre Ratlosigkeit zugegeben! Nicht einmal den Spiegel aufgestellt, den
alle Diskutanten bei einer Aporie aufstellen: Mich zurückzufragen,
ob ich überhaupt eine Lösung erkennen oder ahnen oder voraussetzen
kann.
Danke für Ihre fragmentarischen Versuche,
alles, auch wenn's nicht hinreicht.
Sie werden's schon gut machen, Ihre Orientierung
geht halt nicht in meine Richtung.
Also, Gott segne Sie!
a-Dios, Hans Zimmermann
Gerald Kluge:
Jetzt mal Klartext: WAS BILDEN SIE SICH
UeBERHAUPT EIN? Bin ich hier Ihr kleiner Junge, dem Sie Aufgaben
stellen und nachher bewerten, ob er sie auch ordentlich geloest hat?
Vielleicht sollten Sie mal von Ihrem hohen Ross etwas auf den Boden
der Realitaet zurueckkommen.
Die Diskussion ist sinnlos. VERSCHONEN SIE MICH
MIT WEITEREN MAILS!
Hans Zimmermann:
zu spät.
Gerald Kluge:
Ich glaube, mein Wunsch ist eindeutig:
ICH MOeCHTE KEINE WEITEREN MAILS VON IHNEN! Sollte noch eine Mail
kommen, garantiere ich Ihnen, dass Sie Aerger bekommen!
Hans Zimmermann:
Habe Ihre Entschuldigung akzeptiert.
Gerald Kluge versuchte dann, weil ja diese Ein-Satz-email von mir
noch so frech hinterhergeworfen worden war, in der Tat, meinen Rechner
mit einem Virus zu infizieren. Was für ein alberner Grabenkämpfer!
Oder doch: mein kleiner Junge.
Ich schrieb etwa gleichzeitig (also im Februar 1998) an den Pastor
der nächsten römisch-katholischen Gemeinde und an den Bischof
hier in Görlitz folgenden Brief, der dann knapp, aber treffsicher
und geradezu prophetisch, damit beantwortet wurde, ich solle die Schriften
Kardinal Ratzingers (sic!) lesen, um die in meinem Brief gestellten Fragen
beantwortet zu finden.
In der Tat kann man in der später erschienenen Enzyklika
"Dominus Iesus" eine umfassende und gründliche Antwort auf meinen
Brief an die Görlitzer Priester sehen; daß diese Antwort, die
ich übrigens erst sehr viel später, nämlich voriges Jahr
(2009) einmal gründlich durchgelesen habe, aber nichts "gerettet"
hätte, ist schon aufgezeigt worden. Schon vor der "antwortenden" Enzyklika
war ich aufgrund der Antworten und Drohungen Gerald Kluges aus der Römisch-Katholischen
Kirche ausgetreten, und ich hätte es auch einige Jahre später
getan, wenn die Enzyklika "Dominus Iesus" mich von der Ausschließlichkeit
der dort vertretenen Geltungs- und Herrschaftsansprüche überzeugt
hätte: Ausschließlichkeit schließt mich aus = Sie
schließt sich von meiner staunenden, forschenden und schöpferischen
Offenheit aus und wird zu einem distantierten Formenspiel, sich kräuselnder
Rauch, Dunst-Kringel vor meinen Augen.
Hier also noch mein damaliger papierner Brief (snail-mail) an den
Pastor der Heilig-Kreuz-Kirche und den Görlitzer Bischof:
Sehr geehrte Priester der katholischen Kirche!
1. Wodurch ist ein Katholik katholisch? Wodurch
ist er Mitglied der katholischen Kirche?
Das entspricht nicht ganz der damaligen Situation. Damals gab es weder den Rundbrief noch sonst etwas Öffentliches, was man mit "vorführen" kennzeichnen könnte. Es war ein Briefwechsel, der die Gefahr in sich hat, daß sich einer der beiden oder gleich beide als Lehrer des jeweils anderen aufspielen können. Also eher ein Kräftemessen, eine kleine Fecht-Übung. "Glattes Eis ein Paradeis für den der gut zu tanzen weiß" (Nietzsche).
> Wer sich über Jahrzehnte, oder gar ein
Leben lang der katholischen Lehre
> verpflichtet glaubt und fraglos deren Hierarchie
als konstitutiv für
> seinen Glauben empfindet, wird diese, und sei
es zum Schutze seines
> Selbstbildes nicht preisgeben wollen.
Nun bin ich ja katholisch aufgewachsen und, wie
ich früher immer betont habe, katholisch initiiert (Taufe, Beichte,
Kommunion und Firmung). Aber ich blieb (innerlich) nicht Jahrzehnte, sondern
stellte von der Vorpubertät an meine Fragen, erlebte das schlechte,
ich meine unphilosophische und untheologische Diskussionsniveau, an dem
so ein 12jähriger durchaus brennendes Interesse haben kann, sah, daß
ich in meiner intensiven religiösen Erfahrung, Gebetsinnigkeit und
Erkenntnis keine Entsprechung bei den Pastoren mehr fand, und da wurde
ich Buddhist, wurde Hindu, wurde durch Bibellektüre wieder christlich.
Aber "was sind das für Heinis, die in der Pubertät noch in dem
Verein geblieben sind?", so fragte ich mich immer. Schließlich kochte
alles neu auf seit 1966, und ich war ja nicht allein mit meinen "indischen"
Philosophemen und dem entsprechenden Pantheismus, schließlich studierte
ich ja auch Philosophie und Indologie und ärgerte mich zunehmend über
die bornierten Spießer, die in der Theologie hängenblieben,
wie ich sie in Bonn erlebte.
Aber dieser unkluge Kluge hat diese religiös-philosophische
Revolution garnicht mitgemacht, denke ich, sondern ist in der "Diaspora"
der DDR aufgewachsen. Das wird's wohl sein. Deshalb glaubt er auch noch,
er habe kraft seines Amtes eine Autorität. So ist er damals, vor 12
Jahren, gründlich in die Falle getappt. Er hätte mir leid tun
müssen, aber andererseits spielt er sich ja als Inquisitor auf.
> Lassen wir Ihnen ihren Glauben!
> Wir leben doch in einer Zeit, in der kirchlich-dogmatische
Aussagen
> zunehmend an Relevanz verlieren. Fast will
es mir scheinen, als
> erhielten sie allein ihre Bedeutung in unserer
Gesellschaft durch die
> emotionale Reibung an ihnen.
Der Clou ist ja der, daß ich diese "kirchlich-dogmatischen
Aussagen" nicht nur verteidige, sondern auch vertiefe. "Dominus Iesus"
ist in meiner Sicht ja gar nicht so schlecht, im Nachhinein staune ich
ja darüber, wie sehr es eine Antwort auf meinen Brief an den Bischof
darstellt, z.B. durch den überraschenden Punkt, daß das ganze
Konstantinische Credo da gleich am Anfang "aufgesagt" wird, das ich selbst
in meinem Brief als ein mögliches Kriterium des Katholischseins genannt
hatte.
Ich bin allerdings etwas strenger bibelgebunden,
weshalb ich auch den Credosatz mit der Jungfrauengeburt nicht akzeptieren
kann (Stammbäume Jesu über Josef, Paulus: "dem Fleisch nach ein
Sohn Davids" usw.) Ich störe mich ja nicht an den Dogmen und reibe
mich nicht an ihnen, sondern beanstande die Verhärtung, Verriegelung,
Verschließung der Glaubenssätze in verordneter Geistlosigkeit.
Aber ich zögere auch, auch jetzt: so geistlos, wie ich hier unterstelle,
ist Ratzinger eigentlich nicht. Man kann seine Sätze durchaus so lesen,
daß er den
kosmisch-umfassenden, mystisch-allenthaltenden Christus des Kolosser- und
Epheserbriefes meint, wenn er alle Offenbarung in Christus als vollendet
und endgültig ansieht.
Das heißt leider, daß dieser Theologe,
den man zu Recht zum Papst gemacht hat, offensichtlich der einzige in der
katholischen Kirche ist, der den
Pantokrator des Kolosser- und Epheserbriefes ernstnimmt.
Herzliche Grüße aus der Jakob-Böhme
Stadt Görlitz,
grusz, hansz