Feire Fiz (Hans Zimmermann) : Quellensammlung zum Weltbild der Antike und des Mittelalters : Euripides : Die Bakchen (Die Mänaden)
 
EURIPIDHS : BAKCAI
 
EURIPIDÊS : BAKCHAI
 
         EURIPIDÊS (485-406 v.Chr.) : DIE MÄNADEN (DIE BAKCHEN)
 
 Dionysosmosaik in Korinth, 2.Jhd.n.Chr.
 
zweites Chorlied * Dionysos vor Pentheus
drittes Chorlied * Wechselgesang zwischen Dionysos und dem Bakchenchor * Dionysos wieder vor Pentheus
CHO  
Hosia potna theôn, 
Hosia d' ha kata gan 
chrusean pteruga phereis, 
tade Pentheôs aieis? 
aieis ouch hosian 
hubrin es ton Bromion, ton 
Semelas, ton para kalli- 
stephanois euphrosunais dai- 
mona prôton makarôn? hos tad' echei, 
thiaseuein te chorois 
meta t' aulou gelasai 
apopausai te merimnas, 
hopotan botruos elthêi 
ganos en daiti theôn, kis- 
sophorois d' en thaliais an- 
drasi kratêr hupnon am- 
phiballêi. 
 
CHOR: 
Herrin des Rechtes, du Machtvolle unter den Göttern, 
Herrin des Rechtes, die du über die Erde hin 
die goldenen Schwingen regst, 
vernimmst du die Worte des Pentheus? 
Vernimmst du die ruchlose Kränkung, 
die gegen den lärmenden Gott sich richtet, 
den Sohn der Semele, der bei den Freuden, 
zu denen man festlich sich kränzt, 
an der Spitze der Seligen steht? Ist sein doch das Amt, 
dahinzuschwärmen im Tanze, 
zum Klang der Flöten zu lachen 
und weit zu verbannen die Sorgen, 
wenn der erquickende Saft 
der Trauben beim Göttermahl fließt, 
der Mischkrug beim frohen Gelage 
die Zecher, die efeubekränzten, 
in Schlummer versenkt. 
 
achalinôn stomatôn 
anomou t' aphrosunas 
to telos dustuchia: 
ho de tas hêsuchias 
biotos kai to phronein 
asaleuton te menei kai 
sunechei dômata: porsô 
gar homôs aithera naion- 
tes horôsin ta brotôn ouranidai. 
to sophon d' ou sophia 
to te mê thnêta phronein. 
brachus aiôn: epi toutôi 
de tis an megala diôkôn 
ta paront' ouchi pheroi. mai- 
nomenôn hoide tropoi kai 
kakoboulôn par' emoi- 
ge phôtôn. 
  
Loser Mund 
und gesetzverachtende Torheit 
führen zu bitterem Ende. 
Ein Leben im Stillen 
und klarer Verstand 
stehen fest im Sturm 
und schirmen die Häuser; denn wohnen 
die Himmlischen fern auch im Äther, 
sie sehen der Sterblichen Tun. 
Klügelei und ein Streben 
hinaus über irdische Ziele sind Weisheit nicht. 
Kurz ist das Leben; drum erntet, 
wer allzu Hohes erstrebt, 
kaum die Früchte des Tages. 
Menschen, die derart handeln, 
sind töricht in meinen Augen 
und übel beraten. 
 
hikoiman poti Kupron, 
nason tas Aphroditas, 
hin' hoi thelxiphrones nemon- 
tai thnatoisin Erôtes, 
Paphon th' han hekatostomoi 
barbarou potamou rhoai 
karpizousin anombroi. 
hou d' ha kallisteuomena 
Pieria mouseios hedra, 
semna klitus Olumpou, 
ekeis' age me, Bromie Bromie, 
probakch' euie daimon. 
ekei Charites, 
ekei de Pothos: ekei de bak- 
chais themis orgiazein. 
  
Nach Kypros möchte ich ziehen, 
der Insel der Aphrodite, 
wo die Eroten wohnen, 
die der Menschen Herz bezaubern, 
und nach Paphos, das der Strom 
des Barbarenflusses mit hundert Armen befruchtet, 
von keinem Regen gespeist. 
Und zum schönsten Sitze der Musen, 
Pieria, heiliger Stätte 
am Fuß des Olympos, geleite 
mich, lärmender, schwärmender Gott, 
umjubelter Führer der Bakchen! 
Dort weilen Chariten, 
dort weilt auch Pothos; dort dürfen 
die Bakchen ihre Orgien feiern. 
 
ho daimôn ho Dios pais 
chairei men thaliaisin, 
philei d' olbodoteiran Ei- 
rênan, kourotrophon thean. 
isan d' es te ton olbion 
ton te cheirona dôk' echein 
oinou terpsin alupon: 
misei d' hôi mê tauta melei, 
kata phaos nuktas te philas 
euaiôna diazên, 
sophan d' apechein prapida phrena te 
perissôn para phôtôn: 
to plêthos ho ti 
to phauloteron enomise chrê- 
tai te, tod' an dechoiman. 
 
Unser Gott, der Sprößling des Zeus, 
freut sich heiterer Feste, 
er liebt die Göttin Eirene, die Segen 
uns schenkt und die Jugend nährt. 
Dem Reichen genau wie dem Armen 
vergönnt er des Weines Genuß, 
der die Sorgen verjagt. 
Sein Haß trifft alle, die es verschmähen, 
am lichten Tag wie in wonniger Nacht 
ein heiteres Leben zu führen 
und Herz und Verstand mit Bedacht 
zu versagen den Allzuklugen. 
Was die Menge der einfachen Menschen 
für gut hält und was sie betreibt, 
das lasse ich gelten. 
 
 
THERAPÔN 
Pentheu, paresmen tênd' agran êgreukotes 
eph' hên epempsas, oud' akranth' hôrmêsamen. 
ho thêr d' hod' hêmin praos oud' hupespasen 
phugêi pod', all' edôken ouk akôn cheras 
oud' ôchros, oud' êllaxen oinôpon genun, 
gelôn de kai dein kapagein ephieto 
emene te, toumon eutrepes poioumenos. 
kagô di' aidous eipon: Ô xen', ouch hekôn 
agô se, Pentheôs d' hos m' epemps' epistolais. 
  
has d' au su bakchas heirxas, has sunêrpasas 
kadêsas en desmoisi pandêmou stegês, 
phroudai g' ekeinai lelumenai pros orgadas 
skirtôsi Bromion anakaloumenai theon: 
automata d' autais desma dieluthê podôn 
klêides t' anêkan thuretr' aneu thnêtês cheros. 
pollôn d' hod' hanêr thaumatôn hêkei pleôs 
es tasde Thêbas. soi de talla chrê melein. 
 
EIN DIENER: 
Hier sind wir, Pentheus, mit der Beute, deren Fang 
du uns befahlst; wir gingen mit Erfolg auf Jagd. 
Dies Wild ist zahm und suchte uns nicht zu entkommen, 
nein, bot uns willig seine Hände, ohne zu 
erblassen, und verlor nicht seiner Wangen Röte, 
ließ lachend auch sich binden und von dannen führen 
und blieb ganz ruhig, machte meinen Dienst mir leicht. 
Voll Ehrfurcht sprach ich: "Fremdling, ich verhafte dich 
nur ungern, auf Befehl des Pentheus, der mich schickte." 
 
Die Bakchen aber, die du festgesetzt, die du 
aufgreifen ließest und in das Gefängnis sperren, 
sind fort, sie tanzen, frei von Banden, hin zum Walde 
und preisen schallend ihren Gott, den Bromios. 
Von selber lösten sich die Fesseln ihrer Füße 
und sprangen auf die Riegel, ohne Menschenhand! 
Begabt mit reicher Zauberkraft kam dieser Mann 
nach Theben.  D u  bedenke alles Weitere! 
 
PE  
methesthe cheirôn toud': en arkusin gar ôn 
ouk estin houtôs ôkus hôste m' ekphugein. 
  
atar to men sôm' ouk amorphos ei, xene, 
hôs es gunaikas, eph' hoper es Thêbas parei: 
plokamos te gar sou tanaos, ou palês hupo, 
genun par' autên kechumenos, pothou pleôs: 
leukên de chroian ek paraskeuês echeis, 
ouch hêliou bolaisin, all' hupo skias, 
tên Aphroditên kallonêi thêrômenos. 
 
prôton men oun moi lexon hostis ei genos. 
 
PENTHEUS: 
Gebt ihm die Hände frei! Im Netz gefangen, ist 
er nicht so schnell, daß er mir noch entrinnen könnte! 
 
Dein Äußres ist nicht übel, Freund, gefällt den Weibern – 
das ist ja auch der Zweck, der dich nach Theben führt. 
Lang wallen dir die Locken – wohl vom Ringkampf  nicht! – 
um deine Wangen, zärtliches Verlangen weckend; 
mit Absicht hast du deine Haut dir weiß erhalten, 
von Sonnenstrahlen fern, im Schatten, weil du dir 
durch Schönheit Aphrodites Huld gewinnen willst. 
 
Nun sag, vor allem andern, mir, woher du stammst! 
 
DI   
ou kompos oudeis: rhaidion d' eipein tode.  
ton anthemôdê Tmôlon oistha pou kluôn.  
  
PE   
oid', hos to Sardeôn astu periballei kuklôi.  
  
DI   
enteuthen eimi, Ludia de moi patris.  
  
PE   
pothen de teletas tasd' ageis es Hellada?  
  
DI   
Dionusos hêmas eisebês', ho tou Dios.  
  
PE   
Zeus d' est' ekei tis, hos neous tiktei theous?  
  
DI   
ouk, all' ho Semelên enthade zeuxas gamois.  
  
PE   
potera de nuktôr s' ê kat' omm' ênankasen?  
  
DI   
horôn horônta, kai didôsin orgia.  
  
PE   
ta d' orgi' esti tin' idean echonta soi?  
  
DI   
arrêt' abakcheutoisin eidenai brotôn.  
  
PE   
echei d' onêsin toisi thuousin tina?  
  
DI   
ou themis akousai s', esti d' axi' eidenai.  
  
PE   
eu tout' ekibdêleusas, hin' akousai thelô.  
  
DI   
asebeian askount' orgi' echthairei theou.  
  
PE   
ton theon horan gar phêis saphôs, poios tis ên?  
  
DI   
hopoios êthel': ouk egô 'tasson tode.  
  
PE   
tout' au parôcheteusas eu kouden legôn.  
  
DI   
doxei tis amathei sopha legôn ouk eu phronein.  
 
DIONYSOS: 
Ich brauche nicht zu prahlen. Leicht ist mir die Antwort. 
Du hast vom blumenreichen Tmolos wohl gehört? 
 
PENTHEUS. 
Ja, dem Gebirge, das sich rings um Sardes zieht. 
 
DIONYSOS: 
Dort stamm ich her, mein Vaterland ist Lydien. 
 
PENTHEUS: 
Warum führst diese Weihen du in Hellas ein? 
 
DIONYSOS: 
Dionysos, der Sohn des Zeus, hat mich geschickt. 
 
PENTHEUS: 
Lebt dort ein Zeus, der neue Götter zeugen kann? 

DIONYSOS: 
Nein, er, der mit Semele hier den Bund geschlossen. 
 
PENTHEUS: 
Kam er im Traum, kam er im Wachen über dich? 
 
DIONYSOS: 
Von Aug zu Aug, und lehrte mich den Gottesdienst. 
 
PENTHEUS: 
Worin besteht das Wesen deines Gottesdienstes? 
 
DIONYSOS: 
Das bleibt für ungeweihte Sterbliche Geheimnis. 
 
PENTHEUS: 
Was nützt er denen, die sich opfernd ihm ergeben? 
 
DIONYSOS: 
Du darfst es hören nicht, obwohl es wissenswert. 
 
PENTHEUS: 
Das hast du gut getarnt, wo ich's erfahren will! 
 
DIONYSOS: 
Der Gottesdienst stößt jeden ab, der gottlos ist. 
 
PENTHEUS: 
Du hast den Gott erkannt, sagst du - wie sah er aus? 
 
DIONYSOS: 
Wie's ihm gefiel, das hatte ich nicht zu bestimmen. 
 
PENTHEUS: 
Darüber gehst du schlau hinweg, sagst reinweg gar nichts! 
 
DIONYSOS: 
Ein Tor wird den, der Kluges spricht, für unklug halten. 
 

PE   
êlthes de prôta deur' agôn ton daimona?  
  
DI   
pas anachoreuei barbarôn tad' orgia.  
  
PE   
phronousi gar kakion Hellênôn polu.  
  
DI   
tad' eu ge mallon: hoi nomoi de diaphoroi.  
  
PE   
ta d' hiera nuktôr ê meth' hêmeran teleis?  
  
DI   
nuktôr ta polla: semnotêt' echei skotos.  
  
PE   
tout' es gunaikas dolion esti kai sathron.  
  
DI   
kan hêmerai to g' aischron exeuroi tis an.  
  
PE   
dikên se dounai dei sophismatôn kakôn.  
  
DI   
se d' amathias ge kasebount' es ton theon.  
  
PE   
hôs thrasus ho bakchos kouk agumnastos logôn.  
 
PENTHEUS: 
Hierher zuerst bist du mit deinem Gott gekommen? 
 
DIONYSOS: 
Schon tanzen die Barbaren sämtlich ihm zu Ehren. 
 
PENTHEUS: 
Sie sind den Griechen weit an Einsicht unterlegen. 
 
DIONYSOS: 
Hierin gewiß voraus! Die Sitten nur sind andre. 
 
PENTHEUS: 
Vollziehst du nachts die Gottesdienste oder tags? 
 
DIONYSOS: 
Gewöhnlich nachts. Die Dunkelheit stimmt feierlich. 
 
PENTHEUS: 
Das ist verlockend für die Frauen und gefahrvoll. 
 
DIONYSOS: 
Bei Tag auch findet man Gelegenheit zum Laster. 
 
PENTHEUS: 
Du sollst für deine Winkelzüge Buße leisten! 
 
DIONYSOS: 
Und du für Unvernunft und Gotteslästerung! 
 
PENTHEUS: 
Dreist ist der Bakchosnarr, im Wortkampf wohlgeübt! 
 
DI   
eiph' ho ti pathein dei: ti me to deinon ergasêi?  
  
PE   
prôton men habron bostruchon temô sethen.  
  
DI   
hieros ho plokamos: tôi theôi d' auton trephô.  
  
PE   
epeita thurson tonde parados ek cheroin.  
  
DI   
autos m' aphairou: tonde Dionusou phorô.  
  
PE   
heirktaisi t' endon sôma son phulaxomen.  
  
DI   
lusei m' ho daimôn autos, hotan egô thelô.  
  
PE   
hotan ge kalesêis auton en bakchais statheis.  
  
DI   
kai nun ha paschô plêsion parôn horai.  
  
PE   
kai pou 'stin? ou gar phaneros ommasin g' emois.  
  
DI   
par' emoi: su d' asebês autos ôn ouk eisorais.  
  
PE   
lazusthe: kataphronei me kai Thêbas hode.  
  
DI   
audô me mê dein sôphronôn ou sôphrosin.  
  
PE   
egô de dein ge, kuriôteros sethen.  
  
DI   
ouk oisth' ho ti zêis, oud' ho drais, oud' hostis ei.  
  
PE   
Pentheus, Agauês pais, patros d' Echionos.  
  
DI   
endustuchêsai tounom' epitêdeios ei.  
 
DIONYSOS: 
Sprich Was steht mir bevor? Womit willst du mich quälen? 
 
PENTHEUS: 
Zum ersten will ich dir die schönen Locken stutzen. 
 
DIONYSOS: 
Mein Haar ist heilig; für die Gottheit pflege ich's. 
 
PENTHEUS: 
Dann hast du deinen Thyrsosstab mir auszuliefern. 
 
DIONYSOS: 
Nimm selbst ihn mir! Ich trage ihn als Schatz des Bakchos. 
 
PENTHEUS: 
Ich werde sicher dich verwahren, im Gefängnis. 
 
DIONYSOS: 
Der Gott wird selber mich befreien, wenn ich will. 
 
PENTHEUS: 
Ja, wenn du ihn im Kreise deiner Bakchen rufst! 
 
DIONYSOS: 
Auch jetzt, ganz nahe, sieht er, wie es mir ergeht. 
 
PENTHEUS: 
Wo steht er denn? Er ist nicht sichtbar meinen Augen. 
 
DIONYSOS: 
Bei mir! Du bist ja gottlos, kannst ihn gar nicht sehen. 
 
PENTHEUS: 
Ergreift ihn! Er mißachtet mich und Thebens Volk! 
 
DIONYSOS: 
Ich sag euch Narren, als ein Kluger: Laßt mich los! 
 
PENTHEUS: 
Doch ich befehle als dein Herr: Legt ihn in Fesseln! 
Es geschieht. 
 
DIONYSOS: 
Du kennst dein Leben nicht, noch deine Tat, noch dich! 
 
PENTHEUS: 
Doch, Pentheus bin ich, Sohn Agaues und Echions. 
 
DIONYSOS: 
Dein Name eignet sich für einen Unglücklichen! 
 
PE   
chôrei: katheirxat' auton hippikais pelas  
phatnaisin, hôs an skotion eisorai knephas.  
ekei choreue: tasde d' has agôn parei  
kakôn sunergous ê diempolêsomen  
ê cheira doupou toude kai bursês ktupou  
pausas, eph' histois dmôidas kektêsomai.  
  
DI   
steichoim' an: ho ti gar mê chreôn, outoi chreôn  
pathein. atar toi tônd' apoin' hubrismatôn  
meteisi Dionusos s', hon ouk einai legeis:  
hêmas gar adikôn keinon eis desmous ageis.  
 
PENTHEUS: 
Hinweg, du! Sperrt ihn bei den Pferdekrippen ein, 
damit er starrt ins Dämmerlicht! Dort kannst du tanzen! 
Doch hier die Frauen, die du mitgebracht als Helfer 
der bösen Tat, will ich verkaufen oder sie, 
wenn ihren Paukenlärm zum Schweigen ich gebracht, 
am Webstuhl, mir zum Sklavendienste, wirken lassen! 
 
DIONYSOS: 
Ich gehe. Keiner braucht zu leiden, was ihm nicht 
beschieden ist. Doch dich wird für dein frevles Tun 
Dionysos bestrafen, den du leugnest. Kränkst 
du mich, so ist es er doch, den du fesseln läßt! 
 
 
CHO  
Achelôiou thugater, 
potni' euparthene Dirka, 
su gar en sais pote pagais 
to Dios brephos elabes, 
hote mêrôi puros ex a- 
thanatou Zeus ho tekôn hêr- 
pase nin, tad' anaboasas: 
Ithi, Dithuramb', eman ar- 
sena tande bathi nêdun: 
anaphainô se tod', ô Bak- 
chie, Thêbais onomazein. 
su de m', ô makaira Dirka, 
stephanêphorous apôthêi 
thiasous echousan en soi. 
ti m' anainêi? ti me pheugeis? 
eti nai tan botruôdê 
Dionusou charin oinas, 
eti soi tou Bromiou melêsei. 
  
CHOR: 
Du Tochter des Acheloos, 
heilige Dirke, liebliche Jungfrau, 
du nahmest ja einst den Sprößling des Zeus 
in deinen Fluten auf, 
als der Vater ihn aus ewiger Flamme 
erraffte, ihn zu verstecken 
im Schenkel, und ausrief: 
"Komme, Dithyrambos, 
komme in meinen männlichen Schoß! 
Ich laß dich erscheinen dem Volke von Theben, 
mein Bakchos: So soll es dich nennen!" 
Du aber, glückselige Dirke, 
willst mich verstoßen, die ich bei dir, 
mit Kränzen geschmückt, im Festzug mich tummle. 
Warum verschmähst du mich, fliehst du vor mir? 
Bei der Freude, die des Dionysos 
traubenreicher Weinstock schenkt: 
Auch du wirst den lärmenden Gott noch verehren! 
 
hoian hoian organ 
anaphainei chthonion 
genos ekphus te drakontos 
pote Pentheus, hon Echiôn 
ephuteuse chthonios, 
agriôpon teras, ou phô- 
ta broteion, phonion d' hôs- 
te gigant' antipalon theois: 
hos em' en brochoisi tan tou 
Bromiou tacha xunapsei, 
ton emon d' entos echei dô- 
matos êdê thiasôtan 
skotiais krupton en heirktais. 
esorais tad', ô Dios pai 
Dionuse, sous prophêtas 
en hamillaisin anankas? 
mole, chrusôpa tinassôn, 
ana, thurson kat' Olumpon, 
phoniou d' andros hubrin katasches. 
  
In welch einen furchtbaren Zorn 
bricht aus der Sprößling der Erde, 
der Enkel der Drachensaat, 
Pentheus, den Echion gezeugt, 
der Erdentwachsene, 
ihn, ein Scheusal mit wildem Blick, 
keinen sterblichen Menschen – einen Giganten, 
der blutgierig Götter bekämpft! 
In Fesseln wird er mich legen sogleich, 
des lärmenden Gottes Gefolge; 
schon hält er drinnen im Hause fest 
meinen Herrn, der dem Reigen voranzieht, 
hält ihn verborgen in finsterem Kerker. 
Siehst du es, Sohn des Zeus, Dionysos, 
siehst du deinen Propheten 
im Kampf gegen rohe Gewalt? 
Komme doch, schwingend den goldenen Thyrsos, 
herab vom Olymp, mein Gebieter, 
und zähme des Grausamen Trotz! 
 
pothi Nusas ara tas thê- 
rotrophou thursophoreis 
thiasous, ô Dionus', ê 
koruphais Kôrukiais? 
tacha d' en tais poludendres- 
sin Olumpou thalamais, en- 
tha pot' Orpheus kitharizôn 
sunagen dendrea mousais, 
sunagen thêras agrôtas. 
makar ô Pieria, 
sebetai s' Euios, hêxei 
te choreusôn hama bakcheu- 
masi, ton t' ôkuroan 
diabas Axion heilis- 
somenas Mainadas axei, 
Ludian patera te, ton 
tas eudaimonias brotois 
olbodotan, ton ekluon 
euippon chôran hudasin 
kallistoisi lipainein. 
  
Wo führst du den Reigen, 
Träger des Thyrsos, Dionysos, 
fern im wildreichen Nysa? 
Oder auf den korykischen Gipfeln? 
Doch wohl in den waldigen Schluchten 
des Olympos, wo Orpheus einst, 
zum Spiel der Laute, mit seinem Gesang 
die Bäume an sich gelockt 
und das wilde Getier? 
Glückselig du, Pieria, 
dir huldigt der jubelnde Gott, 
wird bei dir weilen, dich tanzen zu lehren 
beim bakchischen Fest, und wird 
das Mainadengetümmel 
über den reißenden Axios führen 
und über den Lydias, der, wie ein Vater, 
reichen Segen den Sterblichen spendet; 
wie ich vernommen, befruchtet er 
die rossenährenden Gaue 
mit köstlichem Naß. 
 
DI   
iô,  
kluet' emas kluet' audas,  
iô bakchai, iô bakchai.  
  
CHO  
tis hode, tis <hode> pothen ho kelados  
ana m' ekalesen Euiou?  
  
DI   
iô iô, palin audô,  
ho Semelas, ho Dios pais.  
  
CHO  
iô iô despota despota,  
mole nun hêmeteron es  
thiason, ô Bromie Bromie.  
 
DIONYSOS: 
Juchhe, 
höret mein Rufen, höret, 
juchhe, ihr Bakchen, he, ihr Bakchen! 
 
CHOR: 
Was ist das? Was ist das? Woher 
dringt zu mir der Ruf des jubelnden Gottes? 
 
DIONYSOS: 
Juchhe, juchhe, ich rufe noch einmal, 
der Sohn Semeles, der Sohn des Zeus! 
 
CHOR: 
Juchhe, juchhe, mein Herr, mein Gebieter, 
komme zu unserem Reigen, 
du lärmender, schwärmender Gott! 
 
DI   
<seie> pedon chthonos Ennosi potnia.  
  
CHO  
a a,  
tacha ta Pentheôs melathra diati-  
naxetai pesêmasin.  
ho Dionusos ana melathra:  
sebete nin.  
 – sebomen ô.  
eidete laina kiosin embola  
diadroma tade? Bromios <hod'> ala-  
lazetai stegas esô.  
   
DI   
hapte keraunion aithopa lampada:  
sumphlege sumphlege dômata Pentheos.  
   
CHO  
a a,  
pur ou leusseis, oud' augazêi,  
Semelas hieron amphi taphon, han  
pote keraunobolos elipe phloga  
Diou brontas?  
dikete pedose tromera sômata  
dikete, Mainades: ho gar anax  
anô katô titheis epeisi  
melathra tade Dios gonos.  
  
<DIONYSOS:> 
Erhabene Göttin, die du die Erde erschütterst! 
 
<CHOR:> 
Ha! Ha! 
Schon gerät ins Wanken des Pentheus Palast, 
gleich stürzt er zusammen! 
Dionysos waltet im Schloß! 
Betet ihn an! 
 – Ja wir beten zu ihm! 
Seht ihr das steinerne Säulengebälk 
dort im Fall sich verwirren? 
Der lärmende Gott 
erhebt im Hause das Siegesgeschrei! 
 
DIONYSOS: 
Entzünde den flammenden Blitzstrahl! 
Verbrenne, verbrenne des Pentheus Schloß! 
 
CHOR: 
Ha! Ha! 
Siehst du die Glut nicht, erblickst du nicht 
am heiligen Grabmal Semeles die Flamme, 
die Zeus im Donner geschleudert? [Semele, 
vom Blitzstrahl getroffen,] ließ einst sie zurück. 
Werft euch zu Boden, ihr zittert vor Furcht, 
werft euch zu Boden, Mainaden! Es kommt 
unser Herr, der Sohn des Zeus, über dieses Haus 
und legt es von Grund auf in Trümmer! 
 
DI   
barbaroi gunaikes, houtôs  
     ekpeplêgmenai phobôi 
pros pedôi peptôkat'? êisthêsth',  
     hôs eoike, Bakchiou 
diatinaxantos dôma Pentheôs:  
     all' exanistate  
sôma kai tharseite sarkos  
     exameipsasai tromon. 
 
CHO 
ô phaos megiston hêmin  
     euiou bakcheumatos, 
hôs eseidon asmenê se,  
     monad' echous' erêmian. 
 
DI   
eis athumian aphikesth',   
     hênik' eisepempomên,  
Pentheôs hôs es skoteinas   
     horkanas pesoumenos?  
  
CHO  
pôs gar ou? tis moi phulax ên, ei su   
     sumphoras tuchois?  
alla pôs êleutherôthês andros   
     anosiou tuchôn?  
  
DI   
autos exesôis' emauton  
     rhaidiôs aneu ponou.  
  
CHO  
oude sou sunêpse cheire  
     desmioisin en brochois?  
 
DIONYSOS: 
Frauen aus Barbarenland, 
     derart betäubt vom jähen Schreck 
sanket ihr zu Boden? Ihr bemerktet wohl, 
     wie Bakchios 
niederschmetterte des Pentheus Haus! 
     Wohlan, erhebet euch, 
höret auf zu zittern 
     und beweiset wieder frischen Mut! 
 
CHORFÜHRERIN: 
Du, der uns den hellsten Glanz verleiht 
     bei unsrem Bakchosfest, 
O wie gern erblick ich dich, 
     so ganz verlassen, wie ich bin! 
 
DIONYSOS: 
Ließet euren Mut ihr sinken, 
     als man mich ins Haus geführt, 
mich hinabzustoßen in des 
     Pentheus düsteres Verlies? 

CHORFÜHRERIN: 
Freilich! Wer vermochte mich zu schützen, 
     stieß dir etwas zu? 
Doch wie konntest du entrinnen aus des 
     Bösewichtes Haft? 
 
DIONYSOS: 
Selber hab ich Rettung mir gebracht, 
     ganz leicht und mühelos. 
 
CHORFÜHRERIN: 
Hatte er dir deine Arme nicht 
     mit Banden fest umstrickt? 
 

 
DI   
tauta kai kathubris' auton, hoti me  
     desmeuein dokôn 
out' ethigen outh' hêpsath' hêmôn,  
     elpisin d' ebosketo. 
pros phatnais de tauron heurôn,  
     hou katheirx' hêmas agôn, 
ide peri brochous eballe  
     gonasi kai chêlais podôn, 
thumon ekpneôn, hidrôta  
     sômatos stazôn apo, 
cheilesin didous odontas:  
     plêsion d' egô parôn 
hêsuchos thassôn eleusson.  
     en de tôide tôi chronôi 
anetinax' elthôn ho Bakchos  
     dôma kai mêtros taphôi 
pur anêps': ho d' hôs eseide,  
     dômat' aithesthai dokôn, 
êiss' ekeise kait' ekeise,  
     dmôsin Achelôion pherein 
ennepôn, hapas d' en ergôi  
     doulos ên, matên ponôn. 
diametheis de tonde mochthon,  
     hôs emou pepheugotos, 
hietai xiphos kelainon  
     harpasas domôn esô. 
 
kaith' ho Bromios, hôs emoige  
     phainetai, doxan legô, 
phasm' epoiêsen kat' aulên:  
     ho d' epi touth' hôrmêmenos 
êisse kakentei phaennon  
     <aither'>, hôs sphazôn eme. 
pros de toisd' autôi tad' alla  
     Bakchios lumainetai: 
dômat' errêxen chamaze:  
     suntethranôtai d' hapan 
pikrotatous idonti desmous  
     tous emous: kopou d' hupo 
diametheis xiphos pareitai:  
     pros theon gar ôn anêr 
es machên elthein etolmêse.  
     hêsuchos d' ekbas egô 
dômatôn hêkô pros humas,  
     Pentheôs ou phrontisas. 
  
hôs de moi dokeipsophei goun  
     arbulê domôn esô –  
es pronôpi' autich' hêxei.  
     ti pot' ar' ek toutôn erei? 
rhaidiôs gar auton oisô,  
     kan pneôn elthêi mega. 
pros sophou gar andros askein  
     sôphron' euorgêsian. 
 
DIONYSOS: 
Hier grad hielt ich ihn zum Narren: 
     Mich zu fesseln wähnte er, 
doch berührte er mich gar nicht, 
     schwelgte nur in seinem Wahn. 
In dem Stall, in den er mich gesperrt, 
     stieß er auf einen Stier; 
dem umschlang er Knie und Huf 
     mit Stricken, schnaubte laut vor Wut, 
grub die Zähne, während ihm 
     der Schweiß vom Leib in Strömen rann, 
in die Lippen. Und ich saß 
     in aller Ruhe dicht dabei 
und genoß das Schauspiel. 
     Da kam Bakchos und erschütterte 
den Palast und ließ vom Grabe 
     seiner Mutter Flammen sprühn. 
Pentheus sah es, und im Wahn, 
     im Feuer ginge auf das Schloß, 
stürzte hierhin er und dorthin, 
     gab den Knechten den Befehl 
Wasser herzuschleppen; alle 
     Diener mühten sich – umsonst. 
Plötzlich gab er's auf, aus dem 
     Verdacht, daß ich entflohen sei, 
griff nach seinem dunklen Schwert 
     und eilte ungestüm ins Haus. 
 
Da ließ Bromios – den Eindruck 
     schildre ich, den ich empfand  – 
ein Gespenst im Hof erscheinen; 
     Pentheus stürzte darauf los 
und hieb rasend in die leere 
     Luft, als schlüge er mich tot. 
Dazu brachte Bakchos weitren 
     Schimpf und Schaden über ihn. 
Er zerschmetterte sein Haus. 
     In Trümmern liegt es ganz, durch ihn, 
der so grausam mich gefesselt sah. 
     Erschöpft, hielt Pentheus ein, 
seiner Hand entsank das Schwert. 
     Er hatte sich, als Mensch, erkühnt, 
gegen einen Gott zu streiten! 
     Aus dem Schloß trat ich zu euch, 
unbehelligt, brauchte mich 
     um Pentheus nicht zu kümmern mehr. 
 
Doch ich glaube – laute Schritte 
     hallen ja im Haus –, er tritt 
jetzt ins Freie. Was wird sagen 
     er, nach allem, was geschah? 
Ruhig will ich mit ihm fertig 
     werden, kommt er auch voll Wut; 
denn ein weiser Mann bewährt 
     Vernunft stets und Gelassenheit. 
PE   
pepontha deina: diapepheuge m' ho xenos,  
hos arti desmois ên katênankasmenos.  
ea ea:  
hod' estin hanêr: ti tade? pôs pronôpios  
phainêi pros oikois tois emois, exô bebôs?  
  
DI   
stêson pod', orgêi d' hupothes hêsuchon poda.  
  
PE   
pothen su desma diaphugôn exô perais?  
  
DI   
ouk eiponê ouk êkousashoti lusei me tis?   
  
PE   
tis? tous logous gar esphereis kainous aei.  
  
DI   
hos tên polubotrun ampelon phuei brotois.  
  
<PE ... >   
DI   
ôneidisas dê touto Dionusôi kalon.  
  
PE   
klêiein keleuô panta purgon en kuklôi.  
  
DI   
ti d'? ouch huperbainousi kai teichê theoi?  
  
PE   
sophos sophos su, plên ha dei s' einai sophon.  
  
DI   
ha dei malista, taut' egôg' ephun sophos.  
keinou d' akousas prôta tous logous mathe,  
hos ex orous parestin angelôn ti soi:  
hêmeis de soi menoumen, ou pheuxoumetha.  
 
PENTHEUS: 
Entsetzlich! Mir entrann der Fremdling, der soeben 
noch im Gefängnis lag, gefesselt, eingesperrt! 
Ha! Ha! 
Da ist er ja! Was soll das? Wie gelang es dir, 
zu fliehen und vor meinem Hause zu erscheinen? 
 
DIONYSOS: 
Bleib stehen, hemme deines Zornes wilden Schritt! 
 
PENTHEUS: 
Wie kommt es, daß du aus dem Kerker frei entlaufen? 
 
DIONYSOS: 
Ich sagte – hörtest du es nicht? –: "Man wird mich lösen!" 
 
PENTHEUS: 
Wer? Immer neue Reden bringst du mir zu Ohren! 
 
DIONYSOS: 
Er, der den Menschen Weinstock wachsen läßt und Reben. 
 
PENTHEUS [...] 
[DIONYSOS]: 
Dein Lob ist nur ein Tadel für Dionysos! 
 
PENTHEUS: 
Befehl von mir: Schließt alle Tore ringsum zu! 
 
DIONYSOS: 
Wie? Können Götter nicht auch Mauern überschreiten? 
 
PENTHEUS: 
Klug bist du, klug, nur dort nicht, wo du Klugheit brauchst! 
 
DIONYSOS: 
Gerade dort, wo ich es brauche, bin ich klug. 
Doch höre erst, was dort der Mann zu sagen hat, 
der aus den Bergen zu dir kommt mit einer Meldung! 
Ich werde bei dir bleiben, nicht die Flucht ergreifen. 
 
 
weiter zum Botenbericht des Hirten vom Treiben der Bakchen
 
Dionysos Prolog * erstes Chorlied, Einzug der Bakchen
Teiresias und Kadmos, trunken * Pentheus tritt auf * Teiresias belehrt Pentheus
 
zweites Chorlied * Dionysos vor Pentheus
drittes Chorlied * Wechselgesang zwischen Dionysos und dem Bakchenchor * Dionysos wieder vor Pentheus
 
Botenbericht des Hirten vom Treiben der Bakchen
Dionysos verführt Pentheus zur Neugier * viertes Chorlied * Dionysos mit Pentheus bei den Bakchen
 
fünftes Chorlied * Botenbericht des Dieners von der Zerreißung des Pentheus
sechstes Chorlied, Wechselgesang mit Agaue * Kadmos weckt Agaue aus dem Rausch
Reue des Kadmos nach der Katástrophê * Schlußlied des Dionysos * Schlußlied des Chores
 
vgl. Apollodoros, Bibliothêkê : Dionysos-Sagenkreis
und Philostratos, Eikones (Bildbeschreibungen) 1,18 : Bakchen
 
Dionysos verwandelt die Piraten in Delphine
Odysseus lauscht den Sirenen, angebunden an den Mast
Dionysos-Umzug