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Teil 1: TRISTRAM
Als ich in einem Küstenstadtcafé
in fremdem Land
Die Speisekarte überflog
mit federleichter Hand
Mein Rätsel in die flamboyante
Zeichenspur gebannt
Die Buchenstäbe als mein
eignes Los geworfen fand -
Da sprang aus Zungenbrecherstein
aus Konsonantkrokant
Mir ein geheimes Knistern zu
wie Permutt bricht zu Sand
So fein als trüg es in sich
aller Klanggeschmäcker Band
Des Herzens Puls – wie er durch
meine Regung tönte – schien
In sattem Donner vor dem leisen
Blitzen zu entfliehn
So gab ich mich durch aller Zungen
Endgericht dahin
Dem Knospenmund der Zeit dem
zarten Nun der Zärtlichkeit
Dies wählte ich und hätt
es als mein Leibgericht benannt
Und auf den Farbenfächer
der Empfindung aufgespannt
Jedoch es zu benennen blieb der
Schlüssel unbekannt
Ich mühte mich es auszusprechen
sann und suchte Sinn
Doch als der Mundschenk kam mußt
ich ihm zeigen wer ich bin -
Du kommst mir jetzt mit altem
Wein? sprach er – Die Königin
Verließ bereits das Fest
die Gäste wollen weiterziehn
Den alten Wein gibt man zuerst!
Wo bleibt jetzt mein Gewinn?
Die Antwort blieb ich schuldig.
Alles was er mir geliehn
Nahm er sofort zurück. Da
steh ich nun – weiß nicht wohin -
Musikbesoffene die in den Straßen
segeln
Des süßen Reimes Trunkene
die durch die Gassen grölen
Wir Kinder die den Hall der Gossenhöhlen
Nur ausprobieren – hundsgemeine
Blechgelächterseelen -
Sind Komponisten die mit leeren
Dosen kegeln
Kometenabschaumrosenstrudel über
allen Pegeln
Daß einst die letzte Atemfrischesucht
Uns in die Tiefen ihrer Seufzer
saufe!
Die Stille voller Frühling
überlaufe
Das letzte Husten unsrer Menschenflucht
Aller Farben Gemisch lieber Freund
Gibt fürwahr kein erfreuliches
Bild
Dort wo alles zusammenquillt
Welch eine Farbe: Dreck gebräunt!
Doch den Ekel vergiß lieber
Freund
Laß doch nur dieses trübe
Geschehn
Von der Sonne durchlichtet sehn:
Gold erglänzt und dein Auge
scheint!
Nein nicht alles was glänzt
lieber Freund
Ist schon Gold oder Auge dein
Licht
Hier besteht in dem Schätzegericht
Erdgeschleim nur dem Glanze vereint!
Oh Gott! Verlassen hast du mich
noch jedes Mal
Wie oft hab ich gebeten dich:
Nun hilf mir doch
Nicht ist die Bürde leicht
nein auch nicht sanft das Joch
Da lieg ich von Verzweiflung
wach und spinne Qual
Wo bist du nur? Zu suchen hab
ich nie versäumt
In Stille in Begeisterung. Mit
offner Hand
Dich zu begrüßen öffne
ich mein Seelenland
Der Spott von allen Seiten mir
entgegenschäumt
Daß du mich dann im Stich
läßt das begreif ich nicht
Auch in der Nacht der Schwermut
finde ich dich nicht
Und in der Kälte dieser
Menschen bist du nicht
Bist du der tiefe Schlaf? Mein
Echo: Bist du nicht?
Tautologie! Wenn du mit mir identisch
bist
Bist du soviel wie ich ein Narr
ein buntes Tuch
Ein Flickenteppich unter aller
Füße Fluch
Spürst du den Tanz der sich
durch meine Häute frißt?
Vielleicht sind wir der Schlange
Sohn der Natter Brut
Aus himmelhellen Höllenhüllen
ausgefällt
Die Theologen einer längst
versunknen Welt
Sinnlosen Liedes blindgeweißt-gewußte
Wut
"Halten kann ich dich nicht länger
Licht! dem Gotteskeim entsprossen
Hab dein Übermaß genossen
Brich hervor aus meiner Enge!"
Ach wer wird der Feuerwälder
Tigeraugnes Gold verhüllen?
Schwester Wärme bräunt die Fülle
Wie ein altes Ölgemälde
Staunend schau ich auf und sehe
Leuchtend geht das Fest zur Neige
Honigtrunken steigt der Reigen
Um Aurora zu erspähen
Achtung! stachen spitze Blicke
Durch der Blätterwaben Gitter?
Sternenblitze Sonnensplitter
Rissen kalte grelle Lücken
Toter Schlangen wirr Gebälke
Starren schom in offnen Wunden
Baumfee will vom Stoff gesunden
Läßt zu Erde ihn verwelken
Willst in Licht den Geist verzücken
Du ohn Stundenglas und Hippe?
Kann ja durch dein schwarz Gerippe
In des Himmels Helle blicken!
Ihr seht der Wolken Mondesfleisch verbleichen
In Räumen ohne Ferne ohne Streben
Auf dem Asphalt hört ihr die Reifen kleben
Der Nässe Leim will jeden Schwung erweichen
Die Tropfen sprühen längs der Sonne Speichen
Ihr Spinnenrad verdreht des Tages Leben
Gardinengrau in grauen Lichtgeweben
Vernetzt der Wegewirrsal blindes Zeichen
Und wollt ihr nun in Zeugungen erblitzen?
Entladungen! die durch die Blutbahn stürmen
Geschleuderte! die sich in Kapseln schirmen
Geräderte! die Staub und Sterne schwitzen
Zufallgewürfelt in das Chaos münden -
Wer wird euch in dem Nebelschoß entzünden?
Vergessen hast du schon die blasse
Ahnung
Die dich befiel als Frost die
Gluten mischte
Des Frühlings widerschreckende
Ermahnung
Den roten Grund der Keime jäh
erfrischte
Der Büsche Schwall zerbrach
in dürren Schäumen
Das alte Meer in rosiger Entzündung
Der Fischer zieht sein Netz ein
voll von Träumen
Die mürben Sprüche
einer Engelskündung
Erwacht bist du zur Armut der
Vollendung
Die spärlich letzten gelben
Fingerzeige
Sind Tropfen dir saturnischer
Verschwendung
Licht füllt den Kelch wenn
du ihn leerst zur Neige
Das älteste der Wesen
Ein Wort im Geist gelesen
Des Geistes Sinngestalt
Die Raum und Leib durchkündet
Erscheinend sich empfindet
Im Sein Bewußtsein gründet
Das LICHT wird niemals alt!
Willst du mich mit deinem harten
Glanze
Mit der Zähne Lächeln
überzeugen?
Schneeverjüngt blühst
du im Wolkenreigen
Bis der Schleier lodert fort
im Tanze
Abendrot entblößt von
deinem Lachen
Muß zu früh dein Treiben
offenlegen
Willst du deine Glut am Frost
erregen?
All dein Licht erstarrt zum Blick
des Drachen
Sieh! Der Möwenmäuler
sichelscharfe
Lästerlippen schäumen
wütendweißen
Speichel aus und ihre Zungen
reißen
Silberstürme aus der Strahlenharfe
Deine Lust verraten ihre Lieder
Deines Schweigens gläserne
Gefühle
Splittern durch die Konsonanzenmühle
Weichgemahlen flockt dein Leib
hernieder
Das Leichentuch des Lichtes wird
zerfallen
Aus schwarzer Fäulnis glänzt
ein frischer Segen
Und aus zerscherbten Pfützen
wäscht der Regen
Ein Lächeln von verschimmernden
Kristallen
Die Schmelze läßt den
klaren Schmerz verschwimmen
Im lauen Einerlei gelaßner
Lüste
Und durch die filigranen Strauchgerüste
Löst sich ein Seufzer leiser
Vogelstimmen
Dort von der Buche spiegeldunklen
Häuten
Von austernrauhen Eichen und
Robinien
Siehst du der Mutter perlmuttweiche
Linien
In die planetenreifen Tropfen
gleiten
Ihr Brunnenlied im Grabesschoß
der Erde
Erfüllt die arabesken Himmelsrisse
Aromisch mit dem Trunk der Finsternisse
In Knospenmündern quillt
es still Es-werde
Anbruch
Aus fernen Welten kommst du hergeschwirrt
Schon blinkt dein Gruß und in dem Zwitschernest
Des jungen Tages schlüpft ein Freudenfest
Ein Sonnenvogel der bald flügge wird
Der goldenen Leere himmelweites Dach
Zerspringt wie eine Eierschale bricht
Da schreckt von Angesicht zu Angesicht
Der Wärme Flügel mich und ich bin schwach
Wie habe ich dich ersehnt du süßes Wort
Erbettelt deiner Ankunft herben Klang
Des Winters Vorhalt dehnte sich zu lang
Da bricht herein dein duftender Akkord
Mein Herz verschlägt sich glücklich weh und bang
Zu deiner Blütenreinheit Schneegesang
Vogelgeschwätz und der Klüfte
Gekalk
Regengepinsel und Pfützengespiegel
Hieroglyphische Fetzen und Siegel
Und auch den Wind und wohin er
verweht
Sanskrit und Prakrit und manches
Gedicht
Manches von dem was kein Lehrer
versteht
Manches begreife ich gottloser
Schalk
Aber die Menschen begreife ich
nicht
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