
Alsbald schlug das Uhrlin eins: Hierauff geschahe aber ein Coniunction,
da schlug das Glöcklin zwey.
Entlich wie die dritte conjunction von uns observiert, und vom Glöddin
gemeldet wurde: Leget der arme Vogel seinen Kragen selbst Demütig
auff das Buch dar, und last ihm den Kopff von unsern einem, so hierzu durchs
Loß erwälet worden, gutwillig abschlagen: Doch gab er keinen
tropffen Bluts, biß er an der Brust geöffnet wurde, da sprang
das Blut so frisch und hell daher, als ob es ein Rubinen Brünnlin
wer: Sein Todt gieng uns zu Hertzen, und kondten doch wol gedencken.
Es wurde uns mit einem blossen Vogel nit geholffen sein, liessens deßwegen
geschehen: raumeten das Altärlein ab und halffen der Jungfrawen den
Leib auff dem Altärlein mit Fewr (daß wurde von dem Liechtlein
genommen) sampt dem beygehenckten Täfelin zu Aschen verbrennen.
Dieselbige nachmalen zu etlich malen reinigen und in ein hültzerin
Cypreßin Lädlein fleißig auffbehalten.
Hie kan ich nit verschweigen, was mir sampt noch dreyen für ein
Poß widerfahren, nach dem wir also die Aschen fleißig auffgehebt,
fengt die Jungfraw also an zu reden.
Liebe Herren, wir seind hie in dem sechsten Saal und haben nit mehr
als noch einen vor uns, damit sich unser mühe endet, und wir wider
nach unserm Schloß zuerwecken unserer aller Gnädigste Herren
und Frawen heimfahren werden.
Nuhn möchte ich gleichwol wünschen, daß ihr alle zumal,
wie ihr hie bey einander seidt, euch hetten dermassen verhalten, daß
ich euch könte bey höchstgedachten unseren König und Königin
rum nachsagen und gebürende vergeltung erlangen hette mügen:
weil aber ich unter euch diese vier (hiemit deütet sie auff mich und
noch drey) als faule und träge laboranten wider meinen Willen erfunden.
Und sie doch nach meiner liebe gegen allen und jeden nit begere, zu
wol verdienter Straf anzugeben: wolte ich doch, damit solcher Unfleiß
nit gar ungestraft bleibe, diß gegen ihnen fürnemen, daß
sie allein von künfftiger siebender und allerherrlichster Action außgeschlossen
wurden, und es doch nachmalen bey Königlicher Majest. weiters nichts
zu entgelten hätten.
Wie mir nun auff solche red zu mut gewesen, gib ich andern zubedencken,
dann die Jungfraw kondte sich so ernstlich stellen, daß uns bald
das Wasser uber die Körb lieff, und wir uns für die unseligste
unter allen Menschen schetzeten.
Hierauf ließ die Jungfraw durch der Dirnen eine (deren dann immerdar
viel zugegen warn) die Musicanten holen, die musten uns mit solchem Spott
und hon für die Thür mit Zincken hinauß blasen, daß
sie selbsten vor lachen kaum blasen konten, sonderlich aber verdroß
uns sehr, daß die Jungfraw so sehr unsers weinens, Zorns und Ungedult
lachete, so mügen auch wol unter unsern Gesellen gewesen sein, die
uns solch unglück gönneten.
Aber es gieng anderst auß.
Dann so bald wir für die Thür hinauß kamen, hiessen
uns die Musicanten frölich sein und ihnen den Schnecken hinauff nachfolgen,
die führeten uns uber den siebenden Boden unter das Dach, da funden
wir den alten Mann, den wir bißher nit gesehen, ob einem kleinen
runden Oeffelein stehen.
Dieser empfieng uns freündtlich, gratuliert uns auch von Hertzen,
daß wir hierzu von der Jungfraw erwält worden.
Nach dem er aber von uns unsern eingenommenen schrecken vernomen, wolt
ihm vor lachen schier der bauch zuknellen, das wir uns ab solchem glück
so ubel gehebt.
So lernet nun hierauß, sprach er, ihr liebe Söhn: Daß
der Mensch nimmer weist, wie gut es Gott mit ihm meinet.
Unter solchem Gespräch kam auch die Jungfraw mit ihrem Schächtelein
daher geloffen, welche nach dem sie unser gnug gelachet, leret sie ihr
Aschen in ein ander Geschirr auß, füllet das ihrig mit anderer
Materi wider, mit vermelden, sie muste jetzmals den andern Künstlern
etwas blawes für die Augen machen, wir solten dieweil dem alten Herren
folgen, was er uns befehlen wurde und an vorigem unsern fleiß nit
nachlassen.
Hiemit scheidet sie von uns in den siebenden Saal, dahin sie unsere
Gesellen erfordert, was sie nun da mit ihnen erstlich gemacht, kan ich
nit wissen, dann es war ihnen nit allein zum höchsten auß zusagen
verbotten, sondern auch wir dörfften geschäfften halben ihnen
nit durch die Büne zusehen: Unser ar beit aber war diese: Die Aschen
musten wir durch unser zuvor praepariert Wasser anfeüchten, daß
sie gantz wie ein dünner Teig wurde.
Darnach setzten wir die Materi uber das Fewr, biß sie wol heiß
wurde.
Von dannen gossen wir sie also heiß in zwey kleine Förmlin
und Mödelin, und liessens also ein wenig erkülen.
(Hie hatten wir unsern Gesellen ein weil durch etliche gemachte Spält
zuzusehen, die waren nun auch ob einem Offen geflissen, und muste jeder
mit einem Rohr selbsten das Fewr auffblasen, stunden also herumb blasend,
daß ihnen der Athem möchte außgangen sein, noch meineten
sie wunder, wiewol sie für uns daran wären: Und diß blasen
wäret so lang, biß uns unser Alter wieder zur Arbeit auffmahnet,
daß ich also nit sagen kan, was hernacher beschehen.)
Wir eröffneten die Förmlin, da waren es zwey schöne
helle und schier durch scheinende Bildlin, dergleichen Menschen Augen niemalen
gesehen, ein Knäblin und Meydlin: Jedes nur vier zol lang und daß
mich am höchsten wundert, waren sie nit hart, sondern weich und Fleischin,
wie ein anderer Mensch, doch hatten sie kein Leben, daß ich also
gäntzlich glaube, Fraw Venus Bilde werde auch auff solche Art gemachet
worden sein.
Diese Engelschöne Kindlein legeten wir erstlich auff zwey Atlasin
Küßelein und besahens ein gute weil, daß wir schier uber
solchem zierlichen spectacul zu Lappen wurden.
Der Alte Herr wehret uns ab und befahl immer ein Tröpfflein nach
dem andern, von deß Vogels Blut, so in das Guldin Schälein auffgefangen
worden in der Bildlin Mund fallen zulassen, davon namen sie augenscheinlich
zu, und da sie zuvor schon klein gewesen waren, sie jetzt der Proportz
nach noch schöner, das billich alle Mahler hie hätten sollen
sein, und sich ihrer Kunst gegen diesem Geschöpff der Natur geschämbt
haben.
Nuhn fiengen sie an so groß zu werden, daß wir sie ab dem
Küßelein heben, und auff einen langen Tisch, welcher mit weissem
Samet bedecket worden, legen musten, so befahl uns auch der Alte, einen
weissen zarten Doppeldaffet uber sie biß an die Brust zudecken, welches
uns umb unaußsprechlicher schöne willen schier zu wider war,
damit ichs aber kürtze, ehe wir daß Blut gar also verbraucht,
waren sie schon in rechter erwachsener größe, hatten Goldgelbe
krause Haar.
Und war das obgemeldte Venus Bild nichts gegen ihnen: Aber da war noch
kein natürliche Wärmin oder Empfindligkeit, sonder Todte Bilder,
doch Leblicher und Natürlicher Farb: und weil zubesorgen, sie wurden
zu groß, wolte ihnen der Alte nichts mehr geben lassen, sonder decket
ihnen mit dem Tuch vollends das Gesicht und ließ den Tisch rings
umbher mit Fackeln bestecken.
(Hie muß ich den Leser warnen, daß er diese Liechter nit
für notwendig achte, dann es war deß Alten Intent allein dahin,
daß wir nit mercken solten, wann die Seel in sie fuhre, wie wirs
dann auch nit gemerckt hetten, wa ich die Flammen nit zuvor zweymalen gesehen
hätte, doch ließ ich die andere Drey auff dem Glauben bleiben,
so wuste der Alte auch nit, daß ich etwas mehrers gesehen.) Hiemit
hieß er uns auff einen Banck gegen dem Tisch uber niedersitzen.
Bald kommet auch die Jungfraw mit Music und allem Apparat.
Und trug zwey schöne weiße Kleyder, dergleichen ich im Schloß
niemalen gesehen, auch nit beschreiben kan, dann ich meinet nit anders,
denn es were lauter Christall.
Aber es war weich und nit durchscheinig.
Daß ich also darvon nir reden kan.
Die leget sie auff einen Tisch nider, und nach dem sie ihre Jungf.
auff den Bäncken herumb geordnet, fangen sie und der Alte umb den
Tisch herumb viel gauckelwercks an, welches uns nur zur blendung geschehen,
diß geschahe wie gesagt, unter dem Dach, daß war so wunderlich
formieret.
Dann gab es inwendig sieben halber gewölbter Kuglen, deren die
mitten etwas höhers war, und hatte zu obrist ein klein rund loch,
welches doch beschlossen gewesen, und von der anderen keinem observiert
worden.
Nach vielen Ceremonien tretten sechs Jungfrawen hinein, deren jede
trug ein große Posaun, die war mit grüner Liechtbrennender Materi
als ein Krantz umbwicklet.
Deren eine empfieng der Alte, und nach dem er zu obrist etliche Liechter
weg geraumbt, ihnen auch die Gesichter auffgedeckt, setzet er der Posaunen
eine dem einen Leichnam an den Mund, also daß das uber und weite
theil gerad uber das erstgemelte Loch kam.
Hie sahen meine Gesellen immer auff die Bilder.
Ich aber hätt andere gedancken.
Dann so bald daß Laubwerck oder Krantz, am Rohr angezündet
wurde, sahe ich zu obrist das Loch eröffnen und ein hellen Fewrstriemen
durch das Rohr hinab schiessen und in den Leichnam fahren: Darauff wurde
das Loch wider verdecket, und die Posaun weggeraumbt (durch solchen bossen
wurden meine Gesellen betrogen, daß sie meineten, daß Leben
wer dem Bilde durch das Fewr deß Laubwercks herkommen) dann so bald
er die Seel empfangen, that er die Augen auff und zu, doch beweget er sich
nit fast: deß andern mals stellet er ein ander Rohr auff ihren Mund,
zündet es aber an, und wurde die Seel durchs Rohr herab gelassen,
diß geschah bey jedem drey mal, darauff wurden alle Liechter außgelescht
und hinweggenommen.
Die Sametin Decken deß Tischs uber ihnen zusammen geschlagen,
auch alsbald ein Reyßbettlein auffgeschloßen und zugerüst,
darinn also eingewicklet getragen, und also nach dem die auß der
Decken genommen worden, fein neben einander geleget.
Da sie mit fürgezogenen Umbhängen eine gute weil geschlaffen.
(Nuhn war es auch zeit, daß die Jungfraw sehe, wie sich unsere
andere Künstler hielten: Die waren wolzumuht, dann wie mich die Jungfraw
nachmahlen berichtet, musten sie in Gold laborieren: Welches wol auch ein
stuck dieser Kunst, aber nit das fürnembst, nöttigst und beste
ist.
Zwar hatten sie auch ein theil dieser Aschen, daß sie also anderst
nit meineten, dann der gantze Vogel wäre umbs Goldes willen angesehen,
und muste also den entleibten daß Leben hierdurch wider gebracht
werden.) Daß belangend, sassen wir also in stillem da zu erwarten,
wenn unser Eheleüte wurden erwachen, diß verzog sich etwann
ein halbe stund.
Dann jetztmals stellet sich der mutwillige Cupido wider ein, und nach
dem er uns nach einander salutiert, flog er zu ihnen unter den Umbhang,
vexiert sie auch so lang, biß sie erwachen.
Diß beschah bey ihnen mit grosser Verwunderung, meineten auch
anderst nit, alß ob sie von der stund an, da sie Enthauptet worden,
biß anhero geschlaffen hätten.
Cupido nach dem er sie erwecket, und sie beyde einander wider zuerkennen
geben, machet sich ein wenig beseits, und ließ sie bede sich noch
ein wenig besser erholen, trib hiezwischen sein fatzwerck mit uns, und
muste man ihm entlich die Music holen und etwas frölichers sein.
Nit lang hernach kommet die Jungfraw selber.
Und nach dem sie den Jungen König und Königin (so sich etwas
mats befunden) underthänig salutiert und die Hand geküst, bracht
sie die bemelte zwey schöne Kleyder herbey, welche sie angezogen und
also herfür getretten.
Nun waren schon allbereit zwen schöner sessel zubereitet: Darein
setzten sie sich und wurden also von uns mit underthänigster Reverentz
gegrüst, dessen sich der König in eygener Person auff das aller
gnädigst bedancket, und hinwiderumb alle Gnad anerbotten: Nun war
es allbereit umb fünff Uhren, konten sich deßwegen nit lenger
saumen, sonder so bald immer die fürnembste Sachen haben auffgeladen
werden können: musten wir den Jungen Königlichen Personen den
Schnecken hinab durch alle Thor und Wacht hinauß biß zu dem
Schiff gegleiten.
Darein setzten sie sich sampt etlichen Jungfrawen und der Cupidine,
und fuhren so schnell darvon, daß wir sie bald auß dem Gesicht
verlohren, doch war man ihnen, wie ich berichtet worden, mit etlichen stattlichen
Schiff entgegen gezogen, daß sie also in vier stunden, etlich viel
Meil Meers uberfahren: Nach fünff Uhren wurde den Musicanten befohlen,
alle sachen wider hinab auff die Schiff zutragen, und sich zur wegfart
fertig machen.
Weil aber solches langsamer zugieng: Ließ der Alte Herr erst
seine verborgene Soldaten ein theil auß, die waren bisher im Wahl
versteckt gewesen, daß wir keines wargenommen, dabey ich vermerckt,
daß solcher Thurn zum widerstandt wol versehen wäre.
Nun diese Soldaten waren mit unserm plunder bald fertig, daß
also weiter nichts mehr zu thun war, als zu nacht essen.
Wie nun die Tisch allerdings zubereittet worden: Bringet uns die Jungfraw
wider zu unsern Gesellen, da musten wir uns Warlich kläglich stellen,
und das lachen verheben.
Sie aber schmolleten immer zusammen, wiewol auch etliche mit uns mitleyden
hätten, uber solchem Nachtessen war der alte Herr auch bey uns, der
war uns ein scharpffer Inspector.
Dann keiner kundte nichts so weißlich fürbringen, er wuste
es ihm entweder umbzustossen, oder zu verbessern oder auffs wenigst ein
gute Lehr hierüber zugeben.
Bey diesem Herren hab ich am meisten gelernet, und wäre wol gut,
daß sich jederman bey ihm zuthet, und seiner sachen war nemme, so
würde es manchmal nit so ungleich außschlagen.
Nach eingenommenem nacht Imbiß führet uns der Alte Herr
erst in seine Kunstkammern, so hin und wider auff den Pasteyen waren herumb,
da sahen wir solch wunderbarliche Geschöpff der Natur auch andere
sachen, so Menschliche Vernunft der Natur nach gethan, daß wir wol
noch ein Jahr hätten gnug zusehen gehabt.
Diß trieben wir dennoch beim Liecht lang in die Nacht hinein.
Entlich weil wir auch schier mehr zuschlaffen dann viel frembds zusehen
geneigt waren, wurden wir in Kammern eingelosiert, und hatten da in dem
wal nit allein köstliche gute Bett, sondern noch darzu uber die maß
zierliche Kammern.
Welches uns desto mehr wundert, warumb wir uns gestern hätten
so leiden müssen.
In solcher Kammer hätte ich gute ruh.
Und weil ich mehrertheils sorgen ab war, wie auch von stettigem Arbeiten
mich mühd befand, halff mir deß Meers stilles rauschen zu einem
starcken und sanfften Schlaff, denn ich an einem Traum von eylf Uhren an
biß Morgens umb acht Uhren Continuiert.