Nach acht Uhren als ich erwachet und mich schnell angelegt, wolte ich
mich wider hinein in den Thurn begeben.
Aber es waren der finstern Gäng in dem Wall so viel und mancherley,
daß ich ein gut weil irr gieng, ehe ich ein Außgang gefunden.
Diß geschah anderen auch, biß wir entlich in dem untersten
Gewelb wider zusamen kamen, und wurden uns gantz gelbe Kutten sampt unsern
guldin Flüßen gegeben.
Dazumal zeiget uns die Jungfraw an, wir wären Ritter zum Guldin
Stein, welches wir zuvor nie wusten.
Nach dem wir uns nun also fertig gemacht und daß Frühstuck
genommen: Verehret der alte Mann jedem ein stuck Golds, auff der einen
seiten stunden diese wort:
AR. NAT. MI. (Ars Naturae Ministra)
Auff der andern seiten diese,
TEM. NA. F. (Temporis Natura Filia)
Vermahnet uns auch darzu, wir solten uber und wider diesen Denckpfennig
nit handlen.
Hiemit zogen wir auff das Meer hinauß, da waren unsere Schiff
so köstlich zubereitet, daß nit wol müglich gewest, es
müssen solche schöne sachen erst daher gebracht worden sein.
Der Schiff waren zwölffe.
Sechs der unserigen, und sechs deß alten Herren.
Der ließ seine Schiff mit lauter wolgebutzten Soldaten besetzen.
Er aber begab sich zu uns in unser Schiff, da wir alle beyeinander
waren.
Ins erste setzeten sich die Musicanten, deren der alte Herr auch ein
grosse anzahl hatte, die fuhren vor uns her, die weil zu kürtzen,
unsere Fahnen waren die zwölff Himmlische Zeichen, so saßen
wir in der Wag.
Neben andern hatte unser Schiff auch ein herrliche schöne Uhr,
die zeiget uns alle Minuten, so war das Meer so still, daß es ein
sonderlicher lust zufahren waß.
Uber alles aber war deß Alten gespräch: Der kundte uns mit
wunderlichen Hystorien die weil dermassen vertreiben, daß ich mein
Lebenlang hätt mögen mit ihm fahren.
Unter deß giengen die Schiff mechtig schnell fort, denn ehe wir
zwo stund gefahren, saget uns der Schiffman, Er sehe allbereit fast den
gantzen See mit Schiffen bedeckt, darbey wir kundten abnemmen, man zoge
uns entgegen, welches auch wahr gewesen, dann so bald wir auß dem
Meer durch obangeregten Fluß zu dem See kommen, hielten allda in
die fünfhundert Schiff, unter welchen eines von lauter Goldt und Edelgestein
schimmert, darinnen saßen der König und Königin, sampt
mehr Hochgebohrnen Herren, Frawen und Jungfrawen.
So bald man nun unser recht ansichtig worden, ließ man zu beyden
theilen alle Stuck loß gehen, und war von Posaunen, Trommeten und
Heertrumlen ein solch geprassel, daß alle Schiff auff dem See gezittert.
Entlich so bald wir hinzu kommen, umbringeten sie unsere Schiff mit
einander und hielten also still.
Alßbald machet sich der Alte Atlas vons Königs wegen herfür,
thät ein kurtze doch zierliche Oration, darmit er uns hieß willkommen
sein, mit begeren, ob die Königliche Gaab zugerüst were: Meine
andere Gesellen nam größlich wunder, warvon dieser König
aufferstanden wäre, dann sie meineten nit anderst, dann sie musten
ihn wider erwecken: Wir liessen sie auff ihrer verwunderung bleiben, und
stelleten uns auch, alß obs uns frembd däuchte: Auff des Atlantis
Oration machet sich unser Alter herfür: Respondieret etwas weitleüffigers,
darinnen er dem König und Königin alles Glück und vermehrung
wünschet, uberlieffert hierauff ein klein zierlich Trüchlin,
was aber darinnen weiß ich nit, allein wurde es Cupidini, so zwischen
ihnen beyden umbhasplet zu bewahren befohlen: Nach vollendter Oration ließ
man abermal frewden Schüß abgehen, und fuhren wir also ein gute
zeit mit einander dahin, biß wir entlich zu einem anderen Gestad
kamen.
Diß war nahe bey der ersten Porten, da ich von erst hinein kommen.
Auff diesem Platz warteten abermal ein grosse mennig deß Königlichen
Hofgesinds sampt etlich hundert Pferden.
So bald wir nun ans Land gestossen und außgetretten, botten uns
der König und Königin allen miteinander die Händ, mit sonderer
freundtlichkeit, und musten wir also zu Pferdt sitzen.
Hie will ich den Leser freündtlich gebetten haben, er wolle mir
folgende Narration zu keinem eygenen Ruhm oder stoltz deuten, sondern mir
daß zutrawen, daß da es nit ein sonderliche Notturfft, wolte
ich solcher mir erzeigten Ehr wol gar geschweigen: Wir wurden alle nach
einander unter die Herren außgetheilt: Unser Alte Herr aber und ich
Unwürdiger musten neben dem König reiten, und trug unser jeder
einen Schneeweißer Fahnen, mit einem rohten Creütz.
Ich zwar wurde um meines Alters willen gebraucht, dann wir beede hatten
lange grawe Bärt und Haar.
So hatte ich meine Zeichen auff dem Hut herumb gehefftet, deren der
Junge König bald war genomen, und gefragt, ob ich der were, so die
Zeichen under dem Thor hätte lösen können?
Ich antwortet undertheniglich, Ja: Er aber lachet mein, mit vermeidung
es bedärffe sich fürohin keines geprängs: Ich wer sein Vatter.
Fraget mich hierauff, warmit ich sie doch gelöset hätte? Ich
antwortet, mit Wasser und Saltz, da
verwundert er sich, wer mich so witzig gemacht.
Hierauf wurde ich etwas keckers: Und erzehlet ihm, wie es mir mit meinem
Brot, der Tauben und Raben ergangen.
Er ließ ihms gefallen, saget auch außtruckenlich, es müsse
mir Gott sonderlich viel Glück hierzu verliehen haben.
Hiemit kamen wir zur ersten Porten, da der Hüter mit dem blawen
Kleyd stund, der trug in der Hand ein Supplication, so bald er mich nun
neben dem König ersehen: Ubergab er mir die Supplication deß
underthenigen anersuchens, ich wolte seiner Trew gegen mir bey dem König
gedencken: Nun fraget ich erstlich den König, wie es doch umb diesen
Hüter beschaffen wäre?
Der antwortet mir freündtlich: Es wäre ein berümbter
treflicher Astrologus, so allwegen bey seinem Herren Vattern in hohem ansehen
gewesen.
Nuhn hab er sich auff ein zeit gegen Fraw Venere verwürcket, und
die in ihrem Ruhbett besichtiget, deßwegen ihm diese Straff aufferlegt
worden, daß er so lang der ersten Porten hüten solte, biß
ihn jemand würde hievon erlösen.
Ich antwortet, ob er dann auch zu erlösen wäre: Der König
sprach ja, so jemand erfunden wurde, der sich so hoch versündiget
als er, der müsse an sein stat stehen, und er wer loß: Diß
wort gieng mir zu Hertzen, dann mein Gewissen uberzeüget mich, daß
ich der Thäter wäre, doch schweig ich still, und ubergab hiemit
die Supplication: So bald er die gelesen, erschrickt er hefftig, daß
es auch die Königin, so nur hinder uns mit unseren Jungfrawen und
noch einer Königin, deren ich oben in Auffhenckung der Gewicht gedacht,
geritten, gemercket, ihn deßwegen gefragt, was dieser Brieff zu bedeuten
habe.
Er aber wolte sich nichts vermercken lassen, sondern nam den Brieff
zu sich und fieng an, von anderen sachen zu reden, biß wir also umb
drey Uhren vollends in das Schloß hinein kamen.
Da wir abgestiegen und den König in obgedachten seinen Saale begleittet:
Alßbald fordert der König den alten Atlantem zu sich in ein
klein Stüblin, zeiget ihm den Brieff, der saumet sich nit lang, ritt
wider zum Hütter hinauß, die sachen besser einzunemmen.
Hierauff setzet sich der Junge König mit seinem Gemahl, auch andern
Herren, Frawen und Jungfrawen nider.
Da fieng unser Jungfraw an, unsern gehabten fleiß, mühe
und arbeit hoch zu rühmen, mit bit, uns Königlich zu begaben,
sie aber ihrer Commission fürohin geniesen zulassen: So stund auch
der alte Herr auff und bezeügets, daß alle der Jungfrawen reden
wahr und deßwegen billich, daß wir zu beeden theilen befriediget
wurden: Hiemit musten wir ein wenig abtretten, und wurde beschlossen, jedem
einen müglichen Wunsch zu thun, so solle er dessen gewert sein, dann
es wer nit zu zweiflen, der Verständige wurde auch den besten wunsch
thun, und hierauff solten wir uns besinnen biß nach dem nachtessen.
Dieweil fiengen der König und Königin kurtzweil wegen mit
einander anzuspielen.
Das sahe einem Schach nit ungleich, allein hätt es andere Leges:
Es waren aber Tugendt und Laster wider einander, da kundte man artlich
sehen, mit was Practicken die Laster der Tugendt nachstelleten, und wie
ihnen wieder zubegegnen, diß gieng so artlich und Künstlich
zu, daß zu wünschen, wir hetten dergleichen Spiel auch.
Unter dem Spiel kommet Atlas wider daher, thut sein Relation heimlich,
doch gieng mir der Roht an allen orten auß, dann mein Gewissen ließ
mir kein ruh, hierauff bot mir der König die Supplication selbsten
zulesen, deren Inhalt war ungefahrlich dieser: Erstlich wünschet er
dem König Glück und vermehrung, daß sein Same weit außgebreittet
werde: Darnach zeigt er an, wie daß nuhn mehr der Tag erfüllet,
daran er der Königlichen Zusagung nach solt erlediget werden.
Dann Venus sey allbereit von seiner Gästen einem auffgedeckt worden,
dann seine observationes können ihm nit liegen.
So solle nun, Königliche Majestat scharpff und fleissig inquirieren,
werde er befinden, daß seine entdeckung war, dann wann solches nit
werde also befunden werden, wölle er sein Lebenlang vor der Porten
verbleiben.
Bitte demnach auff daß aller underthänigst, man wölle
ihn auff sein Leibs und Lebens gefahr bey heintigem Nachtessen sein lassen,
wölle er verhoffentlich den Thätter selbsten erspähen und
zu erwünschter erledigung kommen.
Diß war nun außführlich und zierlich gestellet: Dabey
ich sein Ingenium wol spüren kundte, aber mir war es zu scharpff und
hätte mögen leyden, ich hette es nie gesehen.
Nun gedacht ich, ob ihm vielleicht durch meinen Wunsch möchte
geholffen werden.
Fraget demnach den König: Ob er sonsten durch keinen andern weg
köndte erlediget werden? Nein antwortet der König, dann die sachen
haben ein sonders bedencken, doch können wir in seines begehren auff
diese Nacht wol gewehren: Schicket also einen hinauß, ihn herein
zuholen: Under deß wurden Taflen in einem Saal zugerüst, in
dem wir zuvor nie gewesen, der war das Complete, und dermassen beschaffen,
daß mir nit müglich ist, ihn nur anzufangen zu erzehlen.
In diesen wurden wir mit sonderm Pomp und Ceremonien geführt.
Cupido war dißmal nit vorhanden: Dann wie ich berichtet worden,
hat ihn der Schimpff, so seiner Mutter begegnet, umb etwas erzürnet.
In Summa, mein that, und die ubergebene Supplication waren ein ursach
vieler trawrigkeit.
Dann dem König war bedenddich, uber seine Gäst zu inquirieren,
mehrertheils darumb, daß es also auch die, denen es noch unbewußt,
wurden erfahren.
Ließ also den Hüter selbsten, so schon allbereit ankommen,
sein scharpffes auffsehen haben, und stellet er sich so frölich er
kondte.
Doch fieng man zu letzt an wider lustig zu werden, und mit allerley
kurtzweiligen nutzlichen Gespräch einander zuzusprechen.
Wie nun die Tractation und andere Ceremonien damalen gewesen, ist vonnöten
zusagen, weil solches dem Leser nit von nöten und zu meinem vorhaben
undienstlich, alles aber uber die maß, mehr von Kunst und Menschlicher
geschiddigkeit, dann das wir mit Trincken wären beschweret worden,
und diß war das letste und herrlichste Maal, bey welchem ich gewesen.
Nach dem Pancket wurden die Tisch schnell auffgehebt und etliche schöne
Sessel im Zirckel herum gestellet, darein wir uns sampt dem König
und Königin, deren bey dem Alten, der Frawen und Jungfrawen nider
setzen müssen.
Hierauff eröffnet ein schöner Knab daß obgedachte herrliche
Büchlein.
Bald stellet sich Atlas in die mitte und fieng folgends inhalts mit
uns an zureden.
Königliche Majestät hätten noch nit in Vergeß
gestellet, was wir an ihm gehandlet, und wie fleissig wir unserm Ampt abgewartet,
hätten uns demnach zur vergeltung sampt und sonders zu Rittern deß
Guldin Steins erwehlet.
So sey nun von nöten, daß wir uns nochmalen nit allein gegen
Königlicher Majestät obstringieren, sondern auch aufffolgende
Articul angeloben, so werden alsdan König. May abermal wissen, wie
sie sich gegen ihren Bundesgenossen sollen verhalten.
Hierauff ließ er den Knaben die Articul ablesen: Die waren diese.
I. Ihr Herren Ritter solt schweren, daß ihr ewern Orden keinem
Teüffel oder Geist, sondern allein Gott, Ewerm Schöpffer und
dessen Dienerin der Natur jederzeit wöllen zuschreiben.
II. Daß ihr aller Hurerey, Unzucht, Unreinigkeit wöllen
gehaß sein: Und mit solchen Lastern Ewern Orden nit beschmeissen.
III. Daß ihr durch Ewere Gaben menniglich wer deren werth, und
bedürfftig wöllen zu hülff kommen.
IV. Daß ihr solche Ehr nit begehret zu Weltlichem Pracht, und
hohem ansehen anzuwenden.
V. Daß ihr nit wöllet lenger leben, dann es Gott haben will.
Uber diesen letzten Articul musten wir gnug lachen, mag auch wol nur zum
Possen hinzu gesetzt worden sein.
Wie nun dem allem, wir musten bey des Königs Scepter angeloben.
Hierauf wurden wir mit gebräuchlicher Solennitet zur Rittern installiert
und unter andern Privilegien uber Unverstand: Armut: und Kranckheit: gesetzet
mit denselben unsers gefallens zuhandlen.
Und diß wurde hernach in einer Kleinen Capellen (dahin wir in
aller Proceßion geführet worden) bestettigt.
Gott hierumben gedanckt: Da ich dann auch Gott zu ehren mein Guldin
Flüß und Hut auffgehenckt und zu ewiger Gedechtnuß allda
gelassen.
Und weil jeder da sein Namen schreiben muste, schreib Ich also: