Feire Fiz (Hans Zimmermann) : zur Zirkularität der Zeit : Novalis : Hymnen an die Nacht
 
aus Schriftkundigen eine Gemeinde, eine wahrhafte: die lesen Zeichen Gottes tief in der Nacht (Koran 3,113)
 
Novalis
(Friedrich von Hardenberg)
 
Hymnen an die Nacht
 
links: Versgliederung der Handschrift 1797-1800; rechts: Text des Athenäums-Drucks 1801, der Handschrift analog gegliedert
 
1., 2., 3.,
4.: Hinüber wall ich,
 
5.: Das furchtbar zu den frohen Tischen trat,
Der Jüngling bist du, der seit langer Zeit,
Gehoben ist der Stein,
 
6.: Hinunter in der Erde Schooß
 
      
     
    Welcher Lebendige,  
    Sinnbegabte,  
    Liebt nicht vor allen  
    Wundererscheinungen  
    Des verbreiteten Raums um ihn  
    Das allerfreuliche Lieht –  
    Mit seinen Stralen und Wogen  
    Seinen Farben,  
    Seiner milden Allgegenwart  
    Im Tage.  
    Wie des Lebens  
    Innerste Seele  
    Athmet es die Riesenwelt  
    Der rastlosen Gestirne  
    Die in seinem blauen Meere schwimmen,  
    Athmet es der funkelnde Stein,  
    Die ruhige Pflanze  
    Und der Thiere  
    Vielgestaltete,  
    Immerbewegte Kraft –  
    Athmen es vielfarbige  
    Wolken & Lüfte  
    Und vor allen  
    Die herrlichen Fremdlinge  
    Mit den sinnvollen Augen  
    Dem schwebenden Gange  
    Und dem tönenden Munde.  
    Wie ein König  
    Der irrdischen Natur  
    Ruft es jede Kraft  
    Zu zahllosen Verwandlungen  
    Und seine Gegenwart allein  
    Offenbart die Wunderherrlichkeit  
    Des irrdischen Reichs.  
      
      
      
     
1.   
   
Welcher Lebendige,   
Sinnbegabte,   
liebt nicht vor allen   
Wundererscheinungen   
des verbreiteten Raums um ihn,   
das allerfreuliche Licht –   
mit seinen Farben,   
seinen Stralen und Wogen;   
seiner milden Allgegenwart,   
als weckender Tag.   
Wie des Lebens   
innerste Seele   
athmet es der rastlosen Gestirne   
Riesenwelt, und schwimmt   
tanzend in seiner blauen Flut –   
athmet es der funkelnde,   
ewigruhende Stein,   
die sinnige, saugende Pflanze,   
und das wilde,   
brennende,   
vielgestaltete Thier –    
vor allen aber   
der herrliche Fremdling   
mit den sinnvollen Augen,   
dem schwebenden Gange,   
und den zartgeschlossenen,   
tonreichen Lippen.   
Wie ein König   
der irdischen Natur   
ruft es jede Kraft   
zu zahllosen Verwandlungen,   
knüpft und löst unendliche Bündnisse,   
hängt sein himmlisches Bild   
jedem irdischen Wesen um. –   
Seine Gegenwart allein offenbart   
die Wunderherrlichkeit   
der Reiche der Welt.   
 
    Abwärts wend ich mich  
    Zu der heiligen, unaussprechlichen  
    Geheimnißvollen Nacht –  
    Fernab liegt die Welt,  
    Wie versenkt in eine tiefe Gruft  
    Wie wüst und einsam  
    Ihre Stelle!  
    Tiefe Wehmuth  
    Weht in den Sayten der Brust  
     
     
     
    Fernen der Errinnerung  
    Wünsche der Jugend  
    Der Kindheit Träume  
    Des ganzen, langen Lebens  
    Kurze Freuden  
    Und vergebliche Hoffnungen  
    Kommen in grauen Kleidern  
    Wie Abendnebel  
    Nach der Sonne,  
    Untergang.  
     
    Fernab liegt die Welt  
    Mit ihren bunten Genüssen.  
    In andern Räumen  
    Schlug das Licht auf  
    Die lustigen Gezelte.  
    Sollt es nie wiederkommen  
    Zu seinen treuen Kindern,  
    Seinen Gärten  
    In sein herrliches Haus?  
     
Abwärts wend ich mich   
zu der heiligen, unaussprechlichen,   
geheimnißvollen Nacht.   
Fernab liegt die Welt –   
in eine tiefe Gruft versenkt –   
wüst und einsam   
ist ihre Stelle.   
In den Sayten der Brust   
weht tiefe Wehmuth.   
In Thautropfen will ich hinuntersinken   
und mit der Asche mich vermischen. –   
  
Fernen der Erinnerung,   
Wünsche der Jugend,   
der Kindheit Träume,   
des ganzen langen Lebens   
kurze Freuden   
und vergebliche Hoffnungen   
kommen in grauen Kleidern,   
wie Abendnebel   
nach der Sonne   
Untergang.   
  
  
  
In andern Räumen schlug   
die lustigen Gezelte   
das Licht auf.   
Sollte es nie   
zu seinen Kindern wiederkommen,   
die mit der Unschuld Glauben   
seiner harren?    
 
    Doch was quillt  
    So kühl & erquicklich  
    So ahndungsvoll  
    Unterm Herzen  
    Und verschluckt  
    Der Wehmuth weiche Luft,  
    Hast auch du  
    Ein menschliches Herz  
    Dunkle Macht?  
    Was hältst du  
    Unter deinem Mantel  
    Das mir unsichtbar kräftig  
    An die Seele geht?  
    Du scheinst nur furchtbar –  
    Köstlicher Balsam  
    Träuft aus deiner Hand  
    Aus dem Bündel Mohn  
    In süßer Trunkenheit  
    Entfaltest du die schweren  
    Flügel des Gemüths.  
    Und schenkst uns Freuden  
    Dunkel und unaussprechlich  
    Heimlich, wie du selbst, bist  
    Freuden, die uns  
    Einen Himmel ahnden lassen.  
    Wie arm und kindisch  
    Dünkt mir das Licht,  
    Mit seinen bunten Dingen  
    Wie erfreulich und gesegnet  
    Des Tages Abschied.  
     
    Also nur darum  
    Weil die Nacht dir  
    Abwendig macht die Dienenden  
    Säetest du  
    In des Raums Weiten  
    Die leuchtenden Kugeln  
    Zu verkünden deine Allmacht  
    Deine Widerkehr  
    In den Zeiten deiner Entfernung  
    Himmlischer als jene blitzenden Steme 
    In jenen Weiten  
    Dünken uns die unendlichen Augen  
    Die die Nacht  
    In uns geöffnet.  
    Weiter sehn sie  
    Als die blässesten  
    Jener zahllosen Heere  
    Unbedürftig des Lichts  
    Durchschaun sie die Tiefen  
    Eines liebenden Gemüths,  
    Was einen höhern Raum  
    Mit unsäglicher Wollust füllt.  
    Preis der Weltköniginn,  
    Der hohen Verkündigerinn  
    Heiliger Welt,  
    Der Pflegerinn  
    Seliger Liebe  
    Du kommst, Geliebte –  
    Die Nacht ist da –  
    Entzückt ist meine Seele –  
    Vorüber ist der irrdische Tag  
    Und du bist wieder Mein.  
    Ich schaue dir ins tiefe dunkle Auge,  
    Sehe nicht als Lieb & Seligkeit.  
    Wir sinken auf der Nacht Altar  
    Aufs weiche Lager –  
    Die Hülle fällt  
    Und angezündet von dem warmen Druck  
    Entglüht des süßen Opfers  
    Reine Glut.  
     
Was quillt   
auf einmal   
so ahndungsvoll   
unterm Herzen,   
und verschluckt   
der Wehmuth weiche Luft?   
Hast auch du   
ein Gefallen an uns,   
dunkle Nacht?   
Was hältst du   
unter deinem Mantel,   
das mir unsichtbar kräftig   
an die Seele geht?   
Köstlicher Balsam   
träuft aus deiner Hand,   
aus dem Bündel Mohn.   
Die schweren   
Flügel des Gemüths   
hebst du empor.   
Dunkel und unaussprechlich   
fühlen wir uns bewegt –   
ein ernstes Antlitz   
seh ich froh erschrocken,   
das sanft und andachtsvoll   
sich zu mir neigt,   
und unter unendlich   
verschlungenen Locken   
der Mutter liebe Jugend zeigt.   
Wie arm und kindisch   
dünkt mir das Licht nun –   
wie erfreulich und gesegnet   
des Tages Abschied –   
  
Also nur darum,   
weil die Nacht dir   
abwendig macht die Dienenden,   
säetest du   
in des Raumes Weiten   
die leuchtenden Kugeln,   
zu verkünden deine Allmacht –   
deine Wiederkehr –   
in den Zeiten deiner Entfernung.   
Himmlischer, als jene blitzenden Sterne,   
dünken uns die unendlichen Augen,   
die die Nacht   
in uns geöffnet.   
Weiter sehn sie,   
als die blässesten   
jener zahllosen Heere –   
unbedürftig des Lichts   
durchschaun sie die Tiefen   
eines liebenden Gemüths –   
was einen höhern Raum   
mit unsäglicher Wollust füllt.   
Preis der Weltköniginn,   
der hohen Verkündigerinn   
heiliger Welten,   
der Pflegerinn   
seliger Liebe –   
sie sendet mir dich –   
zarte Geliebte –   
liebliche Sonne der Nacht, –   
nun wach ich –   
denn ich bin Dein und Mein –   
du hast die Nacht   
mir zum Leben verkündet –   
mich zum Menschen gemacht –   
zehre mit Geisterglut   
meinen Leib,   
daß ich luftig   
mit dir inniger mich mische   
und dann ewig   
die Brautnacht währt.   
  
 
      
     
    Muß immer der Morgen wiederkommen?  
    Endet nie des Irrdischen Gewalt?  
    Unselige Geschäftigkeit verzehrt  
    Den himmlischen Anflug der Nacht?  
    Wird nie der Liebe geheimes Opfer  
    Ewig brennen?  
    Zugemessen ward  
    Dem Lichte Seine Zeit  
    Und dem Wachen –  
    Aber zeitlos ist der Nacht Herrschaft,  
    Ewig ist die Dauer des Schlafs.  
    Heiliger Schlaf!  
    Beglücke zu selten nicht  
    Der Nacht Geweihte –  
    In diesem irrdischen Tagwerck.  
    Nur die Thoren verkennen dich  
    Und wissen von keinem Schlafe  
    Als den Schatten  
    Den du mitleidig auf uns wirfst  
    In jener Dämmrung  
    Der wahrhaften Nacht.  
    Sie fühlen dich nicht  
    In der goldnen Flut der Trauben  
    In des Mandelbaums  
    Wunderöl  
    Und dem braunen Safte des Mohns.  
    Sie wissen nicht  
    Daß du es bist  
    Der des zarten Mädchens  
    Busen umschwebt  
    Und zum Himmel den Schoos macht –  
    Ahnden nicht  
    Daß aus alten Geschichten  
    Du himmelöffnend entgegentrittst  
    Und den Schlüssel trägst  
    Zu den Wohnungen der Seligen,  
    Unendlicher Geheimnisse  
    Schweigender Bote.  
     
2.   
   
Muß immer der Morgen wiederkommen?   
Endet nie des Irdischen Gewalt?   
unselige Geschäftigkeit verzehrt   
den himmlischen Anflug der Nacht.   
Wird nie der Liebe geheimes Opfer   
ewig brennen?   
Zugemessen ward   
dem Lichte seine Zeit;   
aber zeitlos und raumlos   
ist der Nacht Herrschaft. –   
Ewig ist die Dauer des Schlafs.   
Heiliger Schlaf –   
beglücke zu selten nicht   
der Nacht Geweihte   
in diesem irdischen Tagewerk.   
Nur die Thoren verkennen dich   
und wissen von keinem Schlafe,   
als den Schatten,   
den du in jener Dämmerung   
der wahrhaften Nacht   
mitleidig auf uns wirfst.   
Sie fühlen dich nicht   
in der goldnen Flut der Trauben –   
in des Mandelbaums   
Wunderöl,   
und dem braunen Safte des Mohns.   
Sie wissen nicht,   
daß du es bist   
der des zarten Mädchens   
Busen umschwebt   
und zum Himmel den Schoß macht –   
ahnden nicht,   
daß aus alten Geschichten   
du himmelöffnend entgegentrittst   
und den Schlüssel trägst   
zu den Wohnungen der Seligen,   
unendlicher Geheimnisse   
schweigender Bote.   
  
  
  
Einst, da ich bittre Thränen vergoß –  
Da in Schmerz aufgelößt meine Hoffnung zerrann  
und ich einsam stand an dem dürren Hügel, der in engen  
dunkeln Raum die Gestalt meines Lebens begrub, Einsam,  
wie noch kein Einsamer war, von unsäglicher Angst ge--  
trieben, Kraftlos, nur ein Gedanken des Elends noch, –  
Wie ich da nach Hilfe umherschaute, Vorwärts nicht könnte  
und rückwärts nicht – und am fliehenden, verlöschten Leben  
mit unendlicher Sehnsucht hing – da kam aus blauen Fernen,  
Von den Höhen meiner alten Seligkeit ein Dämmrungs Schauer –  
Und mit einemmale riß das Band der Geburt, des  
Lichtes Fessel – Hin floh die irrdische Herrlichkeit und  
meine Trauer mit ihr. Zusammen floß die Wehmuth  
in Eine neue unergründliche Welt – Du Nachtbegei--  
sterung, Schlummer des Himmels kamst über mich.  
Die Gegend hob sich sacht empor – über der Gegend  
schwebte mein entbundner neugeborner Geist. Zur Staubwolke  
wurde der Hügel und durch die Wolke sah ich die  
verklärten Züge der Geliebten – In Ihren Augen  
ruhte die Ewigkeit – ich faßte ihre Hände und die  
Thränen wurden ein funkelndes, unzerreißliches  
Band. Jahrtausende zogen abwärts in die Ferne,  
wie Ungewitter – An ihrem Halse weint ich dem  
neuen Leben entzückende Thränen. Das war der  
Erste Traum in dir. Er zog vorüber aber sein Abglanz  
blieb der ewige unerschütterliche Glauben an den  
Nachthimmel und seine Sonne, die Geliebte.  
 
3.   
   
Einst da ich bittre Thränen vergoß, da in Schmerz aufgelöst meine Hoffnung zerrann, und ich einsam stand am dürren Hügel, der in engen, dunkeln Raum die Gestalt meines Lebens barg – einsam, wie noch kein Einsamer war, von unsäglicher Angst getrieben – kraftlos, nur ein Gedanken des Elends noch. – Wie ich da nach Hülfe umherschaute, vorwärts nicht konnte und rückwärts nicht, und am fliehenden, verlöschten Leben mit unendlicher Sehnsucht hing: – da kam aus blauen Fernen – von den Höhen meiner alten Seligkeit ein Dämmerungsschauer – und mit einemmale riß das Band der Geburt – des Lichtes Fessel. Hin floh die irdische Herrlichkeit und meine Trauer mit ihr – zusammen floß die Wehmuth in eine neue, unergründliche Welt – du Nachtbegeisterung, Schlummer des Himmels kamst über mich – die Gegend hob sich sacht empor; über der Gegend schwebte mein entbundner, neugeborner Geist. Zur Staubwolke wurde der Hügel – durch die Wolke sah ich die verklärten Züge der Geliebten. In Ihren Augen ruhte die Ewigkeit – ich faßte ihre Hände, und die Thränen wurden ein funkelndes, unzerreißliches Band. Jahrtausende zogen abwärts in die Ferne, wie Ungewitter. An Ihrem Halse weint ich dem neuen Leben entzückende Thränen. – Es war der erste, einzige Traum – und erst seitdem fühl ich ewigen, unwandelbaren Glauben an den Himmel der Nacht und sein Licht, die Geliebte.   
 
4. Sehnsucht nach dem Tode. Er saugt an mir.  
5. Xstus. Er hebt den Stein v Grabe.   
  
Nun weiß ich wenn der letzte Morgen seyn wird – wenn  
das Licht nicht mehr die Nacht und die Liebe scheucht, wenn  
der Schlummer ewig, und nur Ein unerschöpflicher Traum seyn  
wird. Himmlische Müdigkeit verläßt mich nun nicht wieder.  
Weit und mühsam war der Weg zum heilgen Grabe und das  
Kreutz war schwer. Wessen Mund einmal die krystallene  
Woge nezte, die gemeinen Sinnen unsichtbar, quillt  
in des Hügels dunkeln Schoos, an dessen Fuß die irrdische  
Flut bricht, wer oben stand auf diesem Grenzgebürge der Welt  
und hinüber sah, in das neue Land, in der Nacht Wohnsitz,  
Warlich der kehrt nicht in das Treiben der Welt zurück,  
in das Land, wo das Licht regiert und  
ewige Unruh haußt.  
  
Oben baut er sich Hütten  
Hütten des Friedens, sehnt sich und liebt, schaut hinüber,  
bis die willkommenste aller Stunden hinunter ihn  
In den Brunnen der Quelle zieht. Alles Irrdische  
schwimmt oben auf und wird von  
der Höhe hinabgespült, aber was Heilig ward durch  
Der Liebe Berührung rinnt aufgelößt in verborg-  
nen Gängen auf das jenseitige Gebiet, wo es, wie  
Wolken sich Mit entschlummerten Lieben mischt.  
   
  
4.   
   
Nun weiß ich, wenn der letzte Morgen seyn wird – wenn das Licht nicht mehr die Nacht und Liebe scheucht – wenn der Schlummer ewig und nur Ein unerschöpflicher Traum seyn wird. Himmlische Müdigkeit fühl ich in mir. – Weit und ermüdend ward mir die Wallfahrt zum heiligen Grabe, drückend das Kreutz. Die krystallene Woge, die gemeinen Sinnen unvernehmlich, in des Hügels dunkeln Schooß quillt, an dessen Fuß die irdische Flut bricht, wer sie gekostet, wer oben stand auf dem Grenzgebürge der Welt, und hinübersah in das neue Land, in der Nacht Wohnsitz – warlich der kehrt nicht in das Treiben der Welt zurück, in das Land, wo das Licht in ewiger Unruh hauset.   
   
Oben baut er sich Hütten, Hütten des Friedens, sehnt sich und liebt, schaut hinüber, bis die willkommenste aller Stunden hinunter ihn in den Brunnen der Quelle zieht – das Irdische schwimmt obenauf, wird von Stürmen zurückgeführt, aber was heilig durch der Liebe Berührung ward, rinnt aufgelöst in verborgenen Gängen auf das jenseitige Gebiet, wo es, wie Düfte, sich mit entschlummerten Lieben mischt.    
 
    Noch weckst du,  
    Muntres Licht,  
    Den Müden zur Arbeit –  
    Flößest fröliches Leben mir ein.  
    Aber du lockst mich  
    Von der Errinnerung  
    Moosigen Denkmal nicht.  
     
    Gern will ich  
    Die fleißigen Hände rühren  
    Überall umschauen  
    Wo du mich brauchst,  
    Rühmen deines Glanzes  
    Volle Pracht  
    Unverdroßen verfolgen  
    Den schönen Zusammenhang  
    Deines künstlichen Wercks  
    Gern betrachten  
    Den sinnvollen Gang  
    Deiner gewaltigen  
    Leuchtenden Uhr,  
    Ergründen der Kräfte  
    Ebenmaaß  
    Und die Regeln  
    Des Wunderspiels  
    Unzähliger Räume  
    Und ihrer Zeiten.  
     
    Aber getreu der Nacht  
    Bleibt mein geheimes Herz  
    Und ihrer Tochter  
    Der schaffenden Liebe.  
    Kannst du mir zeigen  
    Ein ewigtreues Herz?  
    Hat deine Sonne  
    Freundliche Augen  
    Die mich erkennen?  
    Fassen deine Sterne  
    Meine verlangende Hand?  
    Geben mir wieder  
    Den zärtlichen Druck?  
     
     
    Hast du mit Farben  
    Und leichten Umriß  
    Sie geschmückt?  
    Oder war Sie es  
    Die Deinem Schmuck  
    Höhere, liebere Bedeutung gab?  
    Welche Wollust,  
    Welchen Genuß,  
    Bietet dein Leben  
    Die aufwögen  
    Des Todes Entzückungen.  
     
    Trägt nicht alles  
    Was uns begeistert  
    Die Farbe der Nacht –  
    Sie trägt dich mütterlich  
    Und ihr verdankst du  
    All deine Herrlichkeit.  
    Du verflögst  
    In dir selbst  
    In endlosen Raum  
    Zergingst du,  
    Wenn sie dich nicht hielte –  
    Dich nicht bände  
    Daß du warm würdest  
    Und flammend  
    Die Welt zeugtest.  
     
    Warlich ich war eh du warst,  
    Mit meinem Geschlecht  
    Schickte die Mutter mich  
    Zu bewohnen deine Welt  
    Und zu heiligen sie  
    Mit Liebe.  
    Zu geben  
    Menschlichen Sinn  
    Deinen Schöpfungen.  
     
    Noch reiften sie nicht  
    Diese göttlichen Gedanken.  
    Noch sind der Spuren  
    Unsrer Gegenwart  
    Wenig.  
    Einst zeigt deine Uhr  
    Das Ende der Zeit  
    Wenn du wirst,  
    Wie unser Einer  
    Und voll Sehnsucht  
    Auslöschest & stirbst.  
    In mir fühl ich  
    Der Geschäftigkeit Ende  
    Himmlische Freyheit,  
    Selige Rückkehr.  
     
    In wilden Schmerzen  
    Erkenn ich deine Entfernung  
    Von unsrer Heymath  
    Deinen Widerstand  
    Gegen den alten,  
    Herrlichen Himmel.  
    Umsonst ist deine Wuth  
    Dein Toben.  
    Unverbrennlich  
    Steht das Kreutz,  
    Eine Siegesfahne  
    Unsres Geschlechts.  
     
     
Noch weckst du,   
muntres Licht   
den Müden zur Arbeit –   
flößest fröhliches Leben mir ein –   
aber du lockst mich   
von der Erinnerung   
moosigem Denkmal nicht.   
  
Gern will ich   
die fleißigen Hände rühren,   
überall umschaun,   
wo du mich brauchst –   
rühmen deines Glanzes   
volle Pracht –   
unverdrossen verfolgen   
deines künstlichen Werks   
schönen Zusammenhang –   
gern betrachten   
deiner gewaltigen,   
leuchtenden Uhr   
sinnvollen Gang –   
ergründen der Kräfte   
Ebenmaß   
und die Regeln   
des Wunderspiels   
unzähliger Räume   
und ihrer Zeiten.   
  
Aber getreu der Nacht   
bleibt mein geheimes Herz,   
und der schaffenden Liebe,   
ihrer Tochter.   
Kannst du mir zeigen   
ein ewig treues Herz?   
Hat deine Sonne   
freundliche Augen,   
die mich erkennen?   
fassen deine Sterne   
meine verlangende Hand?   
Geben mir wieder   
den zärtlichen Druck   
und das kosende Wort?   
  
Hast du mit Farben   
und leichtem Umriß   
Sie geziert –   
oder war Sie es,   
die deinem Schmuck   
höhere, liebere Bedeutung gab?   
Welche Wollust,   
welchen Genuß   
bietet dein Leben,   
die aufwögen   
des Todes Entzückungen?   
  
Trägt nicht alles,   
was uns begeistert,   
die Farbe der Nacht?   
Sie trägt dich mütterlich   
und ihr verdankst du   
all deine Herrlichkeit.   
Du verflögst   
in dir selbst –   
in endlosen Raum   
zergingst du,   
wenn sie dich nicht hielte,   
dich nicht bände,   
daß du warm würdest   
und flammend   
die Welt zeugtest.   
   
Warlich ich war, eh du warst –   
die Mutter schickte   
mit meinen Geschwistern mich,   
zu bewohnen deine Welt,   
sie zu heiligen   
mit Liebe,   
daß sie ein ewig angeschautes   
Denkmal werde – zu bepflanzen sie   
mit unverwelklichen Blumen.   
  
Noch reiften sie nicht   
diese göttlichen Gedanken –   
Noch sind der Spuren   
unserer Offenbarung   
wenig –   
Einst zeigt deine Uhr   
das Ende der Zeit,   
wenn du wirst   
wie unser einer,   
und voll Sehnsucht und Inbrunst   
auslöschest und stirbst.   
In mir fühl ich   
deiner  Geschäftigkeit Ende –   
himmlische Freyheit,   
selige Rückkehr.   
   
In wilden Schmerzen   
erkenn ich deine Entfernung   
von unsrer Heymath,   
deinen Widerstand   
gegen den alten,   
herrlichen Himmel.   
Deine Wuth und dein Toben   
ist vergebens.   
Unverbrennlich   
steht das Kreutz –   
eine Siegesfahne   
unsers Geschlechts.   
  
 
    Hinüber wall ich  
    Und jede Pein  
    Wird einst ein Stachel  
    Der Wollust seyn.  
    Noch wenig Zeiten  
    So bin ich los  
    Und liege trunken  
    Der Lieb' im Schoos.  
    Unendliches Leben  
    Kommt über mich  
    Ich sehe von oben  
    Herunter auf Dich.  
    An jenem Hügel  
    Verlischt dein Glanz  
    Ein Schatten bringet  
    Den kühlen Kranz  
    O! sauge Geliebter  
    Gewaltig mich an  
    Daß ich bald ewig  
    Entschlummern kann.  
    Ich fühle des Todes  
    Verjüngende Flut  
    Und harr in den Stürmen  
    Des Lebens voll Muth.  
      
    <Von ihm will ich reden  
    Und liebend verkünden  
    So lang ich  
    Unter Menschen noch bin.  
    Denn ohne ihn  
    Was wär unser Geschlecht,  
    Und was sprächen die Menschen,  
    Wenn sie nicht sprächen von ihm  
    Ihrem Stifter,  
    Ihrem Geiste.>  
     
Hinüber wall ich,   
Und jede Pein   
Wird einst ein Stachel   
Der Wollust seyn.   
   
Noch wenig Zeiten,   
So bin ich los,   
Und liege trunken   
Der Lieb' im Schooß.   
   
Unendliches Leben   
Wogt mächtig in mir   
Ich schaue von oben   
Herunter nach dir.   
   
An jenem Hügel   
Verlischt dein Glanz –   
Ein Schatten bringet   
Den kühlenden Kranz.   
   
O! sauge, Geliebter,   
Gewaltig mich an,   
Daß ich entschlummern   
Und lieben kann.   
   
Ich fühle des Todes   
Verjüngende Flut,   
Zu Balsam und Aether   
Verwandelt mein Blut –   
   
Ich lebe bey Tage   
Voll Glauben und Muth   
Und sterbe die Nächte   
In heiliger Glut.   
 
 
 
5.: Das furchtbar zu den frohen Tischen trat,
Der Jüngling bist du, der seit langer Zeit,
Gehoben ist der Stein,
 
6.: Hinunter in der Erde Schooß
 
 
Novalis:
Klingsohrs Märchen von Fabel und Eros  (zu Ende des ersten Teils des Heinrich von Ofterdingen)
Astralis (Lied zu Anfang des zweiten Teils des Heinrich von Ofterdingen)
Die Lehrlinge zu Sais (philosophisches Romanfragment)
Hymne (Geistliche Lieder, Nr.VII: Leib und Blut)
Hymnen an die Nacht
 
Heinrich von Ofterdingen (vgl. Tannhäuser), Wolfram und Klingsôr 
im "Sängerkrieg auf der Wartburg" (mittelhochdeutsch)
 
William Blake:
Songs of Innocence and of Experience * The book of Thel
The book of Urizen * The book of Ahania * The book of Los
 
Philipp Otto Runge: Der Morgen : Lilie
 
Goethe: Das Märchen von der grünen Schlange und der Lilie
 
P. Vergilius Maro: 4.Ekloge : 6.Ekloge : Anchises' Lehren
 
Apuleius: Das Märchen von Cupido (Amor) und Psyche
 
Quellen zum Thema "Schöpfung":
Genesis 1-11 : Psalmen : Rgveda : Platon : Proklos : Cicero : Ovid : Mar.Victorinus : J.Böhme : Schelling
 
das Lied der "Weisheit" in den Sprüchen Salomons Kap.8:
"JHWH hat mich gehabt als Ursprung seiner Wege"
 
Hans Zimmermann:
Was ist Musik? / Was ist Licht? / Was ist Geist? / Was ist Zeit?
Siebenstern (philos.Lyrik) : Das Mandala eines Tages : Meditation und Mantren
 
Astralis
 
Rundbriefe 2002 / 2003 / 2004 / 2005 / 2006 / 2007 / 2008 / 2009 / 2010 / 2011 / 2012 
aktuelle Rundbriefe * emaille?!
 
Feire Fiz (Hans Zimmermann) : zur Zirkularität der Zeit : Novalis : Hymnen an die Nacht