Hans
Zimmermann, Görlitz
: Quellentexte in zwölf Sprachen
: Indien : Upanishaden des
Sâmaveda : Chândogya-Upanishad
Chând.-Up.:
Einl. * 1 * 2
* 3 (Weltei) *
4 * 5 (prâna)
* 6 (tat
tvam asi) * 7 * 8,1-6;
8,7-15 * Kena-Upanishad
Paul
Deussen: Vorrede zu "Sechzig Upanishads" * Einleitung:
Upanishads des Sâmaveda
Chândogya-Upanishad
Übersetzung und Voranmerkungen:
Paul Deussen
Zweiter Prapâthaka
Erster Khanda
Im ersten Prapâthaka
wurden einzelne Teile des Sâman (udgîtha,
om usw.)
der Verehrung empfohlen, im zweiten ebenso das gesamte Sâman
und zwar 1) das fünffache Sâman 2-7, 2) das siebenfache
Sâman 8-10, 3) zehn Hauptarten des Sâman
und als elftes dieses selbst 11-21; woran sich 22-24 noch einige Nachträge
schließen. – Vorausgeschickt wird dem Ganzen im ersten Khanda
eine Betrachtung über das gesamte Sâman (samastham
sâma) als das Gute (sâdhu);
hierbei laufen die drei unabhängigen Bedeutungen des Wortes sâman
durcheinander. Dasselbe bedeutet a) (wohl von sâ
binden) die Verbindung, das Sâman,
b) (von sâ binden) die Verbindlichkeit,
Freundlichkeit, c) (von sâ, san
erwerben) der Reichtum.
1. Die Verehrung des gesamten Sâman
ist das Gute; denn das Gute, sagt man, ist Sâman und das Nichtgute
ist Nichtsâman (asâman).
2. Darum sagt man ja auch: "er nahte
ihm mit sâman (Freundlichkeit)", und meint damit: "er nahte
ihm mit Güte". Oder: "er nahte ihm mit asâman (Unfreundlichkeit)",
und meint damit: "er nahte ihm mit Ungüte".
3. Ferner sagt man ja auch: "ei,
wir haben ja sâman (Reichtum)", wenn man Gut hat, und meint
damit: "wir haben ja Gut". Oder: "ei, wir haben ja kein sâman",
wenn man kein Gut hat, und meint damit: "wir haben ja kein Gut".
4. Wer, dieses also wissend, das
Sâman als das Gute verehrt, bei dem ist Hoffnung, daß gute
Sitten bei ihm [selbst] sieh einstellen und [die guten Sitten andrer] sich
zu ihm hingezogen fühlen.
Zweiter
Khanda
2.-7. Khanda.
Sechs Verhältnisse der Welt; von denen die Wohlfahrt des Menschen
abhängig ist, nämlich die Welträume, der Regen, die Wasser,
die Jahreszeiten, die Haustiere und die Lebensodem, werden hier, ein jedes,
so gut es gehen will, nach fünf Seiten auseinandergelegt oder zu ihnen
ergänzt, zu dem Sâman in seinen fünf Teilen hinkâra,
prastâva, udgîtha, pratihâra, nidhanam
(vgl. Voranmerkung zum ersten Prapâthaka) in Beziehung gesetzt,
so daß das fünfteilige Sâman,
dieses Hauptinstrument der Sâmavedapriester, für sie zum Symbol
wird, unter dem sie die genannten Weltverhältnisse verehren, wofür
dem Wissenden reicher Segen von ihrer Seite zuteil wird.
1. In den Welträumen [d. h.
indem man in ihm die Welträume versinnbildlicht sieht] soll män
das fünffache Sâman verehren:
hinkâra ist die Erde,
prastâva das Feuer,
udgîtha der Luftraum,
pratihâra die Sonne,
nidhanam der Himmel.
So in den aufsteigenden.
in den rücklaufenden:
hinkâra ist der Himmel,
prastâva die Sonne,
udgîtha der Luftraum,
pratihâra das Feuer,
nidhanam die Erde.
3. Dem sind die Weltteile förderlich,
die aufsteigenden und die rücklaufenden, wer, dieses also wissend,
in den Weltteilen das fünffache Sâman verehrt.
2. Nunmehr
Dritter Khanda
1. Im Regen soll man das fünffache
Sâman verehren (vgl. Talav. Up. ~r. 1,12,9fg. 1,36,1):
hinkâra ist der vorhergehende
Wind,
prastâva, daß
die Wolke sich bildet,
udgîtha, daß
es regnet,
pratihâra, daß es
blitzt und donnert,
2. nidhanam, daß es
aufhört zu regnen.
Dem regnet es, der macht daß es
regnet, wer, dieses also wissend, im Regen das fünffache Sâman
verehrt.
Vierter Khanda.
1. in allenWassern soll man das
fünffacheSâman verehren:
hinkâra ist, daß
die Wolke sich zusammenballt,
prastâva, daß
es regnet,
udgîtha sind die nach
Osten strömenden,
pratihâra die nach
Westen strömenden Wasser,
nidhânam ist der Ozean.
2. Der kommt nicht um in den
Wassern, der wird reich an Wasser, wer, dieses also wissend, in allen Wassern
das fünffache Sâman verehrt.
Fünfter Khanda
1. In den Jahreszeiten soll man
das fünffache Sâman verehren (vgl. Talav. Up. Br. 1,12,7 und
1,35):
hinkâra ist der Frühling,
prastâva der Sommer,
udgîtha die Regenzeit,
pratihâra der Herbst,
nidhanam der Winter.
2. Dem sind die Jahreszeiten förderlich,
der wird reich an Jahreszeiten [der lebt lange], wer, dieses also wissend,
in den Jahreszeiten das fünffache Sâman verehrt.
Sechster Khanda
1. In den Haustieren soll man das
fünffache Sâman verehren:
hinkâra sind die Ziegen,
prastâva die Schafe,
udgîtha die Kühe,
pratihâra die Pferde,
nidhanam der Mensch.
2. Dessen Haustiere gedeihen, der wird
reich an Haustieren, wer, dieses also wissend, in den Haustieren das fünffache
Sâman verehrt.
Siebenter Khanda
1. In den Lebenshauchen soll man
das fünffache, allervortreffuchste Sâman verehren (vgl. Talav.
Up. Br. 1,13,5):
hinkâra ist der Odem,
prastâva
die Rede,
udgîtha das Auge,
pratihâra das Ohr,
nidhanam das Manas;
dieses nämlich sind die allervortrefflichsten
[Welterscheinungen].
2. Dem wird Allervortrefflichstes
zuteil, der gewinnt die allervortrefflichsten Welten, wer, dieses also
wissend, in den Lebenshauchen das fünffache, allervortrefflichste
Sâman verehrt.
Soviel von dem fünffachen.
Achter
Khanda.
8.-10. Khanda:
Wie vorher das fünffache, so wird jetzt das siebenfache Sâman
in der Rede, als Sonne und als das an sich selbst gemessene verehrt,
d.h. es wird zum Symbole 1) gewisser häufig vorkommender Redepartikeln,
2) der Sonne in ihren verschiedenen Zuständen und 3) der Silbenzahl
der Namen seiner Teile, welche als 3 x 7 + 1 = 22 eine mystische Zahl ist
und über die Sonne hinaus in das Gebiet des Unsterblichen und Leidlosen
führt. – Das siebenfache Sâman wird aus den Gliedern des fünffachen,
hinkâra, prastâva, pratihâra,
nidhânam, gebildet, indem man vor udgîtha
das om noch als besonderes,
âdi genanntes, Glied einschiebt
(Shank. ad Chând. p.111,18. 115,10. 119,6) und den pratihâra
in pratihâra und upadrava
zerlegt.
1. Nunmehr von dem siebenfachen.
In der Rede soll man das siebenfache
Sâman verehren;
hinkâra ist alles,
was in der Rede hung lautet,
prastâva alles pra,
âdi alles â,
2. udgîtha alles ud,
pratihâra alles prati, upadrava alles upa, nidhânam
alles ni.
3. Dem läßt die Rede Melktrank
strömen, den Melktrank der der Rede eigen ist, der wird nahrungreich,
nahrunggenießend, wer, dieses also wissend, in der Rede das siebenfache
Sâman verehrt (vgl.1,3,7. 1,13,4).
Neunter Khanda
1. Weiter auch soll man als jene
Sonne das siebenfache Sâman verehren. Sie bleibt sich allezeit gleich
(sama), darum ist sie Sâman; "auf mich scheint sie, auf mich",
sagt man, denn sie hält es mit jedem gleich (sama), darum
ist sie Sâman (vgl. Talav.Up.Br.1,12,5).
2. Mit ihr aber sind alle
diese Wesen verknüpft, das soll man wissen. (Zum Folgenden vgl. Talav.Up.Br.1,11-12.)
hinkâra ist ihr Stand
vor ihrem Aufgange; mit diesem ihrem Stande sind die Haustiere verknüpft,
darum machen sie: hing! Denn sie haben teil an dem Hinkâra
dieses Sâman.
3. prastâva ist ihr
Stand, wenn sie eben aufgegangen; mit diesem ihrem Stande sind die Menschen
verknüpft, darum lieben sie prastuti (Lob) und prashamsâ
(Preis). Denn sie haben teil an dem Prastâva dieses Sâman.
4. âdi ist ihr Stand zur Melkzeit
der Kühe; mit diesem ihrem Stande sind die Vögel verknüpft,
darum können sie, indem sie im Luftraum ohne Stütze sieh selbst
halten (âdâya), herumfliegen. Denn sie haben teil an
dem Âdi dieses Sâman.
5. udgîtha ist ihr
Stand gerade um die Mittagszeit; mit diesem ihrem Stande sind die Götter
verknüpft, darum sind sie die besten unter den Kindern Prajâpati's.
Denn sie haben teil an dem Udgîtha dieses Sâman.
6. pratihâra ist ihr
Stand nach Mittag und vor dem [spätern] Nachmittag; mit diesem ihrem
Stande sind die Embryos verknüpft, darum fallen sie nicht herunter,
obwohl sie in der Schwebe gehalten (pratihrta) werden. Denn
sie haben teil an dem Pratihâra dieses Sâman.
7. upadrava ist ihr Stand
nach dem Nachmittag und vor dem Untergang; mit diesem ihrem Stande sind
die Waldtiere verknüpft; daher sie, wenn sie einen Menschen erblicken,
in die Höhle als Schlupfwinkel laufen (upadravanti). Denn sie
haben teil an dem Upadrava dieses Sâman.
8. nidhanam ist ihr Stand,
wenn sie eben untergegangen ist; mit diesem ihrem Stande sind die Väter
verknüpft, darum setzt man dieselben [d.h. ihre nicht verbrannten
Gebeine] bei (nidadhati). Denn sie haben teil an dem Nidhanam dieses
Sâman.
In dieser Weise verehrt man als
jene Sonne das siebenfache Sâman.
Zehnter Khanda
1. Weiter auch soll man das siebenfache
Sâman als das an sich selbst [an seiner eignen Silbenzahl] gemessene,
über den Tod hinausführende verehren.
hinkâra ist dreisilbig
und prastâva ist dreisilbig, das ist gleich (sama).
2. âdi ist zweisilbig
und pratihâra ist viersilbig, eins davon ab und zu jenem,
so ist es gleich.
3. udgîtha ist dreisilbig
und upadrava viersilbig; drei und drei sind gleich, und eine Silbe
schießt über, so bleiben drei Silben, das ist gleich.
4. nidhanam ist dreisilbig,
also gleich. Macht zusammen zweiundzwanzig Silben.
5. Mit einundzwanzig gelangt man
zur Sonne;
[Nach einer kuriosen Addition von 12
Monaten, 5 Jahreszeiten, 8 Welträumen und der Sonne (z.B. Shatap.Br.1,3,5,11)].
Denn jene Sonne ist von hier aus
der einundzwanzigste; durch die zweiundzwanzigste gewinnt man das Gebiet
jenseits der Sonne; das ist der Himmel (nâkam), das ist das
Leidlose [als na-a-kam nicht-Un-freude].
6. Der erlangt den Gewinn der Sonne,
dessen Gewinn ist über den Gewinn der Sonne hinaus, wer, dieses also
wissend, als das an sich selbst gemessene, über den Tod hinausführende
das siebenfache Sâman verehrt, – Sâman verehrt.
Elfter
Khanda
11.-21. Khanda:
Das Vedawort (braman) ist nach indischer
Anschauung das schöpferische Prinzip, welches in der ganzen Welt verwirklicht
vorliegt. Ein Teil dieses Vedawortes sind die verschiedenen Saman's,
welche beim Somaopfer gesungen werden. Zehn derselben (gâyatram,
rathantaram, vâmadevyam, brhad, vairûpam, vairâjam,
shâkvaram, raivatam, yajñâyajñîyam,
râjanam) werden hier geschildert als "verwoben"
(prota), d.h. gleichsam das Grundgewebe
bildend zu zehn psychischen und kosmischen Erscheinungen (Lebenshauche,
Feuer, Begattung, Sonne, Regen, Jahreszeiten, Welträume, Haustiere,
Körperbestandteile, Gottheiten), als elftes wird das Sâman
im allgemeinen als "mit dem All verwoben" erklärt. Alle diese
elf Erscheinungen werden, so gut es gehen will, in fünf Teile oder
Akte zerlegt, die dann jedesmal den fünf Teilen des Sâman (hinkâra,
prastâva, udgîtha, pratihâra, nidhânam)
gleichgesetzt werden. Durch das Ganze blickt der erwähnte Gedanke
durch, daß das Weltall eine Verkörperung des Brahman
ist, daß speziell das Sâman dem
Weltganzen und die zehn Hauptarten desselben den wichtigsten Welterscheinungen
verwoben sind. Im übrigen läßt sich für die Zusammenstellung
der bestimmten Welterscheinungen und ihrer Teile mit deren Teilen ein tieferer
Grund nicht erkennen; was Shankara darüber beibringt, ist, ähnlich
wie in 1,13 zu gekünstelt, als daß es Beachtung verdiente. -
Am Schlusse jedes Abschnittes folgt eine Verheißung und eine Maxime
(vratam), welche in der Regel darauf
hinausläuft, die betreffende Naturerscheinung, der das Sâman
verwoben ist, nicht zu verachten.
1.hinkâra ist das Manas,
prastâva die Rede,
udgîtha das Auge,
pratihâra das Ohr,
nidhanam der Odem;
dies ist das Gâyatram als
verwoben in die Lebenshauche.
2. Wer also dieses Gâyatram
als in die Lebenshauche verwoben weiß, der bleibt der Lebenshauche
teilhaft, der kommt zur vollen Lebensdauer, lebt lange, wird groß
an Nachkommenschaft und Vieh und groß an Ruhm.
Seine Maxime ist, großen Sinnes
(mahâmanas) zu sein.
Zwölfter Khanda.
1.hinkâra ist, wenn
man die Hölzer reibt,
prastâva, wenn der
Rauch sich bildet,
udgîtha, wenn das Holz
flammt,
pratihâra, wenn die
Kohlen entstehen,
nidhânam, wenn das
Feuer verglüht,
nidhanam, wenn es erlischt;
dies ist das Rathantaram als
verwoben in das Feuer.
2. Wer also dieses Rathantaram als
in das Feuer verwoben weiß, der wird der Brahmanenwürde teilhaft,
wird ein Nahrungsesser, der kommt zur vollen Lebensdauer, lebt lange, wird
groß an Nachkommenschaft und Vieh und groß an Ruhm.
Seine Maxime ist, daß er nicht
gegen das Feuer hin den Mund ausspült oder ausspuckt.
Dreizehnter Khanda
1.hinkâra ist, wenn
man eine anspricht,
prastâva, wenn man
den Antrag macht,
udgîtha, wenn man mit
dem Weibe liegt,
pratihâra, wenn man
aufliegend mit ihr liegt,
nidhânam, wenn man
zum Ziele kommt,
nidhanam, wenn man darüber
hinaus kommt;
dies ist das Vâmadevyam als
verwoben in die Begattung.
2. Wer also dieses Vâmadevyam
als in die Begattung verwoben weiß, der wird der Begattung teilhaft,
pflanzt sich aus jeder Begattung fort, der kommt zur vollen Lebensdauer,
lebt lange, wird groß an Nachkommenschaft und Vieh und groß
an Ruhm.
Seine Maxime ist, daß er sich
keiner entzieht.
Vierzehnter Khanda
1. hinkâra ist die
aufgehende Sonne,
prastâva die aufgegangene,
udgîtha der Mittag,
pratihâra der Nachmittag,
nidhanam die untergehende
Sonne;
dies ist das Brhad als
verwoben in die Sonne.
2. Wer also dieses Brhad
als in die Sonne verwoben weiß, der wird feurig, wird ein Nahrungsesser,
der kommt zur vollen Lebensdauer, lebt lange, wird groß an Nachkommenschaft
und Vieh und groß an Ruhm.
Seine Maxime ist, daß er die
Sonne, auch wenn sie brennt, nicht tadelt.
Fünfzehnter Khanda
1. hinkâra ist, wenn
die Dünste zusammenifießen,
prastâva, wenn die
Wolke sich bildet,
udgîtha, wenn es regnet,
pratihâra, wenn es
blitzt und donnert,
nidhanam, wenn es aufhört
zu regnen;
dies ist das Vairûpam als
verwoben in den Regen.
2. Wer also dieses Vairûpam
als in den Regen verwoben weiß, der hat in seinem Stalle Vieh von
verschiedener Art (virûpa) und von schöner Art (surûpa),
der kommt zur vollen Lebensdauer, lebt lange, wird groß an Nachkommenschaft
und Vieh und groß an Ruhm.
Seine Maxime ist, daß er den
Regen, wenn er strömt, nicht tadelt.
Sechzehnter Khanda
1. hinkâra ist der
Frühling,
prastâva der Sommer,
udgîtha die Regenzeit,
pratihâra der Herbst,
nidhanam der Winter;
dies ist das Vairâjam als
verwoben in die Jahreszeiten.
2. Wer also dieses Vairâjam
als in die Jahreszeiten verwoben weiß, der glänzt (virâjati)
durch Nachkommenschaft, Vieh und Brahmanenwürde, der kommt zur
vollen Lebensdauer, lebt lange, wird groß an Nachkommenschaft und
Vieh und groß an Ruhm.
Seine Maxime ist, daß er die
Jahreszeiten nicht tadelt.
Siebzehnter Khanda
1. hinkâra ist die
Erde,
prastâva der Luftraum,
udgîtha der Himmel,
pratihâra die Himmelsgegenden,
nidhanam der Ozean;
dies sind die Shakvarî-Verse
als verwoben in die Welträume.
2. Wer also diese Shakvarî-Verse
als in die Welträume verwoben weiß, der wird der Welträume
teilhaft, der kommt zur vollen Lebensdauer, lebt lange, wird groß
an Nachkommenschaft und Vieh und groß an Ruhm.
Seine Maxime ist, daß er die
Welträume nicht tadelt.
Achtzehnter Khanda
1. hinkâra sind die
Ziegen,
prastâva die Schafe,
udgîtha die Rinder,
pratihâra die Rosse,
nidhanam der Mensch;
dies sind die Revatî-Verse
als verwoben in die Haustiere.
2. Wer also diese Revatî-Verse
als in die Haustiere verwoben weiß, der wird reich an Haustieren,
der kommt zur vollen Lebensdauer, lebt lange, wird groß an Nachkommenschaft
und Vieh und groß an Ruhm.
Seine Maxime ist, daß er die
Haustiere nicht tadelt.
Neunzehnter Khanda
1. hinkâra ist das
Haar,
prastâva die Haut,
udgîtha das Fleisch,
pratihâra die Knochen,
nidhanam das Mark;
dies ist das Yajñâyajñîyam
als verwoben in die Körperbestandteile.
2. Wer also dieses Yajñâyajñîyam
als in die Körperbestandteile verwoben weiß, der wird der
Körperbestandteile teilhaft, wird nicht gebrechlich an einem Körperbestandteile,
der kommt zur vollen Lebensdauer, lebt lange, wird groß an Nachkommenschaft
und Vieh und groß an Ruhm.
Seine Maxime ist, daß er ein
Jahr lang nicht vom Marke ißt, oder überhaupt nicht vom Marke
ißt.
Zwanzigster Khanda
1. hinkâra ist Agni
(Feuer),
prastâva Vâyu
(Wind),
udgîtha Âditya
(Sonne),
pratihâra die Nakshatra
(Mondhäuser),
nidhanam Candramas (Mond);
dies ist das Râjanam als
verwoben in die Gottheiten.
2. Wer also dieses Râjanam
als in die Gottheiten verwoben weiß, der geht mit diesen Gottheiten
in Weltgemeinschaft, Machtgemeinschaft, Lebensgemeinschaft ein, der kommt
zur vollen Lebensdauer, lebt lange, wird groß an Nachkommenschaft
und Vieh und groß an Ruhm.
Seine Maxime ist, daß er die
Brahmanen [als die Vertreter der Götter] nicht tadelt.
Einundzwanzigster Khanda
1. hinkâra ist die
dreifache Wissenschaft [der Veden],
prastâva die drei Weiträume
[Erde, Luftraum, Himmel],
udgîtha Agni, Vâyu,
kditya [ihre Regenten],
pratihâra die Sterne,
Vögel, Strahlen,
nidhanam die Schlangen, Gandharva's,
Väter;
dies ist das Sâman als verwoben
in das Weltall.
2. Wer also dieses Sâman als
in das Weltall verwoben weiß, der wird zum Weltall.
3. Darüber ist dieser Vers:
Die, welche fünfmal zu je drei
sind,
Nichts Höheres als diese ist
vorhanden;
4. Wer dieses weiß, der weiß
das Weltall,
Dem bringen Spende alle Weltenpole.
"Ich bin das Weltall!", Dieses Bewußtsein
zu verehren ist seine Maxime, – seine Maxime.
Zweiundzwanzigster
Khanda
Dieser Khanda
besteht aus drei Abschnitten welche sich auf die Vortragsweise des Sâman
beziehen.
Der erste zählt
sieben verschiedene Gâna, Sangweisen
des Sâman, auf, deren Unterschied in
der gewählten Klangfarbe und andern Besonderheiten des Vortrags zu
bestehen scheint. (Vgl. dazu Talav.Up.Br.1,37.51-52.)
Der zweite Abschnitt
lehrt, woran man beim Gesange zu denken habe, um durch denselben bestimmte
Erfolge herbeizuführen.
Der dritte stellt
die Buchstaben des Textes unter den Schutz bestimmter Götter und zeigt,
wie die Buchstaben auszusprechen sind, um das Wesen dieser Götter
in ihnen richtig zum Ausdrucke zu bringen.
1. "Ich wähle die viehartig
brüllende [Vortragsweise] des Sâman", so heißt es vom
Udgîtha des Agni; der undeutliche (verschleierte) gehört dem
Prajâpati, der deutliche dem Soma an. Weich und zart ist die [Sangweise]
des Vâyu, zart und doch kräftig die des Indra; die brachvogelartige
ist dem Brhaspati, die [wie zersprungenes Metall] mißtönige
dem Varuna eigen. – Man soll diese alle ehren, die des Varuna
aber [beim Gebrauche] lieber meiden.
2. Man singe mit der Absieht,
den Göttern Unsterblichkeit zu ersingen; oder man mag mit der Absicht,
den Vätern den Labetrank, den Menschen was sie hoffen, dem Vieh Gras
und Wasser, dem Veranstalter des Opfers die Himmeiswelt und für sich
selbst Nahrung zu ersingen, – indem man dabei auch was jetzt folgt im Geiste
erwägt, – wohlbedacht das Stotram anstimmen.
3. Alle Vokale sind Verkörperungen
des Indra, alle Zisch- und Hauchlaute Verkörperungen des Prajâpati,
alle Mutae Verkörperungen des Mrtyu (Todes). – Sollte man den
[der solches weißl in betreff der Vokale [in seinem Vortrag] tadeln,
so erwidere er: "Ich habe mich in den Schutz des Indra begeben, der wird
dir antworten."
4. Sollte man ihn in betreff der
Zisch- und Hauchlaute tadeln, so erwidere er: "Ich habe mich in den Schutz
des Prajâpati begeben, der wird dich zermalmen." Sollte man ihn in
betreff der Mutae tadeln, so erwidere er: "Ich habe mich in den Schutz
des Mrtyu begeben, der wird dich verbrennen."
5. Alle Vokale müssen volltönend
und kräftig ausgesprochen werden, indem man dabei denkt: "Dem Indra
möge ich Kraft geben." Alle Zisch- und Hauchlaute müssen unverschluckt
und ungestoßen, offen ausgesprochen werden, indem man dabei denkt:
"Dem Prajâpati möge ich mein Selbst anvertrauen." Alle Mutae
müssen ein wenig unverbunden ausgesprochen werden, indem man dabei
denkt: "Vor Mrtyu möge ich mein Selbst bewahren."
Dreiundzwanzigster
Khanda
Zwei Fragmente, welche
von Shankara nur sehr künstlich in Zusammenhang gebracht werden.
Das erste ist ein
Vorläufer der spätern Theorie von den vier Âshrama's
oder Lebenestadien, wonach jeder Ârya im
Verlaufe seines Lebens 1) als brahmacarin im
Hause eines Lehrers den Veda studieren, 2) als grhastha
eine Familie gründen, 8) als vânaprastha
in der Waldeinsamkeit der Askese obliegen, und endlich 4) im
höchsten Alter als samnyâsin (parivrâjaka,
bhikshu) besitzlos umherpilgern sollte. Unser Fragment
kennt nur drei "Verzweigungen der Pflicht"; aus diesem Ausdrucke, wie auch
daraus, daß allen dreien reine Welten verheißen werden, geht
hervor, daß diese drei noch nicht in einer Reihenfolge nacheinander,
sondern als gleichberechtigt nebeneinander gedacht werden. Hierauf weist
auch die mangelnde Ordnung hin, indem zuerst der Grhastha,
dann der Asket, d.h. der Vânaprastha,
und zuletzt der Brahmacârin genannt
wird; unter dem letztem ist hier, wie der Zusatz atyantam
âtmânam âcâryakule ‘vasâdayan besagt,
nur der zeitlebens im Hause des Lehrers verbleibende Naishthika
zu verstehen; und nur dieser konnte ebenbürtig neben Grhastha
und Vânaprastha als ein besonderer
"Zweig der Pflicht" stehen, daher jener Zusatz, den Böhtlingk streichen
will, nicht wohl entbehrt werden kann. – Eine große Streitfrage unter
den Vedântisten ist, ob unter dem zuletzt erwähnten "in Brahman
feststehenden" der dem vierten Âshrama
huldigende Parivrâjaka zu verstehen
ist, oder nicht (vgl. Shankara zur Stelle und zu Brahmasûtra 3,4,18-20).
Das Richtige wird sein, daß unser Autor nur drei Zweige der Pflicht,
Hausvatertum, Askese und Brahmanschülertum kennt und ihnen allen,
als dem Werkdienste angehörig, das Feststehen im Brahman,
d.h. den Upanishadstandpunkt, als das Höhere gegenüberstellt,
daß sich aber gerade aus dieser Höherstellung der Brahmanerkenntnis
über alle Werke (Opfer, Askese, Studium) der spätere vierte Âshrama,
als die praktische Ausführung der Upanishadlehre, entwickelt
hat.
Hieran schließt
sich das Fragment eines Schöpfungsmythus, der vollständiger Ait.Br.5,82.
Shatap.Br.11,5,8 (Allgem. Gesch. der Philos. 1,183.189) sowie auch Talav.Up.Br.3,15
vorliegt und hier nur zur Verherrlichung des Wortes Om
als Inbegriff des Veda, d.h. des
Brahman, dienen soll.
1. Es gibt drei Zweige der [religiösen]
Pflicht: Opfer, Vedastudium und Almosengeben ist der erste; Askese ist
der zweite; der Brahmanschüler, der im Hause des Lehrers wohnt, ist
der dritte, wofern derselbe sich für immer im Hause des Lehrers niederläßt.
Diese alle bringen als Lohn heilige Welten; wer aber im Brahman feststeht,
geht zur Unsterblichkeit ein.
2. Prajâpati bebrütete
die Welträume; aus ihnen, du er sie bebrütete, floß die
dreifache Wissenschaft [der Veden]. Diese bebrütete er; aus ihr, da
er sie bebrütete, flossen diese Laute: bhur, bhuvar, svar [Erde,
Luftraum, Himmel].
3. Diese bebrütete er; aus
ihnen, da er sie bebrütete, floß der Laut Om. Darum,
gieichwie durch einen Nagel (Shanku) alle Blätter zusammengebohrt
(santrnna) werden, also ist durch den Laut Om alle Rede zusammengebohrt;
der Laut Om ist diese ganze Welt, – der Laut Om ist diese ganze Welt.
Vierundzwanzigster
Khanda
Am Schlusse des zweiten
Prapâthaka hat sich dieses liturgische Stück angesetzt, welches
lehrt, wie der Veranstalter des Somaopfers (der Yajamâna)
sich nach dem Tode einen Platz (loka)
in den drei Weitgebieten, Erde, Luftraum und Himmel, sichern kann. Die
Erde gehört, nach der hier auftretenden Anschauung, den Vasu's,
mit Agni an der Spitze, der Luftraum den Rudra's,
mit Vayu an der Spitze, der Himmel den Vishvedevâs
und Âditya's; den ersten ist
die Frühspende, den zweiten die Mittagspende, den dritten die Abendspende
des Somaopfers geweiht. Durch eine
besondere Zeremonie werden sie veranlaßt, dem Yajamâna
oder Opferherrn von ihrer Spende mitzugeben, wodurch er für
sich nach dem Tode einen Platz in dem entsprechenden Weltgebiete erwirbt
1. Die Brahmanlehrer sagen: "Wenn
den Vasu's die Frühspende, den Rudra's die Mittagspende, den Aditya's
und Vishvedevâs die dritte Spende gehört,
2. wo bleibt da ein Platz für
den Opferherrn [da alle drei Weltgebiete, Erde, Luftraum und Himmel, von
den genannten Götterklassen ihm vorweggenommen sind]?" Wer diesen
[Platz] nicht weiß, wie kann der [mit Erfolg] opfern? Darum opfere
man, indem man ihn weiß.
3. Vor der Aufforderung zum Frühgebete
(mit dem die Morgenkelterung beginnt, Ait.Br.2,15] soll sich der Opferherr
hinter das Gârhapatya-Feuer mit dem Gesicht nach Norden setzen und
folgendes Sâman an die Vasu's anstimmen:
4. "Offne die Pforte zum Weltraum
[der Erde],
"Daß wir dich schauen, Herrschaft
zu erlangen!"
5. Sodann opfert er und spricht:
"Verehrung dem Agni, dem Erdebesitzer, dem Weltraumbesitzer! O mache mir,
dem Opferherrn, eine Stätte ausfindig! Ja, da ist sie, die Stätte
des Opferherrn; gehen werde
6. dorthin ich, der Opferherr, nach
diesem Leben. Svâhâ! Schiebe den Riegel auf!" So spricht er
und erhebt sich. Ihm geben dann die Vasu's von der Frühspende mit
(samprayacchanti).
7. Vor der Aufforderung zur Mittagspende
soll sich der Opferherr hinter das Âgnîdhrîya-Feuer mit
dem Gesicht nach Norden setzen und folgendes Sâman an die Rudra's
anstimmen:
8. "Öffne die Pforte zum Weltraum
[des Luftraums],
"Daß wir dich schauen, Weitherrschaft
zu erlangen!"
9. Sodann opfert er und spricht:
"Verehrung dem Vâyu, dem Luftraumbesitzer, dem Weltraumbesitzer!
O mache mir, dem Opferherrn, eine Stätte ausfindig! Ja, da ist sie,
die Stätte des Opferherrn; gehen werde
10. dorthin ich, der Opferherr,
nach diesem Leben. Svâhâ! Schiebe den Riegel auf!" So spricht
er und erhebt sich. Ihm geben dann die Rudra's von der Mittagspende mit.
11. Vor der Aufforderung zur dritten
Spende soll sich der Opferherr hinter das Ahavanîya-Feuer mit dem
Gesicht nach Norden setzen und folgendes Sâman an die Âditya's
und die Vishvedevâs anstimmen:
12. "Öffne die Pforte zum Weltraum
[des Himmels],
"Daß wir dich schauen, Selbstherrschaft
zu erlangen!"
so 13. an die Âditya's; sodann
an die Vishvedevâs:
"Öffne die Pforte zum Weltraum
[des Himmels],
"Daß wir dich schauen, Allherrschaft
zu erlangen!"
14. Sodann opfert er und spricht:
"Verehrung den Âditya's und den Vishvedevâs, den Himmelsbesitzern,
den Weltraumbesitzern! O machet mir, dem Opferherrn, eine Stätte ausfindig!
15. Ja, da ist sie, die Stätte
des Opferherrn; gehen werde dorthin ich, der Opferherr, nach diesem Leben.
Svâhâ! Schiebet den Riegel auf!" So spricht er und erhebt sich.
16. Ihm geben dann die Âditya's
und die Vishvedevâs von der dritten Spende mit.
Wahrlich, der kennt des Opfers Maß
und Ziel, wer solches weiß, – wer solches weiß.
vorheriges
Kapitel (1) * Inhaltsverzeichnis
der Chândogya-Upanishad * nächstes
Kapitel (3)
Chând.-Up.:
Einl. * 1 * 2
* 3 (Weltei) *
4 * 5 (prâna)
* 6 (tat
tvam asi) * 7 * 8,1-6;
8,7-15 * Kena-Upanishad
Paul
Deussen: Vorrede zu "Sechzig Upanishads" * Einleitung:
Upanishads des Sâmaveda
grham/
Index * Buddha/
Lalitavistara/ Ajanta/
Thankas/ Jâtakas/
Zen-Kunst
Sanskrit/
Grammatik * Rgveda
* Gîtâ * Vedânta
* Yoga * Indienreise
Meister
Eckhart: unio mystica * ICH
BIN
der ICH BIN (Exodus 3) * Meditation
und Mantren
zurück
Seitenanfang
.
Hans
Zimmermann, Görlitz
: Quellentexte in zwölf Sprachen
: Indien : Upanishaden des
Sâmaveda : Chândogya-Upanishad