Hans
Zimmermann, Görlitz
: Quellentexte in zwölf Sprachen
: Indien : Upanishaden
des Sâmaveda : Chândogya-Upanishad
Paul
Deussen: Vorrede zu "Sechzig Upanishads" * Einleitung:
Upanishads des Sâmaveda * Inhaltsverzeichnis
Chândogya-Upanishad:
1 * 2 *
3 (Weltei) * 4
* 5 (prâna) * 6
(tat tvam asi)
* 7 * 8,1-6;
8,7-15 * Kena-Upanishad
Chândogya-Upanishad
Übersetzung und Voranmerkungen:
Paul Deussen
Achter Prapâthaka
Dieser letzte Abschnitt der Upanishad
besteht, abgesehen von zwei kurzen Schlußgebeten des ausscheidenden
Schülers (13.14) und einer Schlußermahnung an denselben (15),
aus zwei nahe verwandten Abschnitten, deren erster (1-6), in Form einer
Unterweisung des künftigen Lehrers, über den Weg zum Âtman
handelt, während der zweite (7-12), in
Form einer Belehrung des Gottes Indra durch Prajâpati, den Unterschied
zwischen dem wahren und dem falschen Âtman
erläutert.
A. Der Weg zum Âtman,
Khanda 1-6
1. In der Brahmanstadt des
Leibes, und zwar in der Lotosblüte des Herzens, befindet sich ein
kleiner Raum (dahara'
âkâsha),
welcher in Wahrheit so groß ist wie der unendliche Weltraum und,
wie dieser, alle Weiten und alle Götter, alles was einer besitzt und
nicht besitzt, in sich beschließt. Der in ihm wohnende Âtman
wird nicht von Tod, Verfall und Übel
aller Art betroffen; und während alle, die nach diesseitigem oder
jenseitigem Lohne trachten, Vergänglichem nachjagen und in allen Welten
unfrei bleiben, so ist, wer den Âtman
gefunden hat, frei (nicht mehr ein Knecht
unverwirklichter Wünsche) und im Vollbesitze aller wahren (nicht auf
die Illusion des Weltlebens gerichteten) Wünsche.
2. In grobmaterieller Weise werden
diese „wahren Wünsche“ hier ausgemalt. Wer sie besitzt, kann durch
die bloße Vorstellung (sankalpa)
alles mögliche hervorzaubern und genießen, die Welten der Väter,
Mütter, Brüder, Schwestern, Freunde, die Welten der Wohlgerüche
und Kränze, der Speise und des Trankes, des Singens, Musizierens und
der Weiber. – Dieser Abschnitt fällt nach Geist und Ton so sehr aus
dem Ganzen heraus, unterbricht auch den, mit 3,1 unmittelbar an den Schluß
von 1 anknüpfenden Zusammenhang so störend, daß wir in
ihm eine sinnliche Ausmalung des Gedankens 3,2 (atha
ye ca asya iha jîvâ, ye ca pretâ, yac ca anyad icchan
na labhate, sarvam tad atra gatvâ vindate)
von späterer Hand vermuten, – vielleicht derselben Hand, welche am
Schlusse des vorigen Prapâthaka die
Allerfüllung im Sinne einer magischen Vervielfältigung der eignen
Person ausdeutete.
3. Während bei dem gewöhnlichen
Menschen diese wahren Wünsche „mit Unwahrheit verdeckt“ sind, während
er die Brahmanwelt, obgleich er täglich im Tiefschlafe in sie eingeht,
nicht findet und daher auch die Seinigen, wenn nie sterben, verloren zu
haben glaubt, – so findet der Wissende die Brahmanwelt und in ihr alle
wahren Wünsche, atra gatvâ
„wenn er hierher (nämlich in sein Herz) geht“ (nicht „wenn er dorthin
gegangen ist“, Böhtlingk); im Herzen ist der Atman, wie aus der Etymologie
von hrdayam gezeigt
wird, und im Tiefschlafe wird er, des Leibes ledig, mit dem höchsten
Lichte vereint und dadurch seiner eignen wahren Wesenhelt teilhaftig. Als
das Brahman, als Satyam (Wahrheit)
ist er (wie etymologisch spielend gezeigt wird) der Befasser (yam)
des Unsterblichen (sat)
und des Sterblichen (ti;
nach Shankara zu Brh. 5,5,1, wo ähnlich mit satyam
gespielt wird, weil ti,
t in den Worten anrtam,
Unwahrheit, und mrtyu,
Tod, vorkommt).
4. Als solcher Befasser des
Unsterblichen und Sterblichen ist der Âtman
der scheidende Damm (setur
vidhrtir) zwischen den verschiedenen
Welträumen (im Plural) und zugleich die (verbindende) Brücke
(setu bedeutet
beides) zwischen dem Diesseits und dem Jenseits (der Brahmanwelt). Kein
Böses, kein Übel, keine Unvollkommenheit kann diese Brücke
überschreiten. – Der Weg, um zu der Brahmanwelt zu gelangen, ist Brahmacaryam
(nicht „Brahmanenlehre“, Böhtlingk,
sondern) das Leben als brahmacârin,
- Brahmanschüler, verbracht in Studium und Entsagung.
5. Dieses Brahmacaryam
ist das Einzige, was not ist, denn es
befaßt (wie durch eine Reihe halsbrechender Etymologien erwiesen
wird) alle andern Forderungen der Religion in sich; es ist yajña
(Opfer), ishtam
(Geopfertes), sattrâyanam
(eine große Somafeier), maunam
(Büßertum), anâshakâyanam
(Fasten) und aranyâyanam
(Einsiedlerleben im Walde); der wahre
Wald (aranyam)
nämlich, in den man gehen soll, findet sich in der durch Brahmacaryam
zu erlangenden Brahmanwelt, in welcher
ara- und
-nya (also
aranya)
zwei Seen sind. – Hier hat eine spätere Hand noch andre in der Brahmanwelt
zu findende Wunderdinge (airammadîyam
saras, ashvatthaa somasavanaa, aparâjitâ pûr brahmanaa,
prabhuvimitam hiranmayam) eingeschoben,
welche zwar, ebenso wie die analoge Schilderung in Kaush. 1,3, der Phantasie
der spätern Inder viel Nahrung gegeben haben, hier jedoch den Zusammenhang
der Erörterung über ara und
-nya in
einer gewiß nicht ursprünglichen Weise unterbrechen.
6. Die oben gelehrte Identität
des Herzensraumes mit der Brahmanwelt wird, in Anpassung an die Fassungskraft
der Menge, hier zu einer Verbindung beider mittels der braunen, weißen,
blauen, gelben und roten Herzensadern und der gleichfarbigen, von der Sonne
ausgehenden Strahlen. (Brh. 4,4,9 scheint diese Vorstellung als
unerheblich behandelt zu werden.) Beim Tiefschlafe ist die Seele in jene
Adern geschlüpft und mit der Glut eins geworden (anders vorher, Chând.
8,3,4), beim Tode steigt die Seele des Wissenden durch die Kopfader zur
Sonne empor, während die Nichtwissenden durch die hundert übrigen
Adern ausfahren. – Auch dieser Abschnitt, wegen der mehr sinnlichen Anachauungsweise,
und weil der Tiefschlaf anders als Chând. 8,8,4 aufgefaßt wird,
erweckt den Verdacht, ein späterer Zusatz zu sein.
OM
1.-6. Khanda: Das All im Herzen
Erster Khanda
atha
yad idam asmin brahmapure daharam
pundarîkam veshma daharo
'sminn antar-âkâshas
tasmin yad antas tad anveshtavyam
tad vâva vijijñâsitavyam iti
(1)
1. [Der Lehrer soll sprechen:]
„Hier in dieser Brahmanstadt [dem Leibe] ist ein Haus,
eine kleine Lotosblume [das Herz];
inwendig darinnen ist ein kleiner Raum;
was in dem ist, das soll man erforschen,
das wahrlich soll man suchen zu erkennen.“
tam ced brûyur
yad idam asmin brahma-pure daharam
pundarîkam veshma daharo
'sminn antar-âkâshah
kim tad atra vidyate yad anveshtavyam
yad vâva vijijñâsitavyam iti
2. Dann werden sie (die Schüler] zu ihm sagen:
„Hier in dieser Brahmanstadt ist ein Haus,
eine kleine Lotosblume;
inwendig darinnen ist ein kleiner Raum;
was ist denn dort, was man erforschen soll,
was man soll suchen zu erkennen?
sa brûyât (2)
3. Dann soll er sagen:
yâvân vâ ayam âkâshas
tâvân esho 'ntar-hrdaya âkâsha
ubhe asmin dyâvâ-prthivî
antar eva samâhite
ubhâv-agnish ca vâyush ca sûryâ
candram asâv ubhau vidyun-nakshatrâni
yac câsyehâsti yac ca nâsti
sarvam tad asmin samâhitam iti (3)
„Wahrlich, so groß dieser Weltraum ist, so groß ist dieser
Raum inwendig im Herzen;
in ihm sind beide, der Himmel und die Erde, beschlossen;
beide, Feuer und Wind, beide, Sonne und Mond, der Blitz und die Sterne,
und was einer hienieden besitzt und was er nicht besitzt,
das alles ist darin beschlossen.“
tam ced brûyur
asminsh ced idam brahma-pure sarvam samâhitam
sarvâni ca bhûtâni sarve ca kâmâ
adaitaj jarâ vâpnoti pradhvamsate
vâ
kim tato 'tishishyata iti (4)
4. Dann werden sie zu ihm sagen:
„Wenn alles dies in dieser Brahmanstadt beschlossen ist und alle Wesen
und alle Wünsche, –
wenn sie nun das Alter ereilt oder die Verwesung,
was bleibt dann davon übrig?“
sa brûyân
5. Dann soll er sagen:
nâsya jaryaitaj jîryati
etat satyam brahma-puram
esha âtmâpahatapâpmâ
vijaro vimrtyur vishoko vijighatso 'pipâsah
satya-kâmah satya-sankalpo
„Dieses am Menschen altert mit dem Alter nicht;
nicht wird es durch seine Ermordung getötet;
dieses [die Seele, und nicht der Leib, wie die empirische Erkenntnis annimmt]
ist die wahre Brahmanstadt,
darin sind beschlossen die Wünsche;
das ist das Selbst (die Seele), das sündlose,
frei vom Alter, frei vom Tod und frei vom Leiden, ohne Hunger und ohne
Durst;
sein Wünschen ist wahrhaft, wahrhaft sein Entschluß.
yathâ hy eveha prajâ anvâvishanti
yathânushâsanam
yam yam antam abhikâmâ bhavanti yam janapadam
yam shetra-bhâgam
tam tam evopajîvanti (5)
Denn gleichwie hienieden die Menschen, als geschähe es auf Befehl,
das Ziel verfolgen, danach ein jeder trachtet, sei es ein Königreich,
sei es ein Ackergut,
und nur dafür leben, – [so sind sie auch beim Trachten nach himmlischem
Lohne die Sklaven ihrer Wünsche].
tad yatheha karmajito lokah kshîyate
evam evâmutra punyajito lokah
kshîyate
6. Und gleichwie hienieden die Stellung, die man durch
die Arbeit erworben hat, dahinschwindet,
so schwindet auch im Jenseits die durch die guten Werke erworbene Stätte
dahin.
tad ya ihâtmânam ananuvidya vrajanty
etâmsh ca satyân kâmâms teshâm
sarveshu lokeshv akâmacâro
bhavaty
atha ya ihâtmânam anuvidya vrajanty etâmsh
ca satyânkâmâms teshâm
sarveshu lokeshu kâmacâro
bhavaty (6)
Darum, wer von hinnen scheidet, ohne daß er die Seele erkannt hat
und jene wahrhaften Wünsche,
dem wird zuteil in allen Welten ein Leben in Unfreiheit;
wer aber von hinnen scheidet, nachdem er die Seele erkannt hat und jene
wahrhaften Wünsche,
dem wird zuteil in allen Welten ein Leben in Freiheit.
iti prathamah khandah (1)
Zweiter Khanda
sa yadi ptr-loka-kâmo bhavati
sankalpâd evâsya pitarah samuttishtanti
tena pitr-lokena sampanno mahîyate
(1)
1. Wenn ein solcher Verlangen trägt nach der Welt der Väter,
so erstehen ihm auf seinen Wunsch die Väter,
und diese Welt der Väter wird ihm zuteil, des ist er fröhlich.
atha yadi mâtr-loka-kâmo bhavati
sankalpâd evâsya mâtarah
samuttishtanti
tena mâtr-lokena sampanno mahîyate
(2)
2. Und wenn er Verlangen trägt nach der Welt der Mütter,
so erstehen ihm auf seinen Wunsch die Mütter,
und diese Welt der Mütter wird ihm zuteil, des ist er fröhlich.
atha yadi bhrâtr-loka-kâmo
bhavati
sankalpâd evâsya bhrâtarah
samuttishtanti
tena bhrâtr-lokena sampanno mahîyate
(3)
3. Und wenn er Verlangen trägt nach der Welt der Brüder,
so erstehen ihm auf seinen Wunsch die Brüder,
und diese Welt der Brüder wird ihm zuteil, des ist er fröhlich.
atha yadi svasr-loka-kâmo bhavati
sankalpâd evâsya svasârah
samuttishtanti
tena svasr-lokena sampanno mahîyate
(4)
4. Und wenn er Verlangen trägt nach der Welt der Schwestern,
so erstehen ihm auf seinen Wunsch die Schwestern,
und diese Welt der Schwestern wird ihm zuteil, des ist er fröhlich.
atha yadi sakhi-loka-kâmo bhavati
sankalpâd evâsya sakhâyah
samuttishtanti
tena sakhi-lokena sampanno mahîyate (5)
5. Und wenn er Verlangen trägt nach der Welt der Freunde,
so erstehen ihm auf seinen Wunsch die Freunde,
und diese Welt der Freunde wird ihm zuteil, des ist er fröhlich.
atha yadi gandha-mâlya-loka-kâmo
bhavati
sankalpâd evâsya gandha-mâlye
samuttishtas
tena gandha-mâlya-lokena sampanno mahîyate
(6)
6. Und wenn er Verlangen trägt nach der Welt der Wohlgerüche
und Kränze,
so erstehen ihm auf seinen Wunsch die Wohlgerüche und Kränze,
und diese Welt der Wohlgerüche und Kränze wird ihm zuteil,
des ist er fröhlich.
atha yadi anna-pâna-loka-kâmo bhavati
sankalpâd evâsyânna-pâne
samuttishtas
tenânna-pâna-lokena sampanno mahîyate
(7)
7. Und wenn er Verlangen trägt nach der Welt der Speise und des Trankes,
so erstehen ihm auf seinen Wunsch Speise und Trank,
und diese Welt der Speise und des Trankes wird ihm zuteil, des ist
er fröhlich.
atha yadi gîta-vâditra-loka-kâmo
bhavati
sankalpâd evâsya gîta-vâditre
samuttishtas
tena gîta-vâditra-lokena sampanno
mahîyate (8)
8. Und wenn er Verlangen trägt nach der Welt des Gesanges und Saitenspieles,
so erstehen ihm auf seinen Wunsch Gesang und Saitenspiel,
und diese Welt des Gesanges und Saitenspieles wird ihm zuteil, des
ist er fröhlich.
atha yadi strî-loka-kâmo bhavati
sankalpâd evâsya striyah samuttishtanti
tena strî-lokena sampanno mahîyate
(9)
9. Und wenn er Verlangen trägt nach der Welt der Weiber,
so entstehen ihm auf seinen Wunsch die Weiber,
und diese Welt der Weiber wird ihm zuteil, des ist er fröhlich.
yam yam antam abhikâmo bhavati yam kâmam
kâmayate
so 'sya sankalpâd eva samuttishtanti
tena sampanno mahîyate (10)
10. Welches Ziel er immer begehren, was er immer wünschen mag,
das erstehet ihm auf seinen Wunsch
und wird ihm zuteil, des ist er fröhlich.
iti dvitîyo khandah (2)
Dritter Khanda
ta ime santyâh kâmâ
anrtâpidhânâs
teshâm satyânâm satâm
anrtam apidhânam
yo yo hy asyetah praiti na tam iha darshanâya
labhate (1)
1. Diese wahrhaften Wünsche sind [bei dem Nichtwissenden] mit Unwahrheit
zugedeckt.
Sie sind in Wahrheit da, aber die Unwahrheit ist über sie gedeckt;
und wenn einer der Seinigen von hier abscheidet, so siehet ihn der
Mensch nicht mehr.
atha ye câsyeha jîvâ
ye ca pretâ yac cânyad icchan na
labhate
sarvam tad atra gatvâ vindate
'tra hy asyaite satyâh kâmâ
anrttâpidhânâs
2. Aber [in Wahrheit ist es so, daß er] alle die Seinigen, welche
hier leben,
und diejenigen, welche dahingeschieden sind, und was er sonst ersehnt
und nicht erlangt, –
alles das findet er, wenn er hierher [ins eigne Herz] geht;
denn hier sind diese seine wahren Wünsche, welche die Unwahrheit
zudeckt.
tad yathâpi hiranya-nidham nihitam
akshetra-jñâ
upary upari sañcaranto na vindeyur
evam evemâh sarvâh
prajâ
ahar ahar gacchantya etam brahma-lokam na vindanty
anrtena hi pratyûdhâh
(2)
Aber gleichwie einen verborgenen Goldschatz, wer die Stelle nicht weiß,
nicht findet, ob er wohl immer wieder darüber hingehet,
ebenso finden alle diese Kreaturen diese Brahmanwelt nicht,
obwohl sie tagtäglich [im tiefen Schlafe] in sie eingehen;
denn durch die Unwahrheit werden sie abgedrängt.
sa vâ esha âtmâ hrdi
tasyaitad eva niruktam
hrdy ayam iti tasmâddhrdayam
ahar ahar vâ evam-vit svargam lokam eti
(3)
3. Wahrlich, dieser Âtman ist im Herzen! Und dieses ist seine Auslegung:
hrdi ayam (im Herzen ist er), darum heißt es hrdayam
(das Herz). –
Wahrlich, wer solches weiß, der geht tagtäglich ein in die
himmlische Welt.
atha ya esha samprasâdo
'smâc charîrât samutthâya
param jyotir upasampadya
svena rupenâbhinishpadyata
4. Was nun diese Vollberuhigung [die Seele im Tiefschlafe] ist,
so erhebt sie sich aus diesem Leibe, gehet ein in das höchste
Licht
und tritt dadurch hervor in eigner Gestalt, –
esha âtmeti hovâcaitad amrtam
abhayam
etad brahmeti
tasya ha vâ etasya brahmano nâma
satyam iti (4)
das ist der Atman, so sprach der Meister, „das ist das Unsterbliche, das
Furchtlose,
das ist das Brahman!“
Fürwahr, der Name dieses Brahman ist satyam (die Wahrheit).
tâni ha vâ etâni trîny
aksharâni sa-tî-yam iti
tad yat «sat»
tad amrtam
atha yat «ti»
tan martyam
atha yad «yam»
tenobhe yacchati
yad anenobhe yacchati tasmâd «yam»
5. Das sind [nach altvedischer Aussprache] drei Silben, nämlich sat-ti-yam.
Davon ist sat (das Seiende) das Unsterbliche,
ti [weil in mrtiu «Tod»
enthalten] das Sterbliche,
und mit yam umschließt [der Âtman] beide;
weil er mit ihm beide umschließt (yam, yacchati), darum
heißt es yam. –
ahar ahar vâ evam-vit svargam lokam eti
(5)
Wahrlich, wer solches weiß, der geht tagtäglich ein in die
himmlische Welt.
iti trtîyah khandah (3)
Vierter Khanda
atha ya âtmâ sa setur vidhrtir
eshâm lokânâm asambhedâya
naitam setum aho-râtre tarato
na jarâ na mrtyur na shoko
na sukrtam na dushkrtam
sarve pâpmâno 'to nivartante
'pahata-pâpmâ hy esha brahma-lokah
(1)
1. Der Âtman, der ist die Brücke (der Damm), welche diese Welten
auseinanderhält, daß sie nicht verfließen.
Diese Brücke überschreiten nicht Tag und Nacht,
nicht das Alter, nicht der Tod und nicht das Leiden,
nicht gutes Werk noch böses Werk,
alle Sünden kehren vor ihr um,
denn sündlos ist diese Brahmanwelt.
tasmâd vâ etam setum tîrtvândhah
sann anandho bhavati
viddhah sann aviddho bhavaty
upatâpi sann anupatâpi bhavati
2. Darum fürwahr, wer diese Brücke überschritten hat als
ein Blinder, der wird sehend,
als ein Verwundeter, der wird heil,
als ein Kranker, der wird gesund.
tasmâd vâ etâm setum tîrtvâpi
naktam ahar evâbhinishpadyate
sakrd vibhâto hy evaisha
brahma-lokah (2)
Darum fürwahr auch die Nacht, wenn sie über diese Brücke
gehet, wandelt sich in Tag,
denn einmal für immer licht ist diese Brahmanwelt.
tad ya evaitam brahma-lokam
brahma-caryenânuvindanti
teshâm evaisha brahma-lokas
teshâm sarveshu lokeshu
kâma-câro bhavati (3)
3. Darum diejenigen, welche diese Brahmanwelt
durch Brahmacaryam (Leben als Brahmanschüler in Studium
und Entsagung) finden,
solcher ist diese Brahmanwelt,
und solchen wird zuteil in allen Welten ein Leben in Freiheit.
iti caturthah khandah (4)
Fünfter Khanda
atha yad yajña ity âcakshate
brahma-caryam eva
tad brahma-caryena hy eva yo jñâtâ
tam vindate
'tha yad ishtam ity âcakshate
brahma-caryam eva
tad brahma-caryena hy eveshtv âtmânam
anuvindate (1)
1. Nämlich Brahmacaryam ist das, was man Opfer (yajña) nennt,
denn durch Brahmacaryam findet man den [Lehrer], welcher wissend ist
(yo jñâtâ); –
und Brahmacaryam ist das, was man Geopfertes (ishtam) nennt,
denn durch Brahmacaryam findet den Âtman, wer danach trachtet
(ishtvâ); –
atha yat sattrâyanam ity âcakshate
brahma-caryam eva
tad brahma-caryena hy eva sata âtmanas
trânam vindate
'tha yan maunam ity âcakshate brahma-caryam
eva tad
brahma-caryena hy evâtmânam
anuvidya manute (2)
2. und Brahmacaryam ist das, was man Satrâyanam (die große
Somafeier) nennt,
denn durch Brahmacaryam findet man für das wahre (sat) Selbst
die Errettung (trânam); –
und Brahmacaryam ist das, was man Maunam (die schweigende Meditation
des Asketen) nennt,
denn durch Brahmacaryam findet man den Âtman und meditiert (manute)
über ihn; –
atha yad anâshakâyanam ity âcakshate
brahma-caryam eva
tad esha hy âtmâ na nashyati
yam brahma-caryena anuvindate
'tha yad aranyâyanam ity âcakshate
brahma-caryam eva
tat tad arash ca ha vai nyash cârnavau
brahma-loke trtîyasyâm ito divi
tad airam-madîyam saras
tad ashvatthah soma-savanas tad aparâjitâ
pûr-brahmanah
prabhuvimitam hiranmayam (3)
3. und Brahmacaryam ist das, was man Anâshakâyanam („Fastenregel“;
„Eingang ins Nichtverderbende“) nennt,
denn der Âtman, den man durch Brahmacaryam findet, der verdirbt
nicht (na nashyati); –
und Brahmacaryam ist das, was man Aranyâyanam (das
Gehen in den Wald, aranyam) nennt,
denn ara und nya sind zwei Seen in der Brahmanwelt,
im dritten Himmel von hier, –
da wo auch das Gewässer Airammadîyam (etwa: „Labung und
Begeisterung spendend“)
und der Feigenbaum Somasavana .(Soma triefend) und Brahmans
Burg Aparâjitâ (die Unbezwingliche)
und das goldne Prabhuvimitam (der Herrscherpalast) ist; –
tad ya evaitâv aram ca nyam cârnavau
brahma-loke
brahma-caryenânuvindanti
teshâm evaisha brahma-lokas
teshâm sarveshu lokeshu
kâma-cârobhavati (4)
4. darum diejenigen, welche diese beiden Seen in der Brahmanwelt, ara
und nya,
durch Brahmacaryam finden,
solcher ist diese Brahmanwelt,
und solchen wird zuteil in allen Welten ein Leben in Freiheit.
iti pañcamah khandah
Sechster Khanda
atha yâ etâ hrdayasya nâdyas
tâh pingalasyânimnâs
tishtanti shuklasya nîlasya pîtasya lohitasyety
asau vâ âdityah
pingala esha shukla esha nîla
esha pîta esha lohitah (1)
1. Nun was diese Adern des Herzens sind, die bestehen, sagt man, aus einer
feinen Masse,
rotbraun und weiß und dunkelblau und gelb und rot.
Aber fürwahr, jene Sonne dort,
die ist rotbraun, die ist weiß, die ist dunkelblau, die ist gelb,
die ist rot.
tad yathâ mahâpatha âtata
ubhau grâmau gacchatîmam câmum
caivam
evaitâ âdityasya rashmaya ubhau lokau
gacchantîmam câmum
câmushmâd âdityât
pratâyante tâ âsu nâdîshu srptâ
âbhyo nâdîbhah
pratâyante te 'mushminn âditye srptâh
2. Und gleichwie eine große Landstraße sich weit erstreckt
und beide Dörfer, dieses hier und jenes dort, verbindet,
also auch verbinden jene Strahlen der Sonne beide Welten, diese hier
und jene dort;
von jener Sonne erstrecken sie sich und schlüpfen hinein in diese
Adern,
und von diesen Adern erstrecken sie sich und schlüpfen hinein
in jene Sonne.
tad yatraitat suptah samastah samprasannah
âsu tadâ nâdîshu
srpto bhavati
tam na kashcana pâpmâ sprshati
tejasâ hi tadâ sampanno bhavati (3)
3. Wenn nun einer so eingeschlafen ist ganz und gar und völlig zur
Ruhe gekommen,
daß er kein Traumbild erkennt,
dann ist er hineingeschlüpft in diese Adern;
darum rühret ihn kein Übel an,
denn mit der Glut ist er dann eins geworden.
atha yatraitad abalîmânam nîto
bhavati
am abhita âsînâ âhur
jânâsi mâm jânâsi mâm iti
sa yâvad asmâc carîrâd anutkrânto
bhavati
4. Ferner, wenn er so in eine Schwäche verfallen ist,
und sie sitzen um ihn herum und sagen: „kennst du mich noch, kennst
du mich noch?“
alsdann, solange er aus diesem Leibe noch nicht ausgezogen ist,
so lange kennt er sie noch;
atha yatraitad asmâc carîrâd
utkrâmaty
athaitair eva rashmibhir ûrdhvam âkramate
sa om iti vâ hodvâ mîyate
sa yâvat kshipyen manas tâvad
âdityam gacchaty
etad vai khalu loka-dvâram vidushâm
prapadanam
5. wenn er aber so aus diesem Leibe auszieht,
dann fährt er eben auf jenen Sonnenstrahlen empor;
dann steigt er entweder [oder, als Nichtwissender, auch nicht] mit dem
Gedanken an Om in die Höhe
und gelangt, rasch wie man den Geist darauf richtet, zur Sonne hin;
diese, wahrlich, ist Pforte der [Himmels-]Welt für die Wissenden,
für die Nichtwissenden Verschlossenheit.
tad esha shlokah
6. Darüber ist dieser Vers:
shatam chaikâ ca hrdayasya nâdyas
tâsâm mûrdhânam abhinihsrtaikâ
tayor dhvamâyann amrtatvam eti
vishvang-nganyâ utkramane
bhavanty
Hundert und eine sind des Herzens Adern.
Von diesen leitet eine nach dem Haupte;
Auf ihr steigt auf, wer zur Unsterblichkeit geht.
Nach allen Seiten Ausgang sind die andern,
– Ausgang sind die andern.
iti shashtah khandah
(6)
vorheriges
Kapitel (7) * Inhaltsverzeichnis
der Chândogya-Upanishad * nächstes
Kapitel (8,7-15)
Chând.-Up.:
Einl. * 1 * 2
* 3 (Weltei) *
4 * 5 (prâna)
* 6 (tat
tvam asi) * 7 * 8,1-6;
8,7-15 * Kena-Upanishad
Paul
Deussen: Vorrede zu "Sechzig Upanishads" * Einleitung:
Upanishads des Sâmaveda
grham/
Index * Buddha/
Lalitavistara/
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Sanskrit/
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BIN
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