Hans
Zimmermann, Görlitz
: Quellentexte in zwölf Sprachen
: Indien : Upanishaden
des Sâmaveda : Chândogya-Upanishad
Paul
Deussen: Vorrede zu "Sechzig Upanishads" * Einleitung:
Upanishads des Sâmaveda * Inhaltsverzeichnis
Chândogya-Upanishad:
1 * 2 *
3 (Weltei) * 4
* 5 (prâna) * 6
(tat tvam asi)
* 7 * 8,1-6;
8,7-15 * Kena-Upanishad
Chândogya-Upanishad
Übersetzung und Voranmerkungen:
Paul Deussen
Siebenter Prapâthaka
Nachdem schon in den Hymnen des Rgveda (1,164.10,129)
die Erkenntnis zum Durchbruche gekommen war, daß alle Götter,
Welten und Wesen auf einer Einheit beruhen, war und blieb es die weitere
Aufgabe, diese Einheit näher zu bestimmen. Typisch für das Suchen
nach ihr ist vor allem der Prajâpatihymnus, Rgv.10,121. Aber
auch in der Brâhmanazeit setzt sich dieses Suchen fort, und nachdem
man in den Upanishad's zur Bezeichnung jener Einheit als das Brahman
oder der Âtman fortgeschritten
war, so blieb es auch jetzt noch eine viel ventilierte Frage, was man als
das Brahman, als den Âtman
zu erkennen und zu verehren habe. Gewöhnlich tritt diese Untersuchung
in Form einer Disputation auf, in welcher der unterliegende Teil eine Reihe
von Definitionen außtellt, die dann widerlegt werden und zur richtigen
Erkenntnis führen. Beispiele dafür sind zahlreich. So erbietet
sich Brh.2,1 (Kaush.4) Gârgya Bâ1âki, dem
Könige Ajâtashatru das Brahman zu erklären, und
stellt hintereinander zwölf (in Kaush. sechzehn) Definitionen desselben
auf, welche als unzulänglich befunden werden. Brh.8,9,10-18.26
wird Vidagdha von Yâjñavalkya nach "dem Geiste
(purusha), welcher aller Persönlichkeit
höchster Gipfel ist (sarvasya âtmanah
parâyanam)" gefragt, stellt nacheinander acht Definitionen
desselben auf, welche aber den allen andern überlegenen "Geist der
Upanishadlehre" (aupanishadah
purushah ) nicht zu nennen, was er mit dem Leben büßen
muß. Brh.4,1 werden sechs unzulängliche Definitionen
andrer Lehrer von Yâjñavalkya kritisiert und durch
eine höhere Auffassung berichtigt. Nicht immer sind es Gegner, in
deren Munde die ungenügenden Definitionen auftreten. Chând.5,11-24
suchen sechs Brahmanen, wie wir oben sahen, Außchluß über
den Âtman Vaishvânara und werden, nachdem sie
ihn einseitig als Himmel, als Sonne, als Wind, als Äther, als Wasser
und als Erde erklärt haben, vom König Ashvapati über
das wahre Wesen desselben belehrt. Taitt.3 ist es Bhrgu selbst,
welcher sich, von seinem Vater Varuna geleitet, durch wiederholte
Kasteiung zu der stufenweise fortschreitenden Erkenntnis erhebt, das Brahman
als Nahrung, als Prâna, als Manas, als Bewußtsein, als Wonne
zu begreifen. Chând.8,7-12 gibt Prajâpati, den Indra belehrend,
drei Erklärungen des Âtman oder Selbstes, als die Leiblichkeit,
als die individuelle und als die höchste Seele, welche drei Stufen
der sich schrittweise vertiefenden Erkenntnis repräsentieren.
Von dieser Art ist auch der vorliegende Abschnitt, in
welchem (wie gewöhnlich ein Brahmane durch einen Kshatriya)
Nârada als höchster Repräsentant des Brahmanentums
("unter den Götter-Rishi's bin ich Nârada", sagt Krshna,
Bhag.Gîtâ 10,26) durch den Kriegsgott Sanatkumâra
oder Skanda als höchsten Vertreter der Kshatriya's
("unter den Heerführern bin ich Skanda" ib.10,24) belehrt wird. Nacheinander
stellt Sanatkumâra sechzehn Weisen, das Brahman zu verehren, auf,
als nâman, vâc, manas, samkalpa,
cittam, dhyânam, vijñânam, balam, annam, âpas,
tejas, âkâsha, smara, âcâ, prâna
und zuhöchst als bhûman.
Jede folgende Verehrungsform wird für größer, bhûyas,
als die vorhergehende erklärt bis hinauf zum bhûman
selbst "der Größe" schlechthin oder "der Unbeschränktheit",
welche, in ihrer eignen Majestät ruhend, alles in sich, nichts mehr
außer sich hat, als identisch mit dem Ich (aham)
und dem Selbste (âtman) allerorts
sich befindet, in all den tausend Wesen zur Erscheinung kommt, und deren
Erkenntnis allein Freiheit und "die Lösung aller Knoten" bewirkt.
So klar hierin die Erhebung von allem Endlichen und Beschränkten zum
bhûman als der Unendlichkeit
und Unbeschränktheit schlechthin vorliegt, so seltsam sind doch mitunter
die Stufen, auf denen zu dieser Unendlichkeit fortgeschritten wird. Wir
wollen dieselben kurz überblicken.
1. Alles vedische und weltliche Wissen, welches Nârada
besitzt, und dessen Unzulänglichkeit er selbst daran erkennt, daß
es ihm den gesuchten Frieden nicht gibt, ist blos Name (nâman),
und als solcher der Verehrung würdig. "Wer den Namen als Brahman
verehrt", erntet dafür reichen Lohn; aber das Brahman, der
Âtman, was er auch immer sein mag, ist
jedenfalls das Größte von allem, – und es gibt noch etwas Größeres
als den Namen.
2. Größer als der Name ist die Rede (vâc),
weil sie den Namen und mit ihm alles in der Welt kundmacht (vijñâpayati).
3. Größer als die Rede ist das Manas (Verstand
und zugleich bewußter Wille, hier namentlich der letztere), weil
es Rede und Namen befaßt, wie die Hand zwei Früchte umspannt.
4. Größer als das Manas ist der Entschluß
(auch die Vorstellung, samkalpa), weil
vom Entschließen das Wollen, wie von diesem wiederum Rede und Name
abhängig ist.
5. Größer als der Entschluß ist der
Gedanke (cittam), weil von ihm das
Entschließen, Wollen usw. abhängt.
6. Größer als der Gedanke ist das Sinnen (die
Meditation, dhyânam); ein Grund
dafür wird nicht angegeben; statt dessen findet sich nur ein Hinweis
darauf, wie alles Große, in sich selbst Ruhende "gleichsam meditiert".
7. Größer als das Sinnen ist die Erkenntnis
(vijñânam), weil sie –
die Begründung knüpft nicht an 6. sondern an 2. an! – alles,
was die Rede nach 2. kundmacht, und mit ihm alles in der Welt erkennt (vijñânati).
8. Größer als die Erkenntnis ist die Kraft
(balam), weil ein Kraftreicher mehr
vermag als hundert Erkenntnisreiche. – Ein überraschender Übergang,
namentlich für das indische Bewußtsein, welches sonst stets
das Wesen der Dinge im Intellektuellen sucht. Noch befremdlicher ist das
Folgende.
9. Größer als die Kraft ist die Nahrung (annam),
weil von ihr alle leibliche und geistige Leistungsfähigkeit abhängt.
10. Größer als die Nahrung ist das Wasser
(âpas), weil von ihm alles Wachstum,
somit die Nahrung und mit ihr alles übrige abhängt.
11. Größer als das Wasser ist die Glut (tejas),
weil auf Sonnenglut und Blitz der Regen zu folgen pflegt.
12. Größer als die Glut ist der Äther
(oder Raum, âkâsha), weil
in ihm Sonne, Mond, Sterne, Blitz und Feuer, als Träger der Glut,
enthalten sind, und wegen der Abhängigkeit des menschlichen Treibens
von ihm.
War schon der Übergang von den psychischen Faktoren
2-7 durch Vermittlung des balam zu
den Elementen 9-12 befremdlich, so hat er doch sein Analogon in Chând.6,5,
wonach Manas, Prâna
und Rede von Nahrung, Wasser und Glut abhängig sind. – Aber
ganz unverständlich ist das nun folgende Zurückspringen zum Psychischen,
um durch Gedächtnis und Hoffnung zum Prâna zu gelangen.
13. Größer noch als der Äther ist das
Gedächtnis (die Erinnerung, smara),
weil ohne dasselbe das nach 12. vom Äther abhängige menschliche
Treiben nicht möglich wäre.
14. Größer als das Gedächtnis ist die
Hoffnung (âshâ), weil sie
das Gedächtnis entflammt (der Wille den Intellekt anspornt).
15. Größer als die Hoffnung ist der Prâna
(der Odem, das Leben); ein Grund dafür wird nicht angegeben; wohl
aber folgt eine schöne Schilderung des Prâna, welcher, wie die
Nabe alle Speichen, so alles (zunächst alle Bestandteile des Leibes)
zusammenhält, und nach dessen Auszug aus dem Leibe nur noch die wertlose
Hülle übrig bleibt. – Diese Auffassung des Prâna als Brahman
wird nicht mehr wie die frühern überboten, wer sie besitzt, ist
ein Niedersprecher (ativâdin), d.h.
er besiegt im Redekampfe alle andern. Und doch ist sie noch nicht das Höchsterreichbare;
denn sie ist nur dessen empirische Erscheinungsform als individuelle Seele,
welche als Subjekt sich noch die Objekte gegenüberstehen hat und daher
beschränkt und klein ist. Sie wird zur höchsten, alles befassenden
Seele, wenn man diese empirische Erscheinungsform ihr abstreift, – wenn
man, die Unterschiede von Subjekt und Objekt aufhebend, sich zur vollen
Unbeschränktheit (bhûman) erhebt.
Dies geschieht auf folgendem Wege.
Nur der ist wirklich ein Niedersprecher, welcher durch
die Wahrhelt niederspricht; diese beruht auf der Erkenntnis, diese auf
dem Denken, dieses auf dem Glauben, dieser auf dem Daringewurzeltsein,
dieses auf dem Schaffen, dieses auf der Lust, diese auf der Unbeschränktheit.
Unter der Lust, die aus der Unbeschränktheit abfließt, ja mit
ihr identisch ist (yo vai
bhûmâ, tat sukham), darf hier nicht die
individuelle Lust, sondern die Wonne (meist ânanda genannt)
als Attribut der Gottheit verstanden werden; dem entsprechend ist das Schaffen
(krti) nicht das individuelle,
sondern die aus der Fülle der Werdelust abfließende göttliche
Schöpfertätigkeit; mit ihr wird eins, wer sich auf dem Wege der
Erkenntnis, des Denkens und des Glaubens (shraddhâ,
wörtlich: das "Knüpfen einer Verbindung" mit dem Göttlichen)
zur nihshthâ "dem Hervorwachsen
aus (besser vielleicht nishtha dem
Wurzeln in) dem Göttlichen" erhebt. Sonach scheint die Stelle das
stufenweise Erheben schildern zu sollen von dem zwar das Göttliche
enthaltenden, aber noch dem Reiche der Vielheit angehörigen Prâna
bis zu dem Bhûman, der
Unbeschränktheit, in welcher alle Unterschiede verschwinden, mithin
auch der Erkennende selbst mit seinem Gegenstande eins wird und in ihm
aufgeht.
Herrlich ist die dann folgende Schilderung des Bhûman,
der Unbeschränktheit, welche nichts außer sich sieht, hört,
erkennt, welche unsterblich allein in ihrer eignen überirdischen Majestät
beruht, und, so wie das mit ihr identische Ich, die Seele, an allen Orten
gleich sehr gegenwärtig ist. Wer, in dieser Anschauung lebend, nur
an dem Âtman seine Freude hat und alles
in seiner Bedingtheit durch den Âtman erkennt, der ist frei, ist
über Tod, Schmerz und Kummer erhaben und findet sein Ich in all den
tausend Erscheinungen der Schöpfung wieder. -
Wie konnte ein Denker, der über so erhabene Anschauungen
gebot, Wohlgefallen finden an jenen vorhergehenden, den Leser ermüdenden
und so das Interesse für die Hauptsache nur abschwächenden Definitionen?
Als gegnerische, zu widerlegende Meinungen wären sie noch eher zu
ertragen; aber sie treten auf als eine Reihe von Versuchen, in der Definition
des Brahman sich selbst durch Größeres und immer Größeres
(bhûya) zu überbieten (ativâda),
und unter diesen Umständen wird jeder an der Willkür der
Auswahl und noch mehr an der Willkür der Aufeinanderfolge Anstoß
nehmen müssen. Es ist damit ganz ähnlich wie bei Platon im Sophista,
wo den tiefsinnigen Untersuchungen über das on und mê on die
puerilen und nachlässigen Definitionen des Sophisten vorausgeschickt
werden, und wir werden uns wohl damit bescheiden müssen, daß
beide Denker, wenn sie ihren mitzuteilenden Gedanken eine scheinbar so
unangemessene Einleitung vorausschicken, wohl dazu ihre besondern, uns
aber nicht mehr erkennbaren Gründe gehabt haben mögen, – wie
ich denn für die Diaeresen des Platonischen Sophista ehedem eine Hypothese
aufgestellt habe, welche mir auch heute noch, nach fünfundzwanzig
Jahren, durchaus einleuchtend erscheint (vgl. meine Commentatio de Platonis
Sophistae compositione ac doctrina, Bonnae 1869, p.69 fg.).
Erster Khanda
1. „Belehre mich, Ehrwürdiger!“ – Mit diesen Worten nahte sich
Nârada dem Sanatkumâra. Der sprach zu ihm „Bringe
mir vor, was du schon weißt, so werde ich dir das darüber Hinausliegende
kundmachen." -
2. Und jener sprach: „Ich habe, o Ehrwürdiger, gelernt den Rgveda,
Yajurveda, Sâmaveda, den Atharvaveda als vierten, die epischen und
mythologischen Gedichte als fünften Veda, Grammatik, Manenritual,
Arithmetik, Mantik, Zeitrechnung, Dialektik, Politik, Götterlehre,
Gebetlehre, Gespensterlehre, Kriegswissenschaft, Astronomie, Schlangenzauber
und die Künste der Musen [wörtlich: der Halbgötter]; – das
ist es, o Ehrwürdiger, was ich gelernt habe;
3. und so bin ich, o Ehrwürdiger, zwar schriftkundig aber nicht
âtmankundig; denn ich habe gehört von solchen, die dir gleichen,
daß den Kummer überwindet, wer den Âtman kennt; ich aber,
o Ehrwürdiger, bin bekümmert; darum wollest du mich, o Herr,
zu dem jenseitigen Ufer des Kummers hinüberführen!“ – Und er
sprach zu ihm: „Alles, was du da studiert hast, ist nur Name (nâman).
4. Name ist der Rigveda, Yajurveda, Sämaveda, der Atharvaveda
als vierter, die epischen und mythologischen Gedichte als fünfter
Veda, Grammatik, Manenntual, Arithmetik, Mantik, Zeitrechnung, Dialektik,
Politik, Götterlehre, Gebetlehre, Gespensterlehre, Kriegswissenschaft,
Astronomie, Schlangenzauber und die Künste der Musen, – das alles
ist Name. Den Namen mögest du verehren!
5. Wer den Namen als das Brahman verehrt, – soweit sich der Name erstreckt,
so weit wird dem ein Umherschweifen nach Belieben zuteil, darum daß
er den Namen als das Brahman verehrt.“
- „Gibt es, o Ehrwiirdiger, ein Größeres als den Namen'?“
„Wohl gibt es ein Größeres als den Namen.“
- „Das wollest du, o Herr, mir sagen!“
Zweiter Khanda
1. "Die Rede (vâc), fürwahr, ist größer
als der Name. Denn die Rede ist es, welche den Rigveda kundmacht, den Yajurveda,
den Sâmaveda, den Atharvaveda als vierten, die epischen und mythologischen
Gedichte als fünften Veda, Grammatik, Manenritual, Arithmetik, Mantik,
Zeitrechnung, Dialektik, Politik, Götterlehre, Gebetlehre, Gespensterlehre,
Kriegswissenschaft, Astronomie, Schlangenzauber und die Künste der
Musen, dazu den Himmel und die Erde, Wind, Äther, Wasser und Feuer,
die Götter und Menschen, die Haustiere und Vögel, die Kräuter
und Bäume, die wilden Tiere bis herab zu den Würmern, Fliegen
und Ameisen, Recht und Unrecht, Wahrheit und Unwahrheit, Gutes und Böses,
Erfreuliches und Unerfreuliches; wäre die Rede nicht, so könnte
nicht Recht noch Unrecht sich kundmachen, nicht Wahrheit noch Unwahrheit,
nicht Gutes noch Böses, nicht Erfreuliches noch Unerfreuliches; denn
nur die Rede macht alles dieses kund, die Rede mögest du verehren!
2. Wer die Rede als das Brahman verehrt, soweit sich die Rede erstreckt,
so weit wird dem ein Umherschweifen nach Belieben zuteil, darum daß
er die Rede als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als die Rede?"
"Wohl gibt es ein Größeres als die Rede."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!"
Dritter Khanda
1. "Das Manas (manas) fürwahr ist größer als
die Rede. Denn gleichwie eine Faust zwei Eicheln oder zwei Beeren oder
zwei Nüsse umfaßt, also umfaßt das Manas die Rede und
den Namen. Und wenn einer sein Manas darauf richtet, die heiligen Lieder
und Sprüche zu studieren, so studiert er sie; oder die Werke zu vollbringen,
so vollbringt er sie, oder sich Söhne und Vieh zu wünschen, so
wünscht er sie sich, oder sich diese Welt und jene Welt zu wünschen,
so wünscht er sie sich. Denn das Manas ist der Atman, das Manas ist
die Welt, das Manas ist das Brahman, das Manas mögest du verehren!
2. Wer das Manas als das Brahman verehrt, soweit sieh das Manaserstreckt,
so weit wird dem ein Umherschweifen nach Belieben. zuteil, darum daß
er das Manas als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als das Manas?"
"Wohl gibt es ein Größeres als das Manas."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!"
Vierter Khanda
1. "Der Entschluß (samkalpa), fürwahr, ist größer
als das Manas; denn wenn einer sich zu etwas entschließt, dann richtet
er sein Manas darauf, dann lässet er die Rede ertönen, diese
wiederum lässet er ertönen im Namen, in dem Namen einbegriffen
sind die Lieder und Sprüche, in den Liedern und Sprüchen die
Werke;
2. alle diese haben ih ren Einheitspunkt in dem Entschlusse,
ihr Selbst in dem Entschlusse, sind in dem Entschlusse gegründet.
Durch den Entschluß sind zustande gekommen Himmel und Erde, durch
den Entschluß kamen zustande der Wind und der Äther, kamen zustande
das Wasser und das Feuer; auf deren Entschluß hin kommt der Regen
zustande, auf des Regens Entschluß hin kommt die Nahrung zustande,
auf der Nahrung Entschluß hin kommen die Lebenshauche zustande, auf
der Lebenshauche Entschluß hin kommen die Lieder und Sprüche
zustande, auf der Lieder und Sprüche Entschluß hin kommen die
Werke zustande, auf der Werke Entschluß hin kommt die Welt zustande,
auf der Welt Entschluß hin kommt alles zustande; das ist der Entschluß;
den Entschluß mögest du verehren!
3. Wer den Entschluß als das Brahman verehrt, der erlangt die
durch Entschluß zustande gebrachten Welten, als ein Feststehender
die feststehenden, als ein Wohlgegründeter die wohlgegründeten,
als ein Unwankender die unwankenden, und soweit sich der Entschluß
erstreckt, so weit wird ihm ein Umherschweifen nach Belieben zuteil, darum
daß er den Entschluß als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als den Entschluß?"
"Wohl gibt es ein Größeres als den Entschluß."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!"
Fünfter Khanda
1. "Der Gedanke (cittam), fürwahr, ist größer
als derEntschluß; denn wenn einer Gedanken faßt, dann faßt
er Entschlüsse, dann richtet er sein Manas darauf, dann lässet
er die Rede ertönen, diese wiederum lässet er ertönen im
Namen, in dem Namen einbegriffen sind die Lieder und Sprüche, in den
Liedern und Sprüchen die Werke;
2. alle diese haben ihren Einheitspunkt in dem Gedanken, ihr Selbst
in dem Gedanken, sind in dem Gedanken gegründet. Darum, wenn einer
auch vieles weiß und hat keine Gedanken, so sagt man von ihm: «er
ist nicht [von Bedeutung], was er auch weiß; denn wäre er wirklich
weise, so würde er nicht so gedankenlos sein»; wenn aber einer
nur weniges weiß und hat dabei Gedanken, so hören die Leute
darum doch auf ihn. Denn der Gedanke ist von allem jenem der Einheitspunkt,
der Gedanke das Selbst, der Gedanke die Grundlage; den Gedanken mögest
du verehren!
3. Wer den Gedanken als das Brahman verehrt, der erlangt die von ihm
gedachten Welten, als ein Feststehender die feststehenden, als ein Wohlgegründeter
die wohlgegründeten, als ein Unwanken der die unwankenden; und soweit
sich der Gedanke erstreckt, so weit wird ihm ein Umherschweifen nach Belieben
zuteil, darum daß er den Gedanken als das Brahman verehrt."
"Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als den Gedanken?"
"Wohl gibt es ein Größeres als den Gedanken."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!
Sechster Khanda
1. "Das Sinnen (dhyânam), fürwahr, ist größer
als der Gedanke; es sinnt gleichsam die Erde, es sinnt gleichsam der Luftraum,
es sinnt gleichsam der Himmel, es sinnen gleichsam die Wasser, es sinnen
gleichsam die Berge, es sinnen gleichsam die Götter und Menschen.
Darum die, so unter den Menschen Großheit erlangen, die haben die
Gabe (âpâda) des Sinnens gleichsam als ihren Anteil
erhalten. Die aber klein sind, die sind streitsüchtig, hinterbringend,
üble Nachrede führend, während die Überlegenen die
Gabe des Sinnens gleichsam als ihren Anteil erhalten haben; das Sinnen
mögest du verehren!
2. Wer das Sinnen als Brahman verehrt, soweit sich das Sinnen erstreckt,
so weit wird dem ein Umherschweifen nach Belieben zuteil, darum daß
er das Sinnen als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als das Sinnen?"
"Wohl gibt es ein Größeres als das Sinnen."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!"
Siebenter Khanda
1. "Die Erkenntnis (vijñânam), fürwahr, ist
größer als das Sinnen; denn durch die Erkenntnis ist es, daß
man den Rgveda erkennt, den Yajurveda, den Sâmaveda, den Atharvaveda
als vierten, die epischen and mythologischen Gedichte als fünften
Veda, Grammatik, Manenritual, Arithmetik , Mantik, Zeitrechnung, Dialektik,
Politik, Götterlehre, Gebetlehre, Gespensterlehre, Kriegswissenschaft
, Astronomie, Schlangenzauber und die Künste der Musen, dazu den Himmel
und die Erde, Wind, Äther, Wasser und Feuer, die Götter und Menschen,
die Haustiere und Vögel, die Kräuter und Bäume, die wilden
Tiere bis herab zu den Würmern, Fliegen und Ameisen, Recht und Unrecht,
Wahrheit und Unwahrheit, Gutes und Böses, Erfreuliches und Unerfreuliches,
Speise und Trank, diese Welt und jene Welt, – das alles erkennt man durch
die Erkenntnis; die Erkenntnis mögest du verehren!
2. Wer die Erkenntnis als das Brahman verehrt, der erlangt erkenntnisreiche,
kenntnisreiche Welten, und soweit sich die Erkenntnis erstreckt, so weit
wird ihm ein Umherschweifen nach Belieben zuteil, darum daß er die
Erkenntnis als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als die Erkenntnis?"
"Wohl gibt es ein Größeres als die Erkenntnis."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!"
Achter Khanda
1. "Die Kraft (balam), fürwahr, ist größer
als die Erkenntnis; denn auch hundert Erkenntnisreiche macht ein Kraftreicher
zittern. Ist aber einer kräftig, so ist er ein Rüstiger, ist
er rüstig, so kommt er herum, kommt er herum, so kommt er zu Leuten
, kommt er zu Leuten, so bekommt er etwas zu sehen, zu hören, zu denken,
zu lernen, zu schaffen zu erkennen. Durch Kraft hat die Erde Bestand, durch
Kraft der Luftraum, durch Kraft der Himmel, durch Kraft die Berge, durch
Kraft Götter und Menschen, durch Kraft die Haustiere und Vögel,
die Kräuter und Bäume, die wilden Tiere bis herab zu den Würmern,
Fliegen und Ameisen, durch Kraft hat die Welt Bestand; die Kraft mögest
du verehren!
2. Wer die Kraft als das Brahman verehrt, soweit sich die Kraft erstreckt,
so weit wird dem ein Umherschweifen nach Belieben zuteil, darum daß
er die Kraft als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als die Kraft?"
"Wohl gibt es ein Größeres als die Kraft."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!"
Neunter Khanda
1. "Die Nahrung (annam), fürwahr, ist größer
als die Kraft. Darum wenn einer selbst zehn [Tage und] Nächte nicht
ißt, so bleibt er wohl zwar am Leben, aber er wird zu einem nicht
sehenden, nicht hörenden, nicht denkenden, nicht lernenden, nicht
schaffenden, nicht erkennenden; aber nach Einflößung von Nahrung
wird er wiederum zu einem sehenden, hörenden, denkenden, lernenden,
schaffenden, erkennenden; die Nahrung mögest du verehren!
2. Wer die Nahrung als das Brahman verehrt, der erlangt nahrungsreiche,
trankreiche Welten, und soweit sich die Nahrung erstreckt, so weit wird
ihm ein Umherschweifen nach Belieben zuteil, darum daß er die Nahrung
als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als die Nahrung?"
"Wohl gibt es ein Größeres als die Nalirung."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!
Zehnter Khanda
1. "Das Wasser (âpas), fürwahr, ist größer
als die Nahrung. Darum, wenn es nicht reichlich regnet, so werden die Lebensgeister
verstört, denn man denkt, daß die Nahrung zu knapp werden wird;
regnet es aber reichlich, so werden die Lebensgeister freudig, denn man
denkt, daß es viele Nahrung geben wird. Und nur dieses Wasser, in
festgewordenem Zustande, sind diese Erde, der Luftraum, der Himmel, die
Berge, die Götter und Menschen, die Haustiere und Vögel, die
Kräuter und Bäume, die wilden Tiere bis herab zu den Würmern,
Fliegen und Ameisen, sie alle sind nur dieses Wasser in festgewordenem
Zustande; das Wasser mögest du verehren!
2. Wer das Wasser als das Brahman verehrt, der erlangt alle Wünsche,
der wird der Sättigung teilhaft, und soweit sich das Wasser erstreckt,
so weit wird ihm ein Umherschweifen nach Belieben zuteil, darum daß
er das Wasser als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als das Wasser?"
"Wohl gibt es ein Größeres als das Wasser."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!"
Elfter Khanda
1. "Die Glut (tejas), fürwahr, ist größer als
das Wasser. Denn diese ist es, welche, indem sie den Wind zurückhält,
den Weltraum erhitzt; dann sagen sie: es ist drückend heiß,
glühend heiß, gewiß wird es Regen geben. Die Glut ist
es, welche dies zuerst ankündigt und sodann das Wasser strömen
läßt. Dann geschieht es, daß, unter aufwärts und
seitwärts zuckenden Blitzen, die Donner rollen; darum sagen sie: es
blitzt, es donnert, gewiß wird es Regen geben. Die Glut also ist
es, welche dies zuerst ankündigt und sodann das Wasser strömen
läßt; die Glut mögest du verehren!
2. Wer die Glut als das Brahman verehrt, der wird glutvoll, der erlangt
glutreiche, glanzreiche, dunkel-überwältigende Welten, und soweit
sich die Glut erstreckt, so weit wird ihm ein Umherschweifen nach Belieben
zuteil, darum daß er die Glut als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als die Glut?"
"Wohl gibt es ein Größeres als die Glut."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen !"
Zwölfter Khanda
1. "Der Weltraum (Äther, âkâsha), fürwahr,
ist größer als die Glut; denn im Weltraume sind beide, die Sonne
und der Mond, sind Blitz, Gestirne und Feuer; vermöge des Weltraums
ruft man, hört man, antwortet man; im Weltraume freut man sich, und
freut man sich nicht; man wird geboren im Weltraume, man wird geboren für
den Weltraum; den Weltraum mögest du verehren!
2. Wer den Weltraum als das Brahman verehrt, der erlangt weitraumreiche,
lichtraumreiche Welten, unbeengte, zum weiten Aussehreiten, und soweit
sich der Weltraum erstreckt, so weit wird ihm ein Umherschweifen nach Belieben
zuteil, darum daß er den Weltraum als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als den Weltraum?
"Wohl gibt es ein Größeres als den Weltraum."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!"
Dreizehnter Khanda
1. "Das Gedächtnis (smara), fürwahr, ist größer
als der Weltraum; darum wenn selbst viele zusammensäßen, und
sie wären ohne Gedächtnis, so könnten sie niemanden hören,
noch denken, noch erkennen; haben sie aber Gedächtnis, so werden sie
auch hören, werden denken, werden erkennen; denn [nur] durch das Gedächtnis
erkennt man sogar seine eignen Kinder, durch das Gedächtnis sein Vieh,
das Gedächtnis mögest du verehren!
2. Wer das Gedächtnis als das Brahman verehrt, soweit sich das
Gedächtnis erstreckt, so weit wird dem ein Umherschweifen nach Belieben
zuteil, darum daß er das Gedächtnis als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwlirdiger, ein Größeres als das Gedächtnis?"
"Wohl gibt es ein Größeres als das Gedächtnis."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!
Vierzehnter Khanda
1. "Die Hoffnung (âshâ), fürwahr, ist größer
als das Gedächtnis; denn, durch die Hoffnung entflammt, lernt das
Gedächtnis die heiligen Lieder und Sprüche, vollbringt man die
heiligen Werke, wünscht man sich Söhne und Vieh, wdnscht man
sich diese Welt und jene Welt; die Hoffnung mögest du verehren!
2. Wer die Hoffnung als das Brahman verehrt, dem gehen durch die Hoffnung
alle seine Wünsche in Erfüllung, dessen Gebetwünsche werden
nicht vergeblich sein, und soweit sich die Hoffnung erstreckt, so weit
wird ihm ein Umherschweifen nach Belieben zuteil, darum daß er die
Hoffnung als das Brahman verehrt."
- "Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als die Hoffnung?"
"Wohl gibt es ein Größeres als die Hoffnung."
- "Das wollest du, o Herr, mir sagen!"
Fünfzehnter Khanda
1. "Das Leben (der Odem, prâna), fürwahr,
ist größer als die Hoffnung; denn wie die Speichen eingefügt
sind in die Nabe, so ist in dieses Leben alles eingefugt. Das Leben geht
vonstatten durch das Leben (den Odem), das Leben (der Odem) gibt das Leben,
gibt es zum Leben. Das Leben ist Vater und ist Mutter, das Leben ist Bruder
und Schwester, das Leben Lehrer und Brahmane.
2. Darum, wenn einer Vater oder Mutter oder Bruder oder Schwester oder
Lehrer oder Brahmanen hart anfährt, so sagt man: Pfui, über dir;
du bist ein Vatermörder, Muttermörder, Brudermörder, Schwestermörder,
Lehrermörder, Brahmanenmörder;
3. wenn er aber eben dieselben, nachdem das Leben entflohen ist, mit
dem Spieße zusammenstößt [auf dem Scheiterhaufen] und
sie verbrennt mit Haut und Haar, so sagt man nicht: du bist ein Vatermörder,
Muttermörder, Brudermörder, Schwestermörder, Lehrermörder,
Brahmanenmörder;
4. denn das Leben nur ist alles dieses. – Fürwahr, wer also sieht
und denkt und erkennt, der ist ein Niederspreelier (ativâdin);
und wenn man zu ihm sagt: du bist ein Niedersprecher, so soll er es
zugeben und nicht leugnen."
Sechzehnter Khanda
1. "Der aber ist der rechte Niedersprecher, der durch die Wahrheit
niederspricht!"
- "Ich möchte, o Erhabener, durch die Wahrheit niedersprechen!"
"Die Wahrheit (satyam) also muß man suchen zu erkennen."
- "Die Wahrheit, o Herr, möchte ich erkennen!"
Siebzehnter Khanda
1. "Wenn man etwas erkennt, so spricht man die Wahrheit: nicht spricht
die Wahrheit, wer nicht erkennt; nur wer erkennt, spricht die Wahrheit.
Die Erkenntnis (vijñânam) also muß man suchen
zu erkennen."
- "Die Erkenntnis, o Herr, möchte ich erkennen"
Achtzehnter Khanda
1. "Man erkennt, wenn man denkt; ohne Denken ist keine Erkenntnis;
nur durch Denken kommt Erkenntnis. Das Denken (mati) also muß
man suchen zu erkennen."
"Das Denken, o Herr, möchte ich erkennen!
Neunzehnter Khanda
1. "Man denkt, wenn man glaubt. Ohne Glauben ist kein Denken [credo,
ut intelligam]; nur wer Glauben hat, hat Denken. Den Glauben
(shraddhâ) also muß man suchen zu erkennen."
- "Den Glauben, o Herr, möchte ich erkennen!"
Zwanzigster Khanda
1. "Man glaubt, wenn man aus etwas hervorwächst [oder nitishthati,
in etwas gewurzelt ist]; ohne Hervorwachsen daraus [Gewurzeltsein darin]
ist kein Glaube; wer aus etwas hervorwächst [in etwas gewurzelt ist],
der glaubt daran. Das Hervorwachsen [nihshthâ, oder
nishthâ die Wurzelung] also muß man suchen zu
erkennen."
- "Das Hervorwachsen [die Wurzelung], o Herr, möchte ich erkennen!"
Einundzwanzigster Khanda
1. "Man wächst hervor aus etwas [ist darin gewurzelt], wenn man
schafft: ohne Schaffen ist kein Hervorwachsen [Gewurzeltsein]; nur wer
etwas schafft, wächst daraus hervor [ist darin gewurzelt]. Das Schaffen
(krti) also muß man suchen zu erkennen."
- "Das Schaffen, o Herr, möchte ich erkennen!"
Zweiundzwanzigster Khanda
1. "Man schafft, wenn man Lust empfindet; ohne Empfinden von Lust
ist kein Schaffen; nur wer Lust empfunden hat, schafft. Die Lust (sukham)
also muß man suchen zu erkennen."
- "Die Lust, o Herr, möchte ich erkennen!"
Dreiundzwanzigster Khanda
1. "Die Lust besteht in der Unbeschränktileit (Größe,
bhûman); in dem Beschränkten (Kleinen) ist keine Lust;
nur die Unbeschränktheit ist Lust. Die Unbeschränktheit (bhûman)
also muß man suchen zu erkennen."
- "Die Unbeschränktheit, o Herr, möchte ich erkennen!"
Vierundzwanzigster Khanda
1. "Wenn einer [außer sich] kein andres sieht, kein andres hört,
kein andres erkennt, das ist die Unbeschränktheit; wenn er ein
andres sieht, hört, erkennt, das ist das Beschränkte. Die Unbeschränktheit
ist das Unsterbliclie, das Beschränkte ist sterblich."
- "Aber worauf gründet denn sie sich, o Herr?"
"Sie gründet sieh auf ihre eigne Größe, oder, wenn
man will, nicht auf die Größe.
2. Denn unter Größe verstehet man in dieser Welt viel Kühe
und Rosse, Elefanten und Gold, Sklaven und Weiber, Feld und Land. Aber
das meine ich nicht, meine ich nicht," so sprach er, "denn da gründet
sich eines immer auf das andre.
Fünfundzwanzigster Khanda
1. Sie aber [die Unbeschränktheit] ist unten und ist oben, im
Westen und im Osten, im Süden und im Norden; sie ist die ganze Welt.
Daraus folgt für das Ich-Bewußtsein (ahamkâra):
Ich (aham) bin unten und oben, im Westen und im Osten, im Süden
und im Norden; ich bin diese ganze Welt.
2. Daraus folgt für die Seele (âtman): die Seele
ist unten und oben, im Westen und im Osten, im Süden und im Norden;
die Seele ist diese ganze Welt.
Wer also sieht und denkt und erkennt, an der Seele sich freuend, mit
ihr spielend, mit ihr sich paarend und ergötzend, derselbige ist autonom
(svarâj), und ihm ist in allen Welten Freiheit (kâmacâra);
die es aber anders als so ansehen, die sind heteronom (anyarâjan),
vergänglicher Seligkeit, und ihnen ist in allen Welten Unfreiheit
(akâmacâra).
Sechsundzwanzigster Khanda
1. Für den, fürwahr, welcher also sieht und denkt und erkennt,
stammt aus seiner Seele das Leben, aus seiner Seele die Hoffnung, aus seiner
Seele das Gedächtnis, aus seiner Seele der Weltraum, aus seiner Seele
die Glut, aus seiner Seele das Wasser, aus seiner Seele Schöpfung
und Vergang, aus seiner Seele die Nahrung, aus seiner Seele die Kraft,
aus seiner Seele die Erkenntnis, aus seiner Seele das Sinnen, aus seiner
Seele der Gedanke, aus seiner Seele der Entschluß, aus seiner Seele
das Manas, aus seiner Seele die Rede, aus seiner Seele der Name, aus seiner
Seele die heiligen Lieder und Sprüche, aus seiner Seele die heiligen
Werke, aus seiner Seele diese ganze Welt." -
2. Darüber ist dieser Vers:
Der Schauende schaut nicht den Tod,
Nicht Krankheit und nicht Ungemach;
Das All nur schaut der Schauende,
Das All durchdringt er allerwärts.
Er ist einfach, ist dreifach,
Er ist fünffach, ist siebenfach;
Und eben er ist auch neunfach,
Ist, wie sie lehren, elffach auch,
Ist auch einhundertundelffach,
Ja, er ist zwanzigtausendfach.
Rein ernährt er sich, und rein ist er; bewahrt, weil rein, die
Lehre treu: weil er sie treu in der Erinnerung bewahrt, wird ihm zuteil
die Lösung aller Knoten. Nachdem [durch die erwähnte Reinheit
der Nahrung] die Unreinheit von ihm gewichen ist, zeigt ihm [wie einst
dem Nârada] der heilige Sanatkumâra [durch den
gegenwärtigea Upanishad-Abschnitt] das Ufer jenseits der Finsternis.
[Darum] nennen sie ihn Skanda (den Übersteiger), – nennen sie
ihn Skanda.
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Chând.-Up.:
Einl. * 1 * 2
* 3 (Weltei) *
4 * 5 (prâna)
* 6 (tat
tvam asi) * 7 * 8,1-6;
8,7-15 * Kena-Upanishad
Paul
Deussen: Vorrede zu "Sechzig Upanishads" * Einleitung:
Upanishads des Sâmaveda
grham/
Index * Buddha/
Lalitavistara/
Ajanta/ Thankas/
Jâtakas/ Zen-Kunst
Sanskrit/
Grammatik * Rgveda
* Gîtâ * Vedânta
* Yoga * Indienreise
Meister
Eckhart: unio mystica * ICH
BIN
der ICH BIN (Exodus 3)
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Hans
Zimmermann, Görlitz
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