Feire Fiz (Hans Zimmermann, Görlitz) : Koran : Rückerts Übersetzung : 18.Sure : Die Grotte : Siebenschläfer, Al-Chidher, Alexander
 
3,119 (113): min ahli 'l-kitâbi ummatun qâ'imatun: yatlûna âyâti 'llahi 'ânâ'a 'l-laili
aus Schriftkundigen eine Gemeinde, eine wahrhafte: die lesen Zeichen Gottes tief in der Nacht
 
al-Qur'ânu (Der Koran, "Die Lesung")
arabisch und deutsch (Übers. Rückert)
 vollständige Auflistung aller 114 Suren
Suratu 'l-Kahfi
18e Sure : Die Grotte
 
Siebenschläfer-Legende
Gleichnis von den zwei Gärten
Der Diener Gottes (al-Chidher) prüft Moses
Dhulkarnain (Alexander mit den "zwei Widderhörnern")
 
vgl: Chidher und die Weisen aus dem Orient : zwei kleine Szenen zu spielen vor der Tür des Café Oriental
 
 
bi-smi 'llâhi 'r-rahmâni 'r-rahîmi
 
    1 Gelobt sei Gott  
      der niederließ auf seinen Knecht 
    Das Buch, und machte dran nichts Krummes,   
       
    2 Als stete Norm, zu predigen   
    Gewaltiges Gericht von unsrer Seite,   
    Und Heil zu kündigen   
    Den Gläubigen, die Gutes thun,   
    Daß ihrer wartet schöner Lohn,   
       
    3 Dabei sie bleiben ewig,   
       
    4 Und predigend zu warnen die   
    Da sagen: Gott hat einen Sohn,   
       
    5 Sie haben davon keine Kunde,   
    Nicht sie noch ihre Väter;   
    Groß ist das Wort,   
      das geht aus ihrem Munde! 
    Sie reden nichts wan Lug.   
       
    6 Du aber quälst vielleicht   
      dich ihretwegen, 
    Wenn sie nicht glauben   
      diesem Wort, bekümmert. 
       
    7 Wir machten, was auf Erden ist,   
      zum Schmuck ihr, 
    Die Menschen zu versuchen, wer   
    Der Bessre sei von Werken.   
       
    8 Und machen werden wir, was auf ihr ist,   
      zu dürrem Staube. 
     
    9 Bedenkst du wol, daß die Genossen   
    Der Grott' und des Rakim von unsern Zeichen   
    Ein wunderbares waren?   
       
    10 Da flüchteten die Jünglinge zur Grotte   
    Und sprachen: Unser Herr! gib uns   
    Von deiner Seit' Erbarmung,   
    Gewähre uns in unsrem Rathe Richtigkeit!   
       
    11 Und wir betäubeten sie in der Grotte   
    Von Jahren eine Zahl.   
       
    12 Dann weckten wir sie,   
      um zu wissen, welcher Theil 
    Von ihnen richtiger berechne   
    Die Frist von ihrem Weilen.   
       
    13 Wir wollen dir erzählen ihre Kunde   
      nach der Wahrheit: 
    Sie waren Jünglinge, die glaubten   
    An ihren Herrn, und wir vermehrten sie an Leitung;   
       
    14 Und festigeten ihre Herzen, als sie standen   
    Und sprachen: unser Herr ist   
    Der Herr des Himmels und der Erde;   
    Wir rufen nimmer einen Gott an außer ihm,   
    Da sprächen wir ja Falsches.   
       
    15 Dis unser Volk nahm neben ihm an Götter;   
    O zeigten sie darüber klare Vollmacht doch;   
    Doch wer ist sündiger, als wer   
    Auf Gott erdichtet Lüge?   
       
    16 Wenn ihr euch nun von ihnen trennt   
      und dem was sie 
    Anbeten außer Gott, so flüchtet   
    Zur Grotte! euer Herr wird euch   
    Entfalten einiges von seiner Gnade,   
    Und euch in eurem Rath gewähren Vorschub.   
       
    17 Nun sähest du die Sonne, wenn sie aufgeht,   
    Sich wenden ab von ihrer Grotte rechterhand,   
    Und wenn sie untergeht, von ihnen   
    Sie kehren ab zur linken;   
    Und sie sind drin im Räume,   
    Dis von den Zeichen deines Herrn;   
    Wen leitet Gott, der ist geleitet,   
    Doch wen er lasset irren, nimmer findest du   
    Ihm einen Freund und Führer.   
       
    18 Du sähest sie für wach an, doch sie schlafen;   
    Wir aber wenden sie zur rechten   
      und zur linken. 
    Ihr Hündlein liegt gestreckt auf seinen Pfoten  
              an der Schwelle.  
    Erblicketest du sie, du kehrtest   
    Von ihnen ab zur Flucht dich   
    Und würdest über sie voll Schrecken.   
       
    19 Und so erweckten wir sie dann,   
    Daß sie einander frageten;   
    Sprach einer der da sprach von ihnen:   
    Wielang habt ihr geweilet?   
    Sie sprachen: Einen Tag wol haben wir geweilt,   
    Oder einen Theil des Tages.   
    Sie sprachen: Euer Herr weiß besser,   
    Wielang ihr habt geweilet.   
    Nun aber sendet euer einen   
    Mit dieser euern Münze   
    Zur Stadt, dort schau' er,   
      wer daselbst hat reinste Speis', 
    Und bring' euch Unterhalt davon;   
    Doch mach' er's fein,   
      daß euch gewahre keiner. 
       
    20 Denn wenn sie euer habhaft würden,   
    So würden sie euch steinigen,   
    Oder zurück zu ihrer Sekt' euch bringen;   
    Das war' euch ewig nimmer gut.   
     
    21 So aber ließen wir sie nun entdecken,   
    Aufdaß erkenneten die Menschen,   
    Daß die Verheißung Gottes wahr,   
    Und an der Stunde ist kein Zweifel.   
    Da wurden sie in ihrem Rath   
    Uneinig unter sich und sprachen:   
    Baut über sie ein Gebäude!   
    Ihr Herr weiß, wies mit ihnen ist.   
    Da sprachen, die in ihrem Rathe siegten:   
    Wir wollen machen über sie ein Bethaus.   
       
    22 Sie werden sagen:   
      Drei, ihr vierter war ihr Hund; 
    Und werden sagen:   
      Fünf, ihr sechster war ihr Hund; 
    Nur rathend aufs Verborgne;   
    Und werden sagen:   
      Sieben, ihr achter war ihr Hund. 
    Sag du: Mein Herr weiß ihre Zahl recht,   
    Es wissen sie nur wenige.   
       
    23 Streit' anders nicht darüber, als   
    Mit gültiger Bestreitung,   
    Und frage drüber von denselben keinen.   
       
    24 Sag auch von keinem Ding:   
    Ich will es morgen thun,   
       
    Als nur, wenns Gottes Will' ist.   
    Und denke deines Herrn, wann du vergaßest,   
    Und sprich: Wohl kann mein Herr mich leiten   
    Zu Näherem an Richtigkeit.   
       
    25 Nun denn, sie weileten in ihrer Grotte   
    Drei Hundert Jahr, darüber neun.   
       
    26 Sag: Gott weiß recht, wielang sie weilten;   
    Sein ist die Heimlichkeit des Himmels und der Erde;   
    Wie schauet er und hört! sie haben   
    Nicht außer ihm Vertreter,   
    Und Antheil seines Rat lies gibt er keinem.   
       
    27 Trag vor, was dir ist offenbart   
    Vom Buche deines Herrn, nicht   
    Vertauschend seine Worte!   
    Du findest außer ihm nie eine Zuflucht.   
       
    28 Gedulde dich mit denen, die   
    Anrufen ihren Herrn.   
    Am Morgen und am Abend,   
    Suchend allein sein Angesicht;   
    Dein Auge weiche nicht von ihnen, daß du suchest   
    Den Schmuck des Lebens dieser Welt;   
    Und nicht gehorch' ihm, dessen Herz wir   
    Unachtsam machten unserer Erinnerung,   
    Und der da folget seiner Lust,   
    In seinem Rath ist er verlassen.   
       
    29 Sprich also: Dis die Wahrheit   
    Von euerm Herrn! wer will, der glaube!   
    Und wer da will, der leugne! doch wir haben   
    Bereitet für die Sündigen   
    Ein Feur, es überspannt sie dessen Decke.   
    Wenn sie nach Wasser rufen, bringt   
    Man ihnen Wasser gleich dem Gußerz,   
    Das senget die Gesichter;   
    O schlimmer Trank und üble Rast!   
       
    30 Doch die da glaubten und das Gute thaten,   
    Wir lassen nicht verloren gehn   
    Den Lohn des der da Gutes wirkte.   
     
 
    31 Dieselben sind in Gärten Edens,   
    Darunter hin die Ströme fließen,   
    Geschmückt darin mit Spangen   
    Von Gold, bekleidet mit Gewändern grünen,   
    Von Sundus und von Atlas,   
    Gelagert drin auf Thronen;  
    O guter Lohn und schöne Rast!   
       
    32 Präg' ihnen auch ein Gleichnis,   
    Zwei Männer, deren einem wir zwei Gärten machten   
    Von Reben, und sie faßten ein mit Palmen,   
    Und machten zwischen die zwei Gärten Saatfeld,   
      
    33 Die beiden Gärten gaben ihre Früchte   
    Und unterschlugen nichts davon.   
    Wir ließen sprudeln zwischen ihnen Ströme,   
      
    34 Und ihm ward ein Ertrag, da sprach er   
    Zu seinem Nachbar, ihn bestreitend:   
    Ich bin reicher an Gut als du   
    Und herrlicher von Stamm.   
       
    35 Und gieng in seine Gärten,   
    Indem er sich versündigte,   
    Und sprach: Ich denke nicht daß diese   
    Zu Grunde gehn in Ewigkeit.   
       
    36 Noch denk' ich daß die letzte Stunde   
    Bevorsteht, aber wenn ich werde heimgebracht   
    Zu meinem Herrn, so werd' ich finden   
    Noch bessern Aufenthalt.   
     
    37 Da sprach zu ihm sein Nachbar, ihn bestreitend:   
    Verleugnest du undankbar den, der dich erschuf   
    Aus Staub, sodann aus einem Tröpfchen,   
    Sodann dich bildete zum Mann?   
       
    38 Doch Er, Gott, ist mein Herr, und nicht   
    Gesell' ich meinem Herrn abgöttisch irgend wen.   
       
    39 O hättest du doch nur, als du   
    In deinen Garten tratest,   
    Gesagt: Wie Gott will!   
      keine Macht ist als in Gott!  
    Wenn du doch mich ansiehest für geringer   
    Als dich an Gut und Kind.   
       
    40 Allein vielleicht gibt mir mein Herr ein bessres   
    Als deinen Garten hier, und sendet   
    Auf ihn ein Strafgericht vom Himmel,   
    Daß er ist Morgens Oedung kahl,   
       
    41 Oder morgens sein Wasser einsiegt,   
    So daß dus nimmer finden kannst.   
       
    42 Da kam ihm rings um sein Ertrag,   
    Und morgens rang er seine Hände   
    Ob dem was er darauf verwandt;   
    Verfallen war der Garten mit seinen Lauben.   
    Er sprach: O hätt' ich   
    Nicht meinem Herren wen gesellt.   
       
    43 Da blieb ihm nun kein Anhang,   
    Die ihm beiständen gegen Gott,   
    Und nicht könnt er bestehn.   
     
    44 Die Schutzherrschaft ist dort bei Gott,   
      dem wahren,  
    Er ist der beste zur Belohnung,   
    Der beste zum Vergelt.   
       
    45 Präg' ihnen auch das Gleichnis   
    Des Lebens dieser Welt, gleich Wasser,   
    Das wir vom Himmel sendeten,   
    Da mischte sich mit ihm das Grün der Erde,   
    Doch eines Morgens war es Spreu,   
    Die streueten die Winde;   
    Und Gott hat jedes Dings Gewalt.   
       
    46 Güter und Kinder sind ein Schmuck   
    Des Lebens dieser Welt,   
    Allein das Bleibende, das Gute, besser ists   
    Bei deinem Herrn zum Lohne   
    Und besser zum Erwerb.   
       
    47 Am Tage wo wir machen gehn die Berge,   
    Und du die Erde siehst vortreten,   
    Wo wir versammeln alle,   
    Und ihrer keinen übergehn.   
       
    48 Sie werden vorgeführt dem Herrn in Reihe:   
    Nun seid ihr uns gekommen,   
    Alswie wir euch erschufen   
    Das erstemal; ihr sagtet doch,   
    Wir hätten nie euch eine Frist gesetzt.   
       
    49 Und vorgelegt ist nun das Buch,   
    Da siehest du die Schuldigen erbangend   
    Vor dem was darin steht. Sie sprechen:   
    Weh uns! was ists mit diesem Buche?   
    Es übergeht nichts Kleines und nichts Großes,   
    Es rechn' es denn. Sie finden nun   
    Das was sie thaten, gegenwärtig,   
    Und keinem Unrecht thut dein Herr. –   
     
    50 Wie da wir zu den Engeln sprachen:   
      Fallet nieder  
    Vor Adam! und sie fielen nieder;   
    Nur Iblis, der war von den Dschinnen,   
    Der fiel von seines Herrn Gebot ab.   
    Wollt ihr nun ihn und seinen Abstamm   
    Annehmen zu Genossen außer mir,   
      da sie euch feind sind?  
    O schlimmer Eintausch für die Sünder!   
       
    51 Ich nahm euch nicht zu Zeugen bei   
    Der Schöpfung Himmels und der Erde,   
    Noch bei der Schöpfung euer selbst;   
    Und hätt' ich die Verführer wol   
      zum Beistand nehmen sollen?  
       
    52 Des Tages wo wir sprechen werden:   
    Ruft unsre Nebengötter, die ihr glaubtet!   
    Da rufen sie dieselben, doch   
    Sie geben keine Antwort ihnen;   
    Wir machten zwischen ihnen eine grause Kluft.   
       
    53 Nun sehn die Schuldigen das Feuer,   
    Und merken daß sie fallen drein,   
    Und finden davon keinen Abwand.   
     
     
 
 
al-Qur'ânu (Der Koran, "Die Lesung")
vollständige Auflistung aller 114 Suren
*)
arabisch (original und transliteriert) und deutsch durch Friedrich Rückert (zwischen 1836 und 1839):
frühmekkanische Suren: 1.; 81., 82., 83., 84., (88., 90.), 91., 92., 93., 94., 95., 96., 97.,
100., 101.,102., 103, 105., 106., 107., 108., 109., 110., 111., 112., 113., 114.
(*
Suren 51-56;   *   Suren 67-80
 *)
Sure 2: Thronvers * Sure 5: Der Tisch * Sure 6: Schlüssel und Zeichen * Suren 3 und 19: Maria im Tempel, Jesus das Wort
Sure 24: Gott ist das Licht des Himmels und der Erde * Sure 27 (Die Ameisen): Salomon und die Königin von Saba
Sure 55: Der Allerbarmer, Litanei mit dem Refrain "Welche Gnad' eures Herrn wollt ihr verkennen?"
Sure 18: Die Siebenschläfer; Der Diener Gottes (al-Chidher) prüft Moses; Alexander der Große
vgl: Chidher und die Weisen aus dem Orient : zwei kleine Szenen
(*
nur deutsch (Rückert):
spätmekkanisch: Sure 12 (Josef), 13 (Der Donner), 14 (Abraham), 15 (Elhigru), 16 (Die Bienen); Sure 18 s.o.: Sure 19 s.o.
*)
arabische Schrift (Alphabet, Ligaturen, Zusatzzeichen)
Die Geschichte von Abu Dîsa, welcher Sperling genannt war, und von seinen wunderbaren Erlebnissen
Aus dem Arabischen durch Hans Wehr (1959)
*
Goethes orientalisierende Gedichtesammlung mit dem Titel "West-östlicher Divan" (Gutenberg-Edition)
*
 
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Feire Fiz (Hans Zimmermann, Görlitz) : Koran : Rückerts Übersetzung : 18.Sure : Die Grotte : Siebenschläfer, Al-Chidher, Alexander
 
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