Feire Fiz (Hans Zimmermann, Görlitz) : Quellensammlung in zwölf Sprachen : Weltreligionen : biblische Quellen
Evangelien : Markusevangelium : Wer löst das biblische Rätsel in Markus 8,17-21?
 
Anhang dieser Seite: "Engel"
 
Orthodoxes Baptisterium (5.Jhd.): Kuppel mit 12 Aposteln
 
Markus-Evangelium (griech. Original, lat. Vulgata, Luther)
Markos 8,17 ff: Fazit
 
 
Wer löst das biblische Rätsel Markus 8,17-21?
St.Apollinaris: Abendmahl (rechte Wand des Mittelschiffs)
 
    Daniel schrieb:  
      > Die Fragen deuten auf die Enttäuschung Jesu hin,  da die Jünger Jesu  nur mit dem Intellekt (nous) Jesu antworten nicht aber mit dem Herzen (peporomenen/ Kardia) die Tiefe der Wunder erkennen -die letztlich auf die Mesianitaet Jesus Christi hinweisen (bitte beachten Sie Vers. 29 und 30!-Kontext). 
    Das von Jesus geforderte Begreifen mag seine Wurzel im Herzen haben, schließt aber das Denken nicht aus. Es gibt Gleichnisse für die Nicht-Schüler "damit sie sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht hören", aber Erklärungen für die Erkenntnis-Entwicklung der Schüler, die später selbst als Lehrer wirken sollen. Es gibt entsprechend immer wieder Prüfungen der Schüler. Letzten Endes sollen sie die Auferstehung von den Toten verstehen, den wahren Prüfstein jeder Erkenntnis.   
     
      > Die Jünger erkennen und erinnern sich an die Zahlen und unterscheiden sogar numerisch,  doch die Bedeutung, den Inhalt verstehen sie noch nicht!…Sie sind mit den Ereignissen und Wundern beschäftigt, nicht mit der Person durch welche das Wunder geschehen ist…
    Welches Wunder? Von Wundern ist nicht die Rede, weder hier noch sonst wo. Die Rede ist von "Zeichen". Ob sie selbst bei den Zahlen der Reste-Körbe angesetzt hätten, ist offen; es ist der Meister, der sie nach den Zahlen der Körbe fragt, die sie selbst nach dem Austeilen wieder einsammelten.   
     
      > Nun handelt es sich hier um ein  wirkliches Rätsel ?… wohl kaum…denn hinter Jesu Christi Fragen ist nicht  eine versteckte Botschaft zu erfahren. 
    Gewiß. Die Antwort sollte auch nicht hinter den Fragen stehen (es sei denn, es sind rhetorische Fragen), sondern vom Gefragten gegeben werden, wie immer, wie auch sonst, wie bei allen Fragen, seien sie informationshungrig, seien sie prüfend.   
     
      > Im Gegenteil durch seine Fragen legt er die Naivität der Jünger  offen…
    Seine wichtigsten Schüler wird er doch nicht in bloßer Naivität stehen lassen? Wobei übrigens nichts gegen Naivität zu sagen ist; sie muß aber konsequent sein, dann ist sie durch ihre Transparenz und Folgerichtigkeit der Schlüssel zu einer jeden Wahrheit, wie allen Weisen bekannt ist. Denn Weise sind nichts als absolut konsequente Naive.   
     
      > Ich hoffe einen kleinen Beitrag  geleistet zu habe… Mit brüderlichem Gruß… 
      Daniel
    Ja, danke.   
    Ich möchte berichten, was die antwortwilligen Antworten ergeben haben:   

    Das Brot ist, wie das Johannesevangelium ja auch zum ersten Zeichen angibt, das Brot des Lebens selbst, der sich selbst austeilende Meister, Christus.   
    Die Zwölfheit der Körbe entspricht der Vollzahl der Jünger, die wiederum den zwölf Stämmen Israels entsprechen, die wiederum den ganzen Himmelskreis repräsentieren: den gesamten Kosmos, für den genug Reste übrigbleiben nach der Lebens-Ernährung für die Menschen, durch deren Sinne (5 Tausende);   
    die Siebenheit der Körbe geht nicht so sehr auf die räumliche Ordnung des Kosmos und der Menschengesamtheit, als vielmehr auf die zeitliche Ordnung, wie sie in den PlanetenSphären musikalisch die Erde umtönt: übrig für alle sieben, für alle Zeit, obwohl es hier der Erde und ihrer Menschheit gegeben war (4 Tausende).   
    Beim ersten Zeichen liegt die Betonung darauf, daß die Schüler selbst Nahrung für die Menschen suchen sollen, sie werden dazu geprüft; sie finden immerhin den "jungen Mann" mit den fünf Broten und den zwei Fischen. (In der Deutung mancher Traditionsbewanderter ist diese erstaunliche Schlüsselgestalt der eben ermordete Johannes).   

    Alle, die eine Deutung vorschlagen (und nicht schlicht behaupten, es sei kein Rätsel, ohne eben dies genauer zu begründen), sehen die beiden Zeichen als sakramentale Selbstausteilung Christi in universaler Reichweite und Geltung, allen Raum und alle Zeit durchdringend, eine durch die Menschen geführte kosmische Eucharistie.   
    Es ist Aufgabe der Jünger, dies zu verstehen, da sie die Grundpfeiler der Kirche bilden und selbst dann, wenn sie die Menschen durch Bilder und Empfindungen führen, dies mit klarer Erkenntnis leisten müssen. Die Blindenführer dürfen nicht selbst blind sein.   
    grusz, hansz  
       
      
    Daniel schrieb:  

      > Erlauben Sie mir bitte  noch einmal Stellung auf Ihre wohldurchdachte Erklärungen zu beziehen. Ich habe mich gefragt, wie es kommt, daß Sie in diesem Ereignis, die Zeichen  als "sakramentale Selbstausteilung Christi in universaler Reichweite und Geltung allen Raum und alle Zeit durchdringend, eine durch die Menschen geführt kosmische Eucharistie" erkennen können, und ich nicht imstande bin dies zu erkennen. Sie sind überragend in Ihrem intellektuellen Verständnis, ohne Zweifel. Doch es spielen sicherlich noch andere Faktoren eine Rolle...wie z.B. Ihr genuines Vorverständnis, in welchem schon die Interpretation von vornherein prädestiniert ist. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber wenn Sie an den Text angehen mit einem Verständnis, daß es sich hier um ein Rätsel handelt, dann läßt ihre Hermeneutik einen großen Raum für Spekulationen offen, jeglicher Art. 
    Nicht ganz. Offenheit der imaginativen Kräfte schon, aber kontrolliert 1. an den genauen Vorgaben des Bildes, 2. am Kontext.   
     
      > Es ist interessant und herausphordernd Ihre Kreativität zu verfolgen und läßt auf eine kreative, ideenreiche Persönlichkeit schließen. Doch ist dem Text, der innewohnenden Botschaft recht getan? Jedes gewöhnliche Abendessen, indem Jesu Brot verteilt hatte, hätte nach Ihrer Methodologie einen eucharistisch-universalen sakramentalen kosmischen Charakter....!. 
    wenn es in den Evangelien geschildert wäre. Aber die Evangelien schildern nicht eine einzige alltägliche Nebensächlichkeit. Sie sind weder historische Berichte noch Romane. Sie sind eher einer strengen Dichtung vergleichbar, die sich auch kein Wort zuviel erlauben kann. Oder einem Musikstück, in dem keine einzige überflüssige Note vorkommt, wo der Reichtum dann in der Ästhetik der Form besteht.  
     
      > Die Weise ihrer Diskriminierung, des geschriebenen Textes ist nicht ersichtlich, deshalb auch meines Erachtens kaum vertretbar...   Ich teile mit Ihnen die Meinung, daß das Abendmahl eine universelle Komponente beinhaltet, da der Auftrag Jesus und der Junger ein universaler Auftrag ist. Aber dies aus Markus 8,17-21 zu erkennen glaube ich doch ein bißchen utopisch zu sein (vergeben Sie mir die Wertung!) 
    Ihre Auffassung ist durchaus die gängige.   
     
      > ..der Meister selbst offenbart sich dem Jünger soweit der Jünger imstande ist Ihn zu verstehen...der Jünger sollte aber nicht mehr verstehen denn der Meister zu verstehen gibt und will...! 
    1. wieso nicht? Der Meister will doch nicht Beschränkung der Erkenntnisfähigkeiten seiner Schüler, sondern deren Erweckung.   
    2. das ist ja die Frage, was der Meister zu verstehen geben will; wir können es nicht schon voraussetzen.   
     
      > In dem Kontext der Gegebenheit ist ein Werdegang zu beobachten (speziell bei Markus-zielorientiert!)...das  letztendlich in diesem Abschnitt in dem christologischen Bekenntnis der Jünger mündet (8,29) 
    hervorragend beobachtet. Zuerst die nicht beantwortete Frage an die Schüler "begreift ihr noch immer nicht?", dann die Blindenheilung, dann das christologische Bekenntnis. Deutliche Dreierstufung.   
     
      >...und dieses Bekenntnis ist erst die Voraussetzung die Jesus wahrnimmt um seine Jünger auf seinen Tod vorzubereiten (8,31-  ) 
    völlig meine Auffassung: daß das alles "nur" der Vorbereitung auf das Begreifen der Auferstehung von den Toten dient.   
     
      > Und das Abendmahl/ Eucharistie wohlgemerkt, beginnt erst, und findet erst Ihren Sinn und Deutung in dem Tod als auch der Auferstehung Jesus...
    So sind die Evangelien geschrieben: in Betrachtung des Gestorbenen und von den Toten Auferstandenen, rückblickend, im erleuchteten Verständnis dessen, das bis dahin, genaugenommen bis zur Erleuchtung durch den heiligen Geist, den Schülern nicht verständlich war.   
     
      > brotherly psours  
      Daniel 
    es gibt auch einige Übereinstimmungen; über den Hinweis auf das christologische Bekenntnis bin ich Ihnen besonders dankbar.   
    grusz, hansz 
 
    Herr J. schrieb:  
     
      > (H.Z. schrieb:) 
        > >Wenn als Sakramente aber auch die gelten, die an Jesus geschahen und durch die Apostel weitergetragen wurden, dann müßte doch die Totensalbung durch Maria Magdalena unbedingt dazu gehören? 
    > Lieber Hans,  
      > wichtig in diesem Zusammenhang ist der goettliche Auftrag, die Legitimation durch Gott, eine heilige Handlung weiterzutragen:  
      - Beim Abendmahl war es der Gottessohn, der sagte: Solches tut, so oft ihr zusammenkommt.  
      - Bei der Taufe war es die Stimme Gottes, die sagte: Dies ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hoeren.  
      - Bei der Versiegelung waren es die Feuerzungen, die das unmittelbare Einwirken der goettlichen Kraft bezeugten. 
      Alle diese Legitimationen sind Beweise fuer das goettliche Eingreifen, das sich aus dem menschlichen Bereich heraushebt.
    ja, das ist verständlich; bei der Totensalbung Jesu ist der Hinweis in Matth., daß man sich in alle Zukunft an die Salbung erinnern werde, wohl mehr auf das Erinnern der Menschen gestellt. Allerdings hat das eine andere Potenz, wenn man den Hebräerbrief hinzunimmt und diese Salbung als die versteht, die den Todesbereiten eben zum Gesalbten, zum Christos im Sinne von Psalm 2 (und Hebr.-Brief) macht. Doch das mag zu weit führen.   
     
        > > Das ist ein großes Seelen-Übungs-Bild. Und nun zeigt sich, welche der heute noch bestehenden Kirchen die Schülerqualitäten der Zwölf hat, und welche nicht. 
     
      > Klingt interessant, doch wo liegt der Sinn? Hat Jesus wirklich ein Raetsel fuer die Zukunft seiner Kirche hinterlassen? 
    mehrere; vor allem die letzte Erscheinung des Auferstandenen, die das Johannesevangelium schildert: Petrus werde dereinst geführt werden, wohin er nicht will; die Strömung des "Jüngers, den Jesus liebte", wird davon unterschieden und geht die Petruskirche "nichts an". Ich denke, hier wird die katholische Kirche zugleich legitimiert wie aber auch auf eine bestimmte Wirkensweise und Reichweite begrenzt. Aber selbst ihr tragisches Opfer ist am Ende eine Form der Nachfolge.   

    Die beiden Zeichen scheinen eher die ganze Raumfülle der Christus-Austeilung (bis in die zwölf Stämme von Abrahams sternenreichen Nachkommenschaft, bis in die zwölf Sternkreiszeichen hinaus, mit denen schon die Brote - Attribut der Jungfrau – und die beiden Fische harmonieren) und die ganze Zeitenfülle (durch alle sieben Zeitenkreise hindurch) dieser Weltennahrung aus-zu-bildern. In beiden fällen geht es durch die Menschen hindurch, und in den Gesamtraum und durch die Gesamtzeit hindurch sammeln sich nur die Reste dieses großen Wurfes.   
     

      > Warum sprach er so oft in einfachen, konkreten Gleichnissen? Sind wir heute nicht allzu gern bereit, die Bibel, das Wort Gottes und das Wehen des Hl. Geistes zu rational, zu intellektuell verstehen zu wollen? 
    gewiß. Zugleich soll den Zwölfen ein Verstehen der Zeichen gegeben werden, damit sie nicht wie die kindhaften anderen "hören und doch nicht hören, sehen und doch nicht sehen". Die weiteren Schritte nach dieser tiefen Seelenwirkung sind die Blindenheilung und dann – das Bekenntnis des Petrus "wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Gesalbte bist, der Sohn des lebendigen Gottes". Mit einer Begründung vorweg: "Worte des ewigen Lebens".   
      
      > Ich selbst moechte lieber dem Beispiel Jesu folgen, mein Brot mit den Armen zu teilen, als auf die Suche nach einem vermeintlichen Raetsel zu gehen, dessen Einsichtigkeit wir alle verschieden definieren. 
    gewiß. Aber "Arme habt ihr allezeit"; und auch Seele und Geist brauchen ihre Nahrung. Wenn man sich die geistige Verfassung der meisten lieben Mitmenschen anschaut, lassen sie doch die Rippen sehen. Es ist zum Erbarmen!   
      
      > Gruss, Peter 
    gleichfalls, herzlichen Dank,   
    grusz, hansz 
 
    Daniel schrieb:  
      > Hallo Hans! 
      Als Germanist finde ich Dein Problem recht interessant, obwohl wie mein Kollege Carsten schon festgestellt hat, ist es nicht der Kern des christlichen Glaubens. 
    liegt aber wohl dicht am Kernrand: die (vom Herrenbruder Jakobus, der die Jerusalemer Gemeinde geleitet haben soll) nach der Auferstehung ritualisierte Eucharistie ist die Urliturgie der ältesten christlichen Kirchen, "Medikament der Auferstehung", wie Clemens von Alexandrien gesagt hat. Und in die biblischen Zusammenhänge der Eucharistie gehören die beiden Brotverteilungszeichen zusammen mit der anschließenden Verständnisvertiefung, wie sie besonders bei Johannes entfaltet ist, aber auch bei den Synoptikern (mit oder ohne Blindenheilung dazwischen) zum Erkennen des Petrus führt ("und wir haben geglaubt und erkannt").   
      
      > Ich habe mich in der modernen Literatur schon mit Symbolik und Allegorie beschäftigt, ein Thema, das bestimmt für Dich als Altphilologen auch von besonderem Interesse ist.
    dem entspricht in der antiken und mittelalterlichen Literatur die Typologie: man schaut durch bestimmte Typoi, geprägte Urbilder, hindurch auf deren Ur-Urbild, den logos spermatikos, das "Samenkorn-Wort", das den Bildern und Zeichen zugrundeliegt. Das Neue Testament nimmt das in der Regel so, daß die (Ab-)Bilder im Alten Testament zu finden seien, die Samenkorn-Wörter aber (erst) in Christus offenbar werden: Tod und Auferstehung ist das Samenkorn aller Samenkörner, der Logos aller logoi spermatikoi.   
     
      > Leider verstehe ich den grie. Text nicht, versuche aber dennoch mal eine Hypothese.  
      Einzelne Bestandteile sind symbolisch deutbar. Da Jesus in V. 21 fragt: "Begreift ihr immer noch nicht?"  
      Die Menge der zusammenpassenden Symbole könnten einen allegorischen Sinn vermuten lassen.  
      These:  
      1. Die gebrochenen Brote stellen symbolisch den Leib Christi dar. 
    Übereinstimmung aller.   
     
      > 2. Die Zahl 12 steht symbolisch für die 12 Stämme Israels. 
    Hier decken sich viele Bilder: die Nachkommenschaft Abrahams, reich "wie die Sterne", gliedert sich entsprechend den 12 Sternkreiszeichen, wie sie im Mondrhythmus durch das Sonnenjahr schwingen: Es ist mit dieser Sicht wohl der gesamte Kosmos.   
     
      > 3. Die Zahl 5000 oder 4000 stehen symbolisch für die Menge der Heiden also einfach eine große Zahl, könnten auch heidnische Stämme sein. 
    die "fünf" wird in der Regel für die Sinne verwandt; "Tausend" ist bloße Vervielfachung, Verstärkung, wird alleine auch für "unbegrenzt viele" gebraucht.  
    "Vier" wird über die Syzygienlehre in der Regel auf die Haupthimmelsrichtungen (Windrichtungen) und zugleich auf die Tageszeiten, Jahreszeiten (im Bild der vier Hauptsternkreiszeichen Stier-Löwe-Adler (statt Skorpion) und Engel (mit Menschenantlitz für Wassermann), also auch auf die vier Evangelien-Aspekte des Auferstandenen, und auf die (in der antiken Medizin) vier Säfte und Charaktere des Leiblich-Seelischen bezogen, vor allem aber auch auf die vier Reiche des Mineralischen, Pflanzlichen, Tierischen und Menschlichen – einfach: auf die Erde selbst in ihrer kreuzphörmigen Viererordnung 

    "Sieben" ist die Zahl der Zeitenkreise. In antiker Auffassung bildet die Zeit Kreise, in denen Geburt und Tod zusammengeschlossen sind; nicht nur die Leben der Menschen, sondern auch die Leben der großen Kulturen (Weltreiche) und der Erde, z.B. in den Verwandlungen der Apokalypse.   
     

      > Zusammenhang: Das Brechen des Brotes also des Leibes sättigt die Menge der Heiden (Sündenvergebung am Kreuz) und für Israel reicht es auch noch, (die Zwölf Stämme). Die Rettung Israels fällt ja auch zeitlich hinter die Errettung der Heiden. (Römerbrief)
    oder: verteilt durch die zwölf erkenntnisgeschulten Apostel an die Menschen, durch deren Sinne hindurch, sättigt es alle, ja es bleiben noch Reste für den gesamten Kosmos. Bezeichnenderweise gehen diese Reste nicht weiter hinaus, sondern zurück, durch die 12 wieder an den Austeilenden: das den Sinnen äußerste, alle Welt umspannende Wesen ist in diesem Bild in der Mitte, Zentrum des Vorgangs.   
    Bei Jakob Böhme heißt es, das die Welt umfassende Licht der Gottheit zentriere sich nach innen hin zur Sonne (von der die sichtbare Sonne ein Abbild ist).   

    Ähnlich bei der zweiten Brotverteilung: verteilt durch die Zwölf an alle Bereiche der Erde werden alle gesättigt, ja es bleiben Reste noch für alle Zeitenkreise. Und auch hier verliert sich die Sättigung nicht im Grenzenlosen der Zeitdauer, sondern wird in den Körben zurückgebracht zum Austeiler, dem Wesen, das alle Zeit umfaßt, Geburt aus dem Tod erzeugt und die Kreise zusammenschließt – in der jetzigen Mitte (! nicht erst am fernen Ende zukunftswärts oder vergangenheitswärts).   
     

      > Zur Zeit arbeiten wir bei Jesus-Online am Thema Engel. Vielleicht kannst Du uns als Altphilologe einige Hinweise geben, ob und wo Engel in außerbiblischer Literatur vorkommen.
    Das hat mehrere Schichten oder Aspekte oder Grundsachverhalte.   
    a) Engel ("angeloi") als Boten, b) Engel in den archaischen Bildern des AT, c) Engel in der Engellehre des Dionysios Areopagites, die im Mittelalter galt.   

    a)   

    I. Götterboten der Griechen sind   
    1. Hermes, der zugleich die Toten in das Totenreich führt (Seelenführer, "Psychagoge"), eine Gestalt, die immer gedankenweckend wirkt; er hält einen Heroldsstab, an dem zwei Schlangen aufgerichtet sind, ähnlich dem Äskulapstab;   
    2. Iris, die Regenbogengöttin; so bei Homer;   
    3. Athene in Gestalt befreundeter weiser Männer, so z.B. erscheint sie dem Odysseus in der Odyssee als bewußtseinweckende und stärkende Kraft;   
    4. das "daimonion" des Sokrates, eine Vorform des Gewissens, zugleich inspirierende Bewußtseinsquelle des sich mit sich selbst auseinandersetzenden Philosophen.   

    II. Götterboten der Römer: dieselben wie bei den Griechen, da sie alles von den Griechen übernehmen; aber auch eine allgemeine Vorstellung von "Genien", mehr an die Personen gebundenen Geistern, dargestellt als geflügelte Jünglinge, also recht ähnlich der mittelalterlichen und neuzeitlichen Engelvorstellung.   

    III.   
    1.) geflügelte Jünglinge (als himmlische Boten, die den Menschen begegnen) sind auch in der persischen Religion (Zarathustra) zuhause, Hauptkennzeichen der sieben hohen Engel und besonders des Mithra im Avesta ist ihr goldhelles LICHT  
    in den indischen eher geflügelte Mädchen (etwa bei der Geburt des Buddha im "Lalitavistara", auch in der "Weihnachts"-Szene im "Buddhacharita" des Ashvaghoscha), die aus dem Himmel hängen und musizieren.   
    Im Islam sind Engel (wohl aus der arabischen und persischen Tradition, aber vgl. Tobias) geflügelte Jünglinge. Mit "Gabriel" als Vermittler des (im Himmel ewigen) Koran wird sogar der alte hebräische Namen übernommen.   
    2.) Ahura Mazda selbst, der Eine Gott in der persischen Religion (das ist der Gott, der Kyros dazu veranlaßt, die Juden aus dem Exil nach Hause zu entlassen, im AT ohne Probleme mit JHWH identifiziert – Kyros wird dann von den Propheten  als "der Gesalbte" gefeiert) wird dargestellt als Sonnenkreis mit Adlerflügeln.   
    "Im Schatten deiner Schwingen wolle du mich bergen" (Psalm)   

    b)   

    die figürlichen Darstellungen von Cherubim in Stiftshütte, Tempel und auf der Bundeslade sind sphinxartig und erinnern besonders an die gemischten Lebewesen (Chimären nennt man so etwas, wenn es außerhalb des Bibel vorkommt) der Apokalypsen (Zoon, Zoa), manchmal mit "Tiere" übersetzt. Vier markante Eckpunkte des Jahreskreises, also die Sternbilder mit den Gesichtern von Mensch-Löwe-Stier-Adler. Engel habe in diesen archaischen Abbildungen also nicht notwendigerweise ein Menschengesicht. Es ist aber zu beobachten, wie im Laufe der Entwicklung das Menschenbild des Engels die mehr "tierischen" überwindet oder in deren Mitte als ausgewogenstes und angemessenstes erscheint.  
    Seraphim mit drei Flügelpaaren bei Jesaia, rufend "heilig, heilig heilig ist JHWH, der Gott der Engelscharen" sind von jenen Zoa auch darin verschieden, daß eine solche altorientalische Parallele sich für sie kaum findet (am ehesten noch bei den Persern und ihrem lichthaften, nüchternen Monotheismus, nicht bei den Mesopotamiern oder Ägyptern mit ihren Sphinxen und Chimären).   

    c)   

    Dionysios (oft "Pseudo-Dionysios", weil dieser Philosoph des 5./6.Jahrhunderts den Namen des Gastgebers des Paulus in Athen benutzt) bietet eine großartige Engellehre, die das ganze Mittelalter prägt – vgl. Thomas von Aquin über die Hierarchie der Engelund heute nur noch von den Anthroposophen vertreten wird. Ansätze finden sich bereits in den eigentümlichen Begriffen und Unterscheidungen der Paulusbriefe, wo auch die Zuordnung zu "Archonten" (gnostischer Begriff für kosmische Mächte der Planetensphären) - also der Welt der Finsternis – oder zu den Boten Gottes nicht immer völlig klar ist.   
       
    Bei Dionysios ist das aber zu den drei mal drei Hierarchien entfaltet, ohne jede archaische Dämonie (wie sie ja noch bei Paulus anklingt), auch ohne die apokalyptische "Grausamkeit mit leichter Hand", wie man geneigt ist zu sagen, wenn man über die Zornesschalen nachdenkt; im Mittelalter wird dann der Kosmos so geschichtet (und jede Schicht, jede Sphäre hat ihre von Liebe zum Absoluten bewegten Beweger, außer der äußersten Sphäre, die der "unbewegte Beweger", die Erfüllung aller bewegenden Sehnsüchte, erfüllt): Erde, HydroSphäre, Atmosphäre, ÄtherSphäre; darin: MondSphäre, MerkurSphäre, VenusSphäre, SonnenSphäre, MarsSphäre, JupiterSphäre, SaturnSphäre, FixsternSphäre, dann die sieben Himmel, und all das nur ein unscheinbares Seifenbläschen in der Unendlichkeit der trinitarischen Sphäre Sein=Wissen=Liebe, die ihren Mittelpunkt überall hat.   
    Es gibt weitergehende Differenzierungen (Schichtungen) etwa für den Ort des Paradieses oder für die Entrückten (Elias und Henoch), für Mariä Himmelfahrt und für das Fegefeuer; das allgemein "Übliche" des Weltbildes findet sich bei Dante, wo auch die Erde noch nach innen siebenfach geschichtet ist (nämlich in die Höllen). Das entspricht der scholastischen Auffassung (z.B. bei Thomas von Aquin).   

    Im keltischen Raum, wohl auch bei den im Keltengebiet siedelnden Germanen (und von ihnen weitergeführt) – gewiß auch sonst weltweit – ist die Verlebendigung der sinnlichen Natur sehr beliebt, dieser shakespearesche "Sommernachtstraum" von Elfen und Trollen, von Zwergen und Riesen, wo Drachen getötet werden müssen (das kennen alle Religionen – eine wichtige Götter- oder Engel-Funktion), um "die Jungfrau" zu befreien, wo alte Weise weiterhelfen, wo verführende Schönheiten sich über, zwischen, neben Kobolden und Boshaftigkeiten tummeln. "Lichterflügelvollgeschwirrte Räume".   

    Ein ernsthaftes Kapitel wären "Todesengel", Ankündiger des Todes und führer ins Totenreich. Beeindruckend der zweite Akt von Richard Wagners "Walküre", das Zentrum des Werkes. Oder der Tod in dem kleinen Gedicht von Matthias Claudius, das von Schubert so wunderbar zu einem großen Streichquartett ausgestaltet worden ist, oder in Hugo von Hofmannsthals Frühwerk. Vielleicht klingt bei diesen der Novalisspruch an:   

      "Im Tode ward das ew'ge Leben kund –  
      Du bist der Tod und machst uns erst gesund!" 
    Ich hoffe, das ist nicht zuviel. Gute Lexika werden noch weit mehr bieten, ich habe jetzt erst einmal in meinem Gedächtnis gepflügt.   

    Viel Freude beim Durchsuchen, Vergleichen, Werten und Erkennen,   
    grusz, hansz 

 
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Marienlegende: "Nasirat" im Tempel * Franziskus: Blütenlegenden
Pseudo-Matthäusevangelium (lat.): Marienlegende, Flucht nach Ägypten
Protoevangelium des Jokobus: Maria im Tempel, Jesu Geburt in der Höhle
vgl.: al-Qur'ân, Sure 3 und 19: Marias Nasirat im Tempel, Jesus "das Wort"
und Giotto di Bondone: Marienlegenden (Fresken der Arenakapelle in Padua, 1305)
"Der Zimmermann" in den apokryphen Kindheitsevangelien; Hiram und der Tempelbau
vgl.: "Zabulons Buch" im "Wartburgkrieg" / Parzival: Flegetanis , "ein Heide vaterhalb"
Die Berufe Jesu:  Zimmermann, Arzt, Lehrer; Hirte, König, Richter; Dichter, Gärtner, Priester
Nikodemus-Evangelium (Pilatusakten): die Höllenfahrt Christi, Befreiung Adams und Fesselung des Satans
Entfaltet der Sohn die Werke des Vaters in der Natur? (zum Lilienspruch Mtth 6,28 f) * ICH BIN der ICH BIN
+
Requiem: Dies irae
~
Evangeliar von Kells: Evangelistensymbole,
Evangelienanfänge und große Initialseiten
*
Jesaja : Berufung : Immanuel : Luzifers Sturz : der "köstliche Eckstein" : Gottesknecht und Messias
Jeremia : Berufung : Mandel=wachend : Die Braut : "Ich schaute" : Der wirkliche Gott : Selbstverfluchung : Zornwein
Hesekiel (Ezechiel, Jechesqel) : Berufung: Thronvision mit den Rädern (1,1-2,2)
Requiem: Dies irae * Daniel: Menschensohn
~
Genesis 1-11: Schöpfung, Paradies, Sündenfall, Kain und Abel, Toledot Adam, Arche, Sintflut, Ende der Flut, Bund
Messianische Psalmen: 2, 45 und 110 * Schöpfungspsalmen: 8 und 19 * 104 Großer Schöpfungspsalm
Passionspsalmen 22 und 24 * 23 – Der Hirte * 29 und 93 – Die Stimmen * 46 – Ich bin * 84 – Gottes Wohnungen
91 – Die Versuchung * 121 und 139 – Gottes allwissende Wachheit * Schöpfungsjubel: 148 und 150 – Hallelujah
Hiob 38-41 – "Wo warst du, als ich die Erde gründete?" : Sprüche 8,22 ff: Die Weisheit als Erstling der Schöpfung
Das Hohe Lied: "Wo ist denn dein Freund hingegangen, du Schönste?", "Morgenröte im Aufgang"
Qumran: Die apokalyptischen Geburtswehen der Passion * Jona
Perlenlied (Thomas-Akten) * Schatzhöhle (Apokryphon, spätantike Bibelparaphrase) * Heiliges Grab in Görlitz
*
"und es reute JHWH"Brief zu einigen Widersprüchen in der Bibel
~
Chândogya- & Kena-Upanishad * Rgveda * Vedânta * Yoga-Sûtra (sanskrit, deutsch)
al-Qur'ân: 16 frühmekkanische Suren * Sure 3: Jesus "das Wort" * Sure 24: Gott ist das Licht
Märchen von dem Machandelboom (Wacholderbaum) * Parzival/ Parsifal und der Gral
Schriftauslegung der Lebensschrift-Chiffre: Novalis, Die Lehrlinge zu Sais / Hymne / Astralis
Abu Hamid al-Ghazzali: das Schreibrohr * Das Lesen der Lebens-Chiffernschrift nach der Feuerprobe:
Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?
Die chymische Hochzeit des Christian Rosencreutz * Jakob Böhme: Morgenröte im Aufgang
Ovid, Metamorphoses 15: Pythagoras: der Phönix * Physiologus: Phoinix, Einhorn und Löwe
Platon: Sonnengleichnis * Aristoteles: Metaphysik L Boethius: zu SEIN * Proklos: das EINE
Marius Victorinus: drei Hymnen De Trinitate (lat., dt.) * liber de causis (arabisch, lat., dt.)
Sprüche des Sufi-Meisters Husain ibn Mansur al-Hallâj (Halladsch): "Ana'l-haqq" ("Ich = die Wahrheit")
Anselm von Canterbury: Monologion * Proslogion (fides quaerens intellectum) * Cur Deus homo
Thomas von Aquin: Summa Theologiae, prima pars qu.2: IST Gott? fünf Gottesbeweise (lat., dt.):
movens ipse amotum, efficiens primum, ESSE necessarium, perfectio, causa intelligens
Absolute Bewegungsursache, erste Verwirklichung, notwendiges SEIN, Vollkommenheit, Intelligenz
Meister Eckhart: Predigt "Iesus intravit in templum" (mhd./nhd.) * utrum in Deo sit idem esse et intelligere
Der LOGOS im Satzbauund in der naturdurchwaltenden Sprache
+
Mosaiken in Ravenna
Engel im Baptisterium in Florenz
Byzantinische Goldmosaiken in Hosios Loukas
Marienkrönung in der Apsis von Maria Mangiore (Rom)
Mosaik in der Apsis von San Clemente (Rom): Lebensbaum
Glasfenster in Chartres mit biblischen Motiven und Szenen
Mathis Nithart bzw. Gothart (Matthias Grünewald): Isenheimer Altar
Leonardo da Vinci: alle Gemälde (Hieronymus, Madonnen, Anna Selbdritt)
Raffaelo Santi: Disputa del Sacramento (Trinität und Eucharistie : Theologie)
Philipp Otto Runge : Die Zeiten : Der Morgen
Lichtgewebe : Marienschleier * Was ist Licht?
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Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken – Texte und Noten
ein Jahreszyklus von 18 Bibelsprüchen entfaltet in dreistimmigen Chorsätzen von Feire Fiz (Hans Zimmermann)
Der Wind weht wo er willein Kalender in zwölf atmosphärischen Liedern für Kinder
 
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Feire Fiz (Hans Zimmermann, Görlitz) : Quellensammlung in zwölf Sprachen : Weltreligionen : biblische Quellen
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