diho kai thuontes hebdomêi
tou Tubi mênos
ênkalousin aphixin Isidos ek Phoinikês
epiplattousi tois popanois hippon potamion
dedemenon
Daher die Opfernden auch am siebenten des Monats Tybi (Januar) bei
dem Feste,
welches die Ankunft der Isis aus Phönizien heißt,
auf die Opferkuchen das Bild eines gebundenen Flußpferdes setzen.
en d Apollônos polei nenomismenon
esti
krokodeilou phagein pantôs hekaston
êmerai de miai thêreusantes
hosous an dunôntai
kai kteinantes apantikru tou hierou
In der Stadt des Apollon ist es Sitte,
daß überhaupt ein jeder vom Krokodil ißt;
man fängt derselben an einem Tage soviele, als man kann,
tötet sie dann und wirft sie vor den Tempel,
proballousi kai legousin hôs ho Tuphôn
ton Hôron apedra krokodeilos genomenos
panta kai zôia kai phuta
kai pathê ta phaula kai blabera
Tuphônos erga kai merê <kai>
kinêmata poioumenoi
mit der Erklärung, Typhon sei in der Gestalt eines Krokodils dem
Horus entlaufen;
wie denn überhaupt alle schlechten und schädlichen Tiere,
Pflanzen und Zustände
für Werke, Glieder und Bewegungen des Typhon gelten.
51.
ton d Osirin au palin hophthalmôi
kai skêptôi graphousin
hôn to men tên pronoian emphainein
to de tên dunamin
Den Osiris dagegen bildet man ab durch ein Auge und einen Szepter;
jenes zeigt die Fürsehung an,
dieser die Macht;
hôs Homêros ton archonta kai
basileuonta pantôn Zên
hupaton kai mêstôra kalôn
[kai] eoike tôi men hupatôi
ton kratos autou
tôi de mêstôri
tên euboulian kai tên phronêsin sêmainein
so wie auch Homer, indem er den den Herrn und König von allem,
den Zeus,
den Höchsten und den Berater nennt,
mit dem einen Ausdrucke seine Macht,
mit dem anderen seine Klugheit und Einsicht anzudeuten scheint.
graphousi <de> kai hieraki ton theon
touton pollakis
eutoniai gar
hopseôs huperballei kai ptêseôs oxutêti
kai dioikein auton elachistêi
trophêi pephuke
Öfters stellt man auch diesen Gott durch einen Habicht dar.
Denn er zeichnet sich durch die Schärfe seines Gesichts und die
Schnelligkeit seines Flugs aus
und verdauet die Speisen sehr leicht;
legetai de kai nekrôn ataphôn
ommasi gên huperpetomenos epiballein
hotan de piomenos epi ton potamon kataiphêi
to pteron histêsin orthon
piôn de klinei touto palin
auch sagt man, er werfe bei seinem Fluge Erde auf die Augen unbeerdigter
Leichname.
Läßt er sich, um zu trinken, am Flusse nieder,
so erhebt er sein Gefieder aufrecht;
hat er getrunken, so läßt er es wieder nieder;
hôi dêlos esti sesôsmenos
kai diapepheugôs ton krokodeilon
an gar arpasthêi
menei to pteron hôsper estê
pepêgos
dadurch nämlich zeigt er an, daß er gerettet und dem Krokodil
entgangen ist;
denn wenn er eine Beute desselben wird,
so bleibt sein Gefieder aufrecht stehen, wie es vorher war.
pantachou de kai anthrôpomorphon
Osiridos agalma deiknuousin
exorthiazon tôi aidoiôi
dia to gonomon kai to trophimon
An allen Orten findet man auch Bilder des Osiris in menschlicher Gestalt
mit aufrecht stehendem Schamgliede,
wegen der zeugenden und ernährenden Kraft desselben;
ampechonêi de phlogoeidei
stellousin autou tas eikonas
hêlion sôma tês tagathou
dunameôs
[hôs] oraton ousias noêtês
hêgoumenoi
man bekleidet aber seine Bildsäulen mit einem feuerfarbenen Gewande,
weil die Sonne für den Körper der guten Macht,
für das Sichtbare der [unsichtbaren, nur] mit dem Geiste
zu erkennenden Wesenheit angesehen wird.
diho kai kataphronein axion esti
tôn tên hêliou sphairan
Tuphôni prosnemontôn
hôi lampron ouden oude
sôtêrion
oude taxis oude genesis
oude kinêsis metron
echousa kai logon
alla tanantia prosêkei
Aus diesem Grunde ist auch billig die Ansicht derjenigen zu verwerfen,
welche die Sonnenkugel dem Typhon zuschreiben,
da doch diesem nichts Glänzendes oder Heilbringendes,
keine Ordnung, keine Entstehung,
keine ordnungsmäßige und vernünftige Bewegung,
sondern das Entgegengesetzte [von diesem Allem] zukommt.
kai <xêrotêta kai> auchmon
hois phtheirei polla tôn zôiôn
kai blastanontôn
ouch hêliou theteon ergon
alla tôn en gêi
kai aeri mê kath hôran kerannumenôn pneumatôn kai
hudatôn
hotan hê tês ataktou kai ahoristou
dunameôs archê
plêmmelêsasa katasbesêi
tas anathumiaseis
Auch darf man eine Dürre,
welche viele Tiere und Pflanzen verdirbt,
nicht für ein Werk der Sonne ansehen,
sondern für ein Werk der auf der Erde und in der Luft zur Unzeit
gemischten Winde und Wasser,
wenn die ungeordnete und unbegrenzte Macht
ausschweift und so die Ausdünstungen vertilgt hat.
52.
en de tois hierois humnois tou Osiridos
anakalountai
ton en tais ankalais kruptomenon tou Hêliou
In den heiligen Liedern wird Osiris angerufen
als der Gott, welcher in den Armen der Sonne verborgen ist;
kai têitriakidi tou Epiphi
mênos eortazousin hophthalmôn Hôrou genethlion
hote selênê kai êlios
epi mias eutheias gegonasin
hôs ou monon tên selênên
alla kai ton hêlion omma tou Hôrou kai phôs hêgoumenoi
am 30. des Monats Epiphi feiert man das Geburtsfest der Augen des Horus,
wenn Mond und Sonne in einer geraden Linie stehen,
weil sie nicht bloß den Mond, sondern auch die Sonne für
das Auge und für das Licht des Horus halten.
têi de ogdoêi
phthinontos tou Phaôphi bartêrias hêliou
genethlion agousi meta phthinopôrinên
isêmerian
emphainontes hoion hupereismatos deisthai
kai rôseôs tôi
te thermôi gignomenon endea kai tôi phôti
[endea]
klinomenon kai plagion aph hêmôn
pheromenon
Am 23. des Monats Phaophi nach der Herbstgleiche
wird das Geburtsfest der Sonnenstäbe gefeiert,
womit angedeutet werden soll, daß die Sonne gleichsam einer Stütze
und Stärkung bedürfe,
weil sie an Wärme und Licht abnimmt,
sich neigt und von uns in schräger Richtung entfernt.
eti de tên boun hupo tropas cheimerinas
heptakis peri ton naon tou hêliou peripherousi
kai kaleitaizêtêsis Osiridos
hê peridromê
to hudôr cheimônos tês
theou pothousês
tosautakis de periiasin
hoti tên apo tropôn cheimerinôn
epi tropas therinas parodon hebdomôi mêni sumperainei
Überdem führt man zur Zeit der Winterwende eine Kuh siebenmal
um den Sonnenempel herum,
und nennt den Umlauf der Sonne das Aufsuchen des Osiris,
weil die Göttin [Isis] im Winter sich nach Wasser sehnt;
siebenmal aber gehen sie herum,
weil die Sonne ihren Umlauf von der Winterwende zur Sommerwende im
siebenten Monat vollendet.
legetai de kai thusai tôi
Hêliôi tetradi mênos histamenou pantôn
prôtos Hôros ho Isidos
hôs en tois epigraphomenois Genethliois
Hôrou gegraptai
Es soll aber Horus, der Sohn der Isis, am vierten Tage eines jeden
Monats
der Sonne zuerst geopfert haben,
wie in dem Buche, welches überschrieben ist: Geburtsfest des Horus,
bemerkt ist.
kai mên hêmeras hekastês
trichôs epithumiôsi tôi Hêliôi
rêtinên men hupo tas anatolas
smurnan de mesouranounti
tôi de kaloumenon kuphi
peri dusmas
Auch räuchern sie der Sonne dreimal an jedem Tage,
am Sonnenaufgang Gummi,
am Mittag Myrrhen,
und am Abend das sogenannte Kyphi;
hôn hekaston hon echei logon
husteron aphêgêsomai
was der Grund von jedem einzelnen ist,
werde ich später angeben.
ton de hêlion pasi toutois prostrepetai
kai therapeuein oiontai
Durch dies alles glaubt man der Sonne Dienst und Verehrung zu erweisen.
kai ti dei polla toiauta sunagein
eisi gar hoi ton Osirin antikrus hêlion
einai
kai onomazesthai Seirion huph Hellênôn
legontes
ei kai par Aiguptiois hê protesis tou arthrou
tounoma pepoiêken amphignoeisthai
Indes ist es überflüssig, hier viele Zeugnisse zusammenzustellen,
da manche den Osiris geradezu für die Sonne erklären
und Sirius für die griechische Benennung ausgeben,
obschon bei den Ägyptern der vorgesetzte Artikel den Namen unkenntlich
gemacht hat.
tên d Isin ouch heteran tês selênês
apophainontes
hoten kai tôn agalmatôn autês
ta men kerasphora tou mênoeidous gegonenai mimêmata
tois de melanostolois emphainesthai tas krupsêis
tas tous periskiasmousen
hois dôkei pothousa ton hêlion
Die Isis erklären sie dann für einerlei mit dem Monde
und die Hörner an ihren Bildern für Nachbildungen der Mondsgestalt;
die schwarze Kleidung soll das Verbergen und die Beschattung desselben
anzeigen,
in welchen der Mond mit Sehnsucht der Sonne nachgeht.
diho kai pros ta erôtika tên Selenên
epikalountai
kai tên Isin Eudoxos phêsi brabeuein
ta erôtika
Deshalb ruft man auch den Mond in Liebesangelegenheiten an,
und Isis ist nach des Eudoros Versicherung in solchen Dingen Richterin.
kai toutois men hamôsgepôs tou pithanou
metesti
tôn de Tuphôna poiountôn ton
hêlion oud akouein axion
Es liegt nun allerdings in dieser Behauptung einige Wahrscheinlichkeit,
während die andere, wonach Typhon die Sonne sein soll, kein Gehör
verdient;
all hêmeis authis ton oikeion logon analabômen.
deshalb will ich zur eigentlichen Untersuchung zurückkehren.
53.
hê gar Isis esti men to tês
phuseôs thêlu kai dektikon hapasês geneseôs
katho tithênê kai pandechês
hupo tou Platônos
hupo de tôn pollôn muriônumos
keklêtai
dia to pasas hupo tou logou trepomenê
morphas dechesthai kai ideas
Isis ist das Weibliche in der Natur, das alle Erzeugung in sich aufnimmt;
weshalb sie von Platon als Amme und alles Befassende,
von den meisten aber als die Tausendnamige bezeichnet worden ist,
weil sie von den vernünftigen Wesen alle Gestalten und Formen
annimmt;
echei de sumphuton erôta tou prôtou
kai kuriôtatou pantôn
ho tagathôi tauton esti
kakeino pothei kai diôkei
tên d ek tou kakou pheugei kai diôtheitai
moiran
amphoin men ousa chôra kai hulê
repousa d aei pros to beltion
die Natur hat ihr eine Liebe eingepflanzt zu dem Ersten und Höchsten
von Allem,
welches mit dem Guten dasselbe ist;
nach diesem hat sie ein Verlangen, nach diesem sehnt sie sich,
den Anteil vom Bösen hingegen meidet sie und stößt
ihn von sich ab,
indem sie zwar für beide Raum und Materie ist,
jedoch stets zum Besseren sich von selbst hinneigt
kai parechousa gennan ex heautês
ekeinôi kai kataspeirein
eis heautên aporroas kai homoiotêtas
hais chairei
kai gegêthe kuiskomenê kai
hupopimplamenê tôn geneseôn
und jenes Abflüsse und Ähnlichkeiten in sich erzeugen und
säen läßt,
weil sie daran ihre Freude hat,
und überhaupt sich gerne befruchten und mit sich anfüllen
läßt.
eikôn gar estin ousias <ê>
en hulêi genesis
kai mimêma tou ontos to ginomenon
Denn die Entstehung ist ein Bild der Wesenheit in der Materie
und das Entstandene eine Nachbildung des Wesens.
54.
hothen ouk apo tropou muthologousi tên
Osiridos psuchên aidion einai kai aphtharton
to de sôma pollakis diaspan kai aphanizein
ton Tuphôna
tên d Isin planômenên
kai zêtein kai sunharmottein palin
Es ist daher nicht unpassend, wenn in der Mythologie des Osiris Seele
ewig und unvergänglich ist,
sein Körper aber von Typhon oftmals zerstückelt und zernichtet
wird,
Isis dann umherirrend ihn aufsucht und wieder zusammensetzt.
to gar on kai noêton kai agathon
phthoras kai metabolês kreitton estin
as d ap autou to aisthêton kai sômatikon
eikonas ekmattetai
kai logous kai eidê kai homoiotêtas
analambanei
kathaper en kêrôi
sphragides ouk aei diamenousin
alla katalambanei to atakton autas
kai tarachôdes
entautha tês anô chôras
apelêlamenon kai machomenon pros ton Hôron
hon hê Isis eikona tou noêtou
kosmon aisthêton onta gennai
Denn das, was wahrhaft ist, was geistig und gut ist,
unterliegt weder dem Untergange noch der Veränderung;
hingegen das Sinnliche und Körperliche drückt von demselben
Bilder ab
und nimmt Verhältnisse, Gestalten und Ähnlichkeiten an,
die aber, gleich den in Wachs eingedrückten Siegeln, von keinem
Bestande sind,
sondern der Unordnung und Verwirrung unterliegen,
welche aus der oberen Gegend vertrieben und mit Horus im Streite begriffen
ist,
den die Isis als sichtbares Bild der geistigen Welt gebiert.
diho kai dikên pheugein legetai notheias
hupo Tuphônos
hôs ouk ôn katharos oud eilikrinês
hoios ho o patêr
logos autos kath heauton amigês kai
apathês
alla nenotheumenos têi
hulêi dia to sômatikon
Deshalb wird er auch, nach diesem Mythos, von Typhon der unechten Abstammung
beschuldigt,
weil er nicht rein und lauter sei, wie sein Vater,
der unvermischte, von aller Veränderung freie, reine Verstand,
sondern wegen des Körperlichen durch die Materie verfälscht
ist.
periginetai de kai nikai tou Hermou
toutesti tou logou marturoutos kai deiknuontos
hoti pros to noêton hê phusis
metaschêmatizomenê ton kosmon apodidôsin
Er überwindet und siegt aber, weil Hermes, d.i. die Vernunft,
für ihn Beweis und Zeugnis liefert,
daß die sichtbare Welt von Natur nach dem Geistigen gebildet
werde.
hê men gar eti tôn theôn
en gastri tês Reas ontôn
ex Isidos kai Osiridos legomenê genesis
Apollônos ainittetai to prin ekphanê
genesthai tonde ton kosmon
kai suntelesthênai tôi
logôi
tên hulên * phusei elenchomenên
ep autên atelê
tên prôtên genesin exenenkein
Denn die Abstammung des Apollon von Isis und Osiris,
als sie noch im Mutterleibe der Rhea waren, bedeutet,
daß, noch ehe diese Welt sichtbar und durch die Vernunft vollendet
war,
die Materie, die allein für sich ihrer Natur nach
sich als unvollkommen ausweist,
die erste Geburt hervorgebracht.
diho kai phasi ton theon ekeinon anapêron
hupo skotôi genesthai
kai presbuteron Hôron kalousin
ou gar ên kosmos all eidôlon
ti kai kosmou phantasma mellontos
Deshalb ist auch, nach dieser Erzählung, jener Gott in der Finsternis
geboren worden
und heißt der ältere Horus.
Denn er war nicht die Welt, sondern ein Bild und eine Vorstellung der
künftigen Welt.
55.
ho d Hôros houtos autos estin hôrismenos
kai teleios
ouk anêirêkôs
ton Tuphôna pantapasin
alla to drastêrion kai ischuron autou
parêirêmenos
Dieser Horus aber ist selbst begrenzt und vollkommen,
er hat den Typhon nicht gänzlich vernichtet,
sondern ihm bloß seine Heftigkeit und Kraft benommen;
hothen en Koptôi to agalma
tou Hôrou legousin
en têi heterai
cheiri Tuphônos aidoia katechein
kai ton Hermên muthologousin
exelonta tou Tuphônos ta neura chordais
chrêsasthai
didaskontes hôs to pan ho logos diharmosamenos
sumphônon ex asmphônôn
merôn epoiêse
kai tên phthartikên ou apôlesen
all anepêrôse dunamin
daher zu Koptos, wie man erzählt, des Horus Bild
in der einen Hand die Schamteile des Typhon hält,
und Hermes nach der ägyptischen Mythologie
die Nerven des Typhon ausgeschnitten und zu Saiten gebraucht hat,
anzudeuten, daß der alles ordnende Verstand
aus unharmonischen Teilen eine Harmonie gebildet
und die verderbliche Natur nicht zerstört, sondern vervollkommnet
hat.
hothen ekeinê men asthenês
kai adranês entautha
phuromenê kai prosplekomenê
tois pathêtikois kai metabolikois mêresi
seismôn men en têi
kai tromôn
auchmôn d en aeri kai pneumatôn
atopôn
authis de prêstêrôn kai
keraunôn dêmiourgos esti
Daher jene schwach und kraftlos ist,
weil sie vermischt und verbunden mit dem ist, was mannigfacher Veränderung
unterworfen ist,
und darum Erdbeben auf der Erde, Erschütterungen,
Trockenheit in der Luft, heftige Winde,
Orkane und Blitze hervorbringt.
pharmattei de kai loimois hudata kai pneumata
kai mechri selênês anatrechei
kai anachaitizei suncheousa kai
melainousa pollakis to lampron
Sie verdirbt Wasser und Winde durch Pest
und dringt selbst bis zum Mond,
indem sie oftmals seinen Glanz bedeckt und schwärzt,
hôs Aiguptioi nomizousi kai legousin
hoti tou Hôrou nun men epataxe
nun d exelôn katepien ho Tuphôn
ton ophthalmon
eita tôi Hêliôi
palin apedôke
wie die Ägypter glauben und deshalb auch erzählen,
Typhon habe das Auge des Horus entweder ausgeschlagen,
oder das ausgeschlagene Auge verschluckt
und darauf der Sonne wieder zurückgegeben;
plêgên men ainittomenoi tên
kata mêna meiôsin tês selênês
pêrôsin de tên echleipsin
hên ho hêlios iatai
diaphugousêi tên
skian tês gês euthus antilampôn
unter dem Schlagen verstehen sie die monatliche Abnahme des Mondes,
unter der Verstümmelung die Verfinsterung, welcher die Sonne abhilft,
indem sie dem Monde, wenn er dem Schatten der Erde entgangen ist, entgegenstrahlt.
56.
hê de kreittôn kai theiotera
phusis ek triôn esti
tou noêtou kaitês hulês
kai tou ek toutôn
hon kosmon Hellênes onomazousin
Die bessere und göttlichere Natur besteht aus dreien:
dem Geistigen, der Materie und dem daraus Gebildeten,
was die Griechen Kosmos (Schmuck) nennen.
ho men oun Platôn to men noêton
kai idean kai paradeigma kai patera
tên d hulên kai mêtera
kai tithênên hedran te kai chôran geneseôs
to d ex amphoin engonon kai genesin onomazein
eiôthen
Platon pflegt das Geistige Idee, Muster und Vater,
die Materie aber Mutter und Amme, Sitz und Raum der Geburt,
das aus beiden Kommende Geburt und Entstehung zu nennen.
Aiguptious d an tis eikaseie tôn
trigônôn to kalliston <timan>
malista toutôi tên
tou pantos phusin homoiountas
Es haben aber wahrscheinlicherweise die Ägypter
die Natur des Weltalls zunächst unter dem Bilde des schönsten
Dreiecks sich gedacht;
hôs kai Platôn en têi
politeiai dokei toutôi
proskechrêsthai
to gamêlion diagramma suntattôn
auch Platon in der Schrift vom Staate scheint dieses Bild gebraucht
zu haben,
da, wo er ein Gemälde des Ehestandes entwirft.
echei d ekeino to trigônon triôn
tên pros orthian kai tettarôn
tên basin
kai pente tên hupoteinousan
ison tais periechousais dunamenên
Dieses Dreieck enthält den aufrecht stehenden Teil von drei Seiten,
eine Grundlinie von vier Seiten
und eine Hypotenuse von fünf Seiten,
welche ebensoviel enthält als die umgebenden Seiten.
eikasteon oun tên men pros orthian
arreni
tên de basin thêleiai
tên d hupoteinousan amphoin engônôi
kai ton men Osirin hôs archên
tên d Isin hôs hupodochên
ton d Hôron hôs apotelesma
Man kann nun die senkrecht stehende Linie mit dem Männlichen,
die Grundlinie mit dem Weiblichen,
die Hypotenuse mit dem aus beiden Geborenen vergleichen
und sonach den Osiris als den Ursprung,
die Isis als Empfängnis
und den Horus als die Geburt denken.
ta men gar tria prôtos perissos esti
kai teleios
ta de tettara tetragônos apo pleuras
artiou tês duadas
ta de pente pê men tôi
patri pê de têi mêtri proseoiken
ek triados sunkeimena kai duados
Denn die Dreizahl ist die erste ungerade und vollkommene Zahl,
die Vierzahl ist ein Viereck von der geraden Seite der Zweizahl,
die Fünfzahl ist einerseits dem Vater, andererseits der Mutter
ähnlich,
weil sie aus der Dreizahl und Zweizahl gebildet ist.
kai ta panta tôn pente gegone parônuma
kai to arithmêsasthai pempasasthai
legousi
Das All [panta] hat aber gleichen Namen mit der Fünf [pente]
und zählen heißt pempasasthai.
poiei de tetragônon hê pentas
aph heautês
hoson tôn grammatôn par Aiguptiois
to plêthos esti
kai hosôn eniautôn ezê
chronon ho Apis
Die Fünfzahl schafft aus sich das Viereck,
mit ebensovielen Zahlen als die Anzahl der ägyptischen Buchstaben
beträgt
und die Dauer der Lebensjahre des Apis.
ton men oun Hôron eiôthasi
kai Min prosagoreuein
hoper estin horômenon
aisthêton gar kai horaton ho kosmos
Den Horus pflegt man (Kai-) Mis zu nennen,
welches Gesehenes bedeutet,
weil die Welt etwas durch die Sinne Erkennbares und Sichtbares ist.
hê d Isis estin hote kai Mouth
kai palin Athuri ka Methuer prosagoreuetai
Isis wird aber bisweilen auch Muth
oder auch Athyri und Methuer genannt;
sêmainousi de tôi
men prôtôi tôn onomatôn mêtera
tôi de deuterôi
oikon Hôrou kosmion
hôs kai Platôn chôran
geneseôs kai dexamenên
to de triton suntheton estin ek te tou
plêrous kai tou aitiou
der erste Name bedeutet Mutter,
der andere Welthaus des Horus,
wie auch Platon diese Göttin den Raum der Entstehung und das Behältnis
genannt hat,
der dritte ist aus der Fülle und der Ursache zusammengesetzt.
plêrês gar estin hê hulê
tou kosmou
kai tôi agathôi
kai katharôi kai kekosmêmenôi sunestin
Denn die Materie der Welt ist voll Schmucks
und mit dem Guten, Reinen und Geordneten verbunden.
57.
doxeie d an isôs kai ho Hêsiodos
ta prôta pantôn Chaos kai Gên
kai Tartaron kai Erôta poiôn
ouch heteras lambanein archas
alla tautas
Auch Hesiodos,
indem er Chaos, Erde, Tartaros und Liebe als die allerersten Dinge
setzt,
hat, wie es scheint, keine verschiedenen,
sondern dieselben Grundwesen angenommen;
<ei> ge dê tôn onomatôn
têi men Isidi to tês Gês
tôi d Osiridi to tou Erôtos
tôi de Tuphôni to
tou Tartarou metalambanontes pôs apodidomen
to gar Chaos dokei xôran tina kai
topon tou pantos hupotithesthai
wenn wir nämlich die Namen umtauschen und statt Erde Isis,
statt Liebe Osiris,
statt des Tartaros Typhon setzen.
Chaos scheint dann einen Raum und Ort des Weltalls zu bedeuten.
proskaleitai de kai ton Platônos
hamôsgepôs ta pragmata muthon
hon Sôkratês en Sumposiôi
peri tês tou Erôtos geneseôs diêlthe
Es führt uns dieser Gegenstand auch in gewisser Hinsicht auf den
platonischen Mythos,
den Sokrates im Gastmahl über die Entstehung
der Liebe erzählt.
tên Penian legôn teknôn
deomenên tôi Porôi katheudonti
praklithênai
kai kuêsasan ex autou tekein ton
Erôta
phusei mikton onta kai pantodapon
ate dê patros men agathou kai sophou
kai pasin autarkous
mêtros d amêchanou kai aporou
kai di endeian aei glichomenês heterou
kai peri heteron liparousês gegenêmenon
Die Armut, sagt er, wünschte sich Kinder und schlief deshalb bei
dem Reichtum [Poros];
sie ward von ihm schwanger und gebar den Eros [Liebe],
dessen Natur gemischt und vielfach ist,
insofern von einem guten und weisen und mit allem zur Genüge versehenen
Vater,
aber von einer dürftigen und armen Mutter abstammt,
die aus Mangel stets nach etwas anderem verlangt
und um etwas anderes bittet.
ho gar Poros ouch heteros esti
tou prôtôs eratou kai ephetou
kai teleiou kai autarkous
Penian de tên hulên proseipen
endea men ousan autên kath heautên tou agathou
plêroumenên d hup autou kai
pothousan aei kai metalambanousan
Der Reichtum ist nämlich nichts anderes,
als das erste Liebenswürdige, Erstrebenswerte, Vollkommene und
Selbstgenügende;
die Armut stellt dann die Materie dar, welche an und für sich
des Guten bedürftig ist,
von ihm erfüllt wird, nach ihm stets sich sehnt und zur Teilnahme
zu gelangen sucht.
ho de genomenos ek toutôn kosmos
kai Hôros
ou aidios oud apathês oud aphthartos
all aeigenês ôn
mêchanatai tais tôn
pathôn metabolais kai periodois
aei neos kai mêdepote phtharêsomenos
diamenein
Das aus diesen Geborene ist die Welt, Horus,
der weder ewig noch unveränderlich, noch unvergänglich ist,
sondern stets geboren wird
und durch die Veränderung in seinem Zustande und durch die Umläufe
sich stets neu und dadurch vor dem Untergange zu erhalten sucht.
58.
chrêsteon de tois muthois ouch hôs
logois pampan ousin
alla to prosphoron hekastou [to] kata tên
homoiotêta lambanontas
Man darf indes diese Mythen durchaus nicht als wahre Erzählungen
behandeln,
sondern man muß bei jeder sich an das halten, was in Absicht
auf seine Ähnlichkeit dienlich ist.
hotan oun hulên legômen
ou dei pros etiôn philosophôn
doxas apopheromenous apsuchon ti sôma
kai apoion argon te kai aprakton ex eautou
dianoeisthai
Wenn wir nun von Materie reden,
so darf man sich darunter nicht nach der Ansicht einiger Philosophen
einen seelenlosen, formlosen, müßigen und von sich selbst
untätigen Körper vorstellen.
kai gar elaion hulên murou kaloumen
kai chruson agalmatos
ouk onta pasês erêma poiotêtos
autên te tên psuchên
kai tên dianoian tou anthrôpou
hôs hulên epistêmês
kai aretês tôi logôi kosmein kai
ruthmizein parechomen
Wir nennen ja auch das Öl Materie [Stoff] des Balsams und das
Gold Materie der Bildsäule,
obschon beide Dinge keineswegs formlos sind;
die Seele selbst aber und die Denkkraft des Menschen
geben wir, als die Materie der Wissenschaft und Tugend, der Vernunft
zum Bilden und Ordnen.
ton te noun enioi topon eidôn apephênanto
kai tôn noêtôn hoion
ekmageion
enioi de kai to sperma tês gunaikos
ou dunamin oud archên
hulên de kai trophên geneseôs
einai doxazousin
Auch bezeichnen einige den Verstand als den Raum der Formen
und gleichsam als die Abdrucksmasse des Erkennbaren;
manche halten sogar den Samen der Frau nicht für eine Kraft oder
Prinzip,
sondern für die Materie und Nahrung der Erzeugung.
hôn echomenous chrê kai tên
theon tautên houtô dianoeisthai
tou prôtou theou metalanchanousan
aei kai sunousan
erôti tôn peri ekeinon agathôn
kai kalôn
ouch hupenantian
Daran müssen wir uns nun halten und uns demnach auch diese Göttin
so vorstellen,
daß sie mit dem ersten Gott stets in Verbindung ist und mit ihm
Umgang hat
aus Verlangen nach seinem Gut-Sein und Schön-Sein,
nie aber ihm entgegen ist;
all hôsper
andra nomimon kai dikaion eran
an dikaiôs sunêi
ja, wie wir sagen,
Daß sie ihren richtigen rechtmäßigen Gatten liebe,
heiße: Daß sie wohl auf gerechte Weise mit ihm zusammen
lebe,
kai gunaika chrêstên echousan
andra kai sunousan
homôs pothein legomen
houtôs aei glichomenên ekeinou
kai peri ekeinon liparousan
kai anapimplamenên tois
kuriôtatois meresi kai katharôtatois
und wie wir von einer tüchtigen Frau, die einen Mann hat und mit
ihm verkehrt,
sagen, daß er genau so begehre
sie, die immer nach jenem verlangt und an jenem festhält
und von Anteilnahme an seinen herrschaftlichsten und reinsten Funktionen
erfüllt ist.
59.
hopou d ho Tuphôn parempiptei tôn
eschatôn haptomenos
entautha dokousan episkuthrôpazein
kai penthein legomenên
kai leipsan atta kai
sparagmata tou Osiridos anazêtein
kai stolizein hupodechomenên ta phtheiromena
kai apokruptousan
hoisper anaphthinei palin ta ginomena kai
anhiêsin ex heautês
Wo aber Typhon sich eindrängt und die äußersten Teile
berührt,
da scheint sie eine betrübte Miene anzunehmen und dann trauert
sie, wie man sagt;
sie sucht dann die Reste des zerstückelten Osiris wieder auf
und bekleidet sie, indem sie das, was zugrunde geht, in sich aufnimmt
und verbirgt,
so wie sie hinwiederum das, was entsteht, aufdeckt und aus sich hervorsendet.
hoi men gar en ouranôi
kai astrois logoi kai eidê kai aporroai tou theou menousi
ta d en tois pathêtikois diesparmena
gêi kai thalattêi
kai phutois kai zôiois dialuomena
kai phtheiromena kai thaptomena
[kai] pollakis authis eklampei kai anaphainetai
tais genesesi
Denn am Himmel und an den Sternen bleiben die Verhältnissse, Gestalten
und Ausflüsse der Gottheit,
was aber unter die der Veränderung unterworfenen Dinge,
als Erde, Meer, Pflanzen und Tiere zerstreut ist,
und darum untergeht und begraben wird,
das kommt oftmals wiederum durch die Geburt zum Vorschein.
diho ton Tuphôna têi
Nephthui sunoikein phêsin ho muthos
ton d Osirin krupha sungenesthai
Deswegen ist nach dem Mythos Nephthys die Gattin des Typhon;
Osiris aber habe ihr heimlich beigewohnt.
ta gar eschata merê tês hulês
a Nephthun kai Teleutên kalousin
hê phthartikê malista katechei
dunamis
hê de gonomos kai sôtêrios
asthenes sperma kai amauron
eis tauta diadidôsin apollumenon
hupo tou Tuphônos
plên hoson hê Isis hupolambanousa
sôizei kai trephei kai sunhistêsi
Denn die äußersten Teile der Materie, welche man Nyphthys
und Teleute [Ende] nennt,
sind am meisten der vernichtenden Kraft ausgesetzt;
die erzeugende und erhaltende Kraft teilt ihnen nur einen schwachen,
ohnmächtigen Samen mit,
der von Typhon zernichtet wird,
mit Ausnahme dessen, was die Isis aufnimmt, erhält, ernährt
und bildet.
60.
katholou d ameinôn houtos estin
hôsper kai Platôn huponeoi
kai Aristotelês
Überhaupt ist Osiris der Vorzüglichere,
wie auch Platon und Aristoteles andeuten.
kineitai de tês phuôseôs
to men gonimon kai sôtêrion ep auton
kai pros to einai
to d anairetikonkai phthartikon ap autou
kai pros to mê einai
Es bewegt sich die erzeugende und erhaltende Kraft der Natur zu ihm
und zu dem [wahren] Sein;
die zerstörende und vernichtende Kraft aber
wird durch ihn zum Nichtsein bewegt.
diho to men Isin kalousin para to iesthai
met epistêmês kai pheresthai
kinêsin ousan empsuchon kai pronimon
Deshalb heißt auch jene Kraft Isis, weil sie mit Wissen geht
und betrieben wird,
und selbst eine beseelte und verständige Bewegung ist.
ou gar esti tounoma barbarikon
all hôsper tois theois pasin
apo duein rêmatôn
tou theatou kai tou theontos estin onoma
koinon
houtô tên theon tautên
apo tês epistêmês hama kai tês kinêseôs
Isin men hêmeis Isin d Aiguptioi
kalousin
Denn der Name Isis ist durchaus nicht ausländisch,
sondern, wie alle Götter [theoi] den gemeinschaftlichen Namen
[Götter]
vom Sichtbaren [thealon] eben so wohl als vom Laufenden [theon] besitzen,
so wird auch diese Göttin so wohl dem Wissen als der Bewegung
nach
bei uns wie bei den Ägyptern Isis genannt.
houtô de kai Platôn phêsi
tên ousian dêloun[tos] tous palaious Isian kalountas
So sagt auch Platon, daß die Alten für Ousia [Wesenheit] Isia
gesagt,
houtô kai tên noêsin
kai tên phronêsin
hôs nou phoran kai kinêsin
ousan iemenou kai pheromenou
kai to sunhienai kai tagathon holôs
kai aretên epi tois euroousi kai
theousi thesthai
eben so Noesis [Einsicht] und Phronesis [Klugheit]
als ein Treiben und eine Bewegung des Verstandes,
der in Bewegung gesetzt und angetrieben wird,
eben so auch Synhienai [verstehen] und Agathon [das Gute]
und Arete [Tugend] von dem, was erfindet und läuft;
kathaper au palin tois antiphônousin
onomasi loidoreisthai ta kakon
to tên phusin empodizon kai sundeon
kai ischon kai kôluon hiesthai kai ienai
kakian aporian
deilian anian prosagoreuontas
so wie hinwiderum mit den entgegengesetzten Namen das Böse,
das der Natur im Wege steht, sie bindet, abhält und verhindert,
bewegt zu werden und zu gehen,
gleichsam zum Schimpf Kakia [Bosheit], Aporia [Verlegenheit]
Deilia [Feigheit] und Ania [Kummer] genannt wird.
61.
ho d Osiris ek tou hosiou <kai> hierou
tounoma memigmenon eschêke
koinos gar esti tôn en ouranôi
kai tôn en Haidou logos,
hôn ta men hiera ta d hosia tois
palaiois <ethos> ên prosagoreuein
Der Name Osiris ist aus hosios und hieros zusammengesetzt;
denn die Dinge im Himmel und die in der Unterwelt stehen in einer gemeinsamen
Verbindung;
die einen hießen bei den Alten Hiera, die anderen Hosia.
ho de anaphainôn ta ouranian kai
tôn anô pheromenôn logos Anoubis estin
hote kai Hermanoubis onomazetai
to men hôs tois anô to d hôs
tois katô proshêkôn
Der aber, der die himmlischen Dinge sichtbar macht und der Grund der
oben schwebenden ist, wird Anubis,
bisweilen auch Hermanubis genannt,
von welchen Benennungen die eine der oberen, die andere der unteren
Welt zukommt.
diho kai thuousin autôi
to men leukon alektruona
to de krokian ta men eilikrinê kai
phana
ta de mikta kai poikila nomizontes
Man opfert ihm deshalb auch bald einen weißen, bald einen gelben
Hahn;
bei dem einen ist die Beziehung auf das Lautere und Glänzende,
bei dem anderen auf das Gemischte und Bunte.
ou dei de thaumazein tôn onomatôn
tên eis to Hellênikon anaplasin
Man darf sich indes über die Bildung dieser Wörter nach dem
Griechischen nicht wundern.
kai gar alla muria tois methistamenois
ek tês Hellados sunekpesonta
mechri nun parameinai kai xeniteuei par
heterois
hôn enia tên poiêtikên
anakaloumenên diaballousin
hôs barbarizousan hoi glôttas
ta toiauta prosagoreuontes
Denn auch unzählige andere Namen, welche mit den aus Griechenland
Ausgewanderten zugleich weggegangen,
sind bis jetzt, obschon fremd, bei anderen Völkern geblieben;
einige davon wurden in die Poesie aufgenommen, die deshalb von denen,
die solche Ausdrücke Glossen nennen, der Barbarei beschuldigt
wird.
en de tais Hermou legomenais biblois historousi
gegraphthai peri tôn hierôn onomatôn
hoti tên men epi tês tou hêliou
periphorastetagmenên dunamin Hôron
Hellênes d Apollôna kalousi
In den angeblichen Büchern des Hermes soll über die heiligen
Namen bemerkt sein,
daß die über den Umlauf der Sonne gesetzte Kraft Horus,
bei den Griechen aber Apollon heiße;
tên d epi tou pneumatos hoi men Osirin
hoi de Sarapin *** hoi de Sôthin
Aiguptisti
sêmaine <de> kuêsin ê
to suein
die über den Wind gesetzte Kraft Osiris,
bei anderen Sarapis, bei anderen Sothis,
welches Schwangerschaft [Kyesis] oder Schwangersein [kyein] bedeutet;
diho kai paratropês genomenês
tou onomatos Hellênisti kuôn keklêtai to astron
hoper idion tês Isidos nomizousin
daher auch in Folge einer hier stattgefundenen Verdrehung auf Griechisch
Kyon [Hund] genannt wird.
was doch das der Isis eigene Gestirn sein soll.
hêkista men oun dei philotimeisthai
peri tôn onomatôn
ou mên alla mallon hupheimên
an tou Sarapidos Aiguptiois ê tou Osiridos
ekeino men [oun] xenikon touto d Hellênikon
amphô d henos theou kai mias dunameôs
hêgoumenos
Man soll nun zwar durchaus nicht über diese Namen streiten;
indessen möchte ich doch den Ägyptern eher den Namen Sarapis
als Osiris lassen,
weil ich jenen für fremd und diesen für griechisch,
beide aber für Benennungen einer Gottheit und einer Kraft halte.
62.
eoike de toutois kai ta Aiguptia
Auch die Sitte der Ägypter hat damit eine Ähnlichkeit.
tên men gar Isin pollakis tôi
tês Athênas onomati kalousi
phrazonti toiouton logon "êlthon-ap-emautês"
hoper estin autokinêtou phoras dêlôtikon
Denn die Isis benennen sie oftmals mit dem Namen der Athene,
welcher wie jener eine freie Bewegung bedeutet.
ho de Tuphôn hôsper eirêtai
Sêth kai Bebôn kai Smu onomazetai
biaion tina kai kôlutikên epischesin
<ê tin> hupenantiôsin ê
anastrophên emphainein boulomenôn tôn onomatôn
Typhon aber heißt, wie bemerkt wurde, Seth, Bebon und Smy;
lauter Namen, womit eine gewaltsame und hemmende Abhaltung,
ein sich Entgegensetzen oder eine Verkehrung bezeichnet werden soll.
eti tên sidêritin lithon osteon
Hôrou
Tuphônos de ton sidêron
hôs historei Manethôs kalousin
Der Magnet heißt des Horus Knochen,
das Eisen des Typhon Knochen,
wie Manetho erzählt.
hôsper gar ho sidêros pollakis
men
helkomenôi kai hepomenôi
pros tên lithon homoios esti
pollakis d apostrephetai kai apokrouetai
pros tounantion
houtôs hê sôtêrios
kai agathê kai logon echousa tou kosmou kinêsis epistrephei
*
tote kai prosagetai kai malakôteran
poiei peithousa tên sklêran ekeinên kai tuphôneion
eit authis anaschetheisa eis heautên
anestrepse kai katedusen eis tên aporian
Denn wie das Eisen manchmal aussieht wie etwas,
das von einem Steine sich fortziehen läßt und ihm folgt,
manchmal aber sich von ihm wegwendet und die entgegengesetzte Richtung
einschlägt,
so sucht auch die heilbringende, gute und vernünftige Bewegung
der Welt
jene rauhere und typhonische Kraft wie durch gute Worte an sich zu
ziehen und weicher zu machen;
dann aber kehrt sie wieder in sich selbst zurück und versinkt
ins Unausgerichtete.
eti phêsi peri tou Dios ho Eudoxos
muthologein Aiguptious
hôs tôn skelôn sumpephukotôn
autôi mê dunamenos badizein
hup aischunês <en> erêmiai
dietriben
hê d Isis diatemousa kai diastêsasa
ta merê tauta tou sômatos
artipoda tên
poreian pareschen
Vom Zeus aber, wie Eudoros erzählt, fabeln die Ägypter,
daß er, weil seine Schenkel zusammengewachsen waren, nicht gehen
konnte
und, weil er sich dessen schämte, in Einsamkeit lebte;
daß dann Isis diese Glieder des Körpers voneinander gelöst
und getrennt,
um ihm dadurch wieder zum Gebrauche seiner Füße zu verhelfen.
ainittetai de kai dia toutôn ho muthos
hoti kath heauton ho tou theou nous kai
logos en tôi ahoratôi kai aphanei bebêkôs
eis genesin hupo kinêseôs proêlthen
Dieser Mythos deutet an,
daß der göttliche Verstand für sich allein, im Unsichtbaren
und Verborgenen schwebend,
durch Bewegung zur Zeugung hervorgetreten ist.
63.
emphainei kai to seistron
hoti seiesthai dei ta onta kai mêdepote
pauesthai phoras
all hoion exegeiresthai kai kloneisthai
katadarthanonta kai marainomena
Auch das Sistrum [von seiesthai] deutet an,
daß die Dinge stets und ohne Unterlaß in Bewegung sein
sollen,
und dann, wenn sie in Schlummer oder Erstarrung geraten,
gleichsam aufgeweckt und in Schwung gebracht werden sollen.
ton gar Tuphôna phasi tois seistrois
apotrepein kai apokrouesthai
dêlountes hoti
tês phthorassundeousês
kai histasês authis
analuei tên phusin
kai anhistêsi dia tês kinêseôs
hê genesis
Sie glauben nämlich, mit dem Sistrum den Typhon abzuhalten und
zu vertreiben,
dadurch aber zu zeigen, daß die Zeugung die von der Vernichtung
gebundene
und zum Stillstand gebrachte Natur
mittels der Bewegung wiederum löst und in Gang setzt.
tou de seistrou peripherous anôthen
ontos
hê apsis periechei ta seiomena tettara
Das Sistrum ist von oben her rund;
an seinem Rande befinden sich die vier Stäbe, welche in Bewegung
gesetzt werden.
kai gar hê gennômenê
kai phtheiromenê moira tou kosmou
periechetai men hupo tês selêniakês
sphairas
kineitai d en autêi panta
kai metaballetai
dia tôn tettarôn stoicheiôn
puros kai gês kai hudatos kai aeros
Denn der Teil der Welt, welcher entsteht und untergeht,
wird von der Mondsphäre umfaßt;
in ihm wird alles bewegt und verändert,
durch die vier Elemente:
Feuer, Erde, Wasser und Luft.
têi d apsidi tou seistrou
kata koruphên
entoreuousin ailouron anthrôpou prosôpon
echonta
katô d hupo ta seiomena
pê men Isidos
pê de Nephthuos prosôpon
An die Einfassung des Sistrums ganz oben
setzt man das Bild einer Katze mit menschlichem Antlitz,
und unter jene Stäbe, welche bewegt werden,
auf der einen Seite das Bild der Isis,
auf der anderen das der Nephthys.
ainittomenoi tois men prosôpois genesin
kai teleutên
(autai gar eisi tôn stoicheiôn
metabolai kai kinêseis)
tôi d ailourôi
tên selênên dia to poikilon kai nuktourgon kai gonimon
tou thêriou
Die Gesichter sollen sich auf Entstehung und Untergang beziehen,
(denn dies sind die Veränderungen und Bewegungen der Elemente),
die Katze auf den Mond, weil dies Tier vielfarbig, bei der Nacht tätig
und fruchtbar ist.
legetai gar en tiktein
eita duo kai tria kai tessara kai pente
kai kath en houtôs achri tôn
hepta prostithêsin
hôst oktô kai eikosi ta panta
tiktein
hosa kai tês selênês
phôt estin
Es wirft nämlich, wie man sagt,
zuerst ein Junges, dann zwei und drei, und vier und fünf;
und so immer um eines mehr bis zu sieben,
so daß es in allem 28 zur Welt bringt,
gerade so viel, als Veränderungen des Mondes sind.
touto men oun isôs muthôdesteron
hai d en tois ommasin autou korai
plêrousthai men kai platunesthai
dokousin en panselênôi
leptunesthai de kai maraugein en tais meiôsesi
tou astrou
Das mag vielleicht etwas fabelhaft klingen;
indessen scheinen die Augäpfel der Katzen
beim Vollmonde voll zu werden und sich zu erweitern,
während sie beim Abnehmen des Gestirns dünner werden und
ihren Glanz verlieren.
tôi d anthrôpomorphôi
tou ailourou
to noeron kai logikon emphainetai
tôn peri tên selênên metabolôn
Das Menschengesicht der Katze
soll dann das Vernünftige und Verständige bei den Mondveränderungen
anzeigen.
64.
sunelonti d eipein
outh hudôr outh hêlion oute
gên out ouranon
Osirin ê Isin orthôs echei
nomizein
oude pur Tuphôna palin oud auchmon
oude thalattan
Um es nun kurz zusammenzufassen, so ist es
keineswegs richtig, das Wasser, die Sonne, die Erde oder den Himmel
für Osiris oder Isis zu halten,
eben so wenig als Typhon für das Feuer oder für die Dürre
und das Meer,
all haplôs hoson estin en toutois
ametron kai atakton
huperbolais ê
endeiais Tuphôni prosnemontes
to de kekosmêmenon kai agathon kai
ôphelimon
hôs Isidos men ergon
eikona de kai mimêma kai logon Osiridos
sondern man schreibt besser schlechthin alles, was bei diesen Dingen
ohne Ordnung und Maß ist,
mag Übermaß oder Mangel die Ursache sein, dem Typhon zu;
das Geordnete, das Gute und Nützliche aber
verehret man als ein Werk der Isis,
als ein Bild, als eine Nachahmung und Vorstellung des Osiris.
sebomenoi kai timôntes ouk an hamartanomen
alla kai ton Eudoxon apistounta pausomen
kai diaporounta
pôs oute Dêmêtri tês
tôn erôtikôn epimeleias metestin all Isidi
ton te Dionuson <Osiridi prosomoiousi
ton> ou ton Neilon auxein
oute tôn tethnêkotôn
archein dunamenon
So werden wir nicht leicht in einen Irrtum verfallen,
wir werden vielmehr so eher den Unglauben des Eudoros beseitigen können,
der die Frage aufwirft, warum nicht Demeter, sondern Isis die Aufsicht
in Liebesdingen führe,
warum Dionysos nicht den Nil anschwelle,
noch über die Gestorbenen herrsche.
heni gar logôi koinôi
tous theous toutous peri pasan agathou
moiran hêgoumetha tetachthai
kai pan hoson enesti têi
phusei kalon kai agathon dia toutous huparchein
ton men didonta tas archas
tên de hupodechomenên kai dianemousan
Denn wir sind der Ansicht,
daß diese Götter gemeinschaftlich über alles Gute in
der Welt gesetzt sind,
daß alles Schöne und Gute, was in der Natur sich befindet,
durch sie Dasein hat;
insofern Osiris den Ursprung angibt,
Isis aber empfängt und verteilt.
65.
houtô de kai tois pollois kai phortikois
epicheirêsomen
eite tais kath hôran metabolais tou
periechontos
eite tais karpôn genesesi
kai sporais kai arotois chairousi
ta peri tous theous toutois sunoikeiountes
Dann können wir auch gegen die mehrerlei ungereimten Ansichten
der jenigen auftreten,
die hier lieber an die Veränderungen der Luft nach den Jahreszeiten
oder an das Entstehen, Säen und Pflügen der Feldfrüchte
denken,
darauf die Erzählungen von den Gottheiten beziehen
kai legontes thaptesthai men ton Osirin
hote kruptetai têi gêi
speiromenos êo karpos
authis d anabiousthai kai anaphainesthai
hote blastêseôs archê
und demnach behaupten, Osiris werde begraben,
wenn die Saat der Frucht in der Erde verborgen wird,
er lebe aber wieder auf und komme zum Vorscheine,
wenn die Saat aufzusprossen beginnt.
diho kai legesthai tên Isin aisthomenên
hoti kuei
periapsasthai phulaktêrion
hektêi mênos histomenou
Phaôphi
Daher auch die Behauptung, wenn Isis ihre Verschwangerschaft gewahr
werde,
hänge sie ein Amulett um sich,
am sechsten des Monats Phaophi;
tiktesthai de ton Harpokratên peri
tropas cheimerinas atelê kai nearon
en tois proanthousi kai problastanousi
um die Winterwende aber gebäre sie den unvollkommenen und schwachen
Harpokrates,
wenn die Pflanzen hervorkommen und aufsprossen.
(diho kai phakôn autôi
phuomenôn aparchas epipherousi)
tas de locheious hêmeras heortazein
meta tên earinên isêmerian
Deshalb bringt man ihm auch die Erstlinge der emporkeimenden Linsen
und feiert um die Zeit der Frühlingsgleiche die Wochenzeit der
Isis.
tauta gar akouontes agapôsi kai pisteuousin
autothen ek tôn procheirôn
kai sunêthôn to pithanon helkontes
Solche Erklärungen finden bei vielen Beifall und Glauben,
weil sie sich unmittelbar aus dem Gewöhnlichen und Bekannten Gewißheit
zu verschaffen suchen.
66.
kai deinon ouden
an prôton men hêmin tous theous
phulattousi koinous
kai mê poiôsin Aiguptiôn
idious mêde Neilon hên te Neilos
ardei monên chôran tois onomasi toutois
katalambanontes
mêd hêlê mêde lôtous
* mê theopoiian legontes
aposterôsi megalôn theôn
tous allous anthrôpous
hois Neilos men ouk estin oude Boutos oude
Memphis
Indessen hat das Nichts zu sagen,
man lasse uns nur vorerst jene Götter als gemeinschaftliche Gottheiten,
und mache sie nicht zu einem Eigentume der Ägypter,
indem man unter dem Namen Nil bloß das Land, das der Nil benetzt,
versteht,
oder bloß [in Ägypten] an Sümpfe, an Lotos und an die
Göttererzeugung denkt,
also den übrigen Menschen die großen Gottheiten nimmt,
die keinen Nil, kein Butos, kein Memphis haben,
Isin de kai tous peri autên theous
echousi kai gignôskousin hapantes
enious men ou palai tois par Aiguptiôn
onomasi kalein memathêkotes
hekastou de tên dunamin ex archês
epistamenoi kai timôntes
Isis aber und die mit ihr verbundenen Gottheiten werden von allen Menschen
verehrt und gekannt,
die, wenn sie auch einige derselben erst vor kurzem mit den ägyptischen
Namen benennen gelernt haben,
doch schon von alters her die Macht einer jeden [Gottheit] kennen und
verehren.
deuteron ho meizon estin hopôs sphodra
prosexousi kai phobêsontai
mê lathôsin eis pneumata kai
reumata kai sporous kai arotous
kai pathê gês kai
metabolas hôrôn diagraphontes ta theia kai dialuontes
Zweitens ist insbesondere darauf zu sehen und hat man davor sich zu
hüten,
daß man nicht unvermerkt die Gottheiten in Winde, Ströme,
Saaten, Pflügungen,
Zustände der Erde und Veränderungen der Jahreszeiten verwandle
und auflöse,
hôsper hoi Dionuson ton oinon
Hêphaiston de tên phloga
wie z.B. den Dionysos als Wein
oder den Hephaistos als Feuer auffassen.
Persephonên de phêsi pou Kleanthês
to dia tôn karpôn pheromenon
kai phoneuomenon pneuma
So nimmt z.B. Kleanthes irgendwo die Persephone
als den durch die Früchte wehenden und sie ertötenden Wind,
poiêtês de tis epi tôn
therizontôn
têmos hot aizêoi Dêmêtera
kôlotomeusin
und ein anderer Dichter sagt von den Schnittern:
Wenn der Jünglinge Schar Demeters Glieder verschneidet.
ouden gar houtoi diapherousi tôn
histia kai kalous kai ankuran hêgoumenôn kubernêtên
kai nêmata kai krokas huphantên
kai sponeion ê melikraton ê
ptisanên iatron
Dies ist dann gerade so viel, als wenn man Segel, Taue und Anker für
den Steuermann,
oder Fäden und Einschlag für den Weber,
oder Becher, Honigtrank und Ptisane für den Arzt hält;
alla deinas kai atheous empoiousi doxas
anaisthêtois kai apsuchois kai phtheiromenais
anankaiôs
hyp anthrôpôn deomenôn
kai chrômenôn phusesi kai pragmasin
onomata theôn epipherontes
dadurch veranlaßt man irrige und gottlose Ansichten von den Göttern,
wenn man gefühl- und seelenlosen Gegenständen,
welche von den Menschen zu ihrer Notdurft gebraucht und wieder abgenutzt
werden,
den Namen von Göttern beilegt.
67.
tauta men gar auta nôsai theous ouk
estin
Denn solche Gegenstände kann man unmöglich sich als Götter
denken.
ou gar anoun oud apsuchon <oud> anthrôpois
ho theos hupocheirion
Die Gottheit ist nämlich kein verstand- und seelenloses, den Menschen
unterwürfiges Wesen;
apo toutôn de tous chrômenous
autois kai dôphoumenous hêmin
kai parechontas aenaa kai diarkê
theous enomisamen
wir halten vielmehr eben dieser Früchte wegen, die, welche uns
dieselben schenken
und ohne Aufhören in hinreichendem Maße verleihen, für
Götter,
ouch heterous par heterois
oude barbarous kai Hellênas oude
notious kai boreious
und zwar nehmen wir nicht verschiedene Götter bei den verschiedenen
Völkern an,
keine ausländischen und keine griechischen, keine südlichen
und keine nördlichen;
all hôsper hêlios kai selênê
kai ouranos kai gê kai thalassa koina pasin
onomazetai d allôs hup allôn
sondern wie Sonne, Mond, Himmel, Erde und Meer allen Menschen gemeinsam
sind,
und nur bei den verschiedenen Völkern verschiedene Benennungen
haben;
houtôs henos logou tou tauta kosmountos
kai mias pronoias epitropeuousês
kai dunameôn hupourgôn epi
panta tetagmenôn
heterai par heterois kata nomous gegonasi
timai kai prosêgoriai
so gibt es auch nur ein vernünftiges Wesen, welches diese Dinge
ordnet,
eine sie regierende Vorsehung
und untergeordnete Kräfte, welche über die einzelnen Dinge
gesetzt sind,
und bei verschiedenen Völkern herkömmlicher Weise verschiedene
Verehrung und Benennung haben;
kai sumbolois chrôntai kathierômenois
hoi men amudrois hoi de tranoterois
epi ta theia tên noêsin hodêgountes
ouk akindunôs
und so haben auch die Geweihten bald dunklere Symbole, bald deutlichere,
wodurch sie den Verstand zum Göttlichen hinführen, obwohl
nicht ohne Gefahr.
enioi gar aposphalentes pantapasin eis
deisidaimonian hôlisthon
hoi de pheugontes hôsper helos tên
deisidaimonian elathon authis
hôsper eis krêmnon empesontes
tên atheotêta
Denn einige, welche vom rechten Wege abgleiten, geraten in Aberglaube;
andere, die dem Aberglauben gleich einem Sumpfe entgangen sind,
fallen unvermerkt in die jähen Abgründe des Unglaubens hinab.
68.
diho dei malista pros tauta logon ek philosophias
mustagôgon analabontas
hosiôs dianoeisthai tôn legomenôn
kai drômenôn hekaston
Deswegen muß man zu solchen Dingen ganz besonders die Philosophie
als Führerin nehmen,
um von allen diesen Lehren und Gebräuchen eine richtige Ansicht
zu gewinnen,
hina mê kathaper Theodôros
eipe
tous logous autou têi
dexiai proteinontos enious
têi aristerai
dechesthai tôn akroômenôn
houtôs hêmeis ha kalôs
hoi nomoi peri tas thusias kai tas heortas etaxan
heterôs hupolambanontes exhamartômen
damit es uns nicht gehe, wie Theodoros von seinen Schülern sagt,
welche zum Teil die Belehrung, die er ihnen mit der rechten Hand darreicht,
mit der linken aufnehmen,
insofern wir nämlich die schönen Bestimmungen der Gesetze
hinsichtlich der Opfer und Feste
auf eine unrichtige Weise auffassen und so in Irrtum geraten.
hoti gar epi ton logon anoisteon hapanta
kai par autôn ekeinôn esti
labein
Denn daß man bei allem die Vernunft zu Rate ziehen muß,
kann man von den Ägyptern selbst entnehmen.
têi men gar enatêi
epi deka tou prôtou mênos
heortazontes tôi
Hermêi
meli kai sukon esthiousin epilegontes
Am neunzehnten des ersten Monats [Thot]
feiern sie dem Hermes ein Fest,
an welchem sie Honig und Feigen essen und dabei ausrufen:
to de tês Isidos phulaktêrion
ho periaptesthai muthologousin autên
exhermêneuetai phônê
alêthês
Das Amulett, welches nach ihrer Erzählung Isis sich selbst umgehängt
haben soll,
erklären sie durch Wahre Stimme.
ton d Harpokratên oute theon atelê
kai nêpion
oute chedropôn tina nomisteon
alla tou peri theôn en anthrôpois
logou nearou
kai atelous kai adiarthrôtou prostatên
kai sôphronistên
Den Harpokrates darf man für keinen unvollkommenen oder kindischen
Gott halten,
oder für einen Gott der Hülsenfrüchte,
sondern für einen Vorsteher und Verbesserer der unreifen,
unvollkommenen und unrichtigen Ansicht der Menschen in göttlichen
Dingen;
diho tôi stomati ton daktulon
echei proskeimenon
echemuthias kai siôpês sumbolon
deswegen hat er den Finger auf dem Munde liegen,
als ein Symbol des Schweigens und der Stille.
en de tôi Mesorê
mêni tôn chedropôn epipherontes legousin
glôssa tuchê glôssa daimôn
Bringen sie ihm im Monat Mesore [August] die Erstlinge der Hülsenfrüchte
dar, so sprechen sie:
Die Zunge ist das Glück, die Zunge ist der Dämon.
tôn d en Aiguptôi
phutôn malista têi theôi kathierôsthai
legousi tên persean
hoti kardiai men ho karpos autês
glôttêi de to phullon
eoiken
Unter den ägyptischen Pflanzen aber soll die Perseia darum zunächst
der Isis geheiligt sein,
weil ihre Frucht einem Herzen,
ihr Blatt aber einer Zunge gleicht;
ouden gar hôn anthrôpos echein
pephuke
theioteron logou
kai malista tou peri theôn oude meizona
ropên echei pros eudaimonian
denn nichts von dem, was der Mensch erringen kann, ist göttlicher,
als die Belehrung zunächst über göttliche Dinge,
und nichts hat größeren Einfluß auf seine Glückseligkeit.
diho hôi men eis to chrêstêrion
entautha kationti
parenguômen hosia phronein
euphêma legein
Deswegen richte ich auch an jeden, der sich hier an das Orakel wenden
will,
die Vorschrift: rein in Gedanken und Worten zu sein.
hoi de polloi geloia drôsin
en tais pompais kai tais heortais euphêmian
prokêruttontes
eita peri tôn theôn autôn
ta dusphêmotata kai legontes kai dianooumenoi
Denn sehr viele benehmen sich auf eine lächerliche Weise,
indem sie bei Aufzügen und Festen Stillschweigen gebieten
und dann über die Götter selbst die unanständigsten
Dinge reden und denken.
69.
pôs oun chrêsteon esti tais
skuthrôpais kai agelastois kai penthimois thusiais
ei mête paraleipein ta nenomismena
kalôs echei
mête phurein tas peri theôn
doxas
kai suntarattein hupopsiais atopois
Wie woll man sich aber nun bei finstern, freudenlosen, der Trauer bestimmten
Festen verhalten,
da man doch weder die herrschenden Bräuche vernachlässigen,
noch die Meinungen von den Göttern vermengen
und durch unverständige Vermutungen verwirren soll?
kai par Hellêsin homoia polla ginetai
peri ton auton homou ti chronon
hois Aiguptioi drôsin en tois Iseiois
Auch in Griechenland geschieht um dieselbe Zeit manches dem Ähnliche,
was bei den Festen der Ägypter vorkommt.
kai gar Athênêsi nêsteuousin
hai gunaikes en Thesmophoriois
chamai kathêmenai
In Athen fasten die Frauen am Feste der Thesmophorien
und sitzen dabei auf der Erde.
kai Boiôtoi ta tês Achaias
megara kinousin
Epachthê tên heortên
ekeinên onomazontes
hôs dia tên tês Korês
kathodon en achei tês Dêmêtros ousês
Die Böotier ziehen mit den Kapellen der Achäer herum
und nennen dies Fest Epachthe [Trauerfest],
weil die Demeter wegen des Herabsteigens ihres Mädchens, der Kore,
in Trauer sei.
esti d ho mên houtos peri Pleiadas
sporimos
hon Athur Aiguptioi
Puanepsiôna d Athênaioi
Boiôtoi de Damatrion kalousi
Es geschieht dies um die Zeit des [Aufgangs des] Siebengestirns in
demselben Saatmonat,
den die Ägypter Athyr,
die Athener Pyanepsion,
die Böotier Damatrios nennen.
tous de pros hesperan oikountas historei
Theopompos hêgeisthai kai kalein
ton men cheimôna Kronon to de theros
Aphroditên to d ear Persephonên
ek de Kronou kai Aphroditês gennasthai
panta
Die gegen Abend Wohnenden nennen nach Theopomps Erzählung
den Winter Kronos, den Sommer Aphrodite, den Frühling Persephone;
vom Kronos aber und von der Aphrodite ist alles nach ihrer Meinung
entstanden.
Phruges de ton theon oiomenoi cheimônos
katheudein
therous d egrêgorenai
tote men kateunasmous
tote d anegerseis bakcheuontes autôi
telousi
Die Phrygier glauben, daß die Gottheit im Winter schlafe,
im Sommer aber aufwache,
und darum feiern sie das eine Mal das Fest des Schlafengehens,
das andere Mal das des Erwachens mit bakchantischen Gebräuchen
Paphlagones de katadeisthai kai katheirgnusthai
cheimônos
êros de kineisthai kai analuesthai
phaskousi
In Paphlagonien herrscht der Glaube, daß die Gottheit im Winter
gebunden und eingesperrt,
im Sommer aber in Bewegung gesetzt und freigelassen werde.
70.
kai didôsin ho kairos huponoian
epi tôn karpôn têi
apokrupsei genesthai ton skuthrôpasmon
hous hoi palaioi theous men ouk enomizon
alla dôra theôn anankaia kai
megala
pros to mê zên agriôs
kai thêriôdôs
Übrigens kann auch die Zeit der Feste wohl die Ansicht veranlassen,
daß die Trauergebräuche geschähen wegen des Verbergens
der Früchte,
welche die Alten keineswegs für Götter hielten,
sondern für ebenso notwendige als wichtige Geschenke der Götter,
um nicht in einem rohen und tierischen Zustand zu leben.
kath ên d ôran tous men apo
dendrôn eôrôn aphanizomenous pantapasin kai apoleipontas
tous de kai autoi katespeiron eti glischrôs
kai aporôs
dia mômenoi tais chersi tên
gên kai peristellontes authis
ep adêlôi tôi
palin ekphaneisthai kai sunteleian exein apothemenoi
polla thaptousin homoia kai penthousin
epratton
Zu der Zeit nun, in welcher sichtbarlich die Früchte von den Bäumen
gänzlich verschwinden und ausgehen,
säten sie nur spärlich und ärmlich,
nahmen mit den Händen Erde auf, mit der sie die Saat bedeckten,
welche bei noch ungewisser Aussicht der Vollendung und des Gedeihens
niedergelegt war;
und so taten sie freilich manches, was mit den Gebräuchen bei
der Beerdigung und Trauer Ähnlichkeit hat.
eith hôsper hêmeis ton ônoumenon
biblia Platônos ôneisthai phamen Platôna
kai Menandron hupokrinesthai ton ta Menandrou
poiêmath diatithemenon
houtôs ekeinoi tois tôn theôn
onomasi
ta tôn theôn dôra
kai poiêmata kalein ouk epheidonto
timôntes hupo chreias kai semnunontes
So, wie wir nun von dem, der die Schriften des Platon kauft, zu sagen
pflegen, er kaufe den Platon,
oder von dem, der die Dichtungen des Menander aufführt, er führe
den Menander auf,
so trugen auch jene kein Bedenken, mit den Namen der Götter
die Gaben und Werke der Götter zu bezeichnen,
und erwiesen ihnen des Nutzens wegen diese Ehre;
hoi de husteron apaideutôs dechomenoi
kai amathôs anastrephontes
epi tous theous ta pathê tôn karpôn
kai tas parousias tôn anankaiôn
kai apokrupseis theôn
geneseis kai phthoras ou prosagoreuontes
monon
alla kai nomizontes
atopôn kai paranomôn kai tetaragmenôn
doxôn autous eneplêsan
kaitoi tou paralogou tên atopian
en ophthalmois echontes
die Nachkommen aber faßten dies auf eine einfältige Weise
auf,
und bezogen in ihrer Unkunde die Veränderung bei den Früchten
auf die Götter,
und bezeichneten nichr nur das Erscheinen und Verbergen der notwendigen
Dinge
als Entstehung und Untergang der Götter,
sondern glaubten auch daran
und wurden auf diese Weise mit abgeschmackten, gesetzwidrigen und verwirrten
Ansichten angefüllt,
obgleich sie das Ungereimte ihrer Meinungen vor Augen hatten.
ho men oun Xenophanês ho Kolophônios
êxiôse tous Aiguptious
ei theous nomizousi mê
thrênein
ei de thrênousi theous mê nomizein
*** all hoti geloion hama thrênountas
euchesthai
tous karpous palin anaphainein kai teleioun
heautois
hopôs palin analiskôntai kai
thrênôntai
Daher Xenophanes von Kolophon die Ägypter aufforderte,
wenn sie solche Gegenstände für Götter hielten, entweder
sie nicht zu beklagen,
oder, wenn sie sie beklagten, sie nicht für Götter zu halten;
denn sonst wäre es doch lächerlich, während der Klagen
zu beten,
daß die Früchte ihnen wieder aufwachsen und gedeihen möchten,
damit sie aufs neue verzehrt und beklagt werden.
71.
to d ouk esti toiouton
alla thrênousi men tous karpous
euchontai de tois aitoiois kai dotêrsi
theois
heterous palin neous poiein
kai anaruein anti tôn apollumenôn
Indes ist dem nicht so;
sie beklagen allerdings wohl die Früchte,
aber sie beten zu den Göttern als den Urhebern und Gebern des
Guten,
daß sie ihnen wieder andere und neue Früchte schaffen
und an die Stelle der zugrundegehenden hervorkommen lassen möchten.
hothen arista legetai para toiô philosophois
to tous mê manthanontas orthôs
akouein
onomatôn kakôs chrêsthai
kai tois pragmasin
Daher bei den Philosophen die ganz richtige Behauptung,
daß die, welche die Benennung nicht richtig auffassen lernen,
auch von der Sache einen schlechten Gebrauch machen;
hôsper Hellênôn hoi ta
chalka kai ta grapta kai lithina
mê mathontes mêd ethisthentes
agalmata kai timas theôn
alla theous kalein
eita tolmôntes legein
hoti tên Athênan Lacharês
exeduse
wie diejenigen Griechen, welche eherne, gemalte und steinerne Bilder
nicht als Bilder und Ehrenbezeugungen der Götter anzusehen gelernt
und gewöhnt sind,
sondern sie Götter nennen
und dann ohne Scheu sprechen:
Lachares hat die Athene ausgezogen;
ton d Apollôna chrusous bostruchous
echonta Dionusios apekeiren
ho de Zeus ho Kapetôlois peri ton
emphulion polemon eneprêsthê kai diephtharê
lanthanousi xunephelkomenoi kai paradechomnoi
doxas ponêras epomenas tois onomasin
Dionysios hat dem Apollon seine goldenen Locken abgeschoren;
der kapitolische Zeus ist bei dem Bürgerkriege durch Brand zugrundegegangen;
so kommen sie unvermerkt zu irrigen Ansichten, denen sie sich hingeben,
bloß infolge des Namens.
touto d ouch hêkista peponthasin
Aiguptioi peri ta timômena tôn zôiôn
Besonders begegnet dies den Ägyptern bei der Verehrung der Tiere.
Hellênes men gar en ge toutois legousin
orthôs
kai nomizousin hieron Aphroditês
zôion einai tên peristeran
kai ton drakonta tês Athênas
kai ton koraka tou Apollônos
kai ton kuna tês Artemidos
hôs Euripidês
Hekatês agalma phôsphorou kuôn
esêi
Die Griechen haben darin nämlich die richtige Ansicht, wenn sie
sagen,
die Taube sei das der Aphrodite heilige Tier,
die Schlange der Athene,
der Rabe dem Apollon,
der Hund der Artemis geheiligt, wie Euripides
Du wirst der leichten Hekate Weihbild, ein Hund.
Aiguptiôn d hoi polloi therapeuontes
auta ta zôia kai periepontes hôs theous
ou gelôtos monon oude chleuasmou
katapeplêkasi tas hierourgias
alla touto tês abelterias elachiston
esti kakon
doxa d emphuetai deinê
tous men astheneis kai akakous eis akraton
hupereipous tên deisidaimonian
tois de chrimuterois kai thrasuterois eis
atheous empiptousa kai thêriôdeis logismous
Die meisten Ägypter aber verehren die Tiere selbst und dienen
ihnen als Gottheiten,
wodurch sie den Gottesdienst nicht bloß dem Gelächter und
Spott aussetzen,
was übrigens noch der geringste Nachteil bei dieser Verkehrtheit
ist,
sondern eine gefährliche Meinung veranlassen,
welche die Schwachen und Einfältigen zu völligem Aberglauben
führt,
die Stärkeren und Verwegeneren aber in Unglauben und tierisches
Wesen stürzt.
hêi kai peri toutôn
ta eikota dielthein ouk hanarmoston esti
Deshalb wird es nicht unpassend sein, darüber etwas zu bemerken.
72.
to men gar eis tauta ta zôia
tous theous ton Tuphôna deisantas metabalein
oion pokruptontas eautous sômasin
ibeôn kai kunôn kai hierakôn
pasan huperpepaike terateian kai muthologian
Die Behauptung, es hätten die Götter aus Furcht vor Typhon
sich in diese Tiere verwandelt
und sich gleichsam in die Körper eines Ibis, eines Hundes oder
eines Habichts verborgen,
übertrifft alles Abenteuerliche und Fabelhafte;
kai to tais psuchais tôn thanontôn
hosai diamenousin
eis tauta mona ginesthai tên palingenesian
homoiôs apiston
und daß alle diejenigen Seelen der Verstorbenen, welche fortdauern,
bloß in diese Tiere wiedergeboren werden, ist ebenso unglaublich,
tôn de boulomenôn politikên
tina legein aitian
hoi men Osirin en têi
megalêi stratiai phasin eis merê polla
dianeimanta tên dunamin
(lochous kai taxeis Hellênikôs
kalousin)
episêma dounai [kai] zôiomorpha
pasin
hôn hekaston tôi
genei tôn sunnemêthentôn hidron genesthai kai timion
Unter denen, welche einen politischen Grund angeben wollen,
behaupten einige, Osiris habe sein großes Heer in viele Teile
abgeteilt
(bei den Griechen heißen sie Lochen und Tareis)
und allen als Feldzeichen Tiergestalten gegeben,
deren jede hernach von dem Volke, dem sie zugeteilt war, als heilig
verehrt wurde.
hoi de tous husteron basileis ekplêxeôs
heneka tôn polemiôn
en tais machais epiphainesthai gêriôn
chrusas protomas kai argêras peritithemenous
Andere behaupten, die späteren Könige hätten, um den
Feinden Schrecken einzujagen,
goldene und silberne Tiermasken aufgesetzt, womit sie in den Schlachten
erschienen wären.
alloi de [tônde] tôn deinôn
tina kai panourgôn basileôn historousi
tous Aiguptious katamathonta têi
men phusei kouphous
kai pros metabolên kai neôterismon
oxurropous ontas
amachon de kai duskathekton
hupo plêthous dunamin en tôi
sumphronein kai koinopragein echontas
aidion autois enkatasperai deixanta
deisidaimonian diaphoras apaustou prophasin
Nach andern soll ein schlauer und listiger König,
als er den natürlichen Leichtsinn der Ägypter
und ihren Hang zu Veränderungen und Neuerungen,
aber auch ihre unüberwindliche und unbezwingbare Stärke,
wenn sie bei ihrer Menge mit Vernunft und gemeinschaftlich zu Werke
gingen, bemerkt hatte,
unter sie den Aberglauben ausgestreut
und dadurch die Veranlassung zu stetem Zwist unter ihnen gegeben haben.
tôn gar thêriôn
ha prosetaxen allois alla timan kai sebesthai
dismenôs kai poloemikôs allêlois
prosperomenôn
kai trophên heterôn hetera
prosiesthai pephukotôn
amuonotes aei tois oikeiois hekastoi
kai chalepôs adikoumenôn pherontes
elanthanon tais
tôn thêriôn echthrais sunephelkomenoi kai sunekpolemoumenoi
pros allêlous
Denn da die verschiedenen Tiere,
deren Dienst und Verehrung er bei den verschiedenen Stämmen angeordnet
hatte,
miteinander in Feindschaft und Streit leben,
und das eine seiner Natur und das andere zu seiner Nahrung erheischt,
so suchte jede Stadt ihre Tiere zu schützen,
und so wurden sie, bei ihrem Unwissen über empfangene Beleidigungen,
unvermerkt mit in die Feindschaften der Tiere und deren gegenseitige
Kriege hineingezogen.
monoi gar eti nun Aiguptiôn Lukopolitai
probaton estiousin
epei kai lukos on theon nomizousin
Noch jetzt verehren die Lykopoliten allein unter den Ägyptern
das Schaf,
weil es auch der Wolf, den sie für einen Gott halten, frißt;
hoi d Oxurunchitai kath hêmas
tôn Kunopolitôn ton oxurunchon
ichthun esthiontôn
kuna sullabontes kai thusantes
eis polemon allêlous te diethêkan
kakôs
kai husteron hupo Rômaiôn kolazomenoi
dietethêsan
Als die Oxyrynchiten noch zu unserer Zeit,
weil die Kynopoliten den Fisch Oxyrinchos aßen,
einen Hund als Opfertier abschlachteten und verzehrten.
überzogen sie einander auf üble Weise mit einem Krieg,
bis sie darauf von den Römern bestraft und zur Ordnung gerufen
wurden.
73.
pollôn de legontôn eis tauta
ta zôia tên Tuphônos
autou dihêirêsthai psuchên
ainittesthai doxeien an ho muthos
hoti pasa phusis alogos kai thêriôdês
tês tou kakou daimonos gegone moiras
kakeinon ekmeilissomenoi kai parêgorountes
periepousi tauta kai therapeuousin
Wenn aber viele behaupten, daß die Seele des Typhon in diese
Tiere gefahren sei,
so scheint darin nur so viel zu liegen,
daß jede unvernünftige und tierische Natur zu dem Anteile
des bösen Dämons gehört,
den man durch diesen Dienst und durch diese Verehrung besänftigen
und gewinnen will:
an de polus empiptêi kai
chalepos auchmos epagôn
huperballontôs ê
nosous olethrious
ê sumphoras allas paralogous kai
allokotous
enia tôn timômenôn hoi
hiereis apagontes hupo skotôi meta siôpês
kai hêsuchias apeilousi
kai dedittontaito prôton
an d epimenêi kathiereuousi
kai sphattousin
hôs dê tina kolasmon onta tou
daimonos touton
ê atharmon allôs megan epi
megistois
tritt aber eine beschwerliche und harte Dürre ein,
welche in hohem Grade gefährliche Krankheiten
oder andere unerwartete und außerordentliche Unglücksfälle
veranlaßt,
so führen die Priester ein und das andere der geheiligten Tiere
im Dunkel in Heimlichkeit und Stille weg,
suchen es erst durch Drohungen in Furcht zu versetzen
und wenn dem ungeachtet die Dürre anhält, so schlachten sie
das Tier ab,
was eine Art von Bestrafung dieses Dämons
oder eine große, auch in anderen sehr wichtigen Dingen übliche
Reinigung sein soll.
kai gar en Eileithuias polei zôntas
anthrôpous katepimprasan
hôs Manethôs historêke
Tuphôneious kalountes kai tên
tephran autôn likmôntes êphanizon kai diespeiron
So verbrannte man in der Stadt der Ilithyer lebende Menschen,
wie Manetho erzählt hat,
die man typhonische nannte und deren Asche man mit Wurfschaufeln in
der Luft zerstreute.
alla touto men edrato phanerôs
kai kath hena kairon en tais kunasin hêmerais
Indes geschah dies öffentlich
und zu einer bestimmten Zeit, an den Hundstagen;
hai de tôn timômenôn
zôiôn kathiereuseis apophphêtoi kai chronois
ataktois
pros ta sumpiptonta ginomenai tous pollous
lanthanousi
plên hotan <Apidos> taphas echôsi
kai tôn allôn anadeknuntes
enia pantôn parontôn sunemballôsin
oiomenoi tou Tuphônos antilupein
kai kolouein to hêdomenon
hingegen das Opfer der geheiligten Tiere geschah im Geheimen, in unbestimmter
Zeit,
je nach den Umständen und ohne daß das Volk es bemerkte,
außer bei der Beerdigung [des Apis],
wo sie in Gegenwart aller einige von diesen Tieren mit ins Grab werfen.
in der Meinung, den Typhon damit zu ärgern und seine Freude zu
verringern,
ho gar Apis dokei met oligôn allôn
hieros einai tou Osiridos
ekeinôi de ta pleista
prosnemousi
Denn außer dem Apis sind nur wenige andere Tiere dem Osiris heilig;
dem Typhon hingegen teilt man die größere Anzahl zu.
kan alêthês ho logos houtos
sêmainein hêgoumai to zêtoumenon
epi tôn homologoumenôn kai
koinas echontôn tas timas
hoion estin ibis kai hierax kai kunokephalos
autos ho Apis ***
houtô dê gar ton en Mendêti
tragon kalousi
Hat es nun damit seine Richtigkeit,
so trifft damit auch die Frage zusammen
nach den allgemein als heilig anerkannten und verehrten Tieren,
als da wären Ibis, Habicht, Kopffüßer,
der Apis selbst ...,
oder ebenso der, den sie den Bock zu Mendes nennen.
74.
leipetai de dê to chreiôdes
kai to sumbolikon
hôn enia thaterou polla
d amphoin meteschêke
Ich habe nun noch von der Nützlichkeit und der symbolischen Beziehung
[der Tiere] zu reden;
bei manchen kommt bloß das eine, bei vielen beides vor.
boun men oun kai probaton kai ichneumona
dêlon hoti chreias eneka kai ôpheleias
etimêsan
hôs Lêmnioi korudous ta tôn
attalabôn heuriskontas ôia kai koptontas
Thessaloi de pelargous
hoti pollous hopheis tês gês
anadidousês epiphanentes exôlesan apantas
diho kai nomon ethento pheugein hostis
an apokteinêi pelargon
So verehren [die Ägypter] das Rind, das Schaf und den Ichneumon
offenbar des Gebrauchs und des Nutzens wegen,
so wie die Lemnier die Heidelerchen, welche die Eier der Heuschrecken
aufsuchen und zerschlagen,
oder wie die Thessalier die Störche,
weil sie bei ihrem Erscheinen die zahlreichen Schlangen, welche das
Land hervorbringt, sämtlich vertilgten;
weshalb auch das Gesetz das Töten eines Storches mit der Strafe
der Landesverweisung belegt.
aspida de kai galên kai kantharon
eikonas tinas en autois amauras
hôsper en stagosin hêliou tês
tôn theôn dunameôs katidontes
So verehrte man [in Ägypten] die Natter, die Katze und den Käfer,
weil man darin dunkle Bilder
von der Macht der Götter gleich wie der Sonne in den Wassertropfen,
erblickte.
tên men gar galên eti polloi
nomizousi kai legousi
kata to ous echouomenên
Von der Katze behaupten viele, sie sei ein Bild von der Entstehung
der Rede,
weil sie sich durchs Ohr begatte und mit dem Munde gebäre;
tôi de stomati tiktousan
eikasma tês tou logou geneseôs einai
to de kantharôn genos ouk echein
thêleian
arrenas de pantas aphienai ton gonon eis
tên sphairopoioumenên hulên
ên kulindousin antibadên ôthountes
hôsper dokei ton ouranon ho hêlios
es tounantion peristrephein
autos apo dusmôn epi tas anatolas
pheromenos
bei dem Geschlechte der Käfer aber
gibt es keine Weibchen, sondern lauter Männchen,
welche den Samen in eine aus Kot geformte Kugel legen,
die sie dann im Gehen vor sich herwälzen,
gerade wie die Sonne, dem Scheine nach, den Himmel zu der entgegengesetzten
Seite treibt,
während sie selbst vom Untergange zum Aufgange sich fortbewegt;
aspida d hôs agêrô
kai chrômenên kinêsesin
anorganois
met eupeteias kai hugrotêtos astrapêi
proseikasan
die Natter verglich man, weil sie nicht altert
und ohne besondere Instrumente
mit Leichtigkeit und Geschmeidigkeit sich fortbewegt, mit einem Gestirne
75.
ou mên oud ho krokodeilos aitias
pithanês amoirousan eschêke timên
Nicht minder läßt sich bei dem Krokodil mit Wahrscheinlichkeit
der Grund seiner Verehrung anführen;
alla mimêma theou legetai gegonenai
monos men aglôssos ôn
phônês gar ho theios logos
aprosdeês esti
kai di apsophou bainôn keleuthou
kata dikên ta thnêt agei
insofern es zu einem Bilde der Gottheit geworden ist, da es als einziges
keine Zunge hat,
weil der göttliche Logos der Stimme keineswegs bedarf
und auf geräuschlosem Pfade einherschreitend nach Gerechtigkeit
die irdischen Dinge regiert.
monou de phasin en hugrôi
diaitômenou tas hopseis humena leion
kai diaphanê parakaluptein ek tou
metôpou katerchomenon
hôste blepein mê blepomenon
ho tôi prôtôi
theôi sumbebêken
Bei ihm allein soll, wenn es sich im Wasser aufhält, ein glattes
und durchsichtiges Häutchen,
welches von der Stirne herabfällt, die Augen bedecken,
so daß das Tier sieht, ohne selbst gesehen zu werden;
und darin trifft es mit dem höchsten Gotte zusammen.
hopou d an hê thêleia tês
chôras apostekêi
touto Neilou peras epistatai tês
auxêseôs ginomenon
Ferner wird die Stelle, wo das Weibchen seine Eier niederlegt,
als die Grenze der Nilüberschwemmung angesehen;
en hugrôi gar ou dunamenai
porrô de phoboumenai tiktein
houtôs akribôs proaisthanontai
to mellon
hôste tôi potamôi
proselthonti chrêsthai locheuomenai
[kai] thalpousai de ta ôia
xêra kai abrekta phulasein
weil es nämlich weder in dem Feuchten, noch,
aus Furcht, ferne davon die Eier niederlegen kann,
hat von der Zukunft eine so genaue Ahnung,
daß es das Anschwellen des Flusses benutzt,
um die Brut zu legen und die Eier trocken und unbenetzt zu erhalten.
hexêkonta de tiktousi
kai tosautais hêmerais eklepousi
kai tosoutous zôsin eniautous hoi
makrotaton zôntes
ho tôn metrôn prôton
esti
tois peri ta ourania pragmateuomenois
Es legt deren 60;
ebensoviele Tage braucht es zum Auskriechen,
und ebensoviele Jahre leben die, welche das höchste Alter erreichen;
es wird aber diese Zahl für die erste gehalten
von denen, welche sich mit der Astronomie beschäftigen,
alla mên tôn di amphotera timômenôn
peri men tou kunos eirêtai prosthen
Was die Tiere betrifft, welche aus beiderlei Rücksichten heilig
gehalten werden,
so habe ich bereits oben vom Hunde gesprochen;
hê d ibis apokteinousa men ta thanatêphora
tôn erptôn edidaxe prôtê
kenômatos iatrikou
chreian katideontas autên kluzomenên
kai kathairomenên huph heautês
der Ibis, der das giftige Gewürm tötet,
hat die Menschen zuerst den Gebrauch der ärztlichen Ausleerung
gelehrt,
welche sahen, wie er sich selbst spült und reinigt.
hoi de nomimôtatoi tôn hiereôn
katharsion hudôr agnizomenoi lambanousin
hothen ibis pepôken
ou pinei gar ê nosôdes ê
pepharmagmenon oude proseisi
es nehmen auch die Priester, die sich am strengsten an das Gesetz halten,
nur Wasser, von welchem der Ibis getrunken, zu ihren Reinigungen;
es trinkt nämlich derselbe kein ungesundes oder verdorbenes Wasser,
têi de tôn podôn
diastasei pros allêlous
kai to runchos isopleuron poiei trigônon
eti d hê tôn melanôn
pterôn pros ta leuka poikilia kai mixis
emphainei selênên amphikurton
er nahet sich ihm nicht einmal mit den Füßen, wenn er sie
gegeneinander ausbreitet,
und mit dem Schnabel bildet er ein gleichseitiges Dreick,
und selbst die Vermischung der schwarzen Flügel mit den weißen
ist ein Bild des gehörnten Mondes.
ou dei de thaumazein
ei glischras homoiotêtas houtôs
êgapêsan Aiguptioi
kai <gar kai> Hellênes en te graptois
en te plastois eikasmasi theôn
echrêsanto pollois toioutois
Es darf aber nicht befremden,
daß die Ägypter an so unbedeutenden Ähnlichkeiten Gefallen
fanden,
da auch bei den Griechen ähnliche Sinnbilder von Gottheiten bei
Gemälden und Bildsäulen
vielfach vorkommen.
hoion en Krêtêi
Dios ên agalma mê echon ôta
tôi gar archonti kai kuriôi
pantôn oudenos akouein prosêkei
So gab es in Kreta ein Bild des Zeus ohne Ohren,
weil der Herr und Regent des Alls nichts zu hören braucht.
tôi de tês Athênas
ton drakonta Pheidias parethêke
tôi de tês Aphroditês
en Hêlidi tên chelônên
hôs tas men parthenous phulakês
deomenas
tais de gametais oikourian kai siôpên
prepousan
Dem Bilde der Athene gab Phidias die Schlange,
dem der Aphrodite zu Elis die Schildkröte bei,
weil die Jungfrauen der Aufsicht bedürften,
den Verheirateten aber Eingezogenheit und Schweigen ziemt.
hê de tou Poseidônos triaina
sumbolon esti tês tritês chôras
hên thalatta katechei meta ton ouranon
kai ton aera tetagmenê
diho kai tên Amphitritên kai
tous Tritônas houtôs ônomasan
Der Dreizack des Poseidon ist ein Abzeichen der dritten Region,
die nach dem Himmel und der Luft folgt und das Meer befaßt;
daher auch die Bennungen Amphitrite und Tritonen kommen.
hoi de Puthagoreioi kai arithmous kai schêmata
theôn ekosmêsan prosêgoriais
Die Pythagoreier beehrten Zahlen und [mathematische] Figuren
mit den Namen von Gottheiten;
to men gar isopleuron trigônon ekaloun
Athênan koruphagenê kai Tritogeneian
hoti trisi kathetois apo tôn triôn
gôniôn agomenais dihaireitai
sie nannten das gleichseitige Dreieck die aus dem Scheitel geborene
Athene und Tritogeneia,
weil es durch drei von den drei Winkeln ausgehende Katheten geteilt
wird;
to d hen Apollôna
plêthous apophasei kai di haplotêta
tês monados
das Eine nannten sie Apollon,
mit Verneinung der Vielheit und wegen der Einfachheit der Einzigkeit
erin de tên duada kai * tolman
dikên de tên triada
tou gar adikein kai adikeisthai kat elleipsin
kai huperbolên ontos
<to> isotêti dikaion en mesôi
gegonen
Streit und ebenso die Tollheit nannten sie die Zweiheit,
Gerechtigkeit die Dreiheit;
Unrechttun und Unrechterleiden, das sich aus Mangel und Übermaß
ergab,
wurde ihnen zum Gerechten mit dem Gleichmaß in der Mitte.
hê de kaloumenê tetraktus
ta hex kai triakonta
megistos ên orkos
hôs tethrulêtai
kai kosmos ônomastai tessarôn
men artiôn tôn prôtôn
tessarôn de tôn perissôn
eis tauto suntithemenôn
apoteloumenos
Die von ihnen so genannte Vierheit,
die Sechsunddreißig,
galt ihnen als der größte Eid
wie überall verlautet wird,
und wird die Welt der vier ersten Vollkomenheiten genannt:
die aus diesen vier alles überragenden Zusammenfügungen bestehende
Vollendete.
76.
eiper oun hoi dokimôtatoi tôn
philosophôn
oud en apsuchois kai asômatois pragmasin
ainigma tou theiou katidontes
êxioun amelein ouden oud atimazein
eti mallon oimai
tas en aisthanomenais kai psuchên
echousais kai pathos kai êthos phusesin
idiotêtas [kata to êthos] agapêteon
[oun]
ou tauta timôntas
alla dia toutôn to theion hôs
enargesterôn esoptrôn kai phusei gegonotôn
Wenn nun die bekanntesten der Philosophen,
die weder in seelenlosen noch in körperlosen Tatsachen Geheimnisse
des Göttlichen fanden,
es für richtig hielten, nichts zu vernachlässigen noch zu
verunehren,
glaube ich um so mehr,
daß in den wahrnehmungsfähigen, Seele, Leidenschaft und
Charakter enthaltenden Naturen
die Eigentümlichkeiten [gemäß ihrem Charakter] geliebt
werden müssen,
und nicht nur deshalb hochschätzt werden,
sondern auch, weil in diesen das Göttliche wie in leibhaftigen
Spiegeln zur Natur geworden ist.
<alêthes de kai tout estin >
hôs organon tên psuchên
dei tou panta kosmountos theou nomizein
kai holôs axioun ge
mêden apsuchon empsuchou
mêd anaisthêton aistanomenou
kreitton einai
mêd an ton sumpanta tis chruson homou
kai smaragdon
eis tauto sumphorêsêi
Wahr ist aber dieses,
wie ein Werkzeug die Seele des Gottes, die die ganze Welt schmückt,
zu achten,
und gänzlich hoch zu schätzen,
daß nichts Seelenloses größer als Beseeltes
und nichts Wahrnehmungsloses größer als Wahrnehmendes gelten
kann,
selbst wenn einer all dieses als dem Gold und dem Smaragd gleichwertig
zusammentrüge.
ouk en chroais gar oud en schêmasin
oud en leiotêsin enginetai to theion
all atimoteran echei nekrôn moiran
hosa mê metesche mêde metechein
tou zên pephuken
Denn nicht in Farben oder Formen noch in Oberflächen verwirklicht
sich das Göttliche,
und es hat nicht das ehrlose Schicksal der Sterblichen,
sofern es nie teilhatte noch jemals entstanden ist, teilzuhaben an
deren Leben.
hê de zôsa kai blepousa
kai kinêseôs archên ex
autês echousa
kai gnôsin oikeiôn kai allotriôn
phusis kallous t
espaken aporroên
kai moiran ek tou phronountos
hotôi kubernatai to [te]
sumpan
kat Hêrakleiton
Aber die lebendige und sehende
und den Ursprung ihrer Bewegung aus sich selbst schöpfende Natur,
hat die auch Erkenntnis der eigenen und fremden Dinge, Schönheiten
auch,
als ein Ausfließen aus sich herausgezogen,
und erbt ihren Anteil aus dem Denken,
mit dem das gesamte All gesteuert wird,
wie Heraklit sagt,
hothen ou cheiron en toutois eikazetai
to theion
ê chalkois kai lithinois dêmiourgêmasin
ha phthoras men homoiôs dechetai
kai epichrôseis
aisthêseôs de pasês phusei
kai suneseôs esterêtai
Daher wird in diesen das Göttlich nicht als schlechter bewertet
als die Werkstücke aus Bronze oder Stein,
die Zerstörung und Übermalung in gleicher auf sich nehmen
muß
aber aller Wahrnehmung von Natur aus und allen Bewußtseins beraubt
ist.
peri men oun tôn timômenôn
zôiôn tauta
dokimazô malista tôn legomenôn
Für die geachteten Lebewesen, über die ich hier gesprochen
habe,
habe ich die größte Wertschätzung.
77.
stolai d hai men Isidos poikilai tais baphais
(peri gar hulên hê dunamis
autês panta ginomenên kai dechomenên
phôs skotos hêmeran nukta pur
hudôr zôên thanaton archên teleutên)
Die Gewänder der Isis sind bunt durch Färbung,
(um des Stoffes willen ist ihre Kraft alles geworden und hat alles
in sich aufgenommen:
Licht und Dunkel, Tag und Nacht, Feuer und Wasser, Leben und Tod, Anfang
und Ende)
hê d Osiridos ouk echei skian oude
poikilmon
all hen haploun to phôtoeides
akraton gar hê archê kai amiges
to prôton kai noêton
Aber das Gewand des Osiris hat weder Schatten noch Buntheit,
sondern das Eine und Einfache, das Lichtartige,
das Ungemischte nämlich, der Ursprung, und das Reine, das Erste
und Bewußte
hothen hapax tautên analabontes
apotithentai kai phulattousin
ahoraton kai apsauston
Daher legen die Ägypter diese Kleidung nur einmal an,
legen sie dann wieder ab und bewahren sie auf,
weil das Geistige unsichtbar und unberührbar ist;
tais d Isiakais chrôntai pollakis
die Isiskleider aber tragen sie oftmals;
en chrêsei gar ta aisthêta
kai procheira onta
pollas anaptuxeis kai theas autôn
allot allôs ameibomenôn didôsin
hê de tou noêtou kai eilikrinous
kai haplou noêsis
hôsper astrapê dialampsasa
tês psuchês
hapax pote thigein kai prosidein paresche
denn die sinnlichen Dinge, die stets im Gebrauche sind und bereit vor
uns liegen,
entfalten sich auf mannigfaltige Art
und nehmen bei ihrem steten Wechsel bald diese bald jene Gestalt an.
Die Erkenntnis des geistigen, lauteren und heiligen Wesens aber läßt,
gleich einem durch die Seele hindurchfahrenden Blitzstrahl,
nur eine einzige Berührung und einen einzigen Anblick zu.
diho kai Platôn kai Aristotelês
epoptikon touto to meros tês philosophias kalousin
kath hoson hoi ta doxasta kai mikta kai
pantodapa tauta parameipsamenoi tôi
logôi
pros to prôton ekeino kai haploun
kai aulon exallontai
kai thigontes alêthôs tês
peri auto katharas alêtheias
hoion en teletêi telos
echein philosophias nomizousin
Deshalb nennen auch Platon und Aristoteles diesen Teil der Philosophie
den beschaulichen,
der gemäß sie durch Begreifen das Eingebildete, Vermischte
und Mannigfache hinter sich lassen,
zu jenem Ersten, Einfachen und Immateriellen eilen,
und, indem sie zu dessen reiner Wahrheit gelangen,
glauben sie das Ziel der Philosophie erreicht zu habe
78.
kai touth hoper hoi nun hiereis aphosioumenoi
kai parakaluptomenoi met eulabeias hupodêlousin
hôs ho theos houtos archei kai basileuei
tôn tethnêkotôn
ouch heteros ôn tou kaloumenou par
Hellêsin Aidou kai Ploutônos
agnooumenon hopôs alêthes esti
diatarattei tous pollous huponoountas en
gêi
kai hupo gên ton hieron kai hosion
hôs alêthôs Osirin oikein
hopou ta sômata kruptetai tôn
telos echein dokountôn
Auch die Ansicht, welche die jetzigen Priester verwerfen
oder zu verbergen suchen oder nur mit Vorsicht andeuten,
daß nämlich der Gott, der über die Gestorbenen gebietet
und regiert,
kein anderer sei, als der griechische Hades oder Pluton,
beunruhigt, weil man das wahre Verhältnis der Sache nicht kennt,
gar viele, weil sie sich vorstellen,
der heilige und verehrungswürdige Osiris wohne wirklich auf der
Erde und unter der Erde,
wo die Körper derer, die ihr Leben schon vollendet haben, verborgen
sind.
ho d esti men autos apôtatô
tês gês achrantos
kai amiantos kai katharos
ousias apasês phthoran dechomenês
kai thanaton
Allein dieser Gott ist selbst ganz fern von der Erde,
frei von aller Befleckung und Verunreinigung,
rein von allem, was dem Untergang und dem Tode unterworfen ist.
anthrôpon de psuchais entauthoi men
hupo sômatôn kai pathôn periechomenais
ouk esti metousia tou theou
plên hoson oneiratos amaurou thigein
noêsei dia philosophias
Es kommen aber diejenigen Seelen, welche hier mit Körper und Leidenschaften
umgeben sind,
in keine Gemeinschaft mit diesem Gotte
außer wenn sie mittels der Philosophie, wie im Traume, eine dunkle
Vorstellung davon berühren können.
hotan d apolutheisai metastôsin eis
to aeides kai ahoraton kai apathes kai agnon
houtos autais hêgemôn esti
kai basileus ho theos exêrtêmenais
Wenn sie dann aber, befreit, in den reinen, unsichtbaren, von Leidenschaften
freien Ort versetzt sind,
so ist dieser Gott ihr Führer und König, an den sie sich
anschließen,
hôs an ap autou kai theômenais
aplêstôs
kai pothousais to mê phaton mêde
rêton anthrôpois kallos
um sehnsuchtsvoll ohne Unterlaß
die unaussprechliche und für Menschen unnnennbare Schönheit
zu schauen,
hou tên Isin ho palaios apophainei
logos erôsan aei kai diôkousan kai sunousan
anapimplanai ta entautha pantôn kalôn
kai agathôn hosa geneseôs meteschêke
und dies ist es auch, wonach in der alten Sage die Isis strebt, dem
sie nachgeht und mit dem sie zusammensein will,
um dann diese Welt mit allem Schönen und Guten, was an der Entstehung
Anteil hat, zu erfüllen.
tauta men oun houtôs echei ton malista
theois preponta logon
Dies wäre eine der Natur der Gottheit vollkommen angemessene Erklärung
der Sache.
79.
ei de dei kai peri tôn thumiômenôn
hêmeras hekastês eipein
hôsper hupeschomên
ekeino dianoêtheiê tis <an>
proteron
hôs aei men hoi andres en spoudêi
megistêi tithentai ta pros hugieian epitêdeumata
malista de tais hierourgiais kai tais agneiais
kai diaitais
ouch hêtton esti [touti] tou hosiou
to hugieinon
Wenn ich aber etwas über das, was jeden Tag geräuchert wird,
bemerken soll,
wie ich versprochen habe,
so muß man vor allem bedenken,
daß sie immer mit dem größten Eifer alles, was die
Gesundheit angeht, behandeln
und besonders bei den heiligen Gebräuchen, bei den Reinigungen
und in ihrer Lebensweise
ebensosehr auf die Gesundheit als auf die Religion sehen.
ou gar ôionto kalôs
echein oute sômasin oute psuchais hupoulois kai
nosôdesi
therapeuein to katharon kai ablabes pantêi
kai amianton
Denn sie hielten es für unanständig, mit schadhaftem Körper
oder mit einer kranken Seele
dem reinen, durchaus vollkommenen und unbefleckten Wesen zu dienen.
epei toinun ho aêr
hôi pleista chrômetha
kai sunesmen
ouk aei tên autên echei diathesin
kai chrasin
alla nuktôr puknoutai kai piezei
to sôma
kai sunagei tên psuchên eis
to dusthumon
kai pephrontikos hoion achluôdê
ginomenên kai bareian
anastantes euthus epithumiôsi rêtinên
therapeuontes
kai katthirontes ton aera têi
diakrisei
kai to sumphuton tôi somati
pneuma memarasmenon anangipizontes
echousês ti tês osmês
sphodron kai kataplêktikon
Da nun die Luft,
die wir zunächst brauchen und in der wir leben,
nicht immer dieselbe Beschaffenheit und Mischung hat,
sondern bei Nacht sich verdichtet, den Körper drückt
und die Seele in eine mißmutige, sorgenvolle Stimmung versetzt,
wie wenn sie mit Dunkel umgeben und von Schwere gedrückt wäre,
so räuchern sie, gleich nachdem sie aufgestanden sind, mit Harz,
suchen die Luft durch Ausscheidung zu reinigen
und den mit dem Körper verbundenen Geist durch den Geruch,
der etwas Scharfes und Durchdringendes hat, von der Erschlaffung zu
erwecken.
authis de mesêmbrias aisthanomenoi
sphodra
pollên kai bareian anathumiasin apo
gês helkonta biai ton hêlion
kai katamignuonta tôi
aeri tên smurnan epithumiôsi
Am Mittag, wenn sie sehen, daß die Sonne mit Gewalt
viele schwere Dünste von der Erde an sich zieht,
mit der Luft vermischt, räuchern sie Myrrhen;
dia luei gar hê thermotês kai
skidnêsi to sunhistamenon en tôi periechonti tholeron
kai iluôdes
kai gar hoi iatroi pros ta loimika pathê
boêthein dokousi
phloga pollên poiountes hôs
leptunousan ton aera
denn die Wärme löset das Trübe und Schlammige, das in
der Luft sich zusammenzieht, auf und zerteilt es,
daher es auch in Pestkrankheiten nach Versicherung der Ärzte ein
gutes Mittel sein soll,
ein starkes Feuer anzumachen, weil es die Luft verdünnt:
leptunei de beltion
ean euôdê xula kaiôsin
hoia kuparittou kai arkeuthou kai peukês
Dies geschieht aber am besten,
wenn man wohlriechendes Holz,
z.B. Zypressenholz, Wacholder und Kiefer verbrennt.
Akrôna goun ton iatron en Athênais
hupo ton megan loimon eudokimêsai legousi
pur keleuonta parakaiein tois nosousin
ônêse gar ouk oligous
In Athen gelangte, wie man erzählt, zur Zeit der großen
Pest der Arzt Akron zu großem Ansehen,
indem er durch seine Anordnung, Feuer anzuzünden,
viele rettete.
Aristotelês de phêsi kai murôn
kai antheôn kai leimônôn euôdeis apopnoias
ouk elatton echein tou pros êdonên
to pros hugeian
psuchron onta phusei kai pagetôdê
ton enkephalon êrema têi thermotêti kai leiotêti
diacheousas
Auch Aristoteles bemerkt, daß die wohlriechenden Ausdünstungen
von Salben, Blüten und Wiesen
nicht weniger die Gesundheit als das Vergnügen befördern,
weil sie das von Natur kalte und zur Verdichtung geneigte Gehirn nach
und nach durch Wärme erweichen.
ei de kai tên smurnan par Aiguptiois
sal kalousin
exhermêneuthen de touto malista phrazei
tês lêrêseôs ekskorpismon
estin hên kai touto marturian tôi
logôi tês aitias didôsin
Auch, daß die Ägypter die Myrrhe Sal nennen,
welches Wort in der Übersetzung bedeutet: Vertreibung der Narrheit.
das läßt sich als ein Beweis für den angeführten
Grund angeben
80.
to de kuphi migma men hekkaideka merôn
suntithemenôn esti
melitos kai oinou kai staphidos kai kuperou
rêtinês te
kai smurnês kai aspalathou kai seseleôs
eti de schinou te kai asphaltou kai thruou
kai lapathou
pros de toutois arkeuthidôn amphoin
hôn tên men meizona tên
d elattona kalousi
kai kardamômou kai kalamou
Das Kyphi ist eine Mischung, die sich aus 16 Teilen zusammensetzt:
Honig, Wein, Rosinen, Kyperosgewürz, Harz auch,
Myrrhen, Aspalathus-Dorn, Steinklee,
und auch Mastix, Asphalt, Feigenblätter, Ampfer,
datzu noch beide Arten Wacholder,
der sogenannten größere wie der kleinere,
Karadamom und Kalmus.
suntithentai d ouch hopôs etuchen
alla grammatôn hierôn tois
murepsois hotan tauta mignuôsin anagignôskomenôn
Die Zusammensetzung geschieht nicht nach dem Zufall,
und während die Köche diese Mischung vornehmen, liest man
heilige Schriften vor.
ton d arithmon
ei kai panu dokei tetragônos apo
tetragônou
kai monos echôn tôn isôn
isakis arithmôn
tôi chôriôi
tên perimetron isên agapasthai prosêkontôs
elachista rêteon eis ge touto sunergein
Wenn nun diese Zahl mit Recht darum gewählt ist,
weil sie ein Viereck von einem Viereck ist
und allein die gleiche Zahl gleich vier Mal enthält,
und einen dem Raume gleichen Umfang,
so muß man doch eingestehen, daß darauf am wenigsten ankommt;
alla <ta> pleista tôn sullambanomenôn
arômatikas echonta dunameis
gluku pneuma kai chrêstên methiêsin
anathumiasin
huph hês ho t aêr trepomenos
kai to sôma dia tês pnoês
kinoumenon leiôs kai prosênôs
hupnou te krasin epagôgon eschei
kai ta lupêra kai suntona tôn
methêmerinôn phrontidôn
aneu methês
hoion hammata chalai kai dialuei
kai to phantastikon kai dektikon oneirôn
morion
hôsper katoptron apoleainei
kai poiei katharôteron
sondern die meisten der hier verbundenen Anteile enthalten aromatische
Kräfte
und geben einen süßen Duft und eine wohltätige Ausdünstung
von sich,
von welcher die Luft bewegt
und der Körper durch den Hauch auf eine gelinde und sanfte Weise
erregt wird,
so daß er in einen Schlaf versinkt
und die Beschwerden täglicher Lasten und Sorgen
aber ohne Trunkenheit,
gleich Knoten löset und hebt,
und die Einbildungskraft und das Vermögen zu träumen
gleich einem Spiegel abglättet und reiner macht,
ouden hêtton ê ta kroumata
tês luras
hois echrônto pro tôn hupnôn
hoi Puthagoreioi
to empathes kai alogon tês psuchês
exepaidontes houtô kai therapeuontes
nicht weniger als die Saiten der Lyra,
welche die Pythagoreier vor dem Schlafengehen anschlugen,
um die heftigen und unvernünftigen Triebe der Seele
solcherart zu mäßigen und zu heilen.
ta gar osphranta pollakis men tên
aisthêsin apoleipusan anakaleitai
pollakis de palin amblunei kai katêremizei
diacheomenôn en tôi
sômati tôn analômatôn hupo
leiotêtos
Denn wohlriechende Gegenstände regen oft die geschwächten
Sinne wieder auf,
stumpfen sie dann oftmals auch wieder ab und schläfern sie ein,
weil die Ausdünstungen sich wegen ihrer Feinheit durch den ganzen
Körper verbreiten;
hôsper enioi tôn iatrôn
ton hupnon enginesthai legousin
hotan hê tês trophês
anathumiasis hoion herpousa leiôs
peri ta splanchna kai psêlaphôsa
poiêi tina gargalismon
wie auch einige Ärzte den Schlaf daher leiten wollen,
daß die Ausdünstung der Nahrung sanft gleichsam um die Eingeweide
herumschleiche
und durch die Berührung einen Kitzel hervorbringe.
tôi de kuphi chrôntai
kai pomati kai chrimati
pinomenon gar dokei ta entos kathairein
...
chrima malaktikon
Das Kyphi gebrauchen aber die Ägypter sowohl zum Trinken als zur
Mixtur;
denn als Trank scheint es die inneren Teile zu reinigen
wegen seiner den Unterleib erweichenden Kraft.
aneu de toutôn rhêtinê
men estin ergon hêliou
kai smurna pros tên heilên
tôn phutôn ekdakruontôn
Außerdem ist das Harz ein Werk der Sonne,
die Myrrhe aber ist der Saft der bei dem Mond ausschwitzenden Pflanzen.
tôn de to kuphi suntithentôn
estin ha nukti chairei mallon
hôsper hosa pneumasi psuchrois kai
skiais kai drosois kai hugratêsi trephesthai pephuken
Von den übrigen Bestandteilen, aus welchen das Kyphi zusammengesetzt
ist,
gibt es welche, die eher die Nacht lieben,
wie alle die, welche durch kühle Winde, Schatten, Tau und Feuchtigkeit
wachsen.
epei to tês hêmeras phôs
hen men esti kai haploun
kai ton hêlion ho Pindaros horasthai
phêsin erêmês di aitheros
Denn das Tageslicht ist das Eine und Einfache;
es läßt, wie Pindar sagt, die Sonne sich durch den reinen
Äther hindurchsehen,
ho de nukterinos aêr krama kai summigma
pollôn gegone phôtôn kai dunameôn
hoion spermatôn eis en apo pantos
astrou katarreontôn
die nächtliche Luft hingegen ist eine Mischung und Verbindung
von vielen Pflanzen und Kräften,
die gleich dem Samen aus jedem Gestirn in eins herabfließen.
eikotôs oun ekeina men
hôs hapla kai aph hêliou tên
genesin echonta
di hêmeras
tauta d hôs mikta kai pantodapa tais
poiotêsin
archomenês nuktos epithumiôsi
Daher räuchern sie billigerweise jene Teile,
weil sie einfach sind und der Sonne ihre Entstehung verdanken,
bei Tage,
diese aber, weil sie gemischt sind und mannigfach in ihren Eigenschaften,
beim Beginn der Nacht.